Note 298 — Zweites Buch. (continued 2)
Eugen Rolfes translation
In der 1. Figur folgt der aus dem Zeichen abgeleitete Satz notwendig. Z. B. folgt aus den Prämissen: jede Frau, die Milch hat, hat empfangen; diese Frau hat Milch, notwendig: diese Frau hat empfangen. Gleichwohl ist dieser Schluß keine Apodeixis, kein wissenschaftlicher Beweis. Er geht nicht von dem aus, was von Natur früher ist. Die Frau hat nicht empfangen, weil sie Milch hat, sondern sie hat Milch, weil sie empfangen hat. Ebenso ist es mit dem vorhin, Anm. 296, angeführten Zeichen aus Met. 1, 1. Wir haben den Wissenstrieb nicht, weil uns die Wahrnehmung Freude macht, sondern die Wahrnehmung macht uns Freude, weil wir den Trieb zum Wissen haben, das in gewissem Sinne aus der Wahrnehmung geschöpft wird. Was weiterhin die 3. Figur angeht, so folgt zwar auch in ihr etwas notwendig, aber das, was man will, folgt nicht notwendig. Z. B. wenn Pittakus tugendhaft ist und Pittakus weise ist, folgt nicht, daß die Weisen oder Philosophen tugendhaft sind, sondern nur, daß ein Weiser, eben Pittakus, tugendhaft ist. In der 2. Figur folgt nichts notwendig, sondern der Schlußsatz ist immer nur wahrscheinlich.