Geschichtlicher Überblick (continued 2)
Reading edition
Der Sternträger fängt an zu singen:
Wie schön leucht uns der Weisen Stern, der uns entspringt von Gott dem Herrn und unsre Herzen rühret, das wir uns machen auf die Bahn, zu bethen Jesum Christum an, allda er uns hinführet. Drum so – seid froh; walt ihr Heiden, – ruft mit Freuden – auserkohren; Christus ist uns heute gebohren.
Der Engel spricht:
So sei gegrüßet dieses Haus und alle, die da gehen ein und aus; wir wünschen euch zum neuen Jahr Friede, Heil, Gesundheit immerdar; der Segen Gottes sei mit euch bis ihr gelangt ins Himmelreich und singt mit allen Engeln froh ewig ein holdes Jubilo.
Urbian, der 1. Hirte, spricht:
Ach Bruder Dulcian, wie schuttert mir mein Herz! Ich weiß nicht wie mir ist, vor Furcht und großen Schmertz, weil sich ein starker Glanz erstreckt vor mein Gesicht: Ach Bruder, bleib bei mir, ach, ach, verlaß mich nicht!
Dulcian, der 2. Hirte, spricht:
Ach Bruder Urbian, ich bin nebst Dir erschruken hier über diesen Schein, der uns bey finstrer Nacht so helleuchtent überstrallt als brenden alle Rocken: Vor Großer Furcht und grauß mein Herz im Leibe kracht.
Der Engel bei die Hirten hin und spricht:
Ihr lieben Hirten, fürcht euch nicht! Ich bin vor euer Angesicht vom Himmel ab hieher gesand, soll machen euch bekannt die Freude, die Gott euch göntt von seinen eingebornen Kind, der aller Welt ein Heiland ist; des freuet euch zu dieser Frist. Hierauf nun geht gen Bethlehem – die Schaaf in diesen Schutz ich nehm –, da werdt ihr finden das Kindelein in Windeln eingewickelt ein; es liegt in einer Krippen dar – auf, auf und nehmet meiner wahr. Gloria in excelsis deo. Etampherava. Homenetus fotumta Poro.
Nun singen sie alle mit die Engel:
Allein Gott in der Höh sey Ehr.
Der große Hirte Urbian spricht:
Nun wollen wir gehen gen Bethlehem und diese Dinge erfahren
Der kleine Hirte Dulcian spricht:
Die uns der Engel hat kuntgetan; die Schaaf wird er indessen uns wohl bewahren.
Nun kommen die Hirten allebeite gesungen:
Vom Himmel kam der Engel Schaar, erschien uns Hirten offenbar, sie sagten uns ein Kindlein zart, das liegt dort in der Krippen hart.
Sie bethen es mit den Worten an:
O, Jesu, liebes Herrlein mein! Komm zu mir in mein Herz hinnein; nim es ein zur Wohnung dein, so werd ich rein und Selig sein.
Nun gehen sie wieder zurück und singen:
Lob, Ehr sei Gott im höchsten Thron, der uns schenkt seinen einigen Sohn; des freuet sich der Engel Schaar und singt ein solch Neues Jahr.
Die nun folgende Szene zwischen Gardeson, Laban und Herodes findet sich unserem Schlußspiel. Ebenso ein großer Teil des Königsspiels. Nachdem sich die Könige entschlossen haben, zum Kinde zu ziehen, fährt das Löwenhainer Spiel fort.
Die 3 Könige gehen 3 mal hintereinander rum, nach dem mit einem Compliment zum Könige Herodes hin. – Nach diesen fängt der 1. König an:
Der Segen des Höchsten wolle begnaden, ihro Königreich schützen vor Schaden, vor einfal der Feinde, vor Feuer und Tod: Sie leben befreit vor Jammer und Noth.
Der König Herodes spricht:
Ich danke euch von Herzen vor dieses Compliment; ihr werdet ohne scherzen mir zeigen an behend: Was ist euer beginnen, wo ist es hingericht? – Eröffnet euer Sinnen und gebet mir bericht!
Der König:
Ihro König Herodes, verzeihen sie mir zu reden frei die Wahrheit hier! Warum wir ausgezogen sein, das macht ein Sternenschein; weil er uns neu erschienen ist und er zeigt an zu dieser Frist, es sei Jesus, das Heil, gebohren, zum Juden König auserkohren; denselben wollen wir beten an, sie wollen den Ort uns zeigen lan.
Der König Herodes:
Ich hab hiervon gar keinen Grund zu sagen euch in dieser Stund; doch wil ich kundschaft legen aus, wo sei zu finden dieses Hauß; Stelt euch bei mir bald wieder ein, indes thut Gott befohlen sein.
Die Könige gehen ab.
Der König Herodes spricht:
Mein Kammerdiener kom herbei!
Der Kammerdiener:
Sie befehlen nur, ich diene treu.
Der König Herodes.
Hol die Schriftgelehrten vor uns her das ist mein ernster Wille und Begehr.
Der Kammerdiener zu den Schriftgelehrten:
Sie sollen gleich vor den König Herodes erscheinen.
Der Gardeson zu den König Herodes spricht:
Herr König, hab ichs nicht gesagt, das sich Kundschafter ham hergewagt?
Der König Herodes:
Nur stille, lieber Gardeson! Wir wollen sie lassen laufen an.
Der Schriftgelehrte zu den König Herodes spricht:
Auf ihr Königlich will und Wort erschein ich jetzt an diesen ort.
Der König Herodes zu den Schriftgelehrten:
Hiervon zeige mir geschwind: wo findet man ein solches Kind, das da der Jüden König sei, Wie solches reden die Weisen drey?
Der Schriftgelehrte mit einem Buche:
Hiervon mus ich wohl zeigen an, was uns der Prophet Micha kundgethan: Zu Bethlehem in Davids Stadt – dieselbe er benennet hat – sol herfürsprisen der Herr Christ der unser Heil und König ist:
»Und du Bethlehem im Jüdischen lande bist mit nichten die kleinste unter den Fürsten Juda, denn aus dier soll mir kommen der Herzog, der über mein Volk Israel Herr sei.«
Schlägt das Buch zu.
