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Führer durch das k. k. österreichische Museum für Kunst und Industrie

B. ERSTES STOCKWERK.

Reading edition

SAAL IX.

KLEINE PLASTIK, LEDERARBEITEN.

Die Vitrinen rechts und links der Eingangstüre enthalten eine Sammlung von Kassetten und ein kleines Bild der Prager Schule aus dem XIV. Jahrhundert, eine Madonna mit Heiligen ringsum auf ornamentiertem Goldgrund in Tempera gemalt.

In der Vitrine beim Fenster sind einige hervorragende Arbeiten ausgestellt, wie die beiden Buchsfiguren von Adam und Eva von Konrad Meit aus Worms aus dem XVI. Jahrhundert mit Spuren alter Bemalung, der Kopf eines Mönches der ehemals farbig war, dann braun überstrichen wurde, eine burgundische Arbeit aus dem XV. Jahrhundert, ein in Holz geschnitzter Gekreuzigter, oberitalienisch (Padua?), aus dem XV. Jahrhundert und ein Kehlheimerstein mit den Bildnissen von Maximilian II. und seiner Gemahlin Maria, der Tochter Karls V., in reicher dekorativer Umrahmung, datiert 1560.

Gegenüber in der Vitrine eine allegorische Gruppe in farbiger Terrakotta: die Wahrheit, angeblich von Giuliani, dem Lehrer Raffael Donners, die Figur eines heiligen Sebastian in Holz geschnitzt, deutsch, um 1600, sowie einige Figuren aus Holz und Elfenbein, nürnbergische Arbeiten des XVII. Jahrhunderts. In der Wandvitrine Lederarbeiten, darunter ein Futteral zum Schutze einer Monstranz mit geschnittenen Tieren und Rankenwerk auf gepunztem Grunde aus Drosendorf in Niederösterreich, XIV. Jahrhundert; ein Kästchen aus Leder mit eingeschnittenen Ornamenten, beschlagen mit herzförmig endenden Eisenbändern, deutsch, XIV. Jahrhundert; eine Kassette mit Leder überzogen, in dem Ornamente und Heiligenfiguren eingeschnitten, getrieben und bemalt sind, eine deutsche Arbeit des XV. Jahrhunderts, und ein Pulverhorn aus schwarzem Leder geschnitten und getrieben, mit Satyrpaar und grotesken Vierfüßlern verziert, französisch, XVI. Jahrhundert.

In der Pultvitrine beim ersten Fenster einige bemalte Spielsteine, Augsburger Arbeit des XVI. Jahrhunderts mit Porträtbildern hervorragender Männer und Frauen, sowie in Holz gestanzte Spielsteine mit Porträten und Allegorien, um 1700.

Es folgt eine Vitrine mit Wachsbossierungen, unter denen in der einen Hälfte eine Wachsporträtminiatur von Alessandro Abbondio aus dem Jahre 1635, eine von Andreas und eine von Caspar Attemstedt aus den Jahren 1615 und 1609, sowie eine Porträtminiatur Rudolfs II. besonders bemerkenswert sind.

Die andere Hälfte enthält Bossierungen vorzüglich aus der Wiener Porzellanfabrik. Es folgen dann die Elfenbeinschnitzereien in zwei Schaukasten.

ELFENBEINSCHNITZEREIEN.

Das ganze Altertum hindurch wurde die Kunst der Elfenbeinschnitzerei gepflegt, und die aus dem Anfange des Mittelalters uns erhaltenen Elfenbeinschnitzereien sind die wichtigste Quelle für die Kenntnis der Plastik dieser Zeit. (Vergleiche die in der Gipssammlung des Museums vorhandenen Abdrücke.) Je näher diese Werke dem Altertum stehen und je mehr sie sich an die guten alten Vorbilder anlehnen, desto besser sind sie.

