Note 58314 — NACHWEISE
Karl Eugen Neumann translation
»Ein forschender Mönch, ihr Mönche, der seines Nächsten Gemüthsart versteht, soll bei zwei Dingen den Vollendeten prüfen, bei den sichtbaren und bei den hörbaren Dingen: ›Die unsauberen Dinge, die sichtbar und hörbar sind, finden sich die beim Vollendeten, oder finden sie sich nicht?‹ Und indem er ihn prüft erkennt er: ›Die unsauberen Dinge, die sichtbar und hörbar sind, die finden sich nicht beim Vollendeten.‹ Und wenn er ihn prüfend also erkannt hat, dann prüft er ihn weiter: ›Die wechselvollen Dinge, die sichtbar und hörbar sind, finden sich die beim Vollendeten, oder finden sie sich nicht?‹ Und indem er ihn prüft erkennt er: ›Die wechselvollen Dinge, die sichtbar und hörbar sind, die finden sich nicht beim Vollendeten.‹ Und wenn er ihn prüfend also erkannt hat, dann prüft er ihn weiter: ›Die abgeklärten Dinge, die sichtbar und hörbar sind, finden sich die beim Vollendeten, oder finden sie sich nicht?‹ Und indem er ihn prüft erkennt er: ›Die abgeklärten Dinge, die sichtbar und hörbar sind, die finden sich beim Vollendeten‹: Und wenn er ihn prüfend also erkannt hat, dann prüft er ihn weiter: ›Ist es schon lange her, dass der Ehrwürdige diese treffliche Satzung entdeckt hat, oder ist es eben erst geschehn?‹ Und indem er ihn prüft erkennt er: ›Lang’ ist es her, dass der Ehrwürdige diese treffliche Satzung entdeckt hat, nicht ist der Ehrwürdige eben erst dazu gekommen.‹ Und wenn er ihn prüfend also erkannt hat, dann prüft er ihn weiter: ›Zu Ansehn ist der Ehrwürdige gelangt, ist ein berühmter Mönch geworden: da wird sich manches Elend bei ihm finden.‹ Denn desshalb kann man nicht bei einem Mönch, ihr Mönche, Elend finden, weil er kein Ansehn, keinen Ruhm gewonnen hat: ist aber erst ein Mönch, ihr Mönche, angesehn, berühmt geworden, dann stellt sich manches Elend bei ihm ein. Und indem er ihn prüft erkennt er: {319} ›Zu Ansehn ist der Ehrwürdige gelangt, ist ein berühmter Mönch geworden, doch lässt sich da kein Elend bei ihm finden.‹ Und wenn er ihn prüfend also erkannt hat, dann prüft er ihn weiter: ›Ist der Ehrwürdige ohne Fürchten beschwichtigt, ist der Ehrwürdige nicht aus Fürchten beschwichtigt? Pflegt der Ehrwürdige, verlangensledig, keiner Lust, versiegten Verlangens?‹ Und indem er ihn prüft erkennt er: ›Ohne Fürchten beschwichtigt ist der Ehrwürdige, nicht ist der Ehrwürdige aus Fürchten beschwichtigt: verlangensledig pflegt er keiner Lust, versiegten Verlangens.‹ Wenn man nun diesen Mönch, ihr Mönche, fragte: ›Was für Anhalt, was für Anlass hat wohl der ehrwürdige Bruder, also zu sprechen ‚Ohne Fürchten beschwichtigt ist jener Ehrwürdige, nicht ist jener Ehrwürdige aus Fürchten beschwichtigt: verlangensledig pflegt er keiner Lust, versiegten Verlangens‘‹, so würde der Mönch, ihr Mönche, rechten Bescheid also geben: ›Der Gleiche ist jener Ehrwürdige, ob er unter den Jüngern weilt oder allein, und sanfte Gesellen und rauhe Gesellen, wie sie da sind, die Häupter des Ordens, Erdensöhne und Erdenüberwinder: keinen schätzt jener Ehrwürdige darum gering. Und vom Munde des Erhabenen hab’ ich es gehört, von seinem Munde vernommen: