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Erdgeist

Erster Aufzug

Reading edition

Illustration from Erdgeist

(Geräumiges Atelier. — Rechts hinten Entreetür, rechts vorn Seitentür zum Schlafkabinett. In der Mitte ein Podium. Hinter dem Podium eine spanische Wand. Vor dem Podium ein Smyrnateppich. Links vorn zwei Staffeleien. Auf der hinteren das Brustbild eines jungen Mädchens. Gegen die vordere lehnt eine umgekehrte Leinwand. Vor den Staffeleien, etwas gegen die Mitte vorn, eine Ottomane. Darüber ein Tigerfell. Rechts an der Wand zwei Sessel. Im Hintergrund eine Trittleiter.)

Erster Auftritt

Schwarz und Schön

Schön

(auf dem Fußende der Ottomane sitzend, mustert das Brustbild auf der hinteren Staffelei)

Wissen Sie, daß ich die Dame von einer ganz neuen Seite kennen lerne?

Schwarz

(Pinsel und Palette in der Hand, steht hinter der Ottomane)

Ich habe noch niemanden gemalt, bei dem der Gesichtsausdruck so ununterbrochen wechselte. — Es war mir kaum möglich, einen einzigen Zug dauernd festzuhalten.

Schön

(auf das Bild deutend, ihn ansehend)

Finden Sie das darin?

Schwarz

Ich habe das Erdenklichste getan, um durch meine Unterhaltung während der Sitzungen wenigstens etwas Ruhe in der Stimmung hervorzurufen.

Schön

Dann verstehe ich den Unterschied.

Schwarz

(taucht den Pinsel ins Ölnäpfchen und überstreicht die Gesichtszüge)

Schön

Glauben Sie, es wird dadurch ähnlicher?

Schwarz

Man kann nicht mehr tun, als es mit der Kunst so gewissenhaft wie möglich nehmen.

Schön

Sagen Sie mal ...

Schwarz (zurücktretend)

Die Farbe ist auch wieder etwas eingeschlagen.

Schön

(ihn ansehend)

Haben Sie jemals in Ihrem Leben ein Weib geliebt?

Schwarz

(geht auf die Staffelei zu, setzt eine Farbe auf und tritt auf der anderen Seite zurück)

Der Stoff ist noch nicht genügend abgehoben. Man sieht noch nicht recht, daß ein lebender Körper darunter ist.

Schön

Ich zweifle nicht daran, daß die Arbeit gut ist.

Schwarz

Wenn Sie hierher treten wollen.

Schön

(sich erhebend)

Sie müssen ihr wahre Schauergeschichten erzählt haben.

Schwarz

So weit wie möglich zurück.

Schön

(zurücktretend, stößt die an die vordere Staffelei gelehnte Leinwand um)

Pardon ...

Schwarz

(den Rahmen aufhebend)

O bitte ...

Schön (betroffen)

Was ist das ...

Schwarz

Kennen Sie sie?

Schön

Nein.

Schwarz

(setzt das Bild auf die Staffelei. Man sieht eine Dame als Pierrot gekleidet mit einem hohen Schäferstab in der Hand)

Ein Kostümbild.

Schön

Die ist Ihnen aber gelungen.

Schwarz

Sie kennen sie?

Schön

Nein. Und in dem Kostüm?

Schwarz

Es fehlt noch die ganze Ausführung.

Schön

Na ja.

Schwarz

Was wollen Sie. Während sie mir steht, habe ich das Vergnügen, ihren Mann zu unterhalten.

Schön

Sagen Sie ...

Schwarz

Über Kunst natürlich, um mein Glück zu vervollständigen.

Schön

Wie kommen Sie denn zu der reizenden Bekanntschaft?

Schwarz

Wie man dazu kommt. Ein steinalter, wackliger Knirps fällt mir hier herein, ob ich seine Frau malen könne. Nun natürlich, und wenn sie runzlich wie Mutter Erde ist. Andern Tags Punkt zehn fliegen die Türen auf, und der Schmerbauch treibt dies Engelskind vor sich her. Ich fühle jetzt noch, wie mir die Kniee schwankten. Ein stocksteifer, saftgrüner Lakai mit einem Paket unter dem Arm. Wo die Garderobe sei. Denken Sie sich meine Lage. Ich öffne die Tür da (nach rechts deutend). Nur ein Glück, daß schon alles in Ordnung war. Das süße Geschöpf huscht hinein, und der Alte postiert sich als Schanzkorb davor. Zwei Minuten darauf tritt sie in diesem Pierrot heraus. (Den Kopf schüttelnd) Ich habe nie so was gesehen. (Geht nach rechts und starrt an die Schlafzimmertür hin.)

Schön

(der ihm mit dem Blick gefolgt)

Und der Schmerbauch steht Schildwache?

Schwarz

(sich umwendend)

Der ganze Körper im Einklang mit dem unmöglichen Kostüm, als wäre er darin zur Welt gekommen. Ihre Art, die Ellbogen in die Taschen zu vergraben, die Füßchen vom Teppich zu heben — mir schießt oft das Blut zu Kopf ...

