Front matter (continued 2)
August Wilhelm von Schlegel translation
(Ein Tanz von Rüpeln.)
Theseus. Die Mitternacht rief zwölf mit ehrner Zunge. Zu Bett, Verliebte! Bald ist's Geisterzeit. Wir werden, fürcht ich, in den Morgen schlafen, Soweit wir in die Nacht hinein gewacht. Dies greiflich dumme Spiel hat doch den trägen Gang Der Nacht getäuscht. Zu Bett, geliebten Freunde! Noch vierzehn Tage lang soll diese Festlichkeit Sich jede Nacht erneun mit Spiel und Lustbarkeit.
(Alle ab.)
Droll (tritt auf.) Jetzt beheult der Wolf den Mond, Durstig brüllt im Forst der Tiger; Jetzt, mit schwerem Dienst verschont, Schnarcht der arbeitsmüde Pflüger; Jetzo schmaucht der Brand am Herd, Und das Käuzlein kreischt und jammert, Daß der Krank' es ahnend hört Und sich fest ans Kissen klammert; Jetzo gähnt Gewölb und Grab, Und, entschlüpft den kalten Mauern, Sieht man Geister auf und ab, Sieht am Kirchhofszaun sie lauern. Und wir Elfen, die mit Tanz Hekates Gespann umhüpfen Und, gescheucht vom Sonnenglanz, Träumen gleich ins Dunkel schlüpfen, Schwärmen jetzo; keine Maus Störe dies geweihte Haus! Voran komm ich mit Besenreis, Den Flur zu fegen blank und weiß.
(Oberon und Titania mit ihrem Gefolge treten auf.)
Oberon. Bei des Feuers mattem Flimmern, Geister, Elfen, stellt euch ein! Tanzet in den bunten Zimmern Manchen leichten Ringelreihn! Singt nach meiner Lieder Weise! Singet! hüpfet! leise! leise!
Titania. Wirbelt mir mit zarter Kunst Eine Not' auf jedes Wort; Hand in Hand, mit Feengunst, Singt und segnet diesen Ort.
(Gesang und Tanz.)
Oberon. Nun, bis Tages Wiederkehr, Elfen, schwärmt im Haus umher! Kommt zum besten Brautbett hin, Daß es Heil durch uns gewinn! Das Geschlecht, entsprossen dort, Sei gesegnet immerfort; Jedes dieser Paare sei Ewiglich im Lieben treu; Ihr Geschlecht soll nimmer schänden Die Natur mit Feindeshänden; Und mit Zeichen schlimmer Art, Muttermal und Hasenschart, Werde durch des Himmels Zorn Ihnen nie ein Kind geborn.— Elfen, sprengt durchs ganze Haus Tropfen heilgen Wiesentaus! Jedes Zimmer, jeden Saal Weiht und segnet allzumal! Friede sei in diesem Schloß Und sein Herr ein Glücksgenoß! Nun genung! Fort im Sprung! Trefft mich in der Dämmerung!
(Oberon, Titania und Gefolge ab.)
Droll. Wenn wir Schatten euch beleidigt, O so glaubt—und wohl verteidigt Sind wir dann—: ihr alle schier Habet nur geschlummert hier Und geschaut in Nachtgesichten Eures eignen Hirnes Dichten. Wollt ihr diesen Kindertand, Der wie leere Träume schwand, Liebe Herrn, nicht gar verschmähn, Sollt ihr bald was Beßres sehn. Wenn wir bösem Schlangenzischen Unverdienterweis entwischen, So verheißt auf Ehre Droll Bald euch unsres Dankes Zoll; Ist ein Schelm zu heißen willig, Wenn dies nicht geschieht, wie billig. Nun gute Nacht! Das Spiel zu enden, Begrüßt uns mit gewognen Händen!
(Ab.)
Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Ein Sommernachtstraum, von William Shakespeare (Übersetzt von August Wilhelm von Schlegel)