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Die Physiologie und Psychologie des Lachens und des Komischen

Front matter (continued 2)

Reading edition

[1] Erhab. u. Komische p. 215.

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Mensch anderes thun, als lustig sein? Denn seht nur, wie vergnügt meine Mutter aussieht, und mein Vater ist doch erst vor zwei Stunden gestorben. Ophelia: Vor zwei Mal zwei Monaten, gnädigster Herr. Hamlet: So lange ist's her?! Ei da mag der Teufel noch schwarz gehen! ich will mir ein munteres Kleid machen lassen" [1]. — Weitere Repräsentanten des Humors liefert Jean Paul im Titan und Siebenkäs etc., vor Allen auch Sterne in seinem Leben und Meinungen Tristam Shandys."

Neben dem bisher dargestellten subjectiven Humor, wo eine selbstbewusste humoristische Person auftritt, die absichtlich als solche handelt," giebt es, wie Lazarus richtig hervorhebt, auch einen objectiven Humor, wo nur der Leser und Zuschauer die Absicht und Wirkung des Humors empfindet", indem der objective Humorist, wie z. B. Falstaff, alle hohen Ideen, deren Widerpart er in Leben und Gesinnung ist, durch sein Reden und Thun in uns erweckt. Er spricht von Ehre, Muth etc., stellt den König dar, wie er Heinrich straft etc., in Allem ist er ein Gebildeter, die Ansprüche der Idee Kennender und Zeigenden. Wir lachen über ihn, obgleich er das Hohe erniedrigt (z. B. in seiner Definition der Ehre), wir lachen, weil er selbst die wahre Idee in uns weckt und diese desto sicherer siegt, je angelegentlicher er dagegen kämpft" [2].

Doch kehren wir nach dieser Abschweifung zu unserem eigentlichen Thema zurück, und wenden uns zur zweiten Hauptform des Komischen.

*II. Das Komische mit zwei vereinbaren Vorstellungen.*

Kam bei der vorher besprochenen Form des einfach Komischen überhaupt nur eine Vorstellung in Frage, die durch ihre Harmonie mit einzelnen und Disharmonie mit anderen Normen die beiden einander conträren Gefühle erregte, so sind bei der vorliegenden Form zwei im Komischen selbst enthaltene Vorstellungen zur Erzeugung des angenehmen Gefühls thätig während zum unangenehmen Gefühl wiederum nur eine der beiden gegebenen Vorstellungen die Ursache giebt. —

[1] Vergl. weiter unten das bei Ironie" Gesagte. [2] Aus Lazarus l. c. p. 206.

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Wir haben hier die sogenannte

*Gerechte Schadenfreude*

zu erwähnen, bei welcher das unangenehme Gefühl aus dem Verstosse einer gegebenen Vorstellungsreihe gegen irgend eine der beiden Normen hervorgeht, während das angenehme Gefühl daraus resultirt, dass eine zweite gleichzeitig gegebene Vorstellung sich mit jener ersten in Rücksicht auf die ethische Norm der Gerechtigkeit leicht verbindet. Die beiden Vorstellungen stehen dabei in dem Verhältniss von Ursache und Wirkung — von Vergehen und Strafe. Während uns einerseits die Dummheit, Schlechtigkeit u. dergl. ärgert, wird andererseits durch die gleichzeitig eintretende Strafe unser Gerechtigkeitsgefühl befriedigt. — Wir haben schon oben in dem zweiten vorläufigen Beispiel angeführt, wie in diesem Sinne auch den Gebildeten die Corpulenz eines Falstaff zum Lachen reizen kann. Wir erwähnen hier noch, als ähnliche sinnlich-hässliche Gegenstände des Gelächters, die Glatze und die rothe Nase, da wir auch diese Fehler (freilich nicht immer mit Recht) als Folgen einer etwas lockeren, üppigen Lebensweise anzusehen gewohnt sind, und wir demnach statt Mitleid mit dem also Entstellten zu empfinden, vielmehr durch die Befriedigung unserer Gerechtigkeitsidee angenehm berührt werden.

In demselben Sinne kann ein Gebildeter auch über die Dummheit lachen, nicht sowohl insofern er sich seines Besserwissens freut, als vielmehr in der Voraussetzung, dass die Dummheit mehr oder weniger auf eigenem Verschulden beruht und wir die den Dummen treffende Blamage oder auch einen geringen Schaden, den er erleidet, als verdient und ihm von Rechtswegen zukommend ansehen. —

Zu beachten ist aber hierbei ein sehr wichtiger Umstand (der gleichzeitig am besten die Richtigkeit meiner Erklärung beweist): Die Strafe darf nicht das uns gerecht erscheinende Maass überschreiten, sonst hört die komische Wirkung in dem jetzt besprochenen Sinne auf. Wir lachen über einen ungeschickten Menschen, wenn er in Folge seiner Ungeschicklichkeit ein mässiges Unheil anrichtet, etwa hinfällt und im Fallen sein Beinkleid an einer am wenigsten dazu geeigneten Stelle auf-

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reisst. Sobald wir aber sehen, dass der Fallende sich ein Bein gebrochen, oder sich sonst erheblich verletzt hat, so werden wir nicht mehr lachen, da die ihn treffende Strafe das uns gerecht erscheinende Maass bei Weitem überschritten hat. Das hat wohl Aristoteles mit seinem anôdunon ou phthartikon auch eigentlich sagen wollen: Ein Schmerz oder Schaden muss wohl vorhanden sein, derselbe darf aber über ein gewisses Maass nicht hinausgehen und muss verdient erscheinen. Um ein weiteres hierher gehöriges Beispiel anzuführen, erinnere ich an jenes Bild, einen Bauer darstellend, der damit beschäftigt ist, einen Baumast abzusägen, auf dessen äusserstem Ende er selbst sitzt. Die komische Wirkung dieser Darstellung beruht offenbar darauf, dass einerseits die Dummheit des Bauern, d. h. der Contrast seiner Handlung mit der Idee von praktischer Klugheit uns unangenehm berührt, während andererseits der in dem Bilde als unabwendbar bevorstehend gezeigte Fall aus der mässigen Höhe uns als Strafe für jene Thorheit gerecht erscheint, und somit wegen seiner leichten Verbindung mit jener ersten Vorstellung in Bezug auf die Gerechtigkeitsidee unserem Gefühle zusagt. Denken wir uns nun aber das Bild so verändert, dass jener Baumast über einem gähnenden Abgrunde schwebe, in welchen der Mensch nun hineinzufallen droht, so lachen wir nicht mehr, weil die Strafe für seine Dummheit bei Weitem das entsprechende Maass überschreitet und unsere Gerechtigkeitsidee dadurch umgekehrt gerade beleidigt würde. Der Umstand übrigens — das sei zum Schlusse noch erwähnt — dass die eine Vorstellung (die des Herabfallens) nicht unmittelbar im Bilde vorhanden ist, thut nichts zur Sache, und ändert die Auffassung dieser Form nicht. Es wird diese Vorstellung jedenfalls durch das Bild hervorgerufen, und geht mit in den komischen Contrast ein; ganz ebenso wie in den ersten Beispielen die rothe Nase uns ohne Weiteres die Vorstellung des Trinkens erweckt und diese nun ganz so wie eine unmittelbar dargebotene sich an dem Contrast betheiligt [1]. Auch dadurch endlich verfällt die Dummheit oft dem Gelächter, selbst der Gebildeten, dass sie sich, mit vielem Selbstgefühl gepaart, den

[1] Schopenhauer l. c. p. 107.

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Anschein besonderer Klugheit geben will, sich aber natürlich nun um so mehr bloss stellt. Wie vorher erscheint uns jetzt die den Dummen treffende Blamage wegen der Ansprüche, die er erhoben hat, als eine wohl verdiente.