Schön

Das sieht man dem Bild an.

Schwarz (kopfschüttelnd)

Unsereiner, wissen Sie ...

Schön

Hier führt das Modell die Konversation.

Schwarz

Sie hat den Mund noch nicht aufgetan.

Schön

Ist’s möglich!

Schwarz

Erlauben Sie, daß ich Ihnen das Kostüm zeige. (Nach rechts ab.)

Schön

(allein, vor dem Pierrot)

Eine Teufelsschönheit. (Vor dem Brustbild) Hier ist mehr Fond. (Nach vorn kommend) Er ist noch etwas jung für sein Alter.

Schwarz

(kommt mit einem weißen Atlaskostüm zurück)

Was das für Stoff sein mag?

Schön

(den Stoff befühlend)

Atlas.

Schwarz

Und alles in einem Stück.

Schön

Wie kommt man denn da hinein?

Schwarz

Das kann ich Ihnen nicht sagen.

Schön

(das Kostüm bei den Beinen nehmend)

Diese riesigen Hosenpfeifen!

Schwarz

Die linke rafft sie hinauf.

Schön

(auf das Bild sehend)

Bis übers Knie!

Schwarz

Sie macht das zum Entzücken.

Schön

Und transparente Strümpfe?

Schwarz

Die wollen nämlich gemalt sein.

Schön

O, das können Sie.

Schwarz

Dabei von einer Koketterie!

Schön

Wie kommen Sie auf den entsetzlichen Verdacht?

Schwarz

Es gibt Dinge, von denen sich unsere Schulweisheit nichts träumen läßt. (Trägt das Kostüm in sein Schlafzimmer.)

Schön (allein).

Wenn man schläft ....

Schwarz

(kommt zurück, sieht nach der Uhr)

Wenn Sie übrigens ihre Bekanntschaft machen wollen ...

Schön

Nein.

Schwarz

Sie müssen im Augenblicke hier sein.

Schön

Wie oft wird denn die Dame noch sitzen müssen?

Schwarz

Ich werde die Tantalusqual wohl noch ein Vierteljahr zu erdulden haben.

Schön

Ich meine die Andere.

Schwarz

Entschuldigen Sie. Dreimal höchstens. (Ihn zur Tür geleitend) Wenn mir die Dame dann nur ihre Taille dalassen will.

Schön

Mit Vergnügen. Lassen Sie sich bald wieder bei mir sehen. (Stößt in der Tür auf Dr. Goll und Lulu) In Gottes Namen.

Zweiter Auftritt

Dr. Goll. Lulu. Die Vorigen.

Schwarz

Darf ich vorstellen ...

Goll (zu Schön)

Was treiben denn Sie hier?

Schön

(Lulu die Hand küssend)

Frau Medizinalrat.

Lulu

Sie wollen doch nicht schon gehen?

Goll

Welcher Wind führt denn Sie hierher?

Schön

Ich habe mir das Bild meiner Braut angesehen.

Lulu

(nach vorn kommend)

Ihre Braut ist hier?

Goll

Sie lassen hier also auch arbeiten?

Lulu

(vor dem Brustbild)

Sieh da! Bezaubernd! Entzückend!

Goll

(sich umsehend)

Sie halten sie wohl hier irgendwo versteckt?

Lulu

Das ist also das süße Wunderkind, das Sie zu einem neuen Menschen gemacht ...

Schön

Sie sitzt meistens am Nachmittag.

Goll

Und davon erzählen Sie einem nichts?

Lulu

(sich umwendend)

Ist sie denn wirklich so ernst?

Schön

Wohl noch die Nachwirkung der Pensionszeit, gnädige Frau.

Goll

(vor dem Brustbild)

Man sieht, daß Sie eine tiefgehende Wandlung durchgemacht haben.

Lulu

Nun dürfen Sie sie aber auch nicht mehr länger warten lassen.

Schön

In vierzehn Tagen denke ich unsere Verlobung bekannt zu machen.

Goll (zu Lulu)

Laß uns keine Zeit verlieren. Hopp!

Lulu (zu Schön)

Denken Sie, wir fuhren im Trab über die neue Quaibrücke. Ich habe selber kutschiert.

Schön

(will sich verabschieden)

Goll

Nein, nein. Wir Beide sprechen nachher weiter. Geh, Nellie. Hopp!

Lulu

Jetzt kommt’s an mich!

Goll

Unser Apelles leckt sich schon die Pinsel ab.

Lulu

Ich hatte mir das viel amüsanter vorgestellt.

Schön

Sie haben dabei immerhin die Genugtuung, uns den seltensten Genuß zu bereiten.

Lulu

(nach rechts gehend)

Na, warten Sie nur.

Schwarz

(vor der Schlafzimmertür)

Wenn Frau Obermedizinalrat so freundlich sein wollen. (Schließt die Tür hinter ihr und bleibt davor stehen.)

Goll

Ich habe sie in unserm Ehekontrakt nämlich Nellie getauft.

Schön

So? — Ja.

Goll

Was halten Sie davon?

Schön

Warum nennen Sie sie nicht lieber Mignon?

