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Dithyramben

DIE ALPENPASSION

Reading edition

I. FLUCHT

FLORIAN:

Wie Fremde wandern wir auf Erden. Jeder in seinem eigenen Käfig gefangen. Verschlammte moosige Steine sind wir am Grund der Erde: die wallenden Himmel kennen uns nicht.

STELLA:

Es ist keine Liebe mehr von Menschen zu Menschen! Es ist kein Schüttern von Einsamen zu Einsamen! Wir sind wandelnde Grotten, Granit, die keine Welle durchzittert!

FLORIAN:

O wir zu Pyramiden gehäuften Cafés, zu Meeren angeschwollenen Meetings, zu Gebirgen gesteigerten Konzertsäle: Wir lügen, wir lügen! Jeder von uns ist einsam, einsam!

STELLA:

Einmal, da näherten wir uns: und siehe, Haß glutete aus unsern Augen. Krieg spreizte die gierigen Finger. Und wir glaubten, unserm Schicksal zu entfliehn, wenn Blut aus unsern Körpern floh!

FLORIAN:

Wir wühlten uns in die Erde, unsere Schlechtigkeit zu verbergen: da wuchsen die monumentalen Gräber über uns! Wir rissen die Städte auf und wühlten uns in die Lust: da schrieen die Lachenden so bös wie im Tollhaus!

STELLA:

Und jeder Nachbar, den wir töteten, war ein Stab mehr an unserm Käfig! Jeder Bruder, den wir mordeten, war ein Schrei mehr in unserer Einsamkeit!

FLORIAN:

O wäre eine Flucht! O könnt’ ich mich in die Wolke Gottes hüllen! Den Himmel aufreißen und ihm zuschluchzen: Das ist meine Qual: Ich bin ein schlechter Mensch!

STELLA:

Ich bin ein schlechter Mensch! Alle Leiden der Erde sind in mir. Alle meine Schwestern bäumen sich in meinen Leidenschaften empor! Alle Mütter in mir beweinen einen Sohn!

FLORIAN:

Wir müssen uns selber fliehn: da werden wir uns wiederfinden. Wenn wir die Grate des Todes erst erklommen, dann wird das sausende Leben wieder um uns sein.

STELLA:

Wir wollen vor jeder gemeinen Butterblume knien: Dann wird die große Sonnenblume lauter um uns donnern! Wir wollen in uns selbst einkehren: dann wird die ganze Menschheit erlöst in uns Einzug halten!

II. SCHLUCHT

FLORIAN:

O Mensch, bist du mein Schicksal oder mein Gespenst? Noch hockst du grau an allen meinen Wegen. Stöhnst aus Spitälern und spukst aus Spelunken.

Dein Klagen ist im Wind. Deine Kasernen sind bis ins Gebirg gestaut. Dein Schatten klebt an allen meinen Schritten.

Du schreist aus meiner Seele! Du klagst mich an, o Wegelagerer, mein Bruder, mein Schatten!

Und ach, ich leugne nichts: ich komm’ aus deinen Städten, deinen Kriegen. Ich hab es tief erlebt: ich bin von deinen Mördern!

Wirf Wahnsinn über mich! Kreuzige mich mit deiner Mitleidsgeste! Spieß auf mein Herz mit deinen Schreien!

Die Menschheit tief in mir ist schuldig! Und ich bin schuldig in der Menschheit! Ich hab’ den Mord gesehn und ihn geklagt!

Ich hab’ soviel gesehn: die grünen Leichen stürzend in die Äcker. Um schwarze Munde Speichel rot erfroren. Die Liebesleiber schwärend voller Ratten. Die Himmelsaugen aufgeschäumt zu Schwefel. Und abgeriss’ne Arme, die im Tod noch um Verzeihung flehten.

Von Feuersternen überblühte Wüsten. Von Bombendomen überplatzte Nächte. Und bunt besungene Begräbnisse.

Noch mehr: Zuchthäuser vollgeschwemmt. Kinder zu Hungertod geschändet. Vögel und Gärten ihres Lieds beraubt.

