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Gesänge zu der Oper Der Bergsturz bey Goldau

Erster Aufzug.

Reading edition

Introduction.

Hatwyl.

Nun, Kinder, hats geschmeckt?

Alle.

Ach, lieber Vater, ja!

Hatwyl.

Zur Mutter hin, bedankt Euch schön.

Gertrud.

Zuerst müßt Ihr zum Vater gehn.

Hatwyl.

Gott segne Euch das Morgenbrod, Seyd arbeitsam und fürchtet Gott, Dann wirds Euch immer wohlergehn.

Josephine.

Wie rein die heitre Morgensonne Auf Goldaus schöne Gegend sieht!

Willer.

Und wie am ganzen Firmamente Auch nicht ein kleines Wölkchen zieht!

Gertrud.

Ich wünsche Euch, daß dieser Morgen Ein Vorbot' Eurer Zukunft sey.

Josephine und Willer.

Das ist er schon, denn Euer Segen Geleitet uns zum Traualtar.

Hatwyl.

Bleibt immer auf den rechten Wegen, Dann bürg' ich Euch, der Wunsch wird wahr.

Gertrud.

Wir sind ja heut so gut gestimmt, O sing doch unser Morgenlied!

Alle.

Ach, Vater ja, das Morgenlied! Wir singen alle mit.

Hatwyl.

Die schönsten Reize der Natur Entdeckt man auf dem Lande nur. Da drüben, auf den Felsenhöhn, Sieht man die kühne Gemse stehn; Der Alpenbau schaut in den See, Breit eingefaßt vom hohen Klee.

Alle.

Der Alpenbau schaut in den See, Breit eingefaßt vom hohen Klee.

Hatwyl.

Hier seh ich, wenn der Morgen graut, Den Berg, der stolz das Land durchschaut, Dort bunte Wiesen, Feld und Bach, Und mitten drinn mein friedlich Dach. Gepriesen seyst du, Vaterland! Mit deiner segensreichen Hand.

Alle.

Gepriesen seyst du, Vaterland! Mit deiner segensreichen Hand.

Quartett.

Hatwyl. Gertrud. Willer. Josephine.

Josephine. Willer.

Kaum werden wir des Morgens wach, Ein kleiner Schritt zum Fenster nur, Und auf des Thales bunter Flur Erblicken wir der Eltern Dach.

Hatwyl. Gertrud.

Wir winken guten Morgen zu.

Josephine. Willer.

Wir winken mit der Hand zurück, Erst einmal ich, dann einmal du.

Josephine.

Kommt dann und wann ein Feyertag, Steigt Ihr zu uns den Berg hinauf, Dann stellen wir Euch Alles auf, Was unser ganzes Haus vermag.

Hatwyl. Gertrud.

Schön Dank dafür!

Willer.

Ich richte mir die Stube ein, Wie Ihr sie hier gewohnt zu sehn; Wollt Ihr am Abend wieder gehn, Dann werden wir Begleiter seyn.

Gertrud.

Du guter Sohn!

Hatwyl.

Und übers Jahr — Nun, merkt Ihr nichts? — Ich freu mich schon — und über's Jahr — Die Freude macht mich noch zum Kind! — Da bringt Ihr mir zum Angebind Ein Enkel her. — Ich thu ihm schön, Und laß ihn alle Nachbarn sehn. Die Freude macht mich noch zum Kind!

Gertrud.

Dann untersucht man, wem es gleicht.

Hatwyl.

Ists ein Junge, gleicht er mir.

Willer.

Und ists ein Mädchen, gleicht es Dir.

Josephine.

O wenn es nur dein Herz erreicht!

Gertrud. Josephine. Willer.

O welch ein angenehmes Loos, Um einen reichen Aerndtekranz! Doch fühlt man erst den Segen ganz, Wächst uns der eigne Sprößling groß.

Hatwyl.

Das soll ein Junge werden, Wie's keinen giebt auf Erden! Ein Bursch von ächtem Schweizerschlag, Voll Kraft und Saft, Wie Stahl und Eisen, Ein Herz wie Wachs, Ein heller Kopf. Das soll ein Junge werden, Wie's keinen giebt auf Erden, Ein Bursch von ächtem Schweizerschlag!

Duett.

Josephine. Willer.

Beyde.

Dann öffnet sich des Himmelspforte Unserm wonnetrunknem Blick, Und des Priesters Segensworte Führen uns zum höchsten Glück.

Josephine.

Er befragt uns um die Treue!

Willer.

Was wird Deine Antwort seyn?

Josephine.

Daß ich innig mich erfreue, Bis ins Grab mich Dir zu weihn.

Willer.

Er befragt uns um die Treue!

Josephine.

Was wird Deine Antwort seyn?

Willer.

Daß ich keine Proben scheue, Die mich Deiner Liebe weihn.

Josephine.

Und dann sucht Dein Blick mich fröhlich,

Willer.

Und ich geb Dir meinen Ring.

Josephine.

Zitternd steh ich zwar, doch selig, Als ob ich die Welt empfing.

Beyde.

Wonnetrunken dann umschlungen, Schwören wir mit Herz und Mund, Und vom Segenschor umsungen, Feyern wir den Ehebund.

Arie.

Hatwyl.

Der Ehstand gleichet einem Garten, Worin so manche Pflanze reift, Doch muß man fleißig seiner warten, Daß ja kein Unkraut Wurzel greift. Soll jede Pflanze gut gedeihen, Muß jedes Beet geordnet seyn. Wem aller Orten Blumen blühen, Dem schafft sein Garten wenig Heil, Wer nur daraus will Nutzen ziehen, Der bringt sich um den schönsten Theil. Das Schöne muß zum Guten schauen, Zum Nutzen sich Vergnügen bauen; Dann kann der Gärtner ruhig seyn, Sich seiner Arbeit hoch erfreun.