Goll

Das wäre auch was. Daran habe ich nicht gedacht.

Schön

Glauben Sie, daß der Name soviel dabei ausmacht?

Goll

Hm — Sie wissen, ich habe keine Kinder.

Schön

(sein Zigarettenetui aus der Tasche nehmend)

Sie sind doch aber auch erst ein paar Monate verheiratet.

Goll

Danke. Ich wünsche mir keine.

Schön

Rauchen Sie eine Zigarette?

Goll

(sich bedienend)

Ich habe an dem einen vollkommen genug. (Zu Schwarz) Sagen Sie mal, was macht denn eigentlich Ihre kleine Tänzerin?

Schön

(sich nach Schwarz umwendend)

Sie und eine Tänzerin?

Schwarz

Die Dame saß mir damals nur aus Gefälligkeit. Ich kenne die Dame von einem Ausflug des Cäcilienvereins her.

Goll (zu Schön)

Hm — ich glaube, wir kriegen anderes Wetter.

Schön

Das geht wohl nicht so rasch mit der Toilette?

Goll

Das geht wie der Blitz! Die Frau muß Virtuosin in ihrem Fach sein. Das muß jeder von uns in seinem Fach, wenn das Leben nicht zur Bettelei werden soll. (Ruft) Hopp, Nellie!

Schwarz

(an der Tür)

Frau Obermedizinalrat!

Lulu

(von innen)

Gleich, gleich.

Goll (zu Schön)

Ich begreife solche Stockfische nicht.

Schön

Ich beneide sie. Diese Stockfische kennen nichts Heiligeres als ihr Hungertuch. Sie fühlen sich reicher als Unsereiner mit 30000 Mark Renten. Sie können übrigens nicht über einen Menschen urteilen, der von Kindesbeinen an von der Palette in den Mund gelebt hat. Nehmen Sie es auf sich, ihn zu finanzieren. Es ist ein Rechenexempel. Mir fehlt der moralische Mut. Man verbrennt sich auch leicht die Finger ...

Lulu

(als Pierrot aus dem Schlafzimmer tretend)

Da bin ich.

Schön

(wendet sich um, nach einer Pause)

Superb!

Lulu (tritt näher)

Nun?

Schön

Sie beschämen die kühnste Phantasie.

Lulu

Wie gefall’ ich Ihnen?

Schön

Ein Bild, vor dem die Kunst verzweifeln muß.

Goll

Finden Sie nicht auch?

Schön (zu Lulu)

Sie wissen doch wohl nicht recht, was Sie tun.

Lulu

Ich bin mir meiner vollkommen bewußt!

Schön

Dann dürften Sie etwas besonnener sein.

Lulu

Ich tue ja doch nur meine Schuldigkeit.

Schön

Sie sind gepudert?

Lulu

Was fällt Ihnen ein!

Goll

Sie hat eine weiße Haut, wie ich sie noch nirgends gesehen habe. Ich habe unserem Raffael auch gesagt, er möge sich mit dem Fleisch nur ja so wenig wie möglich abgeben. Ich kann mich einmal für die moderne Klexerei nicht begeistern.

Schwarz

(an den Staffeleien, seine Farben präparierend)

Dem Impressionismus dankt es die heutige Kunst jedenfalls, daß sie sich alten Meistern ohne Erröten an die Seite stellen darf.

Goll

Für ein Stück Schlachtvieh mag sie ja ganz angebracht sein.

Schön

Nur um Gotteswillen keine Aufregung!

Lulu

(fällt Goll um den Hals und küßt ihn)

Goll

Man sieht dein Negligé. Du mußt es herunter ziehen.

Lulu

Ich hätte es am liebsten weggelassen. Es geniert nur.

Goll

Er wäre imstande und malte es hin.

Lulu

(nimmt den Schäferstab, der an der spanischen Wand lehnt, auf das Podium steigend, zu Schön)

Was würden Sie jetzt sagen, wenn Sie zwei Stunden Parade stehen müßten?

Schön

Meine Seele verschriebe ich dem Teufel, um mit Ihnen tauschen zu dürfen.

Goll

(sich rechts setzend)

Kommen Sie hierher. Hier ist nämlich mein Beobachtungsposten.

Lulu

(das linke Beinkleid bis zum Knie hinaufraffend, zu Schwarz)

So?

Schwarz

Ja ...

Lulu

(es um eine Idee höher raffend)

So?

Schwarz

Ja, ja ...

Goll

(zu Schön, der auf dem Sessel neben ihm Platz genommen hat, mit einer Handbewegung)

Ich finde sie nämlich von hier aus noch vorteilhafter.

Lulu

(ohne sich zu rühren)

Ich bitte sehr! Ich bin von allen Seiten gleich vorteilhaft.

Schwarz (zu Lulu)

Das rechte Knie weiter vor, bitte.

Schön

(mit einer Geste)

Der Körper zeigt vielleicht feinere Linien ...

Schwarz

Die Beleuchtung ist heute zum mindesten halbwegs erträglich.

Goll

Sie müssen sie flott hinwerfen! Fassen Sie Ihren Pinsel etwas länger!