Gardeson:
Herr König, das Ding lauft auf einen Krieg hinaus! Da werde ich schauen zum Fenster hinaus! Ich menge mich fürwahr nicht drein, ich trinke lieber Bier und Brandenwein.
Herodes spricht:
Mein Kammerdiener, komm herfür, bestell die Weisen her zu mir.
Kammerdiener:
Auf ihr Königlich pefehl und Ortinand geh ich gleich hin und mach ihn bekand.
Kammerdiener (zu den Weisen hin):
Ihr Herren Weisen, ich mach euch bekand, ich bring euch eine Ortinand von meinen König Herodes her: Ihr solt gleich vor ihn erscheinen ist sein begehr.
Die drei Könige vor Herodes:
Der 1. König:
Aus gehorsamster Schuldigkeit –
Der 2. König:
Erscheinen wir zu dieser Zeit –
Der 3. König:
Und sind zu dienen stets bereit.
Herodes:
So ziehet hin nach Bethlehem, Weil nicht hier zu Jerusalem, Sondern von solcher kleinen Stadt Micha vorlängst geschrieben hat, Das daselbst sol kommen herfür Der Herzog, welchen suchet ihr, Und wie ihr solchen treffet an, So solt ihr mich es wisen lan: Ich wil ihn auch Verehrung thun, So geth in Gottes Nahmen nun.
Der 1. König:
Wir danken vor die gütigkeit –
Der 2. König:
Und sind zu dienen stets bereit; –
Der 3. König:
Sie leben wohl zu allerzeit.
Der Gardeson:
Das das mögen wohl rechte narren sein – Ich kann mir es fürwar nicht anders bilden ein: Das ein klein Kind von Bethlehem Soll herrschen zu Jerusalem – Mein Herr giebt das gar schwerlich zu! Es wird sonst da werden die gröste unruh.
Der 1. König:
Ihr lieben Herrn, seth doch an! Der Stern zeigt uns noch mehr die ban Zu dieses Prinzeß Residenz: Wir sind gewiß bald an die Grenz.
Der 2. König:
Ich seh den Stern ganz stille stehn; Ein jeder mag es selbst ansehn: Er stralet auf ein Haußlein dort, Gewis ist dies des Prinzens ort.
Der 3. König:
So wollen wir alda kören ein, Wo uns hinfirt der Sternenschein.
Der 1. König giebt das geschenke ab und spricht:
Dies sei, Heiland, Dir verörth Aniezt aus Herzensgrunde: Arabisches Gold, Weirauch und Mirren. Ich glaubs zu dieser Stunde, Das du bist wahrer Gott und wahrer Mensch zugleich, So nimm mich endlich doch zu dir ins ewige reich!
Der 2. König:
Du bist, o Jesulein Ein König hochgebohren; Dein Vater ist mein Gott, Der hat Dich auserkoren: So nim von mir doch an, Was ich aus Schwachheit dir aniezo bringen kan.
Der 3. König.
Nim hin von mir, du helt Aus Davids Stamm entsprossen, Was ich Dir bringe mit. Las mich auch einst geniesen, Einst sein in deinen Reich, das dir bereitet ist, Bis ich beschliß meine lebensfrist.[16]
Der Joseph:
Habt Grosen Dank, meine lieben Herrn! Gott wird euch davor viel bescherrn Und machen an der Seelle reich, Ja gar den lieben Engeln gleich.
Die 3 Könige gehen ab, und der Engel geth hin und spricht zu den Königen:
Ihr Herrn Weisen, ich mach euch bekand; Nehmt einen andern Weg in euer Land! Geth nicht wieder zu Herodes hin, Den er ist falsch in seinen Sinn; Ihr werdet sonst kommen in gefahr. Dies zeig ich euch; nehmt meiner wahr!
Die Mutter Maria:
Schlaf ein, mein liebes Kindelein, Und thu dein Aeuglein zu: Der liebe Gott, der wil dein Vater sein, :,: Drum schlaf in guter Ruh! :,:
Der Joseph spricht:
Ich bin sehr müth, ich armer Mann, Weil ich heut sehr viel Arbeit hab gethan; Und da ich nun bin kommen zu Hauß, Wold ich gern wieder ruhen aus! So mus ich erstlich nehmen her Den Milchtopf, Mehl und Quirl schwer Zu kochen meinen Kinde einen Brei – Ist das nicht eine schöne Köcherei? Und weil ich sehr erschroken bin, Hab ich nichts in meinen tüpfel drin.
Der Engel zu Joseph und spricht:
Auf, auf, Joseph, und säum dich nicht, Weil ietzt vorgeth ein schwer gericht. Herodes wüthet wie ein Hund: Er will ausrotten diese Stundt Die Kinder so in Unschuld sein – Es soll auch treffen dein Kindelein. Drum zeigt dir Gott den unterricht, Drum auf, Joseph, und säume nicht!
Joseph spricht zu Maria:
Maria, mein vertrautes Weib, Hör an was mir Gott anzeigt! Steh auf, begleite deinen Leib, Ein Groß Unglück sich erreigt: Herodes will, die Kindelein Alsbald müssen getötet sein. Auf, auf! Hier ist kein Bleibens mehr, Der Engel Schutz ist um uns her.
Maria steth auf und spricht:
Weil uns Gott dies zeiget an, Das wir uns machen auf die bahn, So wollen wir fliehen in Egiptenland! Gott wird uns schon leisten sein Beistand, Das wir alda sicher sein Mit unsern lieben Kindelein.
Der eine Hirte stößt in das Horn und die ganze Cumun fängt an zu singen:
Die Hirten auf den Felde warn, Erfahren neue Mähre Von der Englischen Schaar, Das Christus geboren wäre, Ein König über alle Könige Groß; Herodes die rede gar sehr verdroß, Aussand er seine Bothen. Ey wie gar eine falsche list Ertacht er wieder an Jesum Christ! Die Kindelein lies er töden.
Der König Herodes spricht ganz traurich:
Gardeson, gieb guten Rath! Ich mögt vor angst fliehen aus der Stadt, Da ichs verstehe und sehs auch an, Das mich die Weisen betrogen han! Was üben wir vor eine that? – Gardeson gieb guten Rath!