Wir kommen nunmehr zur Besprechung der dritten Hauptform, welche wir nannten:

*III. Das Komische mit zwei unvereinbaren Vorstellungen.*

Wie bei der vorigen Form sind auch bei dieser zur Erzeugung des einen Gefühls (hier aber des _un_angenehmen) zwei Vorstellungen im Komischen selbst enthalten, die sich in der dargebotenen Form nicht mit einander verbinden wollen, während andererseits in Folge der Harmonie einer der beiden Vorstellangen mit irgend einer Norm ein angenehmes Gefühl erzeugt wird. — Zu dieser Gruppe gehören zahlreiche Nebenformen, von denen ich die wichtigsten anführe. Als einfachste der hierher gehörigen Formen nenne ich zuerst:

*1. Das Komische der getäuschten Erwartung.*

Wie oben mitgetheilt, will Kant beim Komischen stets eine in Nichts aufgelöste Erwartung nachweisen können, und stützt darauf seine Definition. Richtig ist allerdings, dass die getäuschte Erwartung beim Lächerlichen sehr häufig angetroffen wird, doch spielt sie, wie sich leicht nachweisen lässt, in den meisten Fällen nur eine ganz nebensächliche Rolle, und dient höchstens dazu, die komische Wirkung zu steigern. Schon das erste Beispiel, das Kant zur Stütze seiner Definition selbst anführt, spricht gegen ihn. Lassen wir Kant selbst reden: Wenn Jemand erzählt, dass ein Indianer, der an der Tafel eines Engländers in Surate eine Bouteille mit Ale öffnen und alles dies Bier in Schaum verwandelt herausdringen sah, mit vielen Ausrufen seine grosse Bewunderung anzeigte, und auf die Frage des Engländers, was ist denn hier sich so zu verwundern? antwortete: Ich wundere mich auch nicht darüber, dass es herausgeht, sondern wie ihr's habt herein kriegen können; so lachen wir und es macht uns eine recht herzliche Lust, nicht, weil wir uns etwa klüger finden, als diesen Un-

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wissenden, oder sonst über etwas, was uns der Verstand hierin Wohlgefälliges bemerken liesse, sondern unsere Erwartung war gespannt und verschwindet plötzlich in Nichts." —

Dass eine gewisse Spannung unserer Erwartung in diesem Falle vorliegt, will ich nicht leugnen; Wir denken etwa: welch wichtigen Grund seines Erstaunens wird der Indianer wol vorbringen?" Doch dient dies Moment hier offenbar nur dazu, die komische Wirkung, die auch ohne dies vorhanden wäre, durch die geschickte Form des Vortrages zu erhöhen. Die Aeusserung bleibt auch komisch, wenn wir einfach den Indianer ohne weitere Vorbereitung verwundert fragen lassen: Sagt mir nur, wie habt Ihr das Alles in die Flasche hineinbekommen?" — Die Frage ist, wie leicht ersichtlich, eine pseudonaive und die komische Wirkung erklärt sich bei dieser Auffassung leicht. Während die eigentlich dumme Aeusserung des Indianers unser Gefühl einerseits beleidigt, entdecken wir andererseits in derselben doch viel Ueberlegung und Klugheit, wenn wir uns auf den Standpunkt der bei einem Indianer ganz erklärlichen Unkenntniss in Bezug auf die beim Schäumen des Bieres wirkenden Verhältnisse stellen. —

Nebenbei freuen wir uns — obschon Kant es nicht wahr haben will — doch etwas unseres Besserwissens. Uebrigens bringt Kant noch eine Bemerkung, aus der sich die richtige Auffassung ahnen lässt. Er sagt nämlich: Merkwürdig ist, dass in allen solchen Fällen der Spass immer etwas in sich enthalten muss, welches auf einen Augenblick täuschen kann. Denn wenn Jemand uns mit der Erzählung einer Geschichte grosse Erwartung erregt und wir beim Schluss die Unwahrheit derselben sofort einsehen, so macht es uns Missfallen." —

Doch wir haben nun, da sich das Kant'sche Beispiel für die hier zu besprechende Form nicht als brauchbar erwiesen hat, noch Beispiele anzuführen, in denen die getäuschte Erwartung wirklich ein wesentliches Glied bei Erzeugung des komischen Affects darstellt. Als allgemeines Schema dafür können wir das bekannte: parturiunt montes nascitur ridiculus mus anführen, zu dem unter Anderem der folgende Schwank, den der Clown im Circus oft ausübt, einen speciellen Fall bildet. Der Clown stellt sich an, als ob er über ein ziemlich hochgehaltenes Seil

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hinüber springen will, nimmt einen gewaltigen Anlauf, um dann plötzlich unter dem Seile hindurchzukriechen. In der Regel belohnt unauslöschliches Gelächter, namentlich im Olymp, diese Farce. Suchen wir den Grund dieses Lachens auf, so finden wir das zum Lächerlichen erforderliche unangenehme Gefühl hervorgehend aus der plötzlich getäuschten Erwartung. Das angenehme Gefühl dagegen entsteht einerseits aus dem befriedigten Selbstgefühl, indem dasselbe durch die Vorstellung, dass der Clown jener Aufgabe doch nicht gewachsen war, gehoben wird, andererseits wirkt die berechtigte Schadenfreude mit, indem wir dem Clown die Blamage, die er sich (wenn auch nur scheinbar) zugezogen hat, als eine verdiente gönnen; endlich drittens spielt eine gewisse objectivirende Schadenfreude, die wir über uns selbst empfinden, eine nicht unwesentliche Rolle. Während eigentlich der Clown uns auslachen könnte, dass wir uns durch ihn haben dupiren lassen, schwingen wir uns schnell zu einer Objectivität auf, in der wir im Stande sind, über uns selbst zu lachen. Da wo diese Objectivität nicht vorhanden ist, überwiegt leicht die Kränkung des Selbstgefühls, und es entsteht statt Lachen Aerger. —

Eine zweite hierher gehörige Form:

*2. Den komischen Anachronismus*

haben wir schon bei den vorläufigen Beispielen erwähnt. Wenn wir also, um noch einige andere Beispiele anzuführen, auf Raphael'schen Bildern den Stammvater Abraham mit eiserner Karst in der Hand, Gott Apollo mit einer Geige, auf anderen Bildern Soldaten, unter dem Kreuze Christi, Karten spielend und Tabak rauchend, Ferngläser in der Hand römischer Feldherren, Christus auf seinem Gange nach Golgatha von einem betenden Kapuziner begleitet sehen, so wirkt das Alles komisch, weil uns zwei Vorstellungen zusammen geboten werden, die sich nach der Norm der Gleichzeitigkeit nicht mit einander vereinigen lassen und durch ihre erzwungene Zusammenstellung ein unangenehmes Gefühl erzeugen, während das angenehme Gefühl auf der unserm Selbstgefühl schmeichelnden Vorstellung von unserem Besserwissen beruht.

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*3. Das Komische der Darstellung oder das Burleske und Heroisch- Komische*

leitet sein unangenehmes Gefühl her aus der Disharmonie zwischen der poetischen Darstellung und dem Inhalt. Beim Burlesken werden ernste, wichtige und erhabene Dinge in einer unwürdigen und sie herabsetzenden Weise vorgetragen. Als Beispiel mag Offenbach's Orpheus in der Unterwelt" gelten. Beim Heroisch-Komischen werden ganz unbedeutende Gegenstände durch die Sprache als bedeutende dargestellt, wie z. B. in Blumauers Aeneïde. —

So lange das Burleske und Heroisch-Komische nicht zugleich witzig ist (was aber meist der Fall ist) steht der, aus der oben genannten Quelle fliessenden Unlust, ein Lustgefühl gegenüber, das wie bei der vorigen Form nur aus dem gesteigerten Selbstgefühl des Besserwissens entspringt.

Wir kommen jetzt zur letzten Hauptform des Komischen, die wir nannten:

*IV. Das Komische mit dem Wettstreit der Vorstellungen oder den Witz.*

Der Witz ist eine der ausgedehntesten Formen des Komischen und erfreut sich gerade bei den Gebildeten einer besonderen Beliebtheit und doch steht er dem grössten Theile seines Inhalts nach auf keiner hohen Stufe, indem bei ihm das angenehme Gefühl (in der Regel) ohne Betheiligung sittlichen Wohlgefallens zu Stande kommt. Die logischen Normen und die Normen der Ideenassociation sind es vorwiegend, die bei ihm eine Rolle spielen, während die Beziehungen zu den ethischen oder ästhetischen Normen meistens ausserhalb des Witzes, neben diesem vorhanden sind und die komische Wirkung nur erhöhen. — Es hat daher etwas für sich, wenn Vischer in seiner ersten Schrift [1] den Witz: das Komische des Verstandes oder der Reflexion nennt und hervorhebt, dass die Untersuchung des Witzes theilweise mit der Lehre von den Gesetzen der Ideenassociation zusammenfalle. Das wesentlichste Merkmal des Witzes allen übrigen Formen des Komischen gegenüber ist aber Folgendes:

[1] Erhab. u. Komische p. 196 u. 198.