Schwarz

Gewiß, Herr Medizinalrat.

Schön

Behandeln Sie sie als Stillleben!

Schwarz

Gewiß, Herr Doktor. (Zu Lulu) Sie pflegten den Kopf um eine Idee höher zu halten, Frau Medizinalrat.

Lulu

(den Kopf hebend)

Malen Sie mir die Lippen etwas geöffnet.

Schön

Malen Sie Schnee auf Eis. Wenn Sie sich dabei erwärmen, dann wird Ihre Kunst sofort unkünstlerisch.

Schwarz

Gewiß, Herr Doktor!

Goll

Die Kunst, wissen Sie, muß die Natur so wiedergeben, daß man wenigstens geistig dabei genießen kann!

Lulu

(den Mund etwas öffnend, zu Schwarz)

So — sehen Sie. So halte ich sie halb geöffnet.

Schwarz

Sobald die Sonne kommt, wirft die Mauer von gegenüber warme Reflexe herein.

Goll (zu Lulu)

Du mußt dich in deiner Stellung überhaupt so verhalten, als ob unser Velasquez hier gar nicht vorhanden wäre.

Lulu

Ein Maler ist doch auch eigentlich gar kein Mann.

Schön

Ich glaube nicht, daß Sie von einer rühmlichen Ausnahme so ohne Weiteres auf die ganze Zunft schließen dürfen.

Schwarz

(von der Staffelei zurücktretend)

Ich hätte mir im vergangenen Herbst doch lieber ein anderes Atelier mieten müssen.

Schön (zu Goll)

Was ich fragen wollte — haben Sie die kleine O’Morphi schon als peruanische Perlenfischerin gesehen?

Goll

Morgen sehe ich sie mir zum viertenmal an. Der Fürst Polossow führte mich hin. Sein Haar ist vor Entzücken schon wieder dunkelblond geworden.

Schön

Sie finden sie also auch so fabelhaft?

Goll

Wer will das je im Voraus beurteilen!

Lulu

Ich glaube, es hat geklopft.

Schwarz

Entschuldigen Sie mich einen Augenblick. (Geht zur Türe und öffnet)

Goll

Du darfst ihn getrost etwas unbefangener anlächeln.

Schön

Dem macht das gar nichts.

Goll

Und wenn! — Wozu sitzen wir Beide denn hier!

Dritter Auftritt

Alwa Schön. Die Vorigen.

Alwa

(noch hinter der spanischen Wand)

Darf man eintreten?

Schön

Mein Sohn.

Lulu

Das ist ja Herr Alwa!

Goll

Kommen Sie nur ungeniert herein!

Alwa

(vortretend, reicht Schön und Goll die Hand)

Herr Medizinalrat ... (sich nach Lulu umwendend) Seh ich recht? — Wenn ich Sie doch nur für meine Hauptrolle engagieren könnte!

Lulu

Ich würde für Ihr Stück wohl kaum gut genug tanzen.

Alwa

Aber Sie haben doch einen Tanzlehrer, wie man ihn an keiner Bühne Europas findet!

Schön

Was führt dich denn hierher?

Goll

Sie lassen hier wohl auch insgeheim irgend Jemanden porträtieren?

Alwa (zu Schön)

Ich wollte dich zur Generalprobe abholen.

Schön

(erhebt sich)

Goll

Lassen Sie denn heute schon in vollem Kostüm tanzen?

Alwa

Versteht sich. Kommen Sie mit. In fünf Minuten muß ich auf der Bühne sein. (Zu Lulu) Ich Unglücklicher!

Goll

Ich habe ganz vergessen — wie nennt sich doch Ihr Ballett?

Alwa

Dalailama.

Goll

Ich glaubte, der wäre im Irrenhaus.

Schön

Sie meinen Nietzsche, Herr Sanitätsrat.

Goll

Sie haben recht. Ich verwechsle die Beiden.

Alwa

Ich habe dem Buddhismus auf die Beine geholfen.

Goll

An den Beinen erkennt man den Bühnendichter.

Alwa

Die Corticelli tanzt den jugendlichen Buddah als hätte sie am Ganges das Licht der Welt erblickt.

Schön

Solang die Mutter noch lebte, tanzte sie mit den Beinen ...

Alwa

Als sie dann frei wurde, tanzte sie mit dem Verstande ...

Goll

Jetzt tanzt sie mit dem Herzen!

Alwa

Wenn Sie sie sehen wollen?

Goll

Danke.

Alwa

Kommen Sie doch mit!

Goll

Unmöglich!

Schön

Wir haben übrigens keine Zeit zu verlieren.

Alwa

Kommen Sie mit, Herr Medizinalrat. Im dritten Akt sehen Sie Dalailama in seinem Kloster, mit seinen Mönchen.

Goll

Mir wäre es lediglich um den jugendlichen Buddah zu tun.

Alwa

Was hindert Sie denn?

Goll

Es geht nicht. Es geht nicht.

Alwa

Wir gehen nachher zu Peters. Da können Sie Ihrer Bewunderung Ausdruck geben.

Goll

Dringen Sie nicht weiter in mich. Ich bitte Sie.