O Schlucht, o Mensch in mir, Erinnerung, Anklage, Reue und Gerechtigkeit: ich weiß nichts mehr, als daß ich Mensch und schlecht bin.

Doch, Bruderschatten, sag: ist Sühne nicht genug gebaut zu Massengräbern? Weht Trauer nicht genug um deine alten Fahnen?

Nun laß mich frei! Laß einen noch, der an Erlösung glaubt! Der hell zu Mitternacht den Engel flattern hört; und der zu Morgenaufgang Lächeln um der Sonne Lippen sieht.

Nun laßt mich fliehn, Schlucht, Schatten, Schmerz! Es gibt noch Wälder über euch, die singend schweben! Es gibt noch Gipfel, die mit Purpur uns umglühn! Es gibt noch Söhne, die uns glücklich brauchen!

III. BERGWALD

STELLA:

O Wald, du bärtiger, lächelnder Gott, Du nimmst mich auf mit deinen großen Armen, als wär’ ich eine Nymphe und keine Menschentochter, Als spräng’ ich blond aus blauem Brunnen, und klebte nicht roter Staub an meinen Schuhn! Deine wilden Tiere grasen aus meiner Hand, als schnüffelten sie nicht das Blut an mir: O Wald, du leuchtender, tausendäugiger Freund, Du nimmst mich auf! In dein Zweigengewölk blitzen die Sonnenpfeile, Erdbeer und Waldmeister tanzen Um deine schwarze Erdebrust: O du väterlicher Freund und Gatte, Wald mit dem offenen Herzen im zottigen Blätterfell, Du nimmst mich auf!

So sollen alle Frauen an dir Liebe und Mitleid und Demut lernen! Daß sie wie junge Quellen über zermürbte Leiber sich ergießen, Wie Palmen mit offenen Händen Sonne auf die Schlummerden träufeln. O du friedensstarker, mächtiger Gott, Gib mir soviel Arme, als Elende in den Ritzen der Erde sind, Sie aufzuheben, Gib mir soviel Munde, als Schreie und Qualen und Verbrechen sind, Sie zu trösten, Gib mir so ein tausendfältig Herz, Als schluchzende Mütter in dunklen Alkoven hocken, Als frierende Waisen an leeren Bäckereien vorüberhungern, Als tolle Verwundete ihr Fleisch mit glühenden Nägeln hetzen, Als Erblindete mit stochernden Stäben an stumme Wände pochen, Gib mir so ein tausendfältig Herz, Als du grüne Spiegel hast, zu zittern und zu schimmern, Über die Menschheit mich zu beugen, Über sie hinzurauschen Wie du, ein Wald von Liebe.

IV. GIPFELAN

FLORIAN:

Erde, du verquälte, schlaflose Magd, Was wissen wir Menschen von deinem Schmerz! Bist unsre Mutter doch, und wir schlagen dich Wie die erwachsenen Jungen die buckligen Alten schlagen, Verachten dich, wie die Bürger ihre verlassenen Dirnen verachten. Wir kratzen uns in deine rindigen Höcker, In deine verwitterten, knöchernen Felsen, Wo du den krummen Adler beherbergst, Doch über dich hinaus, du Tränenarme, Steigen wir, den Himmel zu erobern!

Du bleibst unten, härene, nächtige Mutter, In deinen Kriegstälern und steinernen Gräbern gefangen, Wie in besudeltem Wochenbett: Uns aber dürstet nach dem Wein der Wahrheit! Aus deinen unergründeten Tiefen prallt unser Schrei Und gellt die Qual unsrer vermummten Geschlechter!

Mit unsrem Geist, dem Menschengeist, Der in den Feuern der Welt verbrennt, Mit unsrem Geist, der über Nacht und Schmerz Sich täglich aufwärts ringt zu dem Ewigen, Wollen wir steigen, daß unsre runde Stirn Als drittes Gestirn über dir leuchte, Mutter! Wir wollen dir deinen Stolz wiedergeben, Dein Lächeln und deine ewige Liebe: Denn es ist wahr, o schüchterne Magd, o Erde, Ein Gott ist dein Gatte, und heilig sind seine Söhne!

