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Handbuch der Germanischen Mythologie

Note 531 — ZWEITES HAUPTSTÜCK. (continued 5)

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Der Name der Göttin lautete urgerm. Frijô = idg. prijâ, woraus westgerm. Frîja und nord. Frigg lautlich sich entwickeln mussten; vgl. Kögel, Beiträge 9, 544, Brugmann, Grundriss 1, 128, Noreen, Abriss der urgerm. Lautlehre, Strassburg 1894, S. 160 f. Ahd. begegnet Frîja im Merseburger Zauberspruch; aus den Formen des Wochentagnamens ahd. frîadag, frîjetag, frîgetag, frîtach ergeben sich Frîja und Frîa neben einander, vgl. Braune, Ahd. Gramm. § 117 über den Ausfall von intervokalischem j. Langobardisch Frea ist wol nur verschrieben für Frîa, wie fulcfree für fulcfrî, vgl. Carl Meyer, Sprache und Sprachdenkmäler der Langobarden, Paderborn 1877, S. 263 u. 286; als lautliche Entwicklung (ija > ea) fasst Bruckner, Sprache der Langobarden S. 78 diese Erscheinung auf. Nach dem überlieferten Tagnamen Frígedæg hiess die Göttin bei den Angelsachsen Frig. Zum Namen vgl. Müllenhoff, Denkmäler 23, 46 f. u. ZfdA. 30, 217. Afries. frîgendei, frîendei, mndl. vrîdach zeigt Bekanntschaft der Göttin bei Friesen und Niederfranken. Mhd. heisst der Tag frîetac, frîtac, woraus nhd. Freitag. Da der Wochentag übers gesamte wg. Gebiet nach Frija benannt ist, muss die Göttin auch bei allen Stämmen Verehrung genossen haben. Im Norden ist Frigg genügend bezeugt, aber kein Friggjardagr; an. frjádagr ist aus Deutschland entlehnt, Fritzner, Ordbog 12, 486. Verdächtig aber sind eine Anzahl von Zeugnissen, die man für das Fortleben des Frijaglaubens im MA. und in der Neuzeit in Anspruch nahm, so die Frigaholda einer Madrider Handschrift, die J. Grimm, Kleine Schriften 5, 416 ff. mit der Göttin in Verbindung brachte, vgl. jetzt dazu Kauffmann, Beiträge 18, 150 Anm., wonach friga vielleicht Schreibfehler einer Glosse striga, und besonders die nach Kuhn und Schwartz in norddeutschen Sagen noch vorhandenen Namen frû Frîen, Vrëen, Fricke, Frëke u. s. w., wogegen O. Knoop in Veckenstedts ZfVolkskunde 2, 449 ff. Verdächtig scheint auch der nordenglische Tanz mit Anrufung „der vornehmsten Riesen“, die sie Wodan und seine Frau Frigga nennen, was J. M. Kemble aus dem Mund eines „old Yorkshireman“ gehört haben will; vgl. J. Grimm, Myth. 281. Altdeutsche Namen mit frî- (Förstemann, Namenbuch 22, 582 f.) stehen zum Adj. und dürfen nicht von der Göttin abgeleitet werden; der Name Fricco (Förstemann, Namenbuch 1, 419 f; 22, 584 ff.) samt seinen Ableitungen gehört zum Adj. frech im alten Sinne von kampfgierig, verwegen, kühn und hat mit der Göttin nichts zu thun. Offenbar ist neben altgerm. freka- eine Ableitung frikkjan- anzunehmen; vgl. afz. frique, neuprovenz. fricaud, munter, lebhaft. Weil Adam von Bremen für den nordischen Freyr den Namen Fricco gebraucht, haben J. Grimm, Myth. 278 ff. und nach ihm andere eine deutsche Fricca, der an. Frigg, bei Saxo latinisiert Frigga, gegenübergesetzt. Die neuere Lautgeschichte erweist diese Annahme als irrig, Frigg kann im Deutschen nur Frîja, Frîa heissen, unmöglich Fricca. Bei Adam liegt ein Versehen vor. Er wusste von Freyr, Freyja und Frigg, dazu war ihm der deutsche Name Fricco geläufig. Daraus kombinierte er das Verhältniss Freyja: Freyr = Frigg: Fricco. Fricco muss als eine Erfindung Adams betrachtet werden und darf nun und nimmermehr zum Ausgang sprachlicher und mythologischer Unmöglichkeiten dienen.

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