Der Gardeson antwordet edwas zornig:
Herr König, hab ichs nicht gesagt, Ihr solt mich lasen unbefragt, Da ich nun klärlich zeigte an, Es wären Kundschafter auf der ban? Ihr glaubt mir aber nicht! Machts, wie ihr wold, ist mein bericht!
Herodes Andwordet ganz zornig:
Nicht, nicht so trotzig, Gardeson! Ich mus doch gleich wohl hören an, Was fremde Leute bringen für, Die sich erzeigen gegen mir Mit aller Ehr und Höflichkeit! Ich will bald enden diesen Streitt. – Mein Kammerdiener geh geschwind Und nimm zu dir das Kriegsgesind, Geh hin nach Bethlehem ins Jüdische land, Würg alle Kinder vor der Hand, Die du allso findest klein, Die zwey Jahr und trunter sein.
Der Kammerdiener spricht und zieth den Säbel geth naus ins Haus:
Herr König, ich bin schon bereit Zu ziehen aus in solchen Streitt; Nur Geld zur reis, es geth nun fort, Das ich beschlis das Königswort.
Der Gardeson:
Mein Herr rasst und ist nicht klug! Ich sagts ihn vorhin gut genung: Was vermögens die kleinen Kindelein, Die ietzunt so erbärmlich schrein! Die drey kundschafter werden lange Mit ihren Prinzen sein gegangen, Einen andern gang gesuchet ham nach ihren Land! Die Thorheit nimt gar überhand. Drum lustig, wer kan lustig sein, Wen gleich die kleinen kinder schrein! Das Unglück ist auf meinem Herrn, Mich wird es gar nicht sehr beschwerrn!
Der Kammerdiener tritt wieder rein, bei die Stubenthüre, nimmt den Degen ab und spricht:
Von Betlehem kom ich zu Hauß Und hab meine Sache recht gerichtet aus: Viele tausend Man hab ich erschlagen Truz dem, der mir ein Wort kan sagen. Die Kinder schrieen Jämmerlich, Bey mir war keine Verschonung nicht. – Herr König, der will ist vollbracht: Sie geben der furcht gute nacht!
Herodes steth auf von den Stuhle:
Victoria! ruf ich izt aus, So steht in Ruh mein Königshauß Nebst diesen ganzen land! Niemand kan mir thun widerstand Ich bin ein Herr von großer macht, Des rühm ich mich gar wohl betacht.
Gardeson:
So truzig als mein Herr ist, Bin ich auch zu jeder[17] frist, Drum sag ich gleich wohl mit betacht: Leben sie alle wohl um und um zur guten Nacht!
Wen sie zur thüre nausgehen, da wird gesungen:
So wollen wir nun Dank sagen Vor solche wohlthat groß, Die sie uns zugetragen Zu unsern erdeloß. Drum singe, wer da kan: Ihr Thun muß wohl gelingen, Bis wir mit Freuden singen: Was Gott thut, das ist wohl gethan!
Das Wiesenthaler Spiel.
Dieses ist 1910 von Pastor Böhme aufgezeichnet worden und wird zuerst im »Glück auf«, Jahrgang 1910, Seite 183 ff, veröffentlicht. Im nächsten Jahrgang (1911, Seite 39) bringt Schuldirektor O. Borges in Leipzig einige Berichtigungen und Ergänzungen. Wir stellen die beiden Bearbeitungen nebeneinander. Die alte Fassung (Borges) scheint die volkstümlich wertvollere zu sein.
Personen:
Maria, Josef, Hohenpriester, Diener Laban, 3 Könige, 3 Bediente, Wirt, Herodes, Engel, 2 Hirten.
Gesang: Vom Himmel hoch.
Alte Fassung.
Hohenpriester.
Einen schönen guten Abend zu dieser heiligen Zeit, ein frohes Jahr, gesunden Leib Und was Ihr Herz tut mehr begehren, Das wünsch ich Euch, großgünstge Herrn, weil sich die Zeit jetzt tut herwenden, der Weisen Freude zu gedenken, so wollen wir etwas diskurieren, von der Geburt Jesu, unsres Herrn, und wie sie hat geführt der Stern.
(Geht ab.)
Neue Fassung.
Hohenpriester.
Nun ist das schönste Fest auf Erden, Das heilge Christfest wieder da. Wie soll an diesem Fest der Herr gepriesen werden, der, als er einer Welt voll Sünder elend sah, vor Mitleid gegen sie so inniglich entbrannte, daß er – was ihm das Teuerste und Liebste war, – selbst seinen Sohn, den eingebornen an sie wandte und ihn, – doch wer erstaunt hier nicht sogar? – vom Throne seiner Herrlichkeit ins Tal der Tränen sandte, wo die Maria ihn gebar, gebar in einem finstern Stalle, wo nichts von Herrlichkeit an ihm zu sehen war. Hier lag er nun zur Rettung für uns alle, uns zu erretten von dem Sündenfalle, der leider uns die Gnade Gottes nahm. Ein Engel, der vom Himmel kann, rief: »Ich verkündige euch große Freude, die allem Volke widerfahren soll, denn heute ist der Heiland euch geboren, der euch das wiederbringt, was ihr verloren.« Freut euch, Erwachsene, auch nicht minder ihr guten, ihm so teuren Kinder, freut sämtlich euch, daß er des Himmels Paradies eröffnet und uns Sünder nicht verloren ließ. Dankt ihm vereint, verherrlicht seinen Namen und sucht schon früh sei Beispiel nachzuahmen! Nehmt seine Lehre an, die er von Gott gebracht! Befolgt sie gern, befolgt sie Tag und Nacht, so habt ihr euer Glück dann ganz gewiß gemacht, so seid ihr selig hier, und schließt ihr euer Leben, so wird der Heiland euch dort seinen Himmel geben.
(Geht ab.)
In beiden Fassungen.
Wirt:
Was gibts heut für ein Wunderspiel? Hab ich der Gäste doch soviel wie oftmals nicht? oft ist das Haus so leer, daß mich befällt ein Graus. Heut will ich mir den Beutel spicken, auf lange Zeit die Früchte pflücken, mein Haus soll mir, bei meinem Eid, bezahlet werden von solchen Leut. Ich will die Gäste gar gut traktieren, dabei auch doppelte Kreide führen, bei hohem Preis und blankem Geld, weil beides nur den Wirt erhält.