Alwa

Sie sehen die zahmen Affen, die beiden Bramanen, die kleinen Mädchen ...

Goll

Bleiben Sie mir nur um Gottes Willen mit den kleinen Mädchen vom Halse!

Lulu

Reservieren Sie uns eine Proszeniumsloge auf Montag, Herr Alwa!

Alwa

Wie konnten gnädige Frau daran zweifeln.

Goll

Wenn ich zurückkomme, hat mir der Höllenbreugel das ganze Bild verpatzt!

Alwa

Das wäre doch kein Unglück. Das läßt sich übermalen.

Goll

Wenn man dem Caravacci nicht jeden Pinselstrich expliziert ...

Schön

Ich halte Ihre Befürchtungen übrigens für unbegründet.

Goll

Das nächste Mal, meine Herren!

Alwa

Die Bramanen werden ungeduldig! Die Töchter Nirvanas schlottern in ihren Trikots!

Goll

Verdammte Klexerei!!

Schön

Man wird uns auszanken, daß wir Sie nicht mitbringen.

Goll

In fünf Minuten bin ich zurück. (Stellt sich links vorn hinter Schwarz und vergleicht das Bild mit Lulu.)

Alwa (zu Lulu)

Mich ruft leider die Pflicht, gnädige Frau.

Goll (zu Schwarz)

Sie müssen hier ein wenig mehr modellieren. Das Haar ist schlecht. Sie sind nicht genug bei der Sache ...

Alwa

Kommen Sie.

Goll

Nun nur Hopp! Zu Peters bringen mich keine zehn Pferde.

Schön

(Alwa und Goll folgend)

Wir nehmen meinen Wagen, der unten steht.

Vierter Auftritt

Schwarz. Lulu.

Schwarz

(beugt sich nach links, spuckt aus)

Pack! — Wäre doch das Leben zu Ende! — Der Brotkorb! — Brotkorb und Maulkorb! — Jetzt bäumt sich mein Künstlerstolz. (Nach einem Blick auf Lulu) Diese Gesellschaft! — (Erhebt sich, geht nach rechts hinten, betrachtet Lulu von allen Seiten, setzt sich wieder an die Staffelei) Die Wahl würde einem schwer. — — Wenn ich Frau Obermedizinalrat ersuchen darf, die rechte Hand etwas höher.

Lulu

(nimmt den Schäferstab so hoch sie reichen kann, für sich)

Wer hätte das für möglich gehalten!

Schwarz

Ich bin wohl recht lächerlich?

Lulu

Er kommt gleich zurück.

Schwarz

Ich kann nicht mehr tun als malen.

Lulu

Da ist er.

Schwarz

(sich erhebend)

Nun?

Lulu

Hören Sie nicht?

Schwarz

Es kommt jemand ...

Lulu

Ich wußte es ja.

Schwarz

Es ist der Hausmeister. Er fegt die Treppe.

Lulu

Gott sei Dank.

Schwarz

Sie begleiten Herrn Obermedizinalrat wohl auf seine Praxis?

Lulu

Das fehlte mir noch!

Schwarz

Weil Sie es nicht gewohnt sind, allein zu sein.

Lulu

Wir haben zu Hause eine Haushälterin.

Schwarz

Die Ihnen Gesellschaft leistet?

Lulu

Sie hat viel Geschmack.

Schwarz

Wofür?

Lulu

Sie zieht mich an.

Schwarz

Sie gehen wohl viel auf Bälle?

Lulu

Nie.

Schwarz

Wozu brauchen Sie denn dann die Toiletten?

Lulu

Zum Tanzen.

Schwarz

Sie tanzen wirklich?

Lulu

Csardas — Samaqueca — Skirtdance ...

Schwarz

Widert Sie denn das nicht an?

Lulu

Sie finden mich häßlich?

Schwarz

Sie verstehen mich nicht. — Wer gibt Ihnen denn den Unterricht?

Lulu

Er.

Schwarz

Wer?

Lulu

Er.

Schwarz

Er?

Lulu

Er spielt Violine. — — —

Schwarz

Man lernt jeden Tag ein neues Stück Welt kennen.

Lulu

Ich habe in Paris gelernt. Ich nahm Stunden bei Eugenie Fougère. Sie hat mich auch ihre Kostüme kopieren lassen.

Schwarz

Wie sind denn die?

Lulu

Grünes Spitzenröckchen bis zum Knie, ganz in Volants, dekolletiert natürlich, sehr dekolletiert und fürchterlich geschnürt. Hellgrüner Unterrock, dann immer heller. Schneeweiße Dessous mit handbreiten Spitzen ...

Schwarz

Ich kann nicht mehr ...

Lulu

Malen Sie doch!

Schwarz

(mit dem Spachtel schabend)

Ist Ihnen denn nicht kalt?

Lulu

Gott bewahre! Nein. Wie kommen Sie auf die Frage? Ist Ihnen denn so kalt?

Schwarz

Heute nicht. Nein.

Lulu

Gottlob kann man atmen!

Schwarz

Wieso ...