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Beim Witz entsteht die Unlust wie die Lust aus *zwei* Vorstellungen, deren Unvereinbarkeit, und doch wiederum mögliche Vereinbarkeit mit einander, die Quelle der Gefühle bildet, während bei den übrigen Formen entweder nur eine Vorstellung beide Gefühle erzeugte, oder zwei dargebotene Vorstellungen doch nur zur Erregung des einen der Gefühlsgegensätze thätig waren.

Indem die zwei dargebotenen Vorstellungen zunächst nur unter einander und nicht zu unserem ganzen Ich (zu den ideellen etc. Normen) in Beziehung treten, regt der Witz unsere Interessen viel weniger an, als alle übrigen Formen des Komischen. Ganz richtig sagt deshalb Jean Paul von ihm: er achtet nichts und verachtet nichts, Alles ist ihm gleich, sobald es gleich und ähnlich wird".

Sehen wir davon ab, dass der Unterschied des Witzes von den übrigen Formen des Komischen mir bisher nirgend so scharf präcisirt zu sein scheint, so ist er doch im Ganzen von den Autoren am richtigsten aufgefasst. Jean Paul bringt auch über ihn ungemein viel Treffendes, wenn schon er mit seiner eigentlichen Definition nicht glücklich war und den Mangel wissenschaftlicher Schärfe auch hier verräth. — Seine gelegentlichen Bemerkungen z. B., wenn er ihn den verkleideten Priester nennt, der jedes Paar copulirt, sind viel bezeichnender als seine Definition, nach welcher er die alte, in der That unzureichende Auffassung: Der Witz sei eine Fertigkeit, Aehnlichkeiten zwischen Unähnlichem zu finden, in der Art verändert, dass er den Begriff der Vergleichung substituirt, welche eine theilweise Gleichheit bei grösserer Ungleichheit entdeckt. Viel entsprechender ist die Definition von Vischer, der jene alte dahin erweitert: Der Witz ist eine Fertigkeit mit einer überraschenden Schnelle mehrere Vorstellungen, die nach ihrem inneren Gehalt und dem Nexus, dem sie angehören, einander eigentlich fremd sind, zu Einer zu verbinden." — In dieser Definition ist freilich ungesagt, dass diese Verbindung in gewissen Hinsichten eine gerechtfertigte und uns angenehm berührende sein muss.

Doch berichtigt Vischer wenigstens seine in dem ersten Werke ausgesprochene Ansicht, dass kein Witz einen eigentlichen Sinn habe, in seiner Aesthetik dahin, dass der Sinn zwar

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nicht innerlich organisch im Witz enthalten sei, doch in vielen Fällen von Aussen hinzukomme [1]. Vollständig treffend, wenn wir die darin enthaltenen Begriffe, Gleichheit und Verschiedenheit, mit unseren obigen Normen in Beziehung bringen, ist die schon erwähnte Definition von Lazarus, die eigentlich auf das Komische überhaupt gemünzt ist, aber, wie wir sehen, im Besonderen auf den Witz passt. Es sollen zwei Vorstellungen vorhanden sein, die einmal wegen ihrer Gleichheit zu einem einzigen Denkacte verschmelzen, während sie nach anderer Richtung hin, wieder ganz und gar verschieden sind, die Möglichkeit und die Unmöglichkeit der Verschmelzung tritt zu gleicher Zeit ein". Das ist in der That das Charakteristicum des Witzes.

Die Schopenhauer'sche Definition werde ich bei Gelegenheit einer besonderen Form der Witze erwähnen, zu der wiederum alle von ihm aufgestellten Beispiele gehören.

Am ausführlichsten und in vieler Beziehung sehr glücklich hat in neuester Zeit Kuno Fischer [2] den Witz behandelt. Seine Darstellung, die halb vom psychologischen halb vom metaphysisch-ästhetischen Standpunkte ausgeht, weicht aber von der meinigen vor allen Dingen darin ab, dass Fischer ganz entsprechend seiner Auffassung des Thema's hauptsächlich die Frage erörtert, wie der Witz entsteht, auf welchem Boden er aufspriesst und wie er geformt wird. — Das Material, aus dem er besteht, behandelt Fischer nur gelegentlich. Darum ist selbstverständlich seine ganze Eintheilung eine andere, wenn ich auch in einzelnen Formen mit ihm übereinstimme. Entspringend auf dem Boden der ästhetischen Freiheit, die sich vom Begehren und Wollen fern hält und aus dem ungedruckten Selbstgefühl hervorgeht, ist nach Fischer's kurzer und knapper Definition der Witz ein spielendes Urtheil, welches die Fehler und Gebrechen, d. h. das Unfreie im intellectuellen Reich unserer Gedanken und Vorstellungen plötzlich aufdeckt, und mit unserem erhöhten und freien Selbstgefühl in den komischen Contrast bringt. Der Witz muss nach F. ganz entlegene, nicht gleichartige, sondern entgegengesetzte,

[1] l. c. p. 426. [2] Ueber die Entstehung u. die Entwickelungsformen des Witzes. Zwei Vorträge etc. Heidelberg 1871.

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nicht bekannte, sondern einander fremde Vorstellungen mit einander verknüpfen, dieselben aber plötzlich in der Pointe zusammenstossen lassen. Was noch nie vereint war, ist mit einem Male verbunden und in demselben Augenblicke, wo uns dieser Widerspruch noch frappirt, überrascht uns schon die sinnvolle Erleuchtung". — Sehr mit Recht betont Fischer, wie auch Vischer, besonders das Plötzliche des Zusammenstosses der beiden Vorstellungen, d. h. die Pointe. Wir müssen auf diesen Punkt, der zwar indirect in unserer Aufstellung schon enthalten ist, am Schlusse noch einmal zurückkommen. Zunächst wollen wir die einzelnen Formen des Witzes untersuchen und durch Beispiele erläutern.

Wir können innerhalb des Witzes zwei inhaltreiche Hauptgruppen aufstellen, die sich durch die Entstehung des angenehmen Gefühls von einander unterscheiden; in der einen Gruppe ist dasselbe abhängig von der leichten Vereinbarkeit der beiden dargebotenen Vorstellungen in Rücksicht auf die logischen Normen; bei der andern Gruppe entsteht die Lust aus der leichten Verbindung der beiden Vorstellungen nach irgend einer der drei Normen der Ideen- Association.

In der ersten Gruppe spielt der doppelte Sinn, die zweifache Bedeutung und Beziehung, welche in einer der beiden dargebotenen Vorstellungen steckt und in Rücksicht auf welche die Vereinigung mit der in der vorliegenden Situation enthaltenen zweiten Vorstellung, einmal möglich, das andere Mal unmöglich ist, eine Hauptrolle. Ich will deshalb der bequemeren Bezeichnung halber den Namen Doppelsinn-Witze" dafür einführen, während ich die andere Gruppe (Ideen-) Associations-Witze nenne.