(Maria und Josef kommen von rechts.)
Doch halt, was kommt dort für ein Alter her, der trägt seinen Kober ganz die Quer, der wird gewiß wollen Herberg haben, eine warme Stube, die wird ihn laben. Er sieht so frostig um sein Maul, ich will hingehn, will sein nicht faul, will hören was sein Begehr ist. Woher, Alter, zu dieser Frist?
Josef.
Ach mein allerliebster Herr, ich komme gar von Weitem her, meiner gnädigen Herrschaft zu gehorchen. Ich bitt, wollt mich beherbergen bis morgen.
Wirt.
Ihr seht mir viel zu ärmlich aus, paßt heute gar nicht in mein Haus, ist auch kein Raum für euch mehr hier, sucht euch ein anderes Nachtquartier.
Josef spricht zu Maria:
Maria gieh du na, weil iech nichts richten ka.
oder
Maria, bitte du, weil ich nichts richten tu.
Alte Fassung.
Maria.
Herr Wirt, Herr Wirt, versag er uns doch nicht und geb er uns doch guten Bericht, seh er doch meinem Umstand an und meinen alten grauen Mann.
Wirt.
So gehet hinter in den Stall zum Ochsen und zum Esel all. Und was ich euch lasse tragen für, so kommet und bezahlet mir.
Josef.
Kumm, Maria, wolln wir uns ins Winkel packen, Gott wird schicken all unnere Sachen.
Maria.
Ach Josef, mein getreuer Mann, ich dir nicht mehr verhehlen kann: Ich werde nach des Herrn Wort ein Kind gebären in diesem Ort.
Josef.
Daß mir die Sach net kund mog sei, Maria, mit den Kindelei! Ich hob mich a besunne schu, ich war noch lafen gar drvu.
Engel.
Ach Josef, ändere deinen Sinn, weil ich von Gott gesendet bin. Wenn du verlassen wirst dein Weib, das wird dir bringen großes Leid. Denn was von ihr geboren ist, das soll heißen Jesus Christ, soll der ganzen Welt Erlöser werden, ja, allem Volk, das lebt auf Erden.
Neue Fassung.
Maria.
Ach Herr, verstoßt mich doch nicht, und gebt mir einen guten Bericht, weist mir ein Plätzchen im Stall an mit meinem alten grauen Mann.
Wirt.
So geht nun hinter in den Stall zum Ochsen und zum Esel all! Da sollt ihr euer Wohnung han mit eurem alten, grauen Mann. Und alles, was ich euch laß tragen für, so kommet und bezahlet mir.
Josef.
Jetzt hab ich mir das Ding bedacht, und das wird auch so gleich vollbracht Ich geh halt fort ganz in der Still, kann Maria machen, was sie will.
Engel.
Ach Josef, ändre deinen Sinn, weil ich von Gott gesendet bin, behalt Maria, dein Gemahl, und änder die getroffne Wahl! Bleib du bei ihr und liebe sie Gott lohnt dir alle deine Müh.
2. Auftritt.
Die beiden Hirten um ein Lagerfeuer ruhend.
Alte Fassung.
1. Hirt.
B'hüt Gott, dos is a kalte Nacht, vor grußer Kält hob iech gewacht. Mei Kreiz, iech ka nimmer länger stah, ich will e Weile ofn Fald rimgah.
2. Hirt.
Ich will e Weile mittegah, daß ich mich erwärme ka. Es freist mich a su grausam hart, vor grußer Kält strotzt mir mei Bart.
1. Hirt.
Ober schau emol, mei lieber Gespa, wos dort of gener Weide stah, es gibt an glänzend hallen Schei, es ward wuhl gar e Gespenster sei.
2. Hirt.
Ich gieh net na, 's könnt mir aans vorn Hals aga.
1. Hirt.
Ich gieh a net na, 's könnt mir a aans vorn Hals aga.
2. Hirt.
Gimmer alle bede na, werds uns aans vorn Hals aga, schlae mir e annersch na.
Neue Fassung.
1. Hirt.
Mein Gott, wie kalt ist diese Nacht! Wie schwer wird da der Hirten Wacht!
2. Hirt.
Ja, lieber Freund, sie ist sehr hart. Vor großer Kält strotzt mir mei Bart. Es schauert mich, das Blut ist steif und fingerdick wird da der Reif. Doch siehe, du, mein lieber Freund! Was dort in jener Ferne scheint, das glänzt so schön, gibt hellen Schein, es mag wohl gar ein Gespenst sein.
1. Hirt.
Wahrlich mir graut vor diesem Ding. Wir wollen uns nicht lange besinnen, wollen laufen und springen.
In beiden Fassungen.
2. Engel.
Steht still, ihr Hirten alle zwei! Der Engel Gottes mit euch sei! Denn siehe ich verkündige euch große Freud, Die allem Volke widerfahren heut, denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr in der Stadt Davids.
1. Hirt.
O horch, das ist ein Engelein, ein vielgeliebtes Geistelein, das wollen wir fragen, das wird uns sagen, das, was uns gut und dienlich sei.
2. Hirt.
Ich mags nicht fragen, laß du dirs sagen, was es wohl ist mit dem Gottesbericht, weil gar kommt ein Engelgesicht.
1. Hirt.
Höre du, mein liebes Engelein, mein vielgeliebtes Geistelein, erzähl mir die Geschicht, mit deinem Bericht von dem neugebornen Kindelein.
Engel.
Zu Bethlehem in Davids Stadt, wie Micha es verkündet hat, da liegt der Herre Jesus Christ, der euer aller Heiland ist. Er liegt in einer Krippe hart, neugeboren, arm und zart, gewickelt in die Windeln ein, das soll für euch das Zeichen sein.
1. Hirt.
Hab Dank, du liebes Engelein, du vielgeliebtes Geistelein! Wir wollen uns kurz besinnen, wollen laufen und springen, bis wir das Kindlein gefunden han, auf daß auch wir es beten an.