V. PANORAMA

FLORIAN:

So ist es wahr! Die tausend Gipfel um mein Haupt sind Zinken meiner schwebenden Krone! Es schimmert die Erde um mich wie eine marmorne Kathedrale!

So ist es wahr! In meinen mürben Menschenhänden zittert der Schöpfung Allerheiligstes. Kristallene Türme hängen vom Himmel hernieder. Und Weihrauchsäulen wirbeln aus tiefgeknietem Tal.

So ist es wahr! Ich lasse die Erde und die Sonne um mich kreisen. Mein Geist führt zu Erkenntnis und Versöhnung. Ich bin ein Mensch: der Mittelpunkt der Welt!

STELLA:

Ja, es ist wahr! Die Welt ist deine Kathedrale. Du bist der Bischof ihrer Prozession. Du bist der Erste der Erkennenden.

Aber vergißt du, daß du Erde bist? Aus schwerem Stein gebaut ist dieser Dom. Aus Opfern ein gestützter Scheiterhaufen. Ein aus Jahrhunderten gesteilter Sonnenberg.

Und alles Elend ist in deiner Prozession! Die an der Diele Knieenden. Die mit den Säulen Emporgeschrieenen. Die Humpelnden und die Verstümmelten. Die Zaudernden und die Zornigen. Die Gedemütigten und die Verschüchterten.

Sie alle: Die blutgebäumten Mütter. Die grinsenden Selbstmörder. Die Glühenden zu Mitternacht. Die Fröstelnden zu Mittag.

Und die den Kelch ihres Herzens unter dem abgeschabten Mantel verbergen. Und die weißen Kerzen der Kindermelodien. Die von Leidenschaft verwaschenen Mienen. Und die von schandhaftem Lachen ausgehöhlten Schlüfte.

FLORIAN:

Die Menschheit zog mit mir wie dunkle Wolke. Doch wenn des Tags Erkenntnisgeist erstrahlt, taumelt die Nacht zurück zur äschernen Unterwelt.

Dann gibt es auch kein Elend mehr, ihr Schuldigen. Dann gibt es keine Schuld mehr, ihr Elenden. Wie unbewußte Quellen werdet ihr aus euren Qualen springen. Mit Gesten tiefen Wissens den erlösenden Strahl um euren Scheitel schlingen.

Hier ist der brennende Turm des Sonnenaufgangs. Hier ist die offene, schallende Halle Gottes. Hier ist in meiner Brust die Menschheit befreit!

STELLA:

Aus Leid und nicht aus Glück erbaut ist dieser Dom. Aus Schlucht und Schluchzen schöpft die Orgel ihre Fugen. Aus tiefer Demut kommen die goldenen Glocken.

Versteig dich nicht in deine Einsamkeit! Du wirst an zuviel Sonne blind, an zuviel Himmel wirst du irr! O Mensch, bleib deiner Menschheit treu!

Du hörst von Gipfel zu Gipfel säuseln die silberne Stimme der täglichen Ewigkeit. Doch ist es nicht dieselbe Stimme, wenn ein Mensch zum andern hinüberschreit?

VI. GLETSCHER

FLORIAN:

Gletscher, du Einsamer, Einziger gegen den Sturm! Du nie Berauschter, nie Aufgetaner! Nie geschrieener Schrei! Im Sturz Erstarrter, Herber und Harter!

Männlicher Schmerz: Stumm in deinen Stolz gebeugt, steil in deinen Himmel gestemmt! Dunkles Genie, geizig über dein Leid gekrümmt wie die Buckligen. O nie schwingender Egoist; männlicher, heiliger Weltenschmerz!

STELLA:

Gletscher, ewige Mutter der Welt, deren Schoß das Blut der Liebe entquillt!

Überschwang, Überfluß, Überflut! Nie genug der Hände und Schreie und Küsse, zu lieben, zu lieben. Nicht genug der Wimpern zu weinen, zu schluchzen. Nicht genug der Arme, der klagenden, der flehenden, der umarmenden, nicht genug der Arme, zu umschlingen!