Terzett.

Josephine. Hatwyl. Wunibald.

Wunibald.

Nimm meinen Dank, o Josephine! Daß meine Bitte du erhört.

Josephine.

O welche kummervolle Miene! Sein Blick, wie traurig und verstört!

Wunibald.

Ich muß den Heimathsort verlassen, Ich weiß, mich quälts wie hier auch dort.

Josephine. Hatwyl.

Ihr wollt Eu'r Vaterland verlassen, Und wählet einen fremden Ort?

Wunibald.

Erträglich wird mein Schicksal werden, Verschmähst du nicht die Kleinigkeit.

Josephine. Hatwyl.

Mußt nicht so seltsam dich gebehrden, Du forderst ja Unmöglichkeit.

Wunibald.

Gelingt denn nichts auf Erden mir?

Josephine. Hatwyl.

Wir meinens ja so gut mit dir.

Wunibald.

Ach! alles nahm man mir in Dir, Was soll mir noch ein irrdisch Gut? Ach! Vater, Mutter, alles ruht Schon längst in kühler Erde Schoos, Von jeher auch Geschwisterlos, Stand ich in meinem Ueberfluß Verarmt bey jedem Hochgenuß, Gleich einer Waise, ganz allein.

Josephine.

Du machst uns deinen Abschied schwer.

Hatwyl.

Es giebt ja andre Freuden mehr.

Josephine.

Wenn ich noch über dich vermag

Hatwyl.

O trüb' nicht ihren Hochzeittag!

Beyde.

Wir werden deine Freunde seyn, Bleib doch in deinem Vaterhaus.

Wunibald.

Nein länger halt ichs hier nicht aus.

Josephine.

Wohlan! wenn binnen Jahresfrist Du noch nicht andern Sinnes bist, So soll dein Wunsch erfüllet seyn, Und deine Güter sind dann mein.

Wunibald.

Wie machst du jetzt mein Herz so froh! Ja, ja, ich bins zufrieden so.

Josephine.

Mein Freund, Gott stärke dich, leb wohl!

Wunibald.

Daß nie Zufriedenheit dir fehle, Das wünsch ich dir von ganzer Seele.

Hatwyl.

Geleit dich Gott! Leb wohl!

Wunibald.

Beschütz Euch Gott, lebt wohl! Wenn sich die Glocke wieder wiegt Dann stützt mich schon mein Wanderstab, Wenn deine Hand in seiner liegt, Bin ich schon weit im Thal hinab.

Josephine. Hatwyl.

Wenn die Vernunft den Gram besiegt Reicht uns die Hoffnung ihren Stab, Sie, die das Leben überfliegt, Giebt uns noch spät ein sanftes Grab. Geleit dich Gott, leb wohl!

Wunibald.

Beschütz Euch Gott, lebt wohl!

Finale.

Alle.

Die Glocke ruft zum Kirchengang.

Josephine. Willer.

Warum schlägt mir mein Herz so bang?

Hatwyl.

Der Gang ist wichtig, ernst und schwer, Er führt durchs ganze Leben.

Josephine. Willer.

Eu'r Beyspiel wandelt vor uns her, Es soll uns Stärke geben.

Chor.

Folg blühendes Paar Zum Hochzeitaltar! Ihr hieltet auf Lehre, Drum wird Euch die Ehre, Daß festlich bekränzt, Die Freude Euch glänzt. Folg blühendes Paar Zum Hochzeitaltar.

Josephine. Willer.

Was ist das?

Hatwyl.

Eure Freunde Verherrlichen den Zug.

Josephine. Willer.

Mein Gott! so viele Liebe! Wie hab ich sie verdient?

Hatwyl. Gertrud.

Sie ist der Tugend Lohn.

Josephine. Willer.

Euch danken wir die Ehre, Die heut uns wiederfährt.

Hatwyl.

Befolgung unsrer Lehre, Hat Euch die Freud' bescheert. Und nun ins Himmels Namen fort!

Josephine. Willer.

Uns fehlt noch Euer Seegenswort.

Hatwyl.

Euch werde Gottes reichster Seegen! Verdienet ihn durch Redlichkeit! Gott stärke Euch auf Euren Wegen, Im Lande der Vergänglichkeit.

Alle.

Was war das? Mein Gott was war das?

Chor.

O weh! Es wankt der Berg, die See schwillt an, Es rette wer sich retten kann!

Hatwyl.

Hinaus! Gewinnt das Freye!

Alle.

Ach!

Die Kinder.

Vater! Mutter! Wo seyd Ihr denn? Ich sehe nichts!

Willer.

Wir wollen da hinaus entfliehn. Auch hier ist finstre Nacht! Der Schutt dringt ein mit Macht!

Josephine. Gertrud.

Wohin in dieser Angst, wohin?

Hatwyl.

Kinder! Hier hilft kein Verstand, Hier hilft uns nur die starke Hand.

Alle außer Hatwyl.

Freunde hört doch unser Flehn! Ist denn keine Rettung mehr? Grabesstille herrscht umher.

Josephine. Willer. Gertrud.

Die Luft wird eng, Der Athem schwer!

Die Kinder.

Der Kopf thut weh, nur Luft!

Alle.

Mein Gott, nur Luft!

Hatwyl.

Ich hab in dieser argen Noth, Kein' andre Zuflucht als zu dir Allmächt'ger barmherziger Gott! Zu Dir Allvater beten wir. Kinder! Das Gebet der Unschuld Dringet durch die Wolken! Betet und hoffet! O Herr! der du im Himmel thronst, Nach weisen Plan das Würmchen schonst, Erhör auch uns in dieser Noth, Und rett uns vom Verzweiflungstod!

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