Mit der Entwicklung der Gotik und der Ausbildung des Naturalismus entsteht im XIII. Jahrhundert eine neue Kunst, zu deren schönsten Werken die Elfenbeinschnitzereien gehören. Aus dieser Zeit sind uns eine Anzahl von teils für kirchliche, teils für weltliche Zwecke verfertigten Gegenständen erhalten, die meistens noch Spuren alter Malerei aufweisen. So wie es im Altertum üblich war, den Statuen durch Bemalung besonders der Augenbrauen, Augen, des Mundes, der Haare, der Gewänder mehr Leben zu verleihen, so hat auch die farbenfreudige Gotik alle ihre Figuren reich mit Bemalung versehen, so zwar, daß das eigentliche Material meist ganz verdeckt wurde. Die Farbe ist natürlich infolge der Länge der Zeit nur sehr selten erhalten, oft aber ist die Farblosigkeit eine Folge der Unkenntnis der Sammler, welche die Elfenbeinfiguren reinigten. Die Stoffe, welche die Elfenbeinplastik behandelt, sind die mannigfaltigsten. Auf den Kirchengeräten, wie den Bischofsstäben, den Deckeln der Meßbücher, den Reliquienschreinen usw. sind Darstellungen aus der Heiligen Schrift üblich, auf weltlichen Gegenständen, wie Schmuckkästchen, Hochzeitstruhen, auf Jagdhörnern und Sätteln finden wir Illustrationen zu den Begebenheiten aus der Geschichte, besonders häufig aber zu den damals in höfischen Kreisen so verbreiteten epischen Dichtungen, den Sagen und Romanen, die in Frankreich ihren Ursprung hatten, wo auch die Elfenbeinschnitzerei ihre höchste Blüte erreichte.

Zur Zeit der Frührenaissance findet das Elfenbein nur sehr selten Verwendung, hauptsächlich wohl, weil man die Elfenbeinarbeiten der Antike nicht kannte; erst im XVI., besonders aber im XVII. Jahrhundert bricht sich die Technik der Elfenbeinschnitzerei wieder Bahn, doch bleiben die in dieser Zeit entstandenen Werke unbemalt, eine Folge des Studiums der antiken Plastik, die man eben bis zur Mitte unseres Jahrhunderts für eine unbemalte gehalten hatte. Aus dem Elefantenzahn werden mit Vorliebe Humpen geschnitten, die ringsum eine Darstellung in Schnitzerei tragen und mit Deckel und Henkel, teils aus Elfenbein, teils aus Metall, versehen werden. Manchmal wird auch eine Zeichnung in das Elfenbein geritzt und mit schwarzer Farbe nachgezogen, oft auf das Elfenbein Malereien aufgetragen. Im XVIII. Jahrhundert finden die „passicht“ gedrechselten Gefäße allgemeine Verbreitung und zahlreiche Liebhaber. Die Wiederaufnahme der Antike im Anfange des XIX. Jahrhunderts verdrängte wieder wie im XV. Jahrhundert die Technik der Elfenbeinschnitzerei, die später um die Mitte des Jahrhunderts verwendet wurde, um prunkvolle Stücke nach alten Vorbildern zu erzeugen.

Von den Elfenbeinarbeiten sind hervorzuheben: In der ersten Vitrine eine Trinkkanne aus dem XVII. Jahrhundert, reich geschnitzt, ein deutscher Becher aus derselben Zeit mit Gravierungen, ein Deckelpokal mit Kinderfigürchen aus dem XVIII. Jahrhundert, passicht gedrechselt, und eine Kassette in Elfenbein mit Metallbeschlägen und Resten alter ornamentaler Bemalung, sarazenisch, XIV. Jahrhundert.

In der zweiten Vitrine: Eine Gitarre mit reicher Gravierung, im Innern die Inschrift: Heinrich Kramer, Lautten und Geigenmacher in Wien 1715, ein Pulverhorn aus Holz mit Jagdszenen in Intarsia, Anfang des XVIII. Jahrhunderts, und einige passicht gedrechselte Becher.

In der Mitte der Wand steht das Modell eines Altars in Holz geschnitzt, eine Prager Arbeit des XVIII. Jahrhunderts, und eine physiognomische Studie von F. X. Messerschmied in Wachs.

In der folgenden Vitrine, die Arbeiten aus Wachs enthält, ist eine Figur Kaiser Josefs II. von Zauner besonders hervorzuheben.

BUCHEINBÄNDE.

Die Bucheinbände des späten Mittelalters bestehen meistens aus Holztafeln, die mit kostbarem Stoffe oder mit Leder überzogen sind. Dieses wird durch mit dem Falzbein in das Leder gezeichnete Linien in Felder geteilt, in denen dann mittels Stanzen Ornamente blind eingepreßt werden. Es gab noch eine andere Art der Blindpressung, die mittels Plattenstempel (Stöcke), der sogenannte Plattendruck; seltener wurden die Ledereinbände durch Schneiden, Ritzen, Punzen etc. verziert. Um den Einband vor dem Abnützen zu schützen, werden Buckeln oder Ecken aus Metall angebracht, oft wird das Buch mittels einer Schließe verschlossen.

