Note 94 — Erstes Buch.
Eugen Rolfes translation
Zwei weitere Regeln! Welcher Schlußsatz folgt in bejahenden und welcher in verneinenden Schlüssen? Sind beide Prämissen bejahend, so folgt ein Schlußsatz, der das mögliche Sein aussagt. Sind die Prämissen gemischt, so folgt, wenn die bejahende Prämisse notwendig ist, ein Schlußsatz, der das mögliche Nichtsein aussagt; wenn aber die verneinende Prämisse notwendig ist, so folgt sowohl ein Schlußsatz, der das mögliche, wie ein solcher, der das tatsächliche Nichtsein aussagt. Wir setzen folgende Beispiele her. 1. wenn beide Prämissen bejahend sind. a) Jedes Sinnenwesen kann sich bewegen: jeder Mensch muß ein Sinnenwesen sein; also kann sich jeder Mensch bewegen. b) Jedes Sinnenwesen kann sich bewegen; manches Lebende bewegen. 2. bei gemischten Prämissen, wenn die bejahende Prämisse notwendig ist. Möglicherweise schläft kein Sinnenwesen; jeder Mensch muß ein Sinnenwesen sein; möglicherweise schläft kein Mensch. 3. wenn die verneinende Prämisse notwendig ist. Beispiel für einen Schluß auf das Können: kein Sinnenwesen kann eine Pflanze sein; ein Weißes kann ein Sinnenwesen sein; also ist möglicherweise ein Weißes keine Pflanze. Dieses Beispiel ist auch brauchbar für einen Schluß auf das einfache Sein oder vielmehr Nichtsein. Denn der Untersatz kann nach griechischem Sprachgebrauch, in Anbetracht der möglichen Bedeutung von ἐνδέχεται: es kommt vor oder es kommt meistens vor, vgl. Kap. 2, Abs. 2 und Anm. 3, auch den Sinn haben: manches Weiße ist ein Sinnenwesen. Dann folgt nach K. 9: manches Weiße ist keine Pflanze.