Wir behandeln zuerst die

*1. Associations-Witze*

als die tiefer stehende Form. Es werden hier also zwei Vorstellungen mit einander in einen Zusammenhang gebracht, der gegen die Normen der Logik verstösst, und dadurch Unlust verursacht, während andererseits die Verbindung derselben beiden Worte in Rücksicht auf eine der drei Normen der Ideenassociation eine leichte ist und dadurch das Lustgefühl begründet. Je

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nachdem das Gesetz der Aehnlichkeit, das der Gleichzeitigkeit oder das der Zeitfolge die Association erleichtert, erhalten wir drei verschiedene Unterklassen der Associationswitze. In der erstgenannten Unterklasse, die ihr angenehmes Gefühl auf die Aehnlichkeit der beiden Worte stützt, nehmen die sogenannten *Klangwitze* das weiteste Gebiet ein. Bei ihnen ist die äussere Aehnlichkeit des Klanges massgebend. Wir haben schon oben unter den vorläufigen Beispielen auch von dieser Form einige angeführt: (Tracht — Eintracht; Ring — Hering.) Man nennt diese Sorte von Witzen auch Kalauer" und achtet sie ziemlich gering; trotzdem hat selbst Shakespeare sie nicht verschmäht, indem er z. B. dem dicken Hans Falstaff folgende in den Mund legt. Allerdings hat mein Wanst es weit in die Dicke gebracht, aber es ist hier nicht die Rede von Wänsten, sondern von Gewinnsten, nicht von Dicke, sondern von Tücke". — Nicht der geringste logische Zusammenhang besteht zwischen diesen, doch in eine enge Verbindung gebrachten Worten; nur der Gleichklang hält sie zusammen.

Ich erwähne hier ferner jenes schon bei Gelegenheit des Pseudonaiven angeführte Beispiel, wo das Kind, dem das Vaterunser gelehrt wird, fragt, ob der Vater Unser mit dem Onkel Unzen verwandt sei. Wir können diese Aeusserung auch als einen Witz auffassen, bei welchem das angenehme Gefühl (allerdings viel schwächer als bei der vorigen Auffassung) lediglich aus dem Gleichklang der beiden Worte Unser und Unzer hervorgeht, die sonst gar nichts mit einander zu thun haben, und deren Zusammenbringung unser Gefühl beleidigt. Jene Aeusserung steht, als pseudonaive aufgefasst, bedeutend höher, als wenn wir sie als Witz ansehen.

Zuweilen erhält die einerseits unsinnige Zusammenstellung klangähnlicher Worte durch äussere Nebenbeziehungen eine Art von Sinn, und diese Witze stehen dann um ein Weniges höher. Beispiele zu dieser Art liefern Fischart und Abraham a Santa Clara in grosser Fülle.

Dem letzteren nachgebildet sind die bekannten Klangwitze des Kapuziners in Wallenstein:

Kümmert sich mehr um den Krug als den Krieg, Wetzt lieber den Schnabel als den Sabel,

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Hetzt sich lieber herum mit der Dirn, Frisst den Ochsen lieber als den Ochsenstirn etc. Das römische Reich, dass Gott erbarm, Sollte jetzt heissen römisch arm. Der Rheinstrom ist geworden zu einem Peinstrom, Die Bisthümer sind verwandelt in Wüstthümer, Die Abteien und Stifter Sind Raubteien und Diebesklüfter, Und alle die gesegneten deutschen Länder Sind verwandelt worden in Elender.

Im Anschluss hieran muss ich noch eine Abart der Klangwitze erwähnen, die sich von der gewöhnlichen Form dadurch unterscheidet, dass von den beiden Vorstellungen, deren Vereinbarkeit und Unvereinbarkeit eben den Witz erzeugt, nur die eine direct, die andere aber indirect gegeben ist. Hierher gehört besonders die theils absichtliche, theils unabsichtliche Verstümmelung der Fremdwörter, wie sie zum Beispiel von Onkel Bräsig in hohem Maasse geübt wird: Er spricht von dem Existent (statt Assistent) des Wasserdoctors, der nicht als Gregorius (Chirurgus) qualifikacirt war und keine Operamente (Operationen) machen durfte, ihm dagegen eine Extra-Einwickelung apoplexirte. Hier findet der Wettstreit zwischen dem wirklich ausgesprochenen und dem eigentlich gemeinten Wort statt, das wir sofort errathen müssen. In Bezug auf die logischen Normen haben diese beiden Worte, die nicht nur in Verbindung gebracht sind, sondern von denen eins sogar für's andere substituirt ist, nicht das Geringste mit einander zu thun, ihre Klangähnlichkeit aber erleichtert andererseits die Association. — Man kann diese Confusionen (wie es mit dem gerade angeführten Beispiel wol gewöhnlich geschehen wird) auch als einfach komisch und nicht als witzig auffassen, indem man dabei weniger den Wettstreit der beiden Vorstellungen berücksichtigt, sondern vielmehr die komische Situation in's Auge fasst, dass Jemand, der sich aus Eitelkeit einen Anstrich von Bildung geben will und daher Fremdworte anwendet, nun durch Verstümmelung derselben doch seine Unbildung verräth, sich blamirt und auf diese Weise unser Gerechtigkeitsgefühl befriedigt. Dagegen werden wir die folgenden Confusionen schon eher als witzig auffassen: Finis coronat opium;

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tres faciunt collodium; Omnia mea mecum portemonnaie; exempla sunt spirituosa, mundus vult deficit etc. Hierher gehören vor allen Dingen auch die witzigen Verdeutschungen fremder Worte, die sich bei Fischart in so überaus reichlicher Zahl finden und die einerseits zwar von seiner kecken und oft zu weit gehenden muthwilligen Laune Zeugniss ablegen, andererseits aber auch wie Kurz in seiner Geschichte der deutschen Literatur richtig anführt, die ächt volksmässige Schöpfungskraft in ihm erkennen lassen, welche das fremde Wort zwar beibehält, ihm aber deutsche Form und deutsche Bedeutung giebt, wie in unseren Worten Opfern (von dem lat. offerre), Körper (corpus) etc. So bildet Fischart maulhenkolisch (für melancholisch), Pfotengram (Podagra), Affrich (Afrika), Notnar (Notar), Jesuwider (Jesuit), Untenamend (Fundament), Amend (Amen) u. s. w.

Die Aehnlichkeit der beiden zusammengebrachten Worte braucht sich aber nicht immer auf den äusseren Klang zu beziehen, sondern kann auch in anderen Verhältnissen stattfinden. So entsteht z. B. in dem doppelten Kinderlöffel für Zwillinge", den Lichtenberg in seinem bekannten Auctionsverzeichniss ausbietet, das angenehme Gefühl durch die wegen ihrer inneren Aehnlichkeit leicht vor sich gehende Association der beiden Begriffe doppelter Löffel und Zwillinge, während das Unsinnige der Zusammenstellung uns Unlust macht. In wieder anderen Fällen ist die Aehnlichkeit eine ganz versteckte und nur partielle und wird erst durch den Witz aufgefunden und hervorgehoben. Für diese Fälle passt die alte Definition, dass der Witz eine Fertigkeit sei, versteckte Aehnlichkeiten zu finden. Als Beispiel diene folgende Witzreihe von Heine, der von einer auffallend hässlichen Frau sagt: Diese Frau glich in vielen Punkten der Venus von Melos, sie ist auch ausserordentlich alt, hat ebenfalls keine Zähne und auf der gelblichen Oberfläche ihres Körpers einige weisse Flecken etc." Wir fühlen einerseits, dass dieser Vergleich zweier ganz heterogenen Gegenstände (einer hässlichen Frau mit der Venus) ein völlig unpassender ist — werden aber doch durch die wirklich vorgefundenen partiellen Aehnlichkeiten angenehm überrascht. Ein im gewissen Sinne umgekehrtes Beispiel wie das vorliegende bildet die witzige Carricatur, bei der wir in toto wohl die Aehnlichkeit des Bildes mit dem

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Gegenstande oder der dargestellten Person herausfinden, aber doch durch die darin enthaltene Uebertreibung unangenehm berührt werden. Das was die Carricatur im Bilde, das ist die witzige Uebertreibung oder Hyperbel in der Darstellung durch Worte. Ich erinnere z. B. an Haug's Zweihundert Hyperbeln auf Herrn Wahls ungeheure Nase", von denen hier die folgende einen Platz finden mag:

Er stand und sprach vor seinem Haus, Da hielt ein Güterwagen an. He! rief der trunk'ne Fuhrmann aus: Den neuen Schlagbaum aufgethan!