Lulu

(atmet tief ein)

Schwarz

Lassen Sie das bitte! — (Springt auf, wirft Pinsel und Palette weg, geht auf und nieder) Der Stiefelputzer hat es wenigstens nur mit ihren Füßen zu tun. Seine Farbe frißt ihm auch nicht ins Geld. Wenn mir morgen das Abendbrot fehlt, fragt mich kein Weltdämchen danach, ob ich mich aufs Austernschlecken verstehe.

Lulu

Ist das ein Unhold!

Schwarz

(nimmt die Arbeit wieder auf)

Was jagt den Kerl auch in diese Probe!

Lulu

Mir wäre es auch lieber, er wäre dageblieben.

Schwarz

Wir sind wirklich die Märtyrer unseres Berufes!

Lulu

Ich wollte Ihnen nicht weh tun.

Schwarz

(zögernd, zu Lulu)

Wenn Sie links — das Beinkleid — ein wenig höher ..

Lulu

Hier?

Schwarz

(tritt zum Podium)

Erlauben Sie ...

Lulu

Was wollen Sie?

Schwarz

Ich zeige es Ihnen.

Lulu

Es geht nicht.

Schwarz

Sie sind nervös ... (Will ihre Hand fassen)

Lulu

(wirft ihm den Schäferstab ins Gesicht)

Lassen Sie mich in Ruhe! (Eilt zur Entreetür) Sie bekommen mich noch lange nicht.

Schwarz

Sie verstehen keinen Scherz.

Lulu

Doch, ich verstehe alles. Lassen Sie mich nur frei. Mit Gewalt erreichen Sie gar nichts bei mir. Gehen Sie an Ihre Arbeit. Sie haben kein Recht mich zu belästigen. (Flüchtet hinter die Ottomane) Setzen Sie sich hinter Ihre Staffelei.

Schwarz

(will um die Ottomane)

Sobald ich Sie für Ihre Launenhaftigkeit bestraft habe.

Lulu (ausweichend)

Dazu müssen Sie mich aber erst haben. Gehen Sie. Sie erwischen mich doch nicht. — In langen Kleidern wäre ich Ihnen längst in die Hände gefallen. — Aber in dem Pierrot!

Schwarz

(sich der Länge nach über die Ottomane werfend)

Habe ich dich!

Lulu

(schlägt ihm das Tigerfell über den Kopf)

Gute Nacht! (Springt über das Podium, klettert auf die Trittleiter) Ich sehe über alle Städte der Erde weg ...

Schwarz

(sich aus der Decke wickelnd)

Dieser Balg!

Lulu

Ich greife in den Himmel und stecke mir die Sterne ins Haar.

Schwarz

(ihr nachkletternd)

Ich schüttle, bis Sie herunterfallen.

Lulu

(höher steigend)

Wenn Sie nicht aufhören, werfe ich die Leiter um. Werden Sie meine Beine loslassen. — Gott schütze Polen! (Bringt die Leiter zu Fall, springt auf das Podium und wirft Schwarz, wie er sich vom Boden aufrafft, die spanische Wand an den Kopf. Nach vorn eilend, an den Staffeleien) Ich habe Ihnen ja gesagt, daß Sie mich nicht bekommen.

Schwarz

(nach vorn kommend)

Lassen Sie uns Frieden schließen. (Will sie umfassen)

Lulu

Bleiben Sie mir vom Leib, oder ... (Sie wirft ihm die Staffelei mit dem Brustbild entgegen, daß beides krachend zu Boden stürzt)

Schwarz

(schreit auf)

Barmherziger Gott!

Lulu

(links hinten)

Das Loch haben Sie selber hineingeschlagen.

Schwarz

Ich bin ruiniert! Zehn Wochen Arbeit, meine Reise, meine Ausstellung. — Jetzt ist nichts mehr zu verlieren. (Stürzt ihr nach)

Lulu

(springt über die Ottomane, über die umgestürzte Trittleiter, kommt über das Podium nach vorn)

Ein Graben! — Fallen Sie nicht hinein! (Stapft durch das Brustbild) Sie hat einen neuen Menschen aus ihm gemacht! (Fällt vornüber)

Schwarz

(über die spanische Wand stolpernd)

Ich kenne kein Erbarmen mehr.

Lulu

(im Hintergrund)

Lassen Sie mich jetzt in Ruhe. — Mir wird schwindlich. — — O Gott, o Gott ... (Kommt nach vorn und sinkt auf die Ottomane)

Schwarz

(verriegelt die Tür. Darauf setzt er sich neben sie, ergreift ihre Hand und bedeckt sie mit Küssen, hält inne; man sieht ihm an, daß er einen inneren Kampf kämpft)

Lulu

(schlägt die Augen auf)

Er kann zurückkommen.

Schwarz

Wie ist dir?

Lulu

Als wäre ich ins Wasser gefallen ...

Schwarz

Ich liebe dich.

Lulu

Ich liebte einmal einen Studenten.

Schwarz

Nellie ...

Lulu

Mit vierundzwanzig Schmissen ...

Schwarz

Ich liebe dich, Nellie.

