Note 175 — Erstes Buch. (continued 2)
Eugen Rolfes translation
Dieses Kapitel bildet eine Art Ruhepunkt und schließt das Bisherige ab, da das folgende, 31. Kapitel nur eine nachträgliche Ergänzung bringt. Die Regeln für die Errichtung der Schlüsse und die Auffindung des Mittelbegriffs sind erledigt, und so folgt denn eine Erwägung über die Bedeutung und Tragweite dieser Regeln: sie finden ihre Anwendung im ganzen Umfang des menschlichen Wissens und Forschens; denn hier gilt es überall, durch den Schluß aus vorhandenen Daten neue Erkenntnisse zu gewinnen und demgemäß den Schluß selbst so zu fassen, daß er dieser Bestimmung entspricht: die aufgewandte Mühe, um die Gesetze der Syllogistik zu finden, ist also nicht vergeblich gewesen! — Was in diesem Kapitel von den Prinzipien steht, ist bemerkenswert, weil es klar zeigt, was auch unter den Prinzipien 2. Anal. 2, 19 zu verstehen ist: es sind die eigentümlichen Prinzipien der Einzelwissenschaften, wobei Prinzip im weiteren Sinne zu nehmen ist, gemäß dem es nicht bloß die ersten Grundsätze, sondern auch selbst den Begriff der betreffenden Disziplin umfaßt. Mich hat lange und oft der Zweifel beschäftigt, ob unter den dort genannten Prinzipien, ἀρχαί, nicht etwa die höchsten Denkgesetze zu verstehen seien und somit nach dem Ursprunge der allgemeinen Begriffe gefragt werde, mit denen die Denkgesetze zugleich gegeben sind. Aber das vorliegende 30. Kapitel zeigt zusammen mit dem Schluß der 2. Analytik und mit dem Anfang der Metaphysik als dritter Parallelstelle, daß an die besonderen Prinzipien der Einzelwissenschaften zu denken ist. — Auf sie könnte man versucht sein auch die Bemerkung am Schluß dieses 30. Kapitels zu beziehen, daß das Nähere über die Auswahl der Prämissen in der Topik zu finden ist, wenn auch hier sicher mit Prämissen nicht bloß die allerersten Sätze einer Wissenschaft gemeint sind. Maier glaubt in seiner Syllogistik II a 305, A. 1, diese Bemerkung treffe in Wahrheit nur auf die Prämissen der dialektischen Schlüsse zu. Aber Aristoteles erklärt ausdrücklich die Topik für zuständig, die Prinzipien aller Einzelwissenschaften zu bestimmen. Man sehe Topik I, 1 f., besonders den letzten Absatz von Kap. 2 und in unserer Übersetzung die Anm. 6 zum 1. B. Es sind z. B. Metaphysik I, 2 wahrscheinliche Sätze, mittelst deren die Definition der Metaphysik gewonnen wird. Am nächsten kommt man aber zweifellos dem Sinn des A., wenn man ihm sagen läßt, das bisher Vorgetragene sei das Erste, was zu beobachten sei, um die notwendigen Begriffe für ein Beweisobjekt oder überhaupt einen Schluß zu finden; das noch weiter Erforderliche, besonders wie man es angehen muß, um reichlichen Stoff für die Begriffe zu sammeln, lehre die Topik. Man vergleiche hierzu die Aporien, mehr oder minder wahrscheinliche Gründe, die im dritten Buche der Metaphysik aufgestellt und erörtert werden, um dann in den späteren Büchern die streng wissenschaftliche Untersuchung der Probleme folgen zu lassen; vgl. auch in unserer Topik d. Ar. Einleitung VI.