Aus Kuno Fischer will ich hier noch einen recht guten Witz dieser Art mittheilen, den man sich von Friedrich Wilhelm IV. erzählt. — Auf einer seiner Landreisen wird der König in einer kleinen Provinzialstadt von der Obrigkeit empfangen und von dem Bürgermeister des Städtchens in feierlicher Anrede begrüsst; an dem kleinen wohlbeleibten Mann tritt nichts so hervor als die weisse Weste in stattlicher Wölbung; das Wetter ist sehr kalt und die Rede nimmt kein Ende; da unterbricht der König den Redner gleichsam besorgt um seine Gesundheit und auf die Weste deutend sagt er gütig: mein Lieber, erkälten Sie sich Ihren Montblanc nicht." — Diese Anekdote enthält eine Fülle komischer Contraste, der eigentliche Witz beruht aber offenbar auf der Verbindung resp. Substituirung zweier vollständig heterogener Vorstellungen, die aber eine gewisse Aehnlichkeit mit einander haben. Fischer führt diesen Witz unter dem Wortspiel (speciell unter der mit Doppelsinn" überschriebenen Form) auf, nach meiner Auffassung aber mit Unrecht, denn das Wort Montblanc enthält an und für sich keinen Doppelsinn.

In manchen Fällen ist die versteckte Aehnlichkeit, die der Witz aufdecken soll, nicht direct ausgesprochen, sondern kann erst nach Kenntniss gewisser Verhältnisse verstanden werden. Als Beispiel führe ich einen fall von witzigem Anachronismus an: Ein italienischer Maler wurde von dem Prior eines Klosters aufgefordert, für dessen Kirche ein Altar-Bild, das heilige Abendmahl darstellend, zu malen. Er macht sich an die Arbeit; lernt aber während derselben den Prior als einen ganz schlechten Menschen, einen Lügner und Verräther kennen, der ihn selbst

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um den bedungenen Lohn betrügen will. Darüber entrüstet, beschliesst der witzige Maler sich zu rächen und malt in einer Nacht, nachdem das Bild vorher bis auf die Person des Judas fertig geworden war, die Gestalt des Priors wie er leibt und lebt an dessen Stelle, um sich dann natürlich heimlich davon zu machen. — Das Bild enthält einen Anachronismus, der in diesem Falle aber nicht blos komisch, sondern für den, der die Verhältnisse kennt, auch witzig wirkt. Die Person des Judas und des Priors, die hier mit einander indentificirt sind, gehören zeitlich nicht zu einander, dagegen finden wir in Beziehung auf ihren Geiz und ihre Verrätherei zwischen beiden eine Aehnlichkeit, die in Verbindung mit dem Anachronismus den Witz erzeugt. Die komische Wirkung wird in diesem Fall dadurch unterstützt, dass die gerechte Schadenfreude mit eine Rolle spielt; wir gönnen dem Prior wegen seiner Schlechtigkeit diese Blamage und den Aerger, den er doch wahrscheinlich über das Bild empfunden. Solche Witze, bei denen die gerechte Schadenfreude mitwirkt, nennen wir satyrische Witze oder Sarkasmen, deren Wesen also in einer zum eigentlichen Witz hinzukommenden Nebenwirkung besteht.

Sahen wir in der ersten oben besprochenen Klasse der Associationswitze die Aehnlichkeit zur Erzeugung des angenehmen Gefühls thätig, so treten in den anderen Klassen ebenso die Normen der Gleichzeitigkeit und Succession dafür ein. In dem schon erwähnten Lichtenberg'schen Auctionsverzeichniss wird u. A. weiter ausgeboten: Eine Mausefalle mit den nöthigen Mäusen dazu und ein messingenes Schlüsselloch. In dem ersten Beispiel erscheint es uns einerseits nach dem Gesetze der Coexistenz ganz natürlich, dass zur Mausefalle auch Mäuse gehören, andererseits sehen wir auch sofort das Unsinnige der Zusammenstellung ein. Ebenso ist es mit dem messingenen Schlüsselloch. Wir haben den Messing mit dem darin befindlichen Schlüsselloch so oft zusammen gesehen, dass wir diese beiden Begriffe leicht und ungezwungen in Zusammenhang bringen und deshalb lachen, wenn wir andererseits den Widersinn einsehen. — Es spielt in diesen Beispielen übrigens nebenbei auch das gesteigerte Selbstgefühl in gleicher Weise wie bei den Münchhausiaden mit. Wir merken, dass uns eine Falle gelegt ist,

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dass wir confuse gemacht werden sollten und freuen uns nun der glücklich überstandenen Prüfung.

Wir kommen jetzt zur zweiten Hauptgruppe der Witze, die wir

*2. Doppelsinn-Witze*

nannten. Bei den Doppelsinn-Witzen werden die zwei Vorstellungen resp. Vorstellungskreise, die in dem Witz uns dargeboten sind und mit einander in den Wettstreit eingehen sollen, gebildet: erstlich durch ein Wort, eine Aeusserung, Geberde oder Darstellung irgend welcher Art, und zweitens durch die Situation oder den Zusammenhang des Satzes, in welchem jene stehen. — Das erste dieser Glieder lässt eine doppelte Deutung zu, enthält einen Doppelsinn und je nachdem nun die eine oder die andere Bedeutung substituirt wird, passt das erste Glied in Bezug auf die logischen Normen (oder Ideen der Wahrheit) in den Zusammenhang vollständig hinein — oder nicht (resp. weniger gut).

Eine grosse Unterabtheilung hierzu bildet das Wortspiel oder genauer

a) das homonyme Wortspiel.

Bei diesem entsteht der Doppelsinn dadurch, dass das eine Wort zwei homonyme Bedeutungen in sich schliesst und zwar am häufigsten die methaphorische und sinnliche Bedeutung. Diese Witze sind sehr verbreitet und stehen ihrem Werthe nach den Klangwitzen nahe, weil sie sehr wohlfeil sind. Nicht eigentlich wir machen dieselben, sondern die Sprache macht sie für uns. — Auf unterster Stufe steht das Wortspiel mit Namen, von welchem u. A. Falstaff auch ein Beispiel liefert, wenn er zu seinem Fähndrich Pistol sagt: Drücke Dich aus unserer Gesellschaft ab Pistol". Das Wortspiel ist hierin sogar ein doppeltes. Erstlich das mit dem Worte Pistol, das in der Bedeutung des Namens nicht eigentlich in den Zusammenhang des Satzes passt, (namentlich, wenn wir uns denken, es hiesse etwa: schiesse Dich ab), während die andere Bedeutung einen Sinn giebt, der aber hier nicht gemeint ist. Durch Einzukommen des zweiten

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Wortspiels, oder richtiger Klangwitzes, welcher die Worte sich abdrücken und sich drücken" für einander substituirt, wird der Witz verdoppelt und dem Wortspiel gewissermaassen der Weg besser gebahnt.

In einer Schule trug der Lehrer die Geschichte des Tobias ganz mit den Worten der heiligen Schrift vor. Bei den Worten Hanna aber, sein Weib, die arbeitete fleissig mit ihrer Hand und ernährte ihn mit Spinnen", machte ein Mädchen mit Gesicht und Händen die Geberde des Abscheues und Ekels. Agnes, was hast Du denn?" ruft der Lehrer: Antwort: Ach Herr Lehrer, ist denn das wirklich wahr?" Lehrer: Warum zweifelst Du daran?" Kind: O, weil die Spinnen doch gar zu schlecht schmecken müssen!" — In der vorliegenden Anekdote, so wie sie hier erzählt ist, ist die Aeusserung des Kindes offenbar eine pseudonaive. Die Kleine sagt eigentlich etwas Dummes, aber indem wir uns auf den Standpunkt des in diesem Falle leicht entschuldbaren Missverständnisses stellen, hat sie mit ihren Worten eigentlich ganz recht. Dieselbe Aeusserung können wir aber auch als Witz auffassen und zwar als Wortspiel, wenn wir das Wort Spinnen" bald in der einen, bald in der anderen Bedeutung in den Zusammenhang substituiren. Einen logischen Sinn geben in vorliegendem Falle eigentlich beide Bedeutungen, doch kann es für den Einsichtsvollen keinen Augenblick zweifelhaft sein, welche von beiden die gemeinte ist. Eine doppelt komische Wirkung entsteht oft dadurch, dass die nicht gemeinte Bedeutung uns zuerst allein aufstösst und wir gerade bei der Substituirung dieser ausserdem noch unsere Schadenfreude befriedigt sehen, wie im folgenden Beispiel. — Ein im Bezahlen seiner Rechnungen sehr säumiger Herr schickt seinen Diener zum Schneider, um diesen zum Maassnehmen für einen neuen Anzug zu sich zu bestellen. Nun Friedrich"! fragt er den Rückkehrenden, warst Du beim Schneider? Wann kommt er?" Antwort: Gnädiger Herr, in einer schwachen Stunde wird er herkommen, hat er g'sagt." — In einer schwachen Stunde soll offenbar soviel heissen wie in einer kleinen Stunde (so wie man von einer starken und schwachen Meile spricht). Die andere Bedeutung, die eigentlich nicht gemeint ist, aber ganz der Situation entsprechend die Ab-