2. Hirt.
Sieh hier, da steht ein heller Stern, der zeigt gewißlich an den Herrn.
(Josef kommt von links.)
Wir wollen diesen Alten fragen, der wird uns wohl die Wahrheit sagen.
Alte Fassung.
1. Hirt.
Guten Abend, guten Abend, du alter Greis, wir bitten dich mit ganzem Fleiß, du wollest uns doch sehen lan das Kind, das uns ist kundgetan.
Josef.
Dort liegt es in dem Krippelein, gewickelt in ein Windelein.
Hirt.
Wie heißt es denn?
Josef.
Immanuel.
Hirt.
Was bringt es uns?
Josef.
Trost, Heil der Seel. Es ist der Weg der Glaub allein.
Hirt betet an.
Darnach:
Wenn wir wieder kommen rein, bringen wir mit rote und gelbe Aepfelein.
Neue Fassung.
Hirt.
Ist, Alter, hier ein Kindelein, neugeboren, zart und fein, so zeige uns dasselbe für, denn uns treibt Dank und Lobgebühr.
Josef.
Es liegt in seiner Krippen dort, weil kein Raum ist an diesem Ort.
Hirt.
Weil wir nun das Christkind gefunden han, so mögen denn unsere Stimmen erklingen und dem Kind ein Lied zu Ehren singen.
Die Hirten singen:
Gelobet seist du Jesus Christ, daß du Mensch geboren bist usw.
Hirt.
Wenn wir wieder komme herein, wollen wir mitbringen feine gelbe, rote Aepfelein.
Hirten nach rechts ab. Der Vorhang fällt.
3. Aufzug.
Die Weisen kommen von rechts.
Melchior (sieht sich erstaunt um).
Mein Gott, was soll mir dies bedeuten, daß mir der Stern jetzt tut entweichen?
Caspar.
Ich wünsche dem Herrn viel Glück und Fried! Wie kommts, daß er sich so umsieht?
Melchior.
Einem Stern bin ich nachgezogen, der hat mich bis hierher getragen, und als ich kam in diese Stadt, sogleich er sich verloren hat.
Caspar.
Auch mir ist dieser Stern erschienen. Ich komme und will dem Kindlein dienen, allein der Stern ist mir entschwunden, und hab das Kindlein nicht gefunden.
Balthasar.
Einen schönen guten Abend ich euch vermeldt, wie ist es denn mit euch bestellt, daß ihr allhier so stille steht und freundlich miteinander redt? Seid ihr etwa in dieser Stadt zu Haus, so will ich euch um etwas fragen aus.
Melchior.
Mein lieber Freund, sag immer an, ich will hören, ob man euch berichten kann.
Balthasar.
Ich habe einen Stern gesehen, wo wunderliches ist geschehen, der mir anzeiget fein, daß ein Kindlein soll geboren sein, soll der ganzen Welt bringen den Fried, soll aller Welt Erlöser werden, und allem Volk, das lebt auf Erden.
Caspar.
Gleiches ist uns auch geschehen, wir haben einen Stern gesehen, und als wir kamen zu dieser Stadt, sogleich er sich verloren hat.
(Diener kommt von links.)
Balthasar.
Dort kommt einer von ferne her, der wird uns beichten von ungefähr, wo der neugeborene König ist, der geboren ist zu dieser Frist.
Caspar.
So wollen wir ihm entgegen gehn und mit ihm sprechen.
Alte Fassung.
Balthasar.
Einen schönen guten Abend ich euch vermeldt. Wie ist es denn mit euch bestellt, könnt ihr uns nicht anzeigen fein, wo der neugeborne König der Juden mag sein? Wir sind dem Sterne nachgezogen, der hat uns bis hierher getragen, und als wir kamen in diese Stadt, er sich alsbald verloren hat.
Neue Fassung.
Balthasar.
Könnt ihr uns etwa berichten von den freudigen Geschichten, vom neugebornen Königssohn? Denn es zeigte uns von ferne ein Wunder, schönster aller Sterne, daß geboren sei, der trägt die Krone, vom Hause Juda, der regieret die Völker alle, die anführet; wird aller Welt Erlöser werden und allem Volk, das lebt auf Erden.
Diener.
Ich kann euch jetzt berichten nicht, weiß wahrlich nicht, wie mir geschieht, doch will ich meinen König fragen, dann werd ich es euch wieder sagen.
(Die drei Könige ab nach rechts.)
Herodes kommt von links und setzt sich auf den Thron.
Diener.
Gnädigster Herr König, Gott verleihe Euch langes Leben! Es sind drei Männer hier aus fremden Land, Die fragen nach einem Königsohn, der die ganze Welt erlösen soll.
Herodes.
Was bringst du hier für eine Mär? Geschwind, daß man sie bringe her. Ich will sie fragen, ob sie mich narren, sie sollen ganz geschwind erfahren, was sie für einen König haben. Geschwind Diener, laß sie herkommen!
Diener (zu den drei Weisen).
Mein gnädigster König und Herr läßt euch sagen: Ihr sollet sofort vor ihm erscheinen.
Melchior.
Wir werden sofort erscheinen.
(Die drei Könige treten vor den König.)
Herodes.
Was ist das, daß ihr in meinem Land nach einem jungen Königssohn fragt?
Melchior.
Wir haben seinen Stern gesehen im Morgenlande und sind gekommen, ihn anzubeten.
Herodes.
Geht einstweilen in eure Herberge, bis ich euch rufen lasse.
(Die Weisen gehen nach rechts ab.)
Herodes (zum Diener.)
Höre Laban!
Diener.
Was ist dein Wille?
Herodes.
Hole mir den Hohenpriester in der Stille.
Diener zum Hohenpriester.
Mein gnädigster Herr König läßt euch sagen, ihr sollt sofort vor ihm erscheinen.
Hohenpriester.
Werde gleich kommen,
(tritt ein und verbeugt sich vor dem König)
Was ist das, daß ihr mich rufen laßt?
Herodes.
Es sind drei Männer hier aus fremdem Land, die fragen nach einem jungen Königssohn, der die ganze Welt erlösen soll. Könnt Ihr mir vielleicht sagen, was ich mit solchen machen soll?