Nicht genug der Schreie zur Geburt und Revolte! Nicht Täler genug dich auszuschrein und zu vergeuden! Nicht Menschen genug zu trösten und zu laben!

O du allgemeine, ewige Mutter!

FLORIAN:

Gletscher, du steinerner Gott, dem täglichen Kampf Enthobener! Hier ist der Rand des Himmels, und der Turm der Erde stürzte zu Staub.

Säulen, hymnische, tragen die Arkaden deiner Gewalt. Wie in spielender Träumerei fügt sich des Schicksals geometrisches Gesetz.

Einziger du, in Einsamkeit verbittert, in Ewigkeit verknöchert. Einziger, an dem die Größe des Alls sich mißt!

STELLA:

Gletscher, aus dir erstieg das Volk und die Gemeinschaft! Aus dir kommen verbündet und vereint die Niederen und die Starken, die Nackten und die Schämigen, die Inbrünstigen und die Ungläubigen.

Deiner geöffneten Brust entstürzen die tausend Söhne des Tals, springen die Knabenbäche, rauschen die Arbeitsströme, steigen und steigen die Ozeane!

Dein ist der Ruf, wenn sie mit irren Zungen in Schlucht und Schlachtfeld den Frühling der neuen Welt verkünden!

FLORIAN:

Gletscher, Märtyrer der Erde, steiler Block vor des Himmels Geheimnis: bleib’, o bleib’ der Gefangene deiner Größe!

Nicht erschwachen darfst du und schmelzen, nicht dich lösen zum Tal der Qual, wo Hunde winseln, wo Menschen auf Krücken hüpfen über die Brücken.

Wo Schlachthaus mit rotem Auswurf dich bespeit, Fabrik mit eklem Atem dich beschmutzt; staubige Häfen und salzige Meere einander bekämpfen, einander vernichten.

Gletscher, du Starker, hüte dich vor dem Volk und der Freiheit! Bleibe der Knecht! Bleibe der König! Bleibe der Große, der Stumme, der Einzige!

STELLA:

Gletscher, steh auf, da die Tuba des Aufruhrs erschallt! O Völkerwanderung, o Auszug aus Verbannung und Verkennung! O Erlösung aus der tiefen Schmach!

O allgemeine Gleichheit, o befreiter Gletscher der Menschheit! Staubtropfen im Wind, fremder Passant auf dem Boulevard! Ihr alle und jeder!

Jeder von euch erhebt sich, schreit, erstrahlt! Bankier und Prolet verwechseln Spazierstock und Krücke, Bettler und Kaufmann küssen sich als Brüder!

Die Ketten klirren in den Kerkern. Die Köpfe lodern über der Erde wie Sterne. Alle Gletscher reißt es hin zu Tal. Alle Völker schmelzen zusammen in Liebe.

VII. GRAT

FLORIAN:

Umsonst, umsonst! Ich hab’ mich an der Glasur des Himmels blutig gekratzt. Ich hab’ mir die Flügel an den Säulen des Himmels lahmgeschlagen. Umsonst hab’ ich mich aufgerissen.

Der Nagel der Sonne kreuzigt mich an die Erde. Die Gewölbe des Himmels zerplatzen über meinem schläfrigen Auge. Die Gletscher haben schwarzen Speichel um die Lippen.

Taub bin ich in der Symphonie der Welt. Denn mein Ohr ist wie die Muschel des fernsten Meers. Die schwarzen Horizonte der Erde tönen wie nächtliche Gongs. Und die Rufe der Menschen überdröhnen die Kantate der Berge.

O es schreit in mir der Abgrund und der Tod. Es schreit der Zweifel und der Streit. Es schreit Zerknirschung und das Kruzifix. Es schreit in mir die Erde.

Es schreit und zerrt mich bleischwer nieder. O Mutter Erde, du hast mich mehr geliebt, als ich wußte. O Menschheit, du bist größer, als ich wähnte! Alle Erkenntnis ist Lüge, die nicht der Liebe entflammt!

