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Kleine deutsche Sprachlehre

Rechtschreibung — Orthographie.

Reading edition

§. 59. 1. Ein Wort hat eine oder mehrere Silben. Eine Silbe besteht aus Lauten. Die Laute sind entweder Selbstlaute oder Mitlaute (Vocale oder Consonanten).

2. Die Selbstlaute können sein:

a. Grundlaute:a, e, i,o,u — y;

b. Umlaute:ä,ö,ü;

c. Doppellaute:au, äu, eu, ei, ai.

Die Mitlaute heißen: b, c, d, f, g, h, k, l, m, n, p, q, r, ſ, s, t, v, w, x, z, j, ch, sch, ß.

3. Steht der Mitlaut vor dem Selbstlaute, so heißt er Vorlaut; steht er nach dem Selbstlaute, so heißt er Nachlaut. Ein Wort hat soviel Silben, als es Selbstlaute hat. Die Zeichen für die Laute heißen Buchstaben. Die Gesammtheit der einfachen Buchstaben nennt man das A-be-ce oder Alphabet.

§. 60. 1 Löse jeden Satz in seine Wörter, jedes Wort in seine Silben und jede Silbe in ihre Laute auf; setze für jeden Laut den entsprechenden Buchstaben; sieh auf die Ableitung, beachte die Verlängerung, und richte dich nach dem Sprachgebrauch.

2. Hat ein Wort a, o, u oder au, so erhält das abgeleitete ä, ö, ü oder äu.

Bach — Bäche; Sohn — Söhne; Tuch — Tücher; Baum — Bäume.

3. Weißt du nicht, ob du zum Schlusse eines Wortes b oder p, d oder t, g, ch oder k, s, ß oder z setzen sollst, so verlängere das Wort.

Korb — Körbe; plump — plumper; Wald — Wälder; kalt — kälter; Gang — Gänge; Storch — Störche; Bank — Bänke; Gans — Gänse; Fuß — Füße; Kranz — Kränze.

4. Zu Anfang einer Silbe steht das lange „ſ“; zum Schluß einer Silbe steht das „s“. Folgt „t“ auf „s“, so wird in der Regel auch als Nachlaut „ſt“ geschrieben.

Mäu-ſe, Mäus-chen, Aus-ſicht, Kunſt, daſſelbe, deßhalb.

§. 61. Die Dehnung der Selbstlaute a, e, o wird oft durch aa, ee, oo bezeichnet. Geht der Selbstlaut in den Umlaut über, so schwindet die Verdoppelung.

aa: Aal, Aar, Aas, baar, Haar, Maal, Paar, Saal, Saat, Staat, Waare, Härchen, Pärchen, Säle.

ee: Allee, Armee, Beere, Beet, Fee, Heer, Heerde, Idee, Kameel, Kaffee, Klee, leer, Livree, Meer, Moschee, Portepee, Schnee, See, Seele, Speer, Spree, Theer, — des See’s, die Seen, des Schnee’s.

oo: Boot, Loos, Moor, Moos, Böte, Loose, Moore, Moose.

§. 62. 1. Die Dehnung der Selbst- und Umlaute wird oft durch Hinzufügung des „h“ bezeichnet. Siehe auf die Grundform der Zeitwörter und beachte die Ableitung: Mehl, Lehm, Huhn, Ohr, zählen, fühlen, dröhnen; sah — sehen, ruht — ruhen, fröhlich — froh — froher.

2. Bei dem „i“ bezeichnet man die Dehnung, indem man ein „e“, ein „h“ oder ein „eh“ hinzufügt.

ie: die, dies, hier, nie, sie, viel, vier, wie, Harmonie, Kopie, Melodie, Paradies; — deklamiren, speculiren, illuminiren — iren; aber: regieren, spazieren; Quartier, einquartieren.

ih: ihm, ihn, ihr, ihnen, ihres, ihrem, ihren.

ieh: stiehlt, — stehlen; befiehlt, sieh, lieh, zieh, gedieh, Vieh, Viehes.

§. 63. 1 Mit „th“ werden geschrieben: Thal, Thaler, That, Thau, Theil, Theater, Thema, Theodor, Therese, Thermometer, theuer, Thier, Thür, Thon, aber: Ton (eines Instruments), Thor, Thron, Thräne, Apotheke, Aether, Armuth, Arithmetik, Athem, Dorothea, Elisabeth, Gemüth, Katheder, Katholik, Koth, Loth, Lazareth, Mathilde, Methode, Myrthe, Muth, Noth, Pathe, Räthsel, Röthe, Ruthe, Sabbath, Urtheil; — Draht, — drehen; Naht, nähen.

