Note 296 — Zweites Buch. (continued 2)
Eugen Rolfes translation
Das Enthymema, im Eingang der 2. Analytik als rhetorischer Schluß bezeichnet, ist die letzte Begründungsmethode, die hier in Betracht kommt. Ihr Besonderes ist, daß sie oft nur ein wahrscheinliches Ergebnis liefert. Da in der Definition des Enthymema das Wahrscheinliche, εἰκός, und das Zeichen, σημεῖον steht, so werden diese beiden vorher begrifflich bestimmt. Sie unterscheiden sich dadurch, daß das Erste ein Urteil für sich ist, während das Zweite als Voraussetzung für andere Sätze dient. Ein bemerkenswertes Beispiel für die Verwendung des σημεῖον auch in der wissenschaftlichen Darstellung findet sich gleich in den ersten Sätzen der Metaphysik. Zur Begründung des gleichsam thematisch vorangestellten Axioms: „alle Menschen verlangen von Natur zu wissen“, heißt es: „ein Zeichen dessen ist die Wertschätzung der Sinneswahrnehmungen, an denen wir uns um ihrer selbst willen freuen, weil sie uns die Dinge in ihrer Eigentümlichkeit erkennen lassen.“ Der Trieb verrät sich in der Neigung und die Neigung in der Freude. Nun ist die sinnliche Erkenntnis zwar kein Wissen, aber dieses wird aus ihr geschöpft, und so ist die Freude an ihr ein σημεῖον, ein Zeichen, für den allen Menschen eingepflanzten Wissenstrieb.