Jeder von euch, ein Bettler oder ein Siecher; er hat mehr Himmel in seinem Auge als über den Mont Blanc gewölbt ist! Jede von euch, eine Schwester oder eine Braut: sie hat mehr Tränen in ihrem Herzen als der sommerliche Gletscher!

Weil ihr dort unten seid, seid ihr Erhabene! Ihr werdet nichts von der Leere und Kälte des Himmels ahnen und von der Dunkelheit Gottes: aber ihr werdet an die ewige purpurne Flamme der Liebe glauben!

Weil ihr Schlechte seid, seid ihr gebenedeit! Euch werden die Guten ihre Liebe schenken, die Hellen ihre Schönheit und die Frommen ihren Gott.

Lieben, lieben will ich wieder lernen! Güte, Güte will ich wieder üben! Über sich selber sich erheben ist schwerer als über Berge schweben!

VIII. NACHTHÜTTE

FLORIAN:

Auf der Welt ist graue Sintflut. Wolken rollen durch den Himmel. Platinmond zerschmolz im Gletschertiegel. Nacht hat alles überschwemmt.

STELLA:

Aber wir sind in der Arche schwankend, schwankend hingetragen. Ganz mit Wind die Wände ausgeschlagen. Schallende Musik die Fenster. Schütterer Schnee ein tiefer Teppich.

FLORIAN:

Hör’, die Stürme Gottes rauschen. Wölfe schleichen durch die Himmelsschluchten. Und Giganten schlagen ihre Keulen!

STELLA:

Nein, es sind Lawinen, die zu Tränenstürzen schmelzen. Donner wirbt wie eine Vaterstimme. Und die Engel sind uns nah.

FLORIAN:

Das Gewitter rauscht wie Heimatglocken. Von den Gletschern stürzen Schiffe, die uns Hochzeitsgäste bringen. Deine Stimme ist ein roter Wein.

STELLA:

Alle Sterne sind erloschen. Einzig unsre Liebesarche schaukelt auf dem Meer der Nacht. Eine rosa Ampel, wacht sie über der Menschheit.

FLORIAN

O ich fühl’ uns niederrauschen. Aus der Nacht schält sich das helle Tal. Wollen wir die weiße Taube senden?

STELLA:

Unsre Liebe schlingt sich um die ganze Erde. Tausend Vögel schwirren uns entgegen. Tausend Menschen schauen zu uns auf. O, wir wollen alle, alle lieben!

IX. WASSERSTURZ

FLORIAN:

Wasser und Mensch, Ihr seid die ewige Bewegung! Ihr seid der Trieb von allen Trieben: ihr seid der Geist! Da steht kein Felsen starr und keine Gottheit hoch: Vor eurem Strahl zersplittern die Blöcke Granit, Vor eurer Stimme birst das Schweigen des Todes.

O Wasserfall, du Perlentänzer, Aus deinem steilen, einzigen Wasserstamm Blühst du Millionen Wasserzweige an die Erde! Der giftigen Nessel am Straßengraben gibst du dich hin, Du treibst den grünen Springbrunnen der Palmen empor; Vergißmeinnicht fröstelt in deinem Tau, Und der fette Ölbaum saugt dich mit kupfernen Pumpen auf, Du bist der unendliche Geliebte der Erde!

So will ich, dein unsterblicher Geliebter, Über die Menschheit strömen und überströmen: Hinunter, hinunter aus der Einsamkeit Schäumend von Liebe niederschmelzen, (An den Gipfeln ermaß ich die Tiefe der Täler) Zurück zur Menschheit will ich mich ergießen, Zu den dunklen Schluchten der Besiegten und Geknechteten, Zu den grauen Wüsten der Streber und Unfruchtbaren, Zu den endlosen Ebenen der Armen und der Tölpel, Zu den rauchigen Häfen der Vertriebenen und Gezwungenen — Hinab, hinab, dem ewigen Trieb muß ich gehorchen, Wer sich verschenkt, bereichert sich am meisten. Ich will mit sprudelndem Mund und lachenden Augen Die große Liebe dieser Nacht vergeuden, Mich geben und geben, da ich weiß: Unversiegbar sind die Gletscher der Erde, Unversiegbar sind die Quellen des Herzens!

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