Merke: Abenteuer, Bart, Etat, Gebet, Geburt, Monat, Partei, Partie, Rhein, Rhede, Rhin, Rhone; — Whist, Katarrh, Rheumatismus, Rhinoceros. — Parasol, Diarium, egal, Fibel, Bibel, Lineal, Habit, Fabrik, Terrine, Garderobe.

2. Zu den Doppellauten tritt nur ein „h“ hinzu, wenn die Ableitung ein solches erfordert: Weihnachten, rauh.

§. 64. 1. Die Schärfung der Selbst- und Umlaute wird oft durch Verdoppelung der darauf folgenden Mitlaute bezeichnet.

Mann, kennen, retten, hoffen, treffen, ertappen, wollen, können, Roggen, Egge, Widder, Robbe, Ball, Puppe, kämmen, karren, Narr, denn, wenn, dann, Sammet, Zimmet, majorenn, Rabatt, Duett, minorenn, Protocoll, Duell.

2. Für zwei „k“ schreibe „ck“. Also Rock, nicht Rokk, Stock, locken, necken, stricken, erblicken, backen, Druck, Stück.

Für zwei „z“ schreibe „tz“. Also Netz nicht Nezz.

Besatz, Schatz, Metze, Netz, sitzen, Klotz, Mütze, verletzen, Schutz.

Für zwei „ß“ schreibe „ss“, wenn du „ß“ als Vor- u. Nachlaut hörst; hörst du es aber nur als Nachlaut, so schreibe „ß“. Also lassen — laß und nicht laßßen — laßß.

lassen, wissen, Nuß — Nüsse, Riß — Risse, Fluß — Flüsse, ißt — essen, müßte — müssen, Kuß — küssen.

3. Nach gedehnten Selbst- und Umlauten, so wie nach Doppellauten und Mitlauten folgt keine Verdoppelung:

Ekel, Haken, buk, Laken, kam, Geiz, Kreuz, Wein, Franz, Herz, Salz, Bank, Kalk, Werk, Helm, Amt, Fuß, büßen etc.

4. Zwei auf einander folgende Mitlaute können niemals beide verdoppelt werden; der erste von ihnen aber wird verdoppelt, wenn es die Ableitung verlangt:

wollte — wollen, kannte — kennen, Gewinnst — gewinnen, kommst — kommen.

5. Die Buchstaben „ch“, „sch“ und „ß“ werden nie verdoppelt:

Brüche, Flasche, Flüße, u. nicht Flüßße, Flaschsche, Brüchche.

6. In Wörtern aus fremden Sprachen steht nie „ck“:

Rector, Doctor etc.

§. 65. 1. Es werden geschrieben mit „dt“:

beredt, beredet; gesandt, Gesandter; verwandt, Verwandter; Stadt, todt = Eigenschaftsw.; der Tod = Hauptw., Ernte, Schwert.

2. Mit „ai“:

Hain, Kaiser, Laie, laichen, Mai, Maid, Maier, Main, Mainz, Mais, Rain, Saite = Instrument, die Waise.

3. Mit „chs“ für „cks“:

Achse, Achsel, Büchse, Dachs, Deichsel, Drechsler, Eidechse, Flachs, Fuchs, Gewächs, Lachs, Luchs, Sachsen, sechs, Sechser, Sechste, Wachs, Weichsel, Wichse, Wuchs, wachsen — flugs Häcksel etc.

4. Mit „x“ für „cks“:

Alexander, Axt, Buxbaum, Crucifix, Examen, Exempel, Exemplar, Felix, Fixstern, Hexe, Max, Mexiko, Mixtur, Nix, Oxhoft, Taxe, Texas, Texel, Text, Xanthippe, Xerxes, perplex, Luxus, Exceß, extrafein, Exekution, Extrem, Experiment.

§. 66. 1. Mit „Qu, qu“ für „Kw, kw“:

Quacksalber, Quaderstein, Quadrant, Quadrat, quaken, Quäker, Qual, Qualität, Quantität, Quantum, Quart, Quartal, Quartett, Quarz, Quaste, Quecke, Quecksilber, Quelle, Quentchen, quer, Querkopf, quetschen, quiken, Quinte, Quirl, quitt, Quitte, Quittung, Quotient, Aequator, bequem, erquicken, Quodlibet.