Lulu

Ich heiße nicht Nellie.

Schwarz (küßt sie)

Lulu

Ich heiße Lulu.

Schwarz

Ich würde dich Eva nennen.

Lulu

Wissen Sie, wieviel Uhr es ist?

Schwarz

(nach der Uhr sehend)

Halb elf.

Lulu

(nimmt die Uhr und öffnet das Gehäuse)

Schwarz

Du liebst mich nicht.

Lulu

Doch ... Es ist fünf Minuten nach halb elf.

Schwarz

Gib mir einen Kuß, Eva!

Lulu

(nimmt ihn am Kinn und küßt ihn, wirft die Uhr in die Luft und fängt sie auf)

Sie riechen nach Tabak.

Schwarz

Warum sagst du nicht Du?

Lulu

Es würde unbehaglich.

Schwarz

Du verstellst dich!

Lulu

Sie verstellen sich selber, wie mir scheint. — Ich mich verstellen? Wie kommen Sie nur darauf? — Das hatte ich niemals nötig.

Schwarz

(erhebt sich, fassungslos, sich mit der Hand über die Stirn fahrend)

Allmächtiger! Ich kenne die Welt nicht ...

Lulu (schreit)

Bringen Sie mich nur nicht um!

Schwarz

(sich rasch umwendend)

Du hast noch nie geliebt ...!

Lulu

(sich halb aufrichtend)

Sie haben noch nie geliebt ...!

Goll

(von außen)

Machen Sie auf!

Lulu

(ist aufgesprungen)

Verstecken Sie mich! O Gott, verstecken Sie mich!

Goll

(gegen die Tür polternd)

Machen Sie auf!

Schwarz

(will zur Tür).

Lulu

(hält ihn zurück)

Er schlägt mich tot.

Goll

(gegen die Tür polternd)

Machen Sie auf!

Lulu

(vor Schwarz niedergesunken, umfaßt seine Knie)

Er schlägt mich tot. Er schlägt mich tot.

Schwarz

Stehen Sie auf ... (Die Tür fällt krachend ins Atelier.)

Fünfter Auftritt

Goll. Die Vorigen.

Goll

(mit blutunterlaufenen Augen stürzt mit erhobenem Stock auf Schwarz und Lulu los)

Ihr Hunde! — Ihr ... (keucht, ringt einige Sekunden nach Atem und schlägt vornüber auf die Diele)

Schwarz

(wankt in den Knieen)

Lulu

(hat sich zur Tür geflüchtet) — (Pause.)

Schwarz

(tritt an Goll heran)

Herr — Herr Medi — Herr Medizi — Herr Medizinal — Herr Medizinalrat.

Lulu

(in der Tür)

Bringen Sie doch bitte erst das Atelier in Ordnung.

Schwarz

Herr Obermedizinalrat. (Beugt sich nieder) Herr ... (Tritt zurück) Er hat sich die Stirne geritzt. Helfen Sie mir, ihn auf die Ottomane legen.

Lulu

(bebt scheu zurück)

Nein, nein ...

Schwarz

(sucht ihn umzukehren)

Herr Medizinalrat.

Lulu

Er hört nicht.

Schwarz

Helfen Sie mir doch nur.

Lulu

Wir heben ihn zu zweit auch nicht.

Schwarz

(sich emporrichtend)

Man muß zum Arzt schicken.

Lulu

Er ist furchtbar schwer.

Schwarz

(seinen Hut nehmend)

Seien Sie doch bitte so freundlich und richten Sie, bis ich zurück bin, die Stellagen ein wenig zurecht. (Ab)

Sechster Auftritt

Lulu. Goll.

Lulu

Auf einmal springt er auf. — (Eindringlich) Bussi! — — Er läßt sich nichts merken. — (Kommt in weitem Bogen nach vorn) Er sieht mir auf die Füße und beobachtet jeden Schritt, den ich tue. Er hat mich überall im Auge. — (Sie berührt ihn mit der Fußspitze) Bussi! — (Zurückweichend) Es ist ihm ernst. — — Der Tanz ist aus. — — Er läßt mich sitzen. — — Was fang’ ich an? — — (Beugt sich zur Erde) Ein wildfremdes Gesicht! — (Sich aufrichtend) Und niemand, der ihm den letzten Dienst erweist. — Ist das trostlos ...

Siebenter Auftritt

Schwarz. Die Vorigen.

Schwarz

Noch nicht wieder zur Besinnung gekommen?

Lulu

(links vorn)

Was fang’ ich an ...

Schwarz

(über Goll gebeugt)

Herr Medizinalrat.

Lulu

Ich glaube beinah, es ist ihm ernst.

Schwarz

Reden Sie doch anständig!

Lulu

Er würde mir das nicht sagen. Er läßt sich von mir vortanzen, wenn er sich nicht wohl fühlt.

Schwarz

Der Arzt muß im Augenblick hier sein.

Lulu

Arznei hilft ihm nicht.

Schwarz

Aber man tut doch in solchem Falle, was man kann.

Lulu

Er glaubt nicht daran.

Schwarz

Wollen Sie sich denn nicht wenigstens umziehen?

