Erster Abschnitt (continued 2)
J. (Julius) Sandmeier translation · Edition 2
Unten am Tor nahm ich die Schuhe ab und ging dann hinauf. Es war überall still. Im ersten Stock hörte ich das langsame Ticktack einer Uhr und ein Kind, das ein wenig weinte; dann hörte ich nichts mehr. Ich fand meine Türe, lüpfte sie ein wenig in den Angeln und öffnete sie ohne Schlüssel, wie ich es gewohnt war, ging ins Zimmer und zog die Türe lautlos wieder zu.
Alles war noch so, wie ich es verlassen hatte, die Vorhänge vor den Fenstern waren zur Seite geschlagen und das Bett stand leer. Auf dem Tisch konnte ich ein Papier erkennen, es war vielleicht mein Billett an die Wirtin; sie war also nicht einmal hier oben gewesen, seit ich meiner Wege gegangen. Ich tastete mit der Hand über den weißen Fleck und fühlte zu meiner Verwunderung, daß es ein Brief war. Ein Brief? Ich nehme ihn mit ans Fenster, studiere, so gut es sich in der Dunkelheit machen läßt, diese schlecht geschriebenen Buchstaben und finde endlich meinen eigenen Namen heraus. Aha! dachte ich, Antwort von der Wirtin, ein Verbot mein Zimmer wieder zu betreten, falls ich wieder hierher zurückflüchten sollte!
Und langsam, ganz langsam gehe ich wieder aus dem Zimmer heraus, trage die Schuhe in der einen Hand, den Brief in der anderen und die Decke unterm Arm. Ich mache mich leicht und beiße bei den knarrenden Stufen die Zähne zusammen, komme glücklich und wohlbehalten über alle diese Treppen hinunter und stehe wieder unten im Tor.
Ich ziehe die Schuhe wieder an, lasse mir gut Zeit mit den Riemen, sitze sogar einen Augenblick still, nachdem ich fertig bin; starre gedankenlos vor mich hin und halte den Brief in der Hand.
Dann erhebe ich mich und gehe.
Ein blassender Gaslaternenschein blinkt dort in der Straße, ich gehe bis unter die Laterne, lehne mein Paket gegen den Kandelaber und öffne den Brief, alles äußerst langsam.
Wie ein Strom von Licht durchfährt es meine Brust, und ich höre, daß ich einen kleinen Ruf ausstoße, einen sinnlosen Ruf der Freude: Der Brief war vom Redakteur. Mein Feuilleton war angenommen, war sogleich in die Setzerei gegangen! „Einige kleine Änderungen .... ein paar Schreibfehler verbessert.... talentvoll gemacht .... wird morgen gedruckt.... zehn Kronen.”
Ich lachte und weinte, setzte in Sprüngen die Straße hinunter, hielt an und schlug mir aufs Knie, fluchte um nichts und wieder nichts hoch und teuer ins Blaue hinein. Und die Zeit verging.
Die ganze Nacht, bis zum hellen Morgen, johlte ich in den Straßen umher, dumm vor Freude und wiederholte unaufhörlich: Talentvoll gemacht, also ein kleines Meisterwerk, ein Geniestreich. Und zehn Kronen!