Im XVI. Jahrhundert waren in Deutschland die weißen Schweinsledereinbände sehr beliebt, deren Pressungen in Stockdruck oft große Feinheit in der Zeichnung zeigten. Häufig wurde in der Mitte ein Ornament (oft auch ein Wappen) angebracht und die Ränder mit Streifen geschmückt, die durch wiederholtes Nebeneinandersetzen von Stempeln entstanden und sich in den Ecken ohne Rücksicht auf das Ornament überschnitten oder tot liefen.

In der zweiten Hälfte des XVI. Jahrhunderts findet in Deutschland eine neue Art der Dekoration, die Handvergoldung in Verbindung mit Plattendruck, von Italien her Eingang und gewinnt immer größere Verbreitung.

Häufig werden die so gezierten Einbände noch durch Bemalung geschmückt.

Auch in Frankreich wird diese Art der Buchverzierung übernommen und geübt, bis in den Einbänden um 1600 eine neue Art des Schmuckes durch kleine Zweige, Blättchen, Spirallinien und dergleichen allgemeine Verbreitung findet. Eine weitere Neuerung ist das meistens in Gold aufgepreßte Spitzenmuster und die Dekoration mittels Punktstempels, so zwar, daß alle Linien und Ornamente durch zahlreiche aneinandergefügte Punkte entstehen.

In allen Ländern und ungeheuer häufig wird um diese Zeit das Fächermuster, so genannt wegen der strahlenförmigen Anordnung der einzelnen Motive, verwendet. Im XVIII. Jahrhundert beschränkt sich die Dekoration eines Einbandes vorzüglich auf den Schmuck der Ecken und der Mitte des Deckels. Laub- und Bandwerkmuster, sowie die Blumengewinde des Rokokos werden auf das meistens rote Leder aufgepreßt und häufig Malerei zum Schmucke des Bandes verwendet.

In den Vitrinen sind die Bucheinbände nach Ländern geordnet, Deutschland, Frankreich, England und Italien. Auch einige moderne Bucheinbände sind ausgestellt.

RAUM X.

Die Wände sind mit Dekorationen nach Mustern im Stile Louis XVI aus Versailles dekoriert, die Möbel sind Kopien nach Originalen dieser Zeit.

RAUM XI.

enthält Kopien nach französischen Originalen aus dem XVI. Jahrhundert.

RAUM XII.

Mit Motiven aus Schloß Rambouillet, in Eiche geschnitzt von Friedrich Otto Schmidt, Wien.

RAUM XIII.

Ein Zimmer mit Kopien nach Originalen im Empirestil aus dem Hofmobiliendepot in Wien.

RAUM XIV.

Textilien, geschenkt von der Gräfin Hoyos-Amerling.

RAUM XV.

NACHBILDUNG EINES ZIMMERS AUS DEM ANFANGE DES XIX. JAHRHUNDERTS IM PALAIS DES K. K. MINISTERIUMS FÜR KULTUS UND UNTERRICHT, ausgeführt von der k. k. Fachschule für Holzbearbeitung in Grulich unter Mitwirkung der k. k. Fachschule für Bildhauer und Steinmetze in Hořic (Steinarbeit), der kunstgewerblichen Fachschule in Gablonz (Beschläge) und der Staatsgewerbeschule in Graz (Stickereien).

RAUM XVI.

KOPIE EINES PORTALES SAMT TÜRE UND SITZBÄNKEN AUS DER „GOLDENEN STUBE“ DER VESTE HOHENSALZBURG, ausgeführt von der k. k. Staatsgewerbeschule in Salzburg unter Mitwirkung der k. k. Fachschule für Kunstschlosserei in Königgrätz (Beschläge).

Von der Polychromierung wurde bei der Kopie abgesehen.

RAUM XVII.

NACHBILDUNG DES FÜRSTENZIMMERS IM FÜRSTLICH LIECHTENSTEINSCHEN SCHLOSSE VELTHURNS IN TIROL, ausgeführt von der k. k. Fachschule für Holzbearbeitung in Bozen, unter Mitwirkung der k. k. Fachschule für Tonindustrie in Bechyn (Ofen), der k. k. Fachschule für Kunstschlosserei in Königgrätz (Beschläge) und der k. k. Fachschule für Steinbearbeitung in Trient (Steinarbeiten).

Die Täfelung des hier kopierten Fürstenzimmers, des schönsten Raumes in Velthurns, der sich namentlich durch die meisterhaft behandelte Intarsia auszeichnet, wurde seinerzeit von dem Meraner Tischlermeister Spineider unter Mitwirkung der Meister Rumpfer aus Klausen und Dopf aus Brixen (1583) verfertigt; der Ofen ist eine Kopie des vom Bozener Hafnermeister Pietschdorfer verfertigten Originals aus dem Ende des XVI. Jahrhunderts.

Die Möbel des Interieurs sind Nachbildungen von Renaissanceobjekten aus Steiermark und Tirol.

RAUM XVIII.

NACHBILDUNG EINES ZIMMERS AUS DEM GRÄFLICH TAXIS’SCHEN SCHLOSSE REIFFENSTEIN IN TIROL, ausgeführt von der k. k. Staatsgewerbeschule in Innsbruck unter Mitwirkung der Filialfachschule Hall und der k. k. Fachschule für Tonindustrie in Bechyn (Ofen).

Das Interieur ist die freie Nachbildung eines aus dem Jahre 1490 stammenden, mit zwei Erkern versehenen, an den Wänden und an der Decke vollständig vertäfelten Zimmers im Schlosse. Die Vertäfelung des Raumes ist im Charakter der Spätgotik durchgeführt; reichgeschnitzte Maßwerkfriese zieren die Decke, polychromierte Wappen, schön profilierte Umrahmungen und Beschläge schmücken die Türe. Besonders reich ist der Unterzugbalken ornamentiert. Ein mit Schnitzerei gezierter Waschschrank steht, gleich den Sitztruhen an einer Wandseite, in Verbindung mit der Täfelung.

Der im Interieur befindliche Ofen und der Tisch sind Nachbildungen von mittelalterlichen Objekten aus Tirol.

RAUM XIX.

ZUSAMMENGESETZT AUS NACHBILDUNGEN EINIGER TEILE DES MARIA THERESIEN-ZIMMERS IM KAISERLICHEN LUSTSCHLOSSE SCHÖNBRUNN, ausgeführt von der k. k. Fachschule für Holzbearbeitung in Villach unter Mitwirkung der k. k. Fachschulen für Holzbearbeitung in Wal.-Meseritsch und Chrudim (einzelne Schnitzarbeiten), Bruck an der Mur (Fenster) und der Staatsgewerbeschule in Graz (Stickereien).

Das in Weiß gehaltene Zimmer ist an der Türe, den Fensterleibungen und den Wänden mit überaus zierlichen, technisch meisterhaft und mit feiner Formenempfindung ausgeführten vergoldeten Schnitzereien ausgestattet. Die Stickereien in den 24 Panneaux und den 2 Sopraporten sind Kopien nach eigenhändigen Arbeiten der Kaiserin Maria Theresia.

RAUM XX. SITZUNGSSAAL.

Der Sitzungssaal ist von der Firma F. O. Schmidt nach dem Originale im Schlosse Eszterháza bei Ödenburg im Stile Louis XV. dekoriert. An der rechten Seitenwand eine Marmorbüste Seiner Majestät des Kaisers, von Otto König, an der linken Seitenwand ein lebensgroßes Porträt des Erzherzogs Rainer, gemalt von Siegmund L’Allemand.

RAUM XXI. ORIENTALISCHES ZIMMER.

Das orientalische Zimmer, rechts neben der Eingangstür zur Bibliothek gelegen, soll die Ausstattung eines Wohnraumes im Oriente zur Anschauung bringen. In die Wände sind Holzschränke mit geschnitzten Füllungen eingesetzt und zwei mit Holzgittern verschlossene Fenster eingebrochen. Unter dem Fenster eine maurische Wandétagère. Die Bänke in den Fensternischen sind mit Daghestan-Teppichen und tambourierten Seidenpolstern belegt, der Fußboden mit einem Smyrna-Teppiche, in dessen Mitte ein Taburett mit Kaffeeservice. Von der Stalaktitendecke hängt eine messingene Moschee-Ampel aus Damaskus herab.

Unter den oberen Arkaden, oberhalb der Stiege, befindet sich das Denkmal für den Gründer und ersten Direktor des Museums, R. v. Eitelberger († 1885), entworfen von H. Klotz, in Erzguß ausgeführt von der Metallwarenfabrik Artur Krupp in Berndorf; im Stiegenhause die Marmorbüste des Erbauers des Museums, H. Freiherrn von Ferstel († 1883), von V. Tilgner, die Marmorbüste des Industriellen Ed. v. Haas († 1880) und ein Medaillonbild des Professors der Kunstgewerbeschule, Ferd. Laufberger († 1881), entworfen von A. Kühne und J. Storck.

BIBLIOTHEK.

Die Bibliothek des Österreichischen Museums enthält als Fachbibliothek solche Werke, welche sowohl durch Abbildungen als durch historische, künstlerische oder wissenschaftliche Erläuterungen die Zwecke des Museums zu fördern geeignet sind. Sie besteht aus zwei Abteilungen, aus der eigentlichen Büchersammlung und aus der Sammlung von Kunstblättern.

Die letztere umfaßt eine reichhaltige Sammlung von Ornamentstichen aus der Zeit vom XV. bis XVIII. Jahrhundert[26] und eine Vorbildersammlung, bestehend aus Einzelabbildungen von vorzugsweise kunstgewerblichen Arbeiten aller Art in Originalzeichnungen, Kupferstichen, Holzschnitten, Lithographien und photomechanischen Druckverfahren.

Eine spezielle Erwähnung verdient die stattliche Anzahl von Fachzeitschriften, welche in einem eigenen Zeitschriftenlesesaale (dem ehemaligen Vorlesesaale) dem Publikum auf die bequemste Art zugänglich sind, ferner die bedeutende Sammlung von kunsttheoretischen und kunsttechnischen Schriften, von Schreib- und Zeichenbüchern aus dem XVI. bis XVIII. Jahrhundert, von Kostümwerken und die kostbare Kollektion von Original-Stick- und Spitzenmusterbüchern aus dem XVI. und XVII. Jahrhundert. Weiters enthält die Büchersammlung eine große Zahl von Abbildungswerken aus den Gebieten der Architektur, Skulptur und Malerei und eine lange Reihe der besten Vorlagenwerke für sämtliche Zweige des Kunstgewerbes.

Den Grundstock der Kunstblättersammlung bildet die im August 1863 erworbene Kollektion von Ornamentstichen aus dem Besitze des Kunsthändlers W. Drugulin in Leipzig, bestehend aus 5000 Blättern nebst 87 Kunstbüchern aus dem XVI. bis XVIII. Jahrhundert.

Illustration from Führer durch das k. k. österreichische Museum für Kunst und Industrie

Ornament von Aldegrever

Illustration from Führer durch das k. k. österreichische Museum für Kunst und Industrie

Ornament von H. S. Beham

Illustration from Führer durch das k. k. österreichische Museum für Kunst und Industrie

Ornament von B. Beham

(aus der Ornamentstichsammlung)

Illustration from Führer durch das k. k. österreichische Museum für Kunst und Industrie

Ornamente von Virgil Solis

(aus der Ornamentstichsammlung)

⇒ GRÖSSERES BILD

Diese Sammlung wurde seither durch Einzelankäufe auf mehr als das Dreifache vermehrt und ist gegenwärtig in zwölf Gruppen angeordnet, deren erste das Ornament im allgemeinen umfaßt und dessen Stilwandlungen vom Ende des XV. Jahrhunderts bis zur Zeit Ludwigs XVI. vor Augen führt; daran schließen sich in Gruppe II Stick- und Spitzenmuster und Kostümdarstellungen und weiters in den Gruppen III bis XII verschiedene mustergültige Vorbilder für die einzelnen Zweige des Kunstgewerbes, als: Mobilien, Schmiede- und Schlosserarbeiten, Waffen, Uhren, Goldschmiedearbeiten, Gefäße und Geräte, Heraldik u. s. f.

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Goldschmiedornamente von Johannes Hanias

(aus der Ornamentstichsammlung)

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Illustration from Führer durch das k. k. österreichische Museum für Kunst und Industrie

Niellierte Goldschmiedverzierung von Jean Vovert

(aus der Ornamentstichsammlung)

⇒ GRÖSSERES BILD

Illustration from Führer durch das k. k. österreichische Museum für Kunst und Industrie

Goldschmiedornamente von Abraham de Bruyn

(aus der Ornamentstichsammlung)

⇒ GRÖSSERES BILD

Besonders reich ist die Sammlung an Blättern der sogenannten Kleinmeister in der Gruppe der allgemeinen Ornamente, dann an Entwürfen für in Email oder Niello auszuführende Goldschmiedeverzierungen, an Vorbildern für getriebene Gefäße, an Entwürfen für Juweliere und an heraldischen Musterblättern, zu welchen auch eine im Jahre 1878 angelegte Kollektion von verzierten Buchhändler- und Buchdrucker-Signeten zu rechnen ist.

Hierzu kommt noch eine schöne Sammlung von etwa 14.000 Blättern Initialen aus deutschen, französischen, italienischen und niederländischen Druckwerken des XV. bis XVIII. Jahrhunderts. Der größte Teil dieser Sammlung. 12.631 Blätter, wurde im September 1867 aus dem Besitze des Glasmalers H. von Holtorp in London erworben.

Der übrige Teil der Kunstblättersammlung besteht aus Originalzeichnungen und Abbildungen von Kunst- und kunstgewerblichen Objekten in Photographie, Lithographie etc. und ist nach Gegenständen geordnet. Die größte und wertvollste Bereicherung erhielt dieser Teil der Museumsbibliothek im Jahre 1866 durch die Überweisung der Fachbibliothek der aufgelassenen k. k. Porzellanmanufaktur. In der hierdurch in den Besitz des Museums gelangten, 5757 Blätter zählenden Mustersammlung der Fabrik waren auch 1438 Blätter Originalzeichnungen, Entwürfe zu Tassen, Tellern und verschiedenen andern Gefäßen sowie für deren Verzierung enthalten.

Einen sehr wertvollen Bestandteil der Kunstblättersammlung bildet eine Kollektion von Originalaufnahmen, Federzeichnungen und Aquarellen, welche die Direktion des Museums im Laufe der Jahre nach Kunstwerken, welche dem Institut zur leihweisen Ausstellung überlassen wurden, mit Zustimmung der Besitzer anfertigen ließ.

Der gesamte Bestand der Bibliothek betrug am Jahresschlusse 1913:

Büchersammlung zirka 41.000 Bände

Kunstblättersammlung, und zwar:

Ornamentstiche 15.873 Blätter

Initialen 14.000 „

Originalzeichnungen, Photographien etc. 45.670 „

Zusammen 75.543 Blätter

BENÜTZUNG DER BIBLIOTHEK.

Die Benützung der Bibliothek ist jedermann gestattet und der Eintritt in dieselbe an allen Besuchstagen frei. Die Bibliothek ist vom 21. März bis 20. Oktober an Wochentagen, mit Ausnahme des Montags, von 9 bis 2 Uhr, an Sonn- und Feiertagen von 9 bis 1 Uhr geöffnet. Vom 21. Oktober bis 20. März sind die Besuchsstunden an Wochentagen, mit Ausnahme des Montags, von 9 bis 1 Uhr und von 6 bis 8½ Uhr, an Sonn- und Feiertagen von 9 bis 1 Uhr.

Das Ausleihen der Bücher erfolgt nur gegen Empfangsschein. Dieser hat den Titel und die Signatur des entlehnten Werkes, Namen und Wohnung des Entlehners und das Datum zu enthalten. Für jedes Werk ist eine besondere Empfangsbestätigung auszustellen. Als ausgeliehen ist jedes Werk zu betrachten, das mit Zustimmung des Bibliotheksvorstandes aus dem Bibliothekslokal entfernt wird.

Das Weiterleihen in dritte Hand ist nicht gestattet. Der Entlehner haftet für jede Beschädigung. Auf Verlangen des Bibliotheksvorstandes ist jedes entlehnte Werk sofort zurückzustellen.

Bücher und Blätter der Ornamentstichsammlung, Originalzeichnungen und wertvolle, im Buchhandel vergriffene Werke der Bibliothek dürfen nur im Bibliothekssaale benützt werden.

Im großen Bibliothekssaale liegen gedruckte Kataloge der Bücher- und der Ornamentstichsammlung, im Zeitschriftenlesesaale gedruckte Verzeichnisse der in den Journalständen enthaltenen Zeitschriften auf. Die neuesten Erwerbungen werden durch Anschlag beim Eingange in den Bibliothekssaal und überdies durch gedruckte Nachtragsverzeichnisse regelmäßig bekannt gemacht.

Notes in this chapter

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