Hohenpriester (sinnt und spricht)
Ich meine, es wäre der beste Rat, man ließe sie ziehen aus der Stadt, bis sie das Kind gefunden han, auf daß auch ihr hingehet und betets an.
Herodes.
Ich danke Euch für Euern Rat! Ich werde mich künftig Euer öfters bedienen.
(Hohenpriester ab.)
Herodes zum Diener.
Höre Laban!
Diener.
Was ist dein Wille, gnädigster Herr?
Herodes.
Die drei Männer sollen sofort vor mir erscheinen!
Diener zu den drei Weisen.
Ihr sollt sofort zu meinem gnädigsten Herrn König kommen.
Melchior.
Wir werden sogleich erscheinen.
(sie treten vor den König)
Gott verleihe dem Herrn König langes Leben!
Herodes.
Zieht hin und forschet fleißig nach dem Kindelein, und wenn ihr es gefunden habt, dann kommt und sagt mirs, auf daß ich auch hingehe und es anbete.
Melchior.
Mein gnädigster Herr und König, es soll ganz nach deinem Wunsche geschehen.
(Die drei Weisen ziehen dreimal um den König herum und treten ab.)
Vorhang fällt.
4. Aufzug.
Die Weisen von rechts wandernd, Geschenke tragend.
Melchior.
Hier werden wir gefunden ham das Kindelein aus Judas Stamm. Weil hier der Stern so stille steht und nicht von diesem Haus abgeht.
(sie knien nieder und beten an.)
Melchior.
Da ich nun dich, König der Ehren, gefunden habe, so gebe ich dir meine Gabe, nimm hin das Gold aus meinem Schatz, so viel ich hab gefunden Platz.
Caspar.
Nimm hin den Weihrauch des Gebets sei gnädig mir, erhöre stets meine Bitten, das in Demut dir ich aus dem Herzen bringe für.
Balthasar.
Nimm hin die Myrrhen bittrer Reu, die ich dir bring aus wahrer Treu. Dein Lebenslauf wird bitter sein und enden mit sehr großer Pein.
Nachdem die drei Weisen ihre Gaben dargebracht, erheben sie sich und singen gemeinsam: »Ich freue mich in dir«, nach dem Gesange legen sie sich schlafen.
Engel.
Herodes trachtet nach euerem Leben. Ihr sollt nicht wieder zu ihm ziehen, sondern einen andern Weg gehen dahin.
(Engel ab.)
Melchior zu Balthasar.
Was lamentierst du denn in deinem Sinn, daß du so sauer stehst dahin.
Balthasar.
Soll ich nicht lamentieren viel, dieweil ich ganz verwirret bin, durch einen Traum, den ich gehabt von Herodes die ganze Nacht.
Caspar.
Auch ich träumte in dieser Nacht, als wenn Herodes nach uns tracht't, und wollt uns alle töten lassen. Solln ziehn auf einer andern Straßen.
Melchior.
Gott warnt uns gewiß vor ihm, daß wir nicht wieder ziehn dahin.
(Könige ab.)
Herodes zum Diener.
Höre Laban!
Diener.
Was ist der Wille meines gnädigsten Königs?
Herodes.
Hast du die drei Weisen nicht wieder nach mir fragen hören?
Diener.
Sie sind in der Stille fortgezogen, haben uns wahrlich recht betrogen, wir sollten sie tot niederschießen, wenn wir nur erst ihr Bleibens wüßten.
Herodes.
Bleizentner alle Stadtgraben voll, vor großem Zorn werd ich jetzt toll! du sollst gehen aus meinem Haus, ein großes Blutbad richten aus. Alle Kinder, die in Bethlehem sind, die sollst du töten gar geschwind! Alle Kinder von eins und zwei Jahren sollst du in einer Stunde getötet haben!
Diener.
Was mein gnädigster Herr König befiehlt, das will ich tun.
(Diener ab mit blankgezogener Waffe.)
Gesang.
Wenn wir in höchsten Nöten sein usw.
(Nach dem Gesang kehrt der Diener zurück, steckt sein Schwert in die Scheide und spricht zu Herodes):
Ei, ei! wie hat mein Schwert geschnitten, Da half kein Flehen, da half kein Bitten, die Kinder schrieen erbärmlich, bei mir war kein Verschonen nicht. Ei, ei! wie viel hab ich erschlagen, trotzdem keiner mir ein Wort kann sagen.
Herodes.
Recht so, Diener Laban.
Gesang.
»Der Heiland ist geboren« usw.
Schluß.
Das Steinbacher Mettenspiel.
»Christus ward heut geboren!« Ein altes Mettenspiel aus der Kirchgemeinde Steinbach i. Erzgeb. Angeblich von einem 1859 daselbst gestorbenen Kantor Hermann verfaßt. Im 1. Heft des III. Bandes der Mitteilungen des Vereins für sächsische Volkskunde mitgeteilt von Pfarrer Köhler und Kantor Bachmann zu Steinbach. Auch Dr. Alfred Müller hat das Spiel in seinem schönen Aufsatze: »Eine Mettenfahrt« (Glück auf 1900, Seite 2) beschrieben. Dieses Spiel ist bis auf die Gegenwart in der Steinbacher (bei Annaberg) Kirche aufgeführt worden. Das Spiel unterscheidet sich wesentlich von den volkstümlichen Spielen. Schon die Sprache ist nicht eigentlich volkstümlich. Der Anfang des Eröffnungsgedichtes lautet:
Sei gegrüßt, du Fest der höchsten Liebe, das im Zeitenlauf uns wiederkehrt! Sei gegrüßt, du Fest der höchsten Freude, das uns dankend Gott verehren lehrt! Sieh die Flur im weißen Winterkleide und den Strom mit festem Eis belegt; sieh den Lenz im bunten Festgeschmeide, wie er herzlich seine Kinder pflegt! Sieh, der Sommer spendet Frucht und Freude, die der Herbst im Speicher sorglich legt. Alles predigt: Gott ist die Liebe, und im Herzen tönts: die Liebe ist Gott usw.
In diesem Stile geht es weiter. Im Hirtengespräch sagt:
Ruben.