2. Mit „Pf und pf“:

Pfad, Pfahl, Pfand, Pfanne, Pfarre, Pfarrer, Pfau, Pfeffer, Pfeife, Pfeil, Pfeifer, Pfennig, Pferd, pfiffig, Pfingsten, Pfirsich, Pflanze, Pflaster, Pflaumen, Pflege, Pflicht, Pflock, pflücken, Pflug, Pforte, Pfoste, Pfote, Pfriem, Pfropfen, Pfründe, Pfuhl, pfui, Pfund, pfuschen, Pfütze.

3. Mit „Ph, ph“:

Phantasie, Pharao, Pharisäer, Philosoph, Philipp, Philister, Phosphor, Physik, Physikus, Amphibien, Atmosphäre, Christoph, Kaiphas, Kalligraphie, Kolophonium, Elephant, Epheu, Joseph, Geographie, Orthographie, Peripherie, Physiognomie, Philologie, Phrase, Prophet, Sopha, Sophie, Stenographie, Stephan, Strophe.

4. Mit „V, v“ theils für „f“ theils für „w“:

ver, vertragen, Vertrag; vor, vortragen, Vortrag; voll, vollenden, Vollendung; von, davon, wovon; viel, vielleicht, vielästig; vier, vierfüßig, vierzig, Viertel; Vater, Vetter, Veilchen, Veit, Veitstanz, Velten, Vesper, vexiren, Vieh, Vogel, Vogt, Vogtei, Volk, activ, brav, Eva, David, Frevel, Gevatter, Gustav, Larve, massiv, Nerv, Motiv, naiv, octav, passiv, Nominativ, Genitiv, Dativ, Accusativ, Indicativ, Conjunctiv. — Vagabond, Vase, Vegetabilien, Ventil, Vicewirth, Victualien, vidimiren, violett, Violine, Virtuos, visiren, Visite, Vitriol, Vocal, Vocativ, Votum, Vulkan, Division, Evangelium, Lava, Locomotive, Malve, November, Pulver, Proviant, Provinz, Serviette, Universität, Revisor, Individuum, Invalide, Inventarium.

§. 67. 1. Steht „C, c“ vor a, o, u, au, l, r, oder als Nachlaut, so lautet es wie „k“ und kann auch „k“ geschrieben werden:

Canal — Kanal, Cantor, Cocarde, Collecte, Cur, Cultur, Classe, Client, Creatur, Credit, accurat, October, Sclave, Scorpion, Microscop, Product.

2. Steht „C, c“ vor e, i, y, ei, ä, so lautet es wie „z“ und kann auch „z“ geschrieben werden:

Cäcilie, Censor, Centner, Cichorien, Circular, certiren, citiren, Facit, Cylinder, Ceilon, Cäsar, Accent, Accise, December, Service.

3. Mit „Ch, ch“ für „K, k“ werden geschrieben:

Charakter, Charte, Charfreitag, Cholera, Chor, Choral, Christ, christlich, Chronik.

4. Mit „Ch, ch“ für „Sch, sch“:

Champagner, Charlatan, charmant, Charlotte, Charpie, Manchette, Chef, Chikane, Chocolade, tranchiren, revanchiren. Viele dieser Wörter schreibt man mit „sch“.

5. Mit „y“ werden geschrieben:

Anonym, Cypresse, Gymnasium, Hyäne, Syrup, System, Pyramide, Symbol.

6. Steht „t“ vor ia, ie, io, iu, iö, so wird es wie „z“ gelesen:

Patient, gratial, Addition, Ambition, Auction, Condition, Caution, Confirmation, Constitution, Deputation, Expedition, Lection, Motion, Nation, Ration, Revolution, Portion, Pontius, Subtraction, Exercitium.

§. 68. 1. Freund, Freundin, Freundinnen; heran; herein, hinan, hinein; wir sind, ihr seid = Zeitw.; seit = Verhältnißw.; wieder, wiederum = Umstandsw.; wider, gegen = Verhältnißw.; ich war — es ist wahr; der Mann ist ausgegangen — man (irgend Jemand) ist ausgegangen; er sticht mich mit der Nadel — das Tuch steckt in der Tasche; morgen — Morgen.

