Note 592 11 — NACHWEISE
Karl Eugen Neumann translation
»Wohlan denn, ihr Herren, so hört auch von mir, aus welchem und welchem Grunde[240] es vielmehr uns geziemt den Herrn Gotamo zu besuchen, und es nicht dem Herrn Gotamo geziemt uns zu besuchen. Der Asket Gotamo, ihr Herren, ist ja beiderseit wohlgeboren, vom Vater und von der Mutter aus, lauter empfangen, bis zum siebenten Ahnherrn hinauf unbefleckt, untadelhaft von Geburt. Weil aber, ihr Herren, der Asket Gotamo beiderseit wohlgeboren ist, vom Vater und von der Mutter aus, lauter empfangen, bis zum siebenten Ahnherrn hinauf unbefleckt, untadelhaft von Geburt, so geziemt es eben insofern nicht dem Herrn Gotamo uns zu besuchen, sondern uns geziemt es den Herrn Gotamo zu besuchen. Der Asket Gotamo, ihr Herren, hat ja reichlichem Gold und Geschmeide pilgernd entsagt, so heimlich vergrabenem wie offen aufgestelltem.[241] {576} Der Asket Gotamo, ihr Herren, ist ja, noch in frischer Blüthe, glänzend dunkelhaarig, im Genusse glücklicher Jugend, im ersten Mannesalter aus dem Hause in die Hauslosigkeit gezogen. Der Asket Gotamo, ihr Herren, ist ja gegen den Wunsch seiner weinenden, klagenden Eltern, mit geschorenem Haar und Barte, mit fahlem Gewande bekleidet, aus dem Hause in die Hauslosigkeit gezogen. Der Asket Gotamo, ihr Herren, ist ja schön, hold, liebenswürdig, mit höchster Anmuth begabt, mit heiligem Glanze, heiligem Lichte, es ist keine geringe Gunst ihn anzublicken. Der Asket Gotamo, ihr Herren, ist ja tugendrein, von herrlicher Tugend, gediegener Tugend, in gediegener Tugend erfahren. Der Asket Gotamo, ihr Herren, spricht ja angemessen, redet angemessen, seine Rede ist höflich, deutlich, nicht stammelnd, tauglich den Sinn darzulegen. Der Asket Gotamo, ihr Herren, ist ja vieler Meister und Altmeister. Der Asket Gotamo, ihr Herren, hat ja Wunschbegier versiegt, ist frei von Unfrieden. Der Asket Gotamo, ihr Herren, lehrt ja eigene That und eigenes Handeln, schützt den heilsuchenden Menschen kein Böses vor. Der Asket Gotamo, ihr Herren, ist ja aus hohem Hause hinausgezogen, aus unabhängigem Herrscherhause.[242] Der Asket Gotamo, ihr Herren, ist ja aus reichem Hause hinausgezogen, mit Geld und Gut mächtig begabtem. Zum Asketen Gotamo, ihr Herren, kommen sie ja über Länder und Reiche her Fragen zu stellen. Beim Asketen Gotamo, ihr Herren, haben ja viele tausend Gottheiten zeitlebens Zuflucht genommen.[243] Den Asketen Gotamo, ihr Herren, begrüßt man ja allenthalben mit dem frohen Ruhmesrufe, so zwar: ›Das ist der Erhabene, der Heilige, vollkommen Erwachte, der Wissens- und Wandelsbewährte, der Willkommene, der Welt Kenner, der unvergleichliche Leiter der Männerheerde, der Meister der Götter und Menschen, der Erwachte, der Erhabene.‹ Der Asket Gotamo, ihr Herren, {577} ist ja mit den zweiunddreißig Merkmalen eines großen Mannes begabt. Beim Asketen Gotamo, ihr Herren, hat ja der König von Magadhā Seniyo Bimbisāro mit seinen Frauen und Kindern zeitlebens Zuflucht genommen.[244] Beim Asketen Gotamo, ihr Herren, hat ja König Pasenadi von Kosalo mit seinen Frauen und Kindern zeitlebens Zuflucht genommen. Beim Asketen Gotamo, ihr Herren, hat ja der Priester Pokkharasāti mit seinen Frauen und Kindern zeitlebens Zuflucht genommen. Der Asket Gotamo, ihr Herren, ist ja zu Opāsādam angekommen, weilt bei Opāsādam, nördlich vom Dorfe, im Götterhain am Kronwalde. Wer aber auch immer von Asketen und Priestern in unser Dorfgebiet kommt ist unser Gast. Und einen Gast müssen wir werthhalten, hochschätzen, achten und ehren.[245] Weil nun, ihr Herren, der Asket Gotamo zu Opāsādam angekommen ist, bei Opāsādam weilt, nördlich vom Dorfe, im Götterhain am Kronwalde, so ist der Asket Gotamo unser Gast: und der Gast ist von uns werthzuhalten, hochzuschätzen, zu achten und zu ehren. Auch insofern geziemt es nicht dem Herrn Gotamo uns zu besuchen, sondern uns eben geziemt es den Herrn Gotamo zu besuchen. Soviel weiß ich, ihr Herren, vom Preis des Herrn Gotamo; doch ist der Preis des Herrn Gotamo nicht soviel: unermesslich ist ja der Preis des Herrn Gotamo. Schon um jeder einzelnen Eigenschaft willen, ihr Herren, geziemt es nicht dem Herrn Gotamo uns zu besuchen, sondern uns eben geziemt es den Herrn Gotamo zu besuchen. {578} So wollen wir uns denn alle, ihr Herren, zum Asketen Gotamo hinbegeben.«