Welche Nacht sank auf die Erd hienieden, wie ich sie noch nie erlebt, – eine Nacht voll heilger Still und Frieden! Heilge Andacht durch die Seele bebt! Alles stille! selbst die Lüfte schweigen, daß der Tritt im Sand zu Lauten wird, und am Himmel, wolkenlos und heiter, weidet seine Herd' der große Hirt!
Das Spiel mag, in der Kirche aufgeführt, eine tiefgehende Wirkung haben, es ist aber doch wohl nicht ein eigentliches Volksspiel. Auch die Musik ist etwas konventionell, etwa in der Art wie die Kantaten des alten Plauener Kirchenmusikdirektors F. M. Gast. Es ist im Graserschen Verlag erschienen.
Ein böhmisches Spiel.
In den Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Deutschen in Böhmen, III. Jahrgang 1865, Seite 115 teilt Joseph Stocklöw Teile eines Spieles mit, das in der Nähe von Schmiedeberg aufgeführt ward und den Namen des »boren Kinnel« führte. Hier finden wir unser »Bornkinnel« wieder. Das Spiel enthält nichts wesentlich Besonderes. Nur ist eine gesungene Verkündigung durch die Engel an Maria dabei. Auch sonst wird im Spiel, der böhmischen Sangesfreude entsprechend, viel gesungen.
Außer den angeführten Spielen haben sich noch viele Reste erhalten, die man an verschiedenen Orten »Weihnachtslieder« nannte. So teilt John (Aberglaube, Sitte und Brauch im sächsischen Erzgebirge Seite 176) ein Bruchstück solcher Spiele aus Olbernhau mit. Das unbegreifliche Verbot der Spiele hat verheerend gewirkt. Trotz aller behördlichen und geistlichen Maßnahmen ging aber das Volk nicht davon ab. Im geheimen wurde weiter gespielt. Auf originelle Weise umging ein Einwohner von Raschau das Polizeiverbot: er führte seine Engelschar im Puppentheater auf und fand enormen Zuspruch. So kam man schließlich darauf, für die Spiele eine der Polizei genehmere Form zu wählen. Die Geistlichen nahmen die Sache in die Hand und es entstanden eine größere Anzahl von sogenannten Weihnachtsstücken oder -spielen, z. B. die an den Pfarrern Steiniger (Lößnitz), Seidel (Lichtenstein), Lehmann (Freiberg), Müller (Zwickau), Bauer (Berthelsdorf), Löscher (Zwönitz) u. a. Das beste dieser Art hat unstreitig der oft erwähnte Gustav Mosen geschaffen. Er bringt in seinem mehrmals erwähnten Buche zunächst eine größere Anzahl der alten Spiele und meint zuletzt, daß man die Spiele, da sie meist Bruchstücke seien, nicht als abendfüllende Aufführung anwenden könne und dichtet aus dem Geist der Spiele heraus ein neues ganz treffliches Spiel. Es ist im Graserschen Verlag erschienen in einer Neubearbeitung Alfred Müllers.
Der Verfasser dieses Buches möchte aber doch den alten Spielen das Wort reden. Wenn sie auch nicht glatt und fein sind.
Den Weihnachtsspielen erging es wie den Volksliedern. Durch ihre mündliche Weitergabe änderte sich ihre Originalform. Das Volk geht mit seinen Dichtungen nicht sehr säuberlich um. Es läßt weg oder verändert, was ihm mißfällt, wiederholt gern nochmals, was ihm zusagt. Ort und Zeit sind unwesentliche Dinge, die man dem Gebrauche anpassen kann, die Lieder zersingt das Volk, die Spiele zerspielt es. Aber sie sind Geist vom Geiste des Volkes, den zu stärken man sich keine Mühe verdrießen lassen sollte.
Nehmen wir an, irgend ein Ort findet in den vorerwähnten Spielen seine »Engelschar« wieder. Er würde sie am 1. Feiertag von einem Verein oder von Schulkindern gern aufführen aber das Spiel ist zu kurz, zu unvollkommen. Da stelle man das eigene Spiel in den Mittelpunkt und entnehme anderen Spielen das Fehlende. Das Ganze rundet sich ab. Auch sorge man für reichlichen Gesang zwischen den Szenen, und ein Stück echtes Volksgut ist gerettet. In der Zeit, wo ein Haaß-Berkow durch seine wunderbare Kunst die Kraft der alten deutschen Volksspiele beweist, dürfte man einen solchen Versuch wohl wagen.
Die Chemnitzer Volkshochschule hat diesen Vorschlag des Verfassers aufgegriffen und sucht durch Aufführungen für den Gedanken zu werben. Es lag nahe, ein Stück zu schreiben, in dem in eine erzgebirgische Stube die Engelschar tritt, ähnlich, wie es Hermann Löscher in seinem »Bornkindel« tut. Dankbar sei anerkannt, daß er damit auf das alte Volksgut eindruckvollst hinweist. Wir wollen aber doch mehr, als nur Theater. Wie die Christspieler in die größte Stube des Dorfes kamen, so kommen sie jetzt in den Saal; in banger Erwartung der Engelschar sitzen die Hörer, da – da ertönt Gesang, die Engelschar kommt zu ihnen, nicht zu den Personen eines Bühnenstückes. Wir wollen nicht Zuschauer, sondern Miterleber haben.
Nun muß mit dem Publikum gerechnet werden. Ein Moment fehlt unseren Spielen fast völlig: das der Spannung. Den Hörern sind die Vorgänge alle vertraut. Das »Was« wird sie darum weniger interessieren, als das »Wie«. Dabei darf man das Kostümliche nicht zu gering achten. Alle Volkskunst, sie mag sein, welche sie will, braucht die Farbe, ohne sie ist die Volkskunst unfroh, ledern. Darum sei man nicht zu ängstlich mit der Kleidung der Spielenden, wenn sie sich recht sehr dem Historischen nähern, ist es durchaus kein Fehler.
Für die Ausgestaltung der Bühne gibt es verschiedene Möglichkeiten. Daß sie so einfach wie möglich sein möchte, ist ein Gebot der Notwendigkeit. Am eindrucksvollsten wirkt die einfache Vorhangbühne. Dunkle Gardinen geben den besten Hintergrund für die farbenfrohen Gestalten des Spiels. Der Stall fällt weg, es genügt eine einfache Krippe. Die Krippenszene sei nur von der Stallaterne Josefs erleuchtet.