2. „ich“ und „lich“. Schreibe „ig“, wenn das „l“ zum Stamme gehört. Schreibe „lich“, wenn das „l“ nicht zum Stamme gehört: heil-ig, sel-ig; wirk-lich, glück-lich, freund-lich, schwäch-lich.

3. Einmal, jemals; ein Mal, zwei Mal. Ein paar (mehrere) Groschen — ein Paar (zwei) Strümpfe.

4. „das, daß“. Kann man „das“ mit „dieses“ oder „welches“ verwechseln, so wird es „das“ geschrieben, kann dies nicht geschehen, so wird es „daß“ geschrieben:

Das Kleid, das das Mädchen trägt, ist zerrissen. Niemand zweifelt daran, daß Geld Vieles möglich macht.

5. Zu laufen — zulaufen; anzufangen, anfangen, hinaufzusteigen.

§. 69. Aehnlich klingende Wörter: Aas, aß; Allee, Alle; Armee, Arme; Beile, Beule; bezeigen, bezeugen; berichtigt, berüchtigt; Dauben, Tauben; dingen, düngen; dir, Thier, Thür, dürr; Drang, Trank, trank; erdig, erdicht; erhält, erhellt; erzeigen, erzeugen; fast, faßt; Fäule, Feile, Pfeile; Feilchen, Veilchen; Vetter, fetter; Feuer, Feier; Feld, fällt; Felle Fälle; fiel, viel, fühl; Fliege, Flüge, Pflüge; flicken, pflücken; Fluch, Flug, Pflug; Fund, Pfund; für, vier; ganz, Gans; gar, ja, Jahr; Gericht, Gerücht; hast, haßt; heilen, heulen; heute, Häute; heiser, heißer, Häuser; Kante, kannte; Körner, Kärrner; Kiste, Küste, küßte; Last, laßt, las’t; leiten, läuten, Leuten; Magd, Macht; magst, machst; Mine, Miene; Mus, muß; Muse, Muße; Namen, nahmen; nein, neun; ölig, ölicht; Rad, Rath; Räuber, Reiber; Recht, rächt, regt; Rind, rinnt; reißen, reisen; sachte, sagte; sang, sank; sind, sinnt; singt, sinkt; Stelle, Ställe; Strenge, Stränge; Teich, Teig, Deich; Thon, Ton; Trift, trifft, währen, wären, wehren; Waise, Weise; wegen, wägen; Zähren, zehren; Zeugen, Zeug, zeuch; Ziegel, Zügel; Zaum, Zaun.

Trennung der Wörter.

§. 70. Ein jedes Wort hat so viel Silben, als es Selbstlaute hat. Mußt du beim Schreiben Wörter trennen, so trenne sie nach ihren Sprechsilben. Einsilbige Wörter können nicht getrennt werden. Ein Mitlaut zwischen zwei Selbstlauten gehört zur nachfolgenden Silbe. Stehen zwischen zwei Selbstlauten zwei Mitlaute, so gehört der eine zur ersten, der andere zur zweiten Silbe. Zusammengesetzte und abgeleitete Wörter trennt man oft nach ihrer Zusammensetzung und Ableitung.

ck, tz, st, sch, ch werden nicht getrennt, sondern zur folgenden Silbe gezogen.

§. 71. Einen großen Anfangsbuchstaben giebt man

1. zu Anfange eines Satzes;

2. nach einem Punkt, Frage- und Ausrufungszeichen, wenn diese einen Satz schließen;

3. nach einem Doppelpunkt, wenn die Rede wörtlich angeführt wird;

4. jedem Hauptwort, sowie allen Wörtern, die als Hauptwort gebraucht werden (der Mann, der das Wenn und das Aber erdacht etc. Ein Juchhei ist besser als ein Oweh!);

5. jedem Eigenschaftswort, das zu einem Titel gehört;

6. in Briefen den Fürwörtern, die sich auf die angeredete Person 1beziehen;

7. zu Anfang einer jeden Strophe in Gedichten.

§. 72. Abkürzungen: gest. = gestorben; geb. = geboren; Dr. = Doctor; St. = Sanct; Sr. = Seiner; Ew. = Euer; z. B. = zum Beispiel; d. h. = das heißt; d. i. = das ist; u. s. w. = und so weiter; p. p. = und so weiter; d. J. = dieses Jahres; d. M. = dieses Monats; v. M. = vorigen Monats; Anm. = Anmerkung; N. S. = Nachschrift; u. a. m. = und andere mehr; i. J. = im Jahre; v. Ch.= vor Christi Geburt.

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