Note 241 — DRITTES BUCH. (continued 3)
Reading edition
Die „Annalen der Typographie“, welche, nebenbei gesagt, die erste öffentliche Aufforderung zur Wiedererrichtung der Strassburger Bibliothek bereits in ihrer Nr. 65 vom 8. Oktober 1870 enthielten, sagen in Nr. 62 desselben Jahres bei Gelegenheit eines Rückblickes auf die Geschichte der Bibliothek, deren endliches Schicksal damals noch nicht genau bekannt war:
„Eine solche Sammlung von Schätzen sollte rettungslos verloren gegangen sein!? Das glauben wir nun und nimmermehr auf die vagen Äusserungen (des Bibliothekars Zeller in Paris) hin. Die brennende Bibliothek hat ja nicht urplötzlich die Einwohner aus tiefem Schlafe geweckt. Wochenlang war vorauszusehen, was kommen würde. Und da sollte nicht ein verdienstvoller Bibliothekar, der über seine Bücherschätze ängstlich wacht, wie der Vater über seine Kinder, nicht ein um das Eigentum der Stadt besorgter Beamter daran gedacht haben, wenigstens das Unersetzlichste in Sicherheit zu bringen? Die Wechselfälle, denen eine belagerte Stadt ausgesetzt ist, sind doch nicht unbekannt, selbst wenn die Belagerer nicht aus „Attilas Horden“ beständen. Da sollte nicht Zeit gefunden worden sein, ein halbes Dutzend Kisten mit den grössten Seltenheiten beiseite zu schaffen? Das halten wir trotz aller Kopflosigkeit, trotz aller Zuversicht der Franzosen zu den eigenen Waffen und der souveränen Verachtung gegen den „Landsturm« nicht für möglich.“ — Noch heute muss es jedem unbegreiflich erscheinen, wenn nichts gerettet sein sollte. Dann wäre die Barbarei Deutschlands, „das seine Gelehrsamkeit nur im Verwüsten zeigt“, wie der Bibliothekar Zeller sagt, doch durch die passive Barbarei des der Verwüstung ruhig Zusehenden übertroffen.