Lulu

Ja. — Gleich.

Schwarz

Worauf warten Sie denn noch?

Lulu

Ich bitte Sie ...

Schwarz

Was denn ...?

Lulu

Schließen Sie ihm die Augen.

Schwarz

Sie sind entsetzlich.

Lulu

Noch lange nicht so entsetzlich wie Sie!

Schwarz

Wie ich?

Lulu

Sie sind eine Verbrechernatur.

Schwarz

Rührt Sie denn dieser Moment gar nicht?

Lulu

Mich trifft es auch mal.

Schwarz

Ich bitte Sie, jetzt schweigen Sie endlich mal!

Lulu

Sie trifft es auch mal.

Schwarz

Das brauchten Sie Einem in einem solchen Augenblick wirklich nicht noch zu sagen.

Lulu

Ich bitte Sie ...

Schwarz

Tun Sie was Ihnen nötig scheint. Ich kenne das nicht.

Lulu

(rechts von Goll)

Er sieht mich an.

Schwarz

(links von Goll)

Mich auch ...

Lulu

Sie sind ein Feigling!

Schwarz

(schließt Goll mit dem Taschentuch die Augen)

Es ist das erste Mal in meinem Leben, daß ich dazu verurteilt bin.

Lulu

Haben Sie es denn Ihrer Mutter nicht getan?

Schwarz (nervös)

Nein.

Lulu

Sie waren wohl auswärts?

Schwarz

Nein!

Lulu

Oder Sie fürchteten sich?

Schwarz (heftig)

Nein.

Lulu

(bebt zurück)

Ich wollte Sie nicht beleidigen.

Schwarz

— Sie lebt noch.

Lulu

Dann haben Sie doch noch Jemanden.

Schwarz

Sie ist bettelarm.

Lulu

Das kenne ich.

Schwarz

Spotten Sie meiner nicht!

Lulu

Jetzt bin ich reich ...

Schwarz

Es ist grauenerregend. (Geht nach links) Was kann sie dafür!

Lulu (für sich)

Was fang’ ich an.

Schwarz (für sich)

Vollkommen verwildert!

(Schwarz links, Lulu rechts, sehen einander mißtrauisch an)

Schwarz

(geht auf sie zu, ergreift ihre Hand)

Sieh mir ins Auge!

Lulu (ängstlich)

Was wollen Sie ...

Schwarz

(führt sie zur Ottomane, nötigt sie neben ihm Platz zu nehmen)

Sieh mir in die Augen!

Lulu

Ich sehe mich als Pierrot darin.

Schwarz

(stößt sie von sich)

Verwünschte Tanzerei!

Lulu

Ich muß mich umziehen ...

Schwarz

(hält sie zurück)

Eine Frage ...

Lulu

Ich darf ja nicht antworten.

Schwarz

(wieder an der Ottomane)

Kannst du die Wahrheit sagen?

Lulu

Ich weiß es nicht.

Schwarz

Glaubst du an einen Schöpfer?

Lulu

Ich weiß es nicht.

Schwarz

Kannst du bei etwas schwören?

Lulu

Ich weiß es nicht. Lassen Sie mich! Sie sind verrückt!

Schwarz

Woran glaubst du denn?

Lulu

Ich weiß es nicht.

Schwarz

Hast du denn keine Seele?

Lulu

Ich weiß es nicht.

Schwarz

Hast du schon einmal geliebt —?

Lulu

Ich weiß es nicht.

Schwarz

(erhebt sich, geht nach links, für sich)

Sie weiß es nicht!

Lulu

(ohne sich zu rühren)

Ich weiß es nicht.

Schwarz

(mit einem Blick auf Goll)

Er weiß es ...

Lulu

(sich ihm nähernd)

Was wollen Sie wissen?

Schwarz (empört)

Geh, zieh dich an!

Lulu

(geht ins Schlafkabinett)

Achter Auftritt

Schwarz. Goll.

Schwarz

Ich möchte tauschen mit dir, du Toter! Ich gebe sie dir zurück. Ich gebe dir meine Jugend dazu. Mir fehlt der Mut und der Glaube. Ich habe mich zu lange gedulden müssen. Es ist zu spät für mich. Ich bin dem Glück nicht gewachsen. Ich habe eine höllische Angst davor. Wach auf. Ich habe sie nicht angerührt. Er öffnet den Mund. — Mund auf und Augen zu, wie die Kinder. Bei mir ist es umgekehrt. Wach auf! Wach auf! (Kniet nieder und bindet ihm sein Taschentuch um den Kopf) Hier flehe ich zum Himmel, er möge mich befähigen, glücklich zu sein. Er möge mir die Kraft geben und die seelische Freiheit, nur ein klein wenig glücklich zu sein. Um ihretwillen, einzig um ihretwillen.

Neunter Auftritt

Lulu. Die Vorigen.

Lulu

(tritt aus dem Schlafkabinett, vollständig angekleidet, den Hut auf, die rechte Hand unter der linken Achsel; zu Schwarz, den linken Arm hebend)

Würden Sie mich hier zuhaken. Meine Hand zittert.

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