Note 158 — DREIZEHNTER THEIL BUCH DER ARMUTH (continued 2)
Karl Eugen Neumann translation
Der viermächtige Heerbann, caturaṉginī senā, das caturaṉgam balam der Smṛti, stellt die gesammte Kriegsmacht, und zwar Wagen-, Elephanten-, Reiter- und Fußtruppen dar: ist in der Skulptur mit Vorliebe, besonders gelungen und oft prachtvoll zu Amarāvati, behandelt; und wie bei unserem ALEXANDER, ATTILA, NAPOLEON auch in Indien selbstverständliches Attribut des Erderoberers, von der mythischen Larve des Naciketās bis zur historischen Person Asokos. Purāṇischer Ueberlieferung entstammt es, dass der Titel cakkavattī populär geworden und noch heute nicht selten als cognomen erscheint, eben wie bei uns der Name »Kaiser«. — Hier sei noch eine andere Eigenheit eines cakkavattī besser untersucht, zu Bd. 2, 1. Aufl. S. 520. Bei der Wiedergabe von jālahatthapādo war ich unvorsichtig genug einmal einer kommentariellen Tradition gefolgt, die von den fein verschlungenen Linien der Hand- und Fußflächen redet und sie einem Filigrangeflechte ähnlich beschreibt. In Wahrheit aber müssen auch hier die scholastischen Interpreten abgewiesen und die klassischen Texte zur Erklärung herangezogen werden. In der ersten Hälfte des letzten Aktes der S̀akuntalā wird nämlich unser obiges Merkmal eines dhammarājā oder cakkavattī richtig und naturgemäß der aufblühenden Lotusknospe verglichen, wo die aufstrebenden schlanken Blätter den Fingern und die unten zusammenhaltenden Blatthäutchen der Bindehaut am Ursprung der Finger entsprechen. Bei wem sich ein solches Merkmal vollkommen schön entwickelt zeigt, der mag, nach indischer Idealphysiognomik, die Laufbahn eines Welteroberers oder aber eines Weltüberwinders vollenden. So ruft denn der König, als er seines noch unerkannten, löwenwürgenden Heldenknaben emporgestreckte Hand mit der rosig durchsichtigen Bindehaut zwischen den Fingern wahrgenommen, freudig erregt aus: kathaṃ, cakravartilakṣaṇam apy anena dhāryate, tathā hy asya
pralobhyavastupraṇayaprasārito vibhāti jālagrathitāṉguliḥ karaḥ, alakṣyapatrāntaram iddharāgayā navoṣasā bhinnam ivaikapaṉkajam.
Jālahatthapādo kho pana so bhavaṃ Gotamo heißt daher: »Eine Bindehaut aber an Händen und Füßen hat er, der Herr Gotamo.« — Vergl. noch die als Ausnahme einmal gute Parallele im VII. Kapitel des Lalitavistaras: jālāṉgulihastapādaḥ.
Die zweiunddreißig Merkmale eines großen Mannes, die unsere Texte angeben, theilen übrigens eine Reihe mehr oder minder gleichartiger und auch gegensätzlicher Kennzeichen mit dreißig Merkmalen SAN FRANCESCOS, die CELANO in seiner Vita I cap. 29 i. f. autoptisch überliefert: Facundissimus homo (1), facie hilaris (2), vultu benignus (3), immunis ignaviae (4), insolentiae expers (5), statura mediocris parvitati vicinior (6), caput mediocre ac rotundum (7), facies utcumque oblonga et protensa (8), frons plana et parva (9), mediocres oculi nigri et simplices (10), fusci capilli (11), supercilia recta (12), nasus aequalis subtilis et rectus (13), aures erectae sed parvae (14), tempora plana (15), lingua placabilis ignea et acuta (16), vox vehemens dulcis clara atque sonora (17), dentes coniuncti aequales et albi (18), modica labia atque subtilia (19), barba nigra pilis non plene respersa (20), collum subtile (21), humeri recti (22), brevia brachia (23), tenues manus (24), digiti longi (25), ungues producti (26), crura subtilia (27), parvuli pedes (28), tenuis cutis (29), caro paucissima (30).