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neigung des Schneiders ausdrückt, für einen so schlechten Zahler weiter zu arbeiten, fällt uns jedoch zunächst auf, und wir lachen deshalb um so mehr. — Es gehört dieser Witz, besonders wenn wir annehmen, dass der Schneider oder der Diener ihn absichtlich gemacht habe, zu den sog. zweideutigen Wortspielen, von denen Kuno Fischer sehr richtig sagt: Jetzt ist der Doppelsinn nicht mehr harmlos, sondern pikant; das Wortspiel hat nicht blos zwei Bedeutungen, sondern zwei Gesichter, das eine ist Maske, das andere das wahre Gesicht; jenes sieht harmlos aus, dieses hat den Schalk im Nacken."

Bei einer anderen Klasse der Wortspiele ist es nicht die homonyme Bedeutung eines Wortes, sondern die doppelte Bedeutung, die dadurch entsteht, dass ein Wort dem Zusammenhang des Ganzen entsprechend (und zwar nicht immer ganz correct) in einem weiteren oder engeren Sinne gebraucht und dann im Witze plötzlich in seine wirklichen Grenzen zurückgewiesen wird. Ich nenne diese Wortspiele deshalb

b) limitirende Wortspiele

und führe zuerst solche an, bei denen ein Begriff, der eigentlich eine weitere Bedeutung hat, zunächst in einem engeren Sinne gebraucht wird und in diesem in den Zusammenhang des Ganzen nicht hineinpasst, während die Substituirung der eigentlich richtigen, weiter umfassenden Bedeutung, an die wir aber erst erinnert werden müssen, einen richtigen Sinn ergiebt. Fast sämmtliche Beispiele, die Schopenhauer vom Witz giebt, gehören in diese eben genannte Klasse und wir werden das gewissermaassen begreiflich finden, wenn wir uns der Schopenhauer'schen Definition des Lächerlichen erinnern. Die paradoxe und daher unerwartete Subsumtion eines Gegenstandes unter einen ihm übrigens heterogenen Begriff gilt ihm als das Kennzeichen des Lächerlichen. Dabei soll beim Witz das Auffinden dieser Incongruenz vom Anschaulichen zum Begriff übergehen. Schopenhauer erzählt folgende Witze:

Ein Gascogner geht bei strenger Winterkälte in leichter Sommerkleidung umher. Der König, der ihm begegnet, lacht über ihn, worauf der Gascogner sagt: Hätten Ew. Majestät an-

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gezogen, was ich angezogen habe, so würden Sie es sehr warm finden. Auf die Frage: was er denn angezogen habe, erwidert er: meine ganze Garderobe." — Unter dem was (ich angezogen habe) verstehen wir zunächst, der Situation ganz entsprechend, den Anzug, den wir auf seinem Leibe sehen und es scheint uns diese kärgliche dünne Bekleidung seine Behauptung nicht zu rechtfertigen. — In seiner weiteren Antwort wird aber dieses von uns selbstverständlich in so enger Bedeutung aufgefasste was ich anhabe" plötzlich erweitert zu dem Begriff meine ganze Garderobe" und in dieser Bedeutung passt allerdings seine Antwort vollkommen zur Situation. —

Das Publikum eines Theaters in Paris verlangte einst, dass die Marseillaise gespielt werde und gerieth, als dies nicht geschah, in grosses Schreien und Toben, so dass endlich ein Polizeicommissarius in Uniform auf die Bühne trat und erklärte, es sei nicht erlaubt, dass im Theater etwas Anderes vorkomme, als was auf dem Zettel stehe. Da rief eine Stimme: Et vous, Monsieur, êtes-vous aussi sur l'affiche?"" welcher Einfall das einstimmigste Gelächter erregte."

Das Wort, um welches es sich bei diesem Witze handelt, ist das Wort vorkommen. Wir fassen dasselbe zunächst und entsprechend dem, wie es gemeint ist, in dem Sinne von: aufgeführt werden" auf, es darf im Theater nichts Anderes aufgeführt werden" etc. Der witzige Einfall erweitert aber plötzlich die Bedeutung zu ihrem eigentlichen Umfang und nun fällt das Auftreten des Polizeibeamten auch mit unter den Begriff: vorkommen. Hätte der Beamte sich correct ausgedrückt und gesagt: es darf nichts Anderes aufgeführt werden, als was auf dem Zettel steht, so wäre die Gelegenheit zu dem vorliegenden Witz genommen. —

Gerade die gegentheilige Operation findet bei den folgenden Witzen statt, bei denen ein Wort zuerst in einer weiteren Bedeutung gebraucht ist und nun plötzlich durch den Witz eingeschränkt wird.

Die Beispiele dazu entlehne ich aus Kuno Fischer, der dieselben unter der Form Das witzige Abfertigen" mittheilt, ohne auf das eigentliche punctum saliens bei diesen Witzen einzugehen.

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Herzog Karl von Württemberg trifft auf einem seiner Spazierritte von ungefähr einen Färber, der mit seiner Handthierung beschäftigt ist; kann er meinen Schimmel blau färben?" ruft ihm der Herzog zu, und erhält die Antwort zurück: ja wohl, Durchlaucht, wenn er das Sieden vertragen kann". Die beiden Glieder des Witzes sind die bejahende Antwort und das Wort können". In der Frage des Herzogs ist letzteres in der weiteren Bedeutung gemeint können, so dass es eben ohne Schaden geschieht." In der Antwort aber wird die Bedeutung in ihre strengen eigentlichen Grenzen zurückgewiesen und erst zu dieser Bedeutung passt die bejahende Antwort. —

Zur Verstärkung der komischen Wirkung, aber ganz ausserhalb des Witzes gelegen, kommt das Moment der witzigen Abfertigung hinzu (das also zur Unterscheidung einer besonderen Witzform eigentlich nicht gebraucht werden kann). Wir sympathisiren mit dem Färber, der vom Herzog geschraubt werden soll und gönnen letzterem die Abfertigung, die er sich zuzieht, als eine gerechte Strafe für seine böse Absicht. Aber auch ohne dies Nebenmoment bleibt der Witz als solcher bestehen und wir können ihn etwa in die Räthselfrage kleiden: Kann man einen Schimmel blau färben? Antwort: Ja, wenn er das Sieden vertragen kann.

Friedrich der Grosse hört von einem Prediger in Schlesien, der im Rufe steht, mit Geistern zu verkehren; er lässt den Mann kommen und empfängt ihn mit der Frage: Er kann Geister beschwören?" Die Antwort war: zu Befehl, Majestät, aber sie kommen nicht". — Die beiden Glieder des Witzes sind auch hier die bejahende Antwort und das Wort beschwören", das in seiner doppelten Bedeutung zu dem Wortspiel Veranlassung giebt. In der Frage ist dasselbe so gemeint, dass wir ohne Weiteres das Erscheinen der Geister mit einbegreifen; in der Antwort wird das Wort auf seine eigentliche Bedeutung zurückgeführt und daraus entsteht der Wettstreit mit der bejahenden Antwort. — Auch hier dient das Moment der Abfertigung nur zur Erhöhung der komischen Wirkung.