Eine andere Auffassung ging dahin, die Bühne mehr dekorativ auszugestalten. Vorbild dafür waren die Weihnachtskrippen unserer Gebirgsstuben. Ein großer Prospekt mit Aussicht auf Jerusalem oder Bethlehem schließt die Bühne nach hinten ab. Vor diesem spielen sich die Szenen ab, die im Freien spielen. Der Felsen des Engels kann durch eine mit geknittertem Packpapier benagelte Kiste leicht hergestellt werden.
Für die Stallszenen wird aus Latten und Brettern ein Gerüst errichtet; nicht zu groß, nur eine Hinterwand, eine Seitenwand, ein Dach mit Stroh bedeckt. Die eine Seitenwand bleibt weg, wegen der verschiedenen Anbetungen des Kindleins. Die Wände werden nicht völlig vernagelt, sodaß überall zu Lücken und Spalten Engel hineinsehen können.
Die Mitte der Bühne wird durch einen Vorhang abgeteilt. Vor diesem spielen sich alle Innenszenen ab, so die Verkündigung an Maria und die Herodesszenen. Die Vorderbühne wird durch den Hauptvorhang abgeschlossen.

Unter allen Umständen lasse man sowohl die Engelschar, als auch die Königschar durch den Saal nach der Bühne ziehen, vor die ein Treppenaufgang gebaut wird. Die Vorhänge möchten geteilt sein.
Die Spieler sollen natürlich sprechen, zu viel Pathos schädigt; vom Erhabenen zum Lächerlichen ist bekanntlich nur ein Schritt.
Wesentlich ist der Anteil der
Musik.
Harmoniumspiel verbindet Gesänge und Szenen. Für die Gesänge benutze man möglichst alte erzgebirgische Weisen. Man findet solche im »Musikalischen Anhang« zum Mosenschen Weihnachtsfestspiel, Grasers Verlag, in »Lied und Spiel zum Preise des Christkindes« von Bernhard Schneider (Dresden, Huhle), sowie auch in Dosts Weihnachtsliedern aus dem Erzgebirge. Die bei den Aufführungen der Chemnitzer Volkshochschule benutzten Gesänge waren von Johannes Halke vierstimmig gesetzt worden. Beim Einzug der Spieler spielte ein kleines Orchester aus Lauten, Violinen und Clarinetten zusammengesetzt.
Wir bringen am Schlusse als Beispiel der Verwendbarkeit der alten Spiele eine Zusammenstellung, die in vielen Aufführungen bereits erprobt ist. Es lag dem Bearbeiter daran, die einzelnen Stücke nicht zu zerreißen, darum erscheinen aus den verschiedenen Spielen immer geschlossene Szenen.
Alte, erstorbene Volksbräuche und Sitten wiederbeleben zu wollen, würde ein vergebliches und unersprießliches Beginnen sein. Man soll nicht einen Leichnam ausgraben und ihn buntgeschmückt zur Schau stellen. Das Vergangene kehrt nicht wieder, wenn es auch lange noch zurückleuchtet. Wir freuen uns alter Sitten und Gebräuche, hören voll Behagen von allerlei Aber- und Zuvielglauben – aber, Gott sei dank, das sind alles überwundene Dinge.
So wäre die ganze Wissenschaft der Volkskunde nur eine forschende, eine historisch betrachtende?
Dies ist nicht der Fall. Wohl muß die Volkskunde die Vergangenheit des Volkes kennen, muß den geheimsten Regungen der Volksseele nachspüren. Dabei darf sie aber nicht stehen bleiben. Wie eine Zeit die andere ablöst, wie Geschlechter kommen und gehen, so wandeln sich auch Sitten und Gebräuche mit den Zeiten um. Dabei sieht man aber mit Betrübnis, daß die neue Sitte, die die alte ablöste, selten einen Fortschritt bedeutet, im Gegenteil, gute alte Sitten sind vergangen, schlimmere sind dafür eingezogen. Nun hat die Volkskunde die Aufgabe, zu wirken, das, was an altem Volksbrauch lebensfähig ist, zu erhalten, auf gutem Alten wertvolles Neue aufzubauen.
Man hat gesagt, die erzgebirgischen Christspiele seien tot, es würde dem Geiste unserer Zeit nicht entsprechen, Wiederbelebungsversuche vorzunehmen. Dem ist zu widersprechen. Wohl hat eine volksfremde Geistlichkeit, eine dem Volksempfinden so fern wie möglich stehende Regierung eine Zeit lang die Spiele unterdrücken können. Sie lebten aber immer wieder auf. Man schränkte die kirchlichen Mettenspiele ein, man verbot sie und nahm damit dem Volke ein gut Teil Poesie aus seinem armseligen Leben. Man trieb die Heiligenchristspieler von der Straße, ja sperrte sie ein, wie im Jahr 1805 zu Thalheim geschehen ist – aber immer erbten sich die Reime weiter.
Wie wollen wir nun die Spiele zu neuem Leben erwecken? Zunächst ist es wünschenswert, daß alle Orte, die noch Metten und dergleichen besitzen, sich dieselben nicht nehmen lassen. Wo noch kein Mettengottesdienst besteht, oder wo er nur rein kirchlich beschaffen ist, lasse man dies eine Mal im Jahr das Volk hinzu und gestalte den Gottesdienst entsprechend aus. Aber auch die außerkirchlichen Spiele führe man wieder auf. Eine große Zahl von Weihnachtsstücken sind geschrieben, die wohl die Weihnachtsgeschichte dramatisch darstellen, aber doch mehr oder weniger Theaterstücke sind. Das sollen sie nicht sein. Wir wollen die schlichten, alten Volksspiele wieder haben.
Aus den vielen Zuschriften, die wir erhielten, ersehen wir mit Freuden, wie man allerorts unseren Gedanken aufgegriffen hat. Wenn uns auf unserem Wege die Wiederbelebung dieses Stückes alter Volkskunst gelingen sollte, würden wir herzlich zufrieden sein.