Es braucht aber nicht immer ein Wort zu sein, welches eine doppelte Bedeutung enthält, oft ist es auch die Construction die einen doppelten Sinn zulässt. Diese

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c) Witze aus doppelsinniger Construction

sind häufig unwillkürliche wie z. B. der folgende. — Einer unserer verflossenen Duodezfürsten überraschte eines Tages seinen Kammerdiener, wie dieser behaglich auf dem Thronsessel Probe sass und fuhr ihn mit den heftigen Worten an: Kerl, verdammter, wie kommst Du mir vor? bildest Dir wohl gar ein, regierender Herr zu sein, dumm genug wärst Du dazu!" [1] — Was der Kurfürst sagen wollte, ist wol klar: Du bist dumm genug, Dir das einzubilden." Durch die etwas uncorrecte Satzstellung aber ist der Sinn: Dumm genug, regierender Herr zu sein" nahe gelegt, der offenbar nicht der gemeinte ist. Daraus aber entsteht ein Witz, dessen komische Wirkung zunächst dadurch beträchtlich erhöht wird, dass wir aus dem Munde eines Mannes, dem wir von vornherein übel wollen, diese (in gewisser Auffassung) naive Aeusserung, mit der er sich selbst ins eigene Fleisch trifft, gern und mit einer nicht unberechtigten Schadenfreude hören, weil wir diesen eigentlich nicht gemeinten Sinn, für den mit der Wahrheit am meisten übereinstimmenden halten. Dadurch, dass wir aber wissen, dass der Fürst seine Aeusserung nicht so gemeint hat, wird aus der Naivetät ein *unbewusster Witz*, indem bei Substituirung der beiden möglichen Constructionsauslegungen ein Wettstreit zwischen den beiden Sätzen eintritt. —

So wie hier in der doppelsinnigen Construction oder wie vorher in einem doppelsinnigen Wort, so liegt oft das punctum saliens des Witzes in einem ganzen Satze, der seinen Doppelsinn entweder in sich trägt oder durch eine ihn begleitende Geberde erhält. Meist handelt es sich dabei um ein absichtliches Missverständniss. Ich will diese Classe

d) Doppeldeutungs-Witze

nennen. Als Beispiele dienen folgende Anekdoten: Eine Dame steckt den Kopf zum Coupéfenster hinaus und schreit mit giftigem

[1] Ludwig Reinhard, Komische Spaziergänge. Coburg 1867.

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Gesicht: Herr Conducteur, ist es erlaubt, in diesem Coupé zu rauchen? Wenn die Herren darin nichts dagegen haben, so können die gnädige Frau getrost rauchen", lautet die Antwort. — Die beiden Glieder des Witzes, die hier mit einander in Wettstreit treten, sind: die Frage und Antwort; die Gelegenheit zum Witze giebt die mögliche doppelte Deutung der Frage. Die Dame will sich offenbar über die rauchenden Herren beschweren; der Schaffner aber deutet ihre Frage anders, wozu er, wenn er die Geberde der Dame nicht bemerkt oder bemerken will, volles Recht hat. Die komische Wirkung wird auch hier durch unsere Schadenfreude gesteigert. Wir sympathisiren mit den rauchenden Herren, welche durch die Dame in ihrem Genuss gestört werden sollen und freuen uns, dass Letztere mit ihrer Beschwerde so lächerlich abfällt. —

In einer Dorfschule wird der Katechismus überhört. Der Lehrer sieht einen Knaben ganz unaufmerksam dasitzen und fasst ihn schnell mit den Worten beim Arm: Was ist das?" um ihn nach der Lutherschen Erklärung des eben von einem andern Schüler hergesagten Gebotes zu examiniren. Der Unaufmerksame stottert die Antwort hervor: Das ist meiner Mutter ihre alte Pelzjacke." Diese Antwort erregt natürlich unter den Mitschülern unbändiges Gelächter. Einzelne der Lacher werden vielleicht das unbewusst Witzige der Antwort gar nicht bemerken. Sie lachen einfach aus gerechter Schadenfreude über die der Dummheit resp. Unaufmerksamkeit folgende Blamage und etwaige Strafe. Anderen Schülern aber wird der Witz jener Aeusserung nicht entgehen. Die Frage des Lehrers war eine doppelsinnige, indem dieselbe durch Anfassen des Armes d. h. also der Jacke des Schülers begleitet war. Welchen Sinn die Frage eigentlich haben soll, darüber ist uns kein Zweifel; durch den Doppelsinn der Frage entsteht nun aber zwischen Frage und Antwort ein Wettstreit. In gewissem Sinne passen beide zu einander, in anderem Sinne und zwar dem eigentlich gemeinten, dagegen gar nicht. Das war ja aber das Charakteristicum des Witzes. —

Wir haben in den letzten Nebenformen den Widerspruch zwischen dem wirklich Gesprochenen und dem eigentlich Gemeinten als wesentlich erkennen müssen. Zwei andere Neben-

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formen zeigen ebenfalls diesen Widerspruch; doch ist bei ihnen der Doppelsinn nicht in dem gesprochenen Wort oder der geschehenen Aeusseruug selbst enthalten, sondern wird erst durch die Hörenden dem Sinn des Redenden entsprechend hineingelegt. Es sind dies die beiden Formen der Ironie und des Vexirwitzes.

e) Die Ironie

charakterisirt sich dadurch, dass sie gerade das Gegentheil von dem behauptet, was sie wirklich meint, dabei aber voraussetzt, dass der Hörende den eigentlich gemeinten Sinn erräth. Sie lobt eben die Eigenschaften des Subjects, die sie tadeln will, indem sie ihnen Gründe vorstreckt, deren Unhaltbarkeit gerade in der Uebertreibung zu Tage kommt, oder sie sagt die entgegengesetzten schönen Eigenschaften von ihm aus [1]. — In ähnlicher Weise wie beim Wortspiel — nur noch etwas verborgener und darum für den Hörer angenehmer kitzelnd — enthält das ausgesprochene Urtheil eigentlich einen doppelten Sinn: einmal den wörtlich genommenen und zweitens den versteckten gegentheiligen; der letztere passt zur Situation, der andere nicht und indem bald der eine, bald der andere substituirt wird, erzeugt sich bald die Möglichkeit, bald die Unmöglichkeit der Vereinigung. — Je versteckter der Angriff, um so schwerer ist die Vertheidigung, um so sicherer trifft der abgeschossene Pfeil. Darum wirkt die Ironie so überaus vernichtend; denn wenn sie nicht plump, sondern fein angelegt ist, weiss der Angegriffene im ersten Augenblick wohl gar nicht, ob er's mit Ernst oder mit Ironie zu thun hat, und merkt er nun den Angriff, so gesteht er durch eine Vertheidigung zu, dass er das Lob, das ihm im wörtlichen Sinne gespendet wurde, nicht verdient habe, in der That also in dem betreffenden Punkte tadelnswerth sei. Besonders häufig bedient sich der Humor der Ironie als Waffe, indem er z. B. Handlungen, die aus grossartigen, oft grossartig bösen Motiven hervorgegangen sind, ganz im Sinne des Humors auf die kleinlichsten Gründe zurückführt. So sucht z. B. Hamlet im unversöhnten ironischen Humor die schnelle

[1] Vischer l. c. p. 437.

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Heirath seiner Mutter zu entschuldigen: Pah, Oekonomie, Oekonomie; das Gebackene zum Leichenschmaus gab kalte Hochzeitsschüsseln!"

Der Grund weshalb dem Humor unter allen Formen des Witzes die Ironie gerade bei Weitem am meisten zusagt, ist leicht einzusehen. Die Neigung des Humors, das ihm entgegentretende Alltägliche, Kleine, Niedrige, Gemeine mit den höchsten sittlichen und religiösen Ideen in Gegensatz zu bringen, findet eben am leichtesten in der Form der Ironie Ausdruck, da diese ja gerade in der Vereinigung der grösst- denkbaren Gegensätze d. h. der Gegentheile besteht. — Deshalb aber, weil der Humor die Ironie so vorwiegend in seinen Dienst nimmt, darf man beide nicht mit einander verwechseln. —

In der Hand des Kritikers ist die Ironie eine der schärfsten Waffen. Unter den neueren Schriftstellern ist als Meister in ihrer Benutzung Paul Lindau zu nennen, der in seinen literarischen Rücksichtslosigkeiten", namentlich aber auch in seinen harmlosen Briefen eines deutschen Kleinstädters" eine unerschöpfliche Fundgrube von ironischen Witzen bietet, auf die ich hier nur verweisen kann.

f) Der Vexirwitz

hat viel Aehnlichkeit mit der Ironie, ist aber durchaus harmlos und nimmt eine ziemlich niedrige Stufe im Gebiet des Witzes ein. Wenn ich z. B. sage: Es ist doch recht abgeschmackt von Schiller, dass er seinen Don Carlos mit der alten, abgedroschenen Phrase beginnt: Die schönen Tage von Aranjuez sind nun vorüber", so ist das ein Vexirwitz, indem ich dabei voraussetze, dass der Hörende weiss, was ich eigentlich sagen will und, die Entstellung der Thatsachen sofort merkend, den richtigen Sinn substituirt.

Wie bei den Münchhausiaden, die unter Umständen auch als Vexirwitze aufzufassen sind, wird das angenehme Gefühl durch die Freude darüber, dass wir der beabsichtigten Täuschung nicht unterlegen sind, noch erhöht.

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Hiermit haben wir den Witz in seinen wesentlichsten Formen vorgeführt und wenden uns jetzt noch einmal zu dem ganzen Gebiet des Lächerlichen zurück. —

Wir haben nachzuweisen gesucht, dass bei allem Komischen zwei Gefühle, ein angenehmes und ein unangenehmes erregt werden. Wir haben ferner die Thatsache schon kurz erwähnt, dass diese beiden Gefühle von gleicher Stärke sein und gleichzeitig entstehen müssen, so dass sie mit einer gewissen Plötzlichkeit aufeinanderstossen. Es ist zum psychologischen Verständniss des Lächerlichen durchaus nothwendig, dass wir auf dieses Verhältniss noch näher eingehen. Die Gleichzeitigkeit der Entstehung beider Gefühle bedingt die sog. Pointe", ohne welche eben die komische Wirkung eines Witzes oder einer Anekdote verloren geht. In der Pointe werden die beiden contrairen Gefühle durch das Aufeinanderstossen von Sinn und Unsinn, von Harmonie und Disharmonie mit den verschiedenen Normen gleichzeitig erzeugt. —

Wie aber gelangen diese Gefühle zum Bewusstsein? Nach dem bekannten Satze von der Enge des Bewusstseins können in derselben Zeiteinheit nicht zwei Vorstellungen mit gleicher Schärfe vom Bewusstsein wahrgenommen werden; dasselbe gilt auch von den Gefühlen. Was wird und muss also geschehen, wenn zwei Gefühle zu gleicher Zeit erzeugt werden, die wegen ihrer Gegensätzlichkeit nicht in eins verschmelzen können? Die Selbstbeobachtung der psychologischen Vorgänge in uns lässt uns dabei ziemlich im Stich, indem sie uns nur im Allgemeinen das Entstehen eines sog. Affectes schauen lässt. Wir wollen aber in das Wesen dieses Affectes eindringen und es bietet sich dazu nur ein Weg, auf welchen Wundt zuerst mit grosser Dringlichkeit in seinen Beiträgen zur Theorie der Sinneswahrnehmungen [1] aufmerksam gemacht hat, indem er sagt: Es wäre ein fundamentaler Irrthum, wenn man in Bezug auf die experimentelle Erforschung der Empfindungs- und Wahrnehmungsprocesse an der Meinung festhalten wollte: Alles, was man auf diesem Wege finde, seien nur Gesetze, die Gültigkeit für die Seele besitzen in ihrem Verhalten gegen äussere Sinnesreize,

[1] Leipzig und Heidelberg 1862. p. XXIX u. 450.

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aber in dem von diesen unabhängigen Leben, im reinen Denken könnten vielleicht ganz abweichende Gesetze gültig sein, über die uns die Resultate unserer Experimente Nichts aussagten." — Die experimentelle Untersuchung der Sinneswahrnehmungen und Vorstellungen ergiebt vielmehr ein Resultat, das unmittelbar auch auf die höheren Sphären geistiger Thätigkeit sich anwenden lässt". — Schon der Satz von der Enge des Bewusstseins ist ja wie bekannt aus der experimentellen Thatsache hergeleitet, dass wir nicht im Stande sind, in derselben Zeiteinheit scharfe Wahrnehmungen durch zwei verschiedene Sinne zu machen. Im vorliegenden Falle handelt es sich nun aber um Gefühle, die zwar einander conträr aber gleichsam von derselbeu Qualität sind und bei Entscheidung der Frage, was bei dem gleichzeitigen Auftreten solcher conträren Gefühle geschieht, werden wir also auf ähnliche Verhältnisse, aus der Sphäre der Sinneswahrnehmungen recurriren müssen. Die Fälle, in welchen ein und derselbe Punkt unserer Netzhaut zu gleicher Zeit von zwei aus derselben Richtung kommenden verschiedenen (namentlich verschieden gefärbten) Lichtstrahlen getroffen wird, werden offenbar dem hier zu ergründenden Factum ganz analog sein, und ihre genaue Prüfung wird uns das Verständniss des letzteren erschliessen. — Wenn das Licht zweier verschiedenen Gegenstände aus ein und derselben Richtung in unser Auge fallen soll, so müssen jene Gegenstände offenbar, wirklich oder scheinbar, hinter einander liegen und ausserdem wird im ersten Falle der vordere Gegenstand durchsichtig, also etwa von Glas sein müssen. Was geschieht nun, wenn wir einen Gegenstand durch eine farblose oder farbige Glasplatte betrachten? Fast immer wird unsere Aufmerksamkeit von dem hinter der Glasplatte liegenden Objecte so gefesselt, dass wir nur dieses bemerken, die Anwesenheit der Glasplatte dagegen vollständig ignoriren, und wenn sie gefärbt ist, ihre Farbe einfach dem durch sie gesehenen Gegenstande beilegen. Erst durch eine willkürliche Richtung unserer Aufmerksamkeit können wir uns zwingen, die Oberfläche der Glasplatte zu beobachten; doch wird, wenn uns an derselben Nichts mehr fesselt, sich uns immer wieder die Vorstellung des hinter ihr liegenden Gegenstandes aufdrängen. Wenn wir aber den Versuch so einrichten, dass unsere Auf-

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merksamkeit gleichmässig stark von der Glasplatte und dem Objecte in Anspruch genommen wird, so erhalten wir eine andere eigenthümliche Erscheinung. Legen wir nämlich nach Wundt's Angabe [1] auf ein blaues Glas ein rothes Papier, in welches ein kleines Fenster geschnitten ist, so dass also die Oeffnung des Fensters blau und durchsichtig erscheint, und halten hinter das Glas in einiger Entfernung einen weissen Papierstreifen, so erscheint die Fensteröffnung plötzlich im lebhaftesten Glanze.

Noch deutlicher lassen sich die eben besprochenen Erscheinungen an Gegenständen experimentiren, welche ausser der Ausstrahlung ihres Eigenlichtes, Licht an ihrer Oberfläche reflectiren. Auch hier wird aus ein und derselben Richtung (also auf einen Punkt unserer Netzhaut) zweierlei verschiedenes, scheinbar aus verschiedener Entfernung kommendes Licht, in unser Auge gesandt, und in ähnlicher Weise wie in dem vorher besprochenen Falle, sehen wir auch hier je nach der Richtung unserer Aufmerksamkeit zwei verschiedene Erscheinungen auftreten, von denen wir die eine als Spiegelung, die andere (wie vorher) als Glanz erkennen. Ueber die Entstehung beider Phänomene und ihren gegenseitigen Unterschied, spricht sich Wundt folgendermaassen aus: Ein Gegenstand spiegelt, dessen Oberfläche durch Reflexion ein solches Bild der umgebenden Objecte entwirft, dass wir den spiegelnden Gegenstand selber über der Betrachtung der Spiegelbilder vernachlässigen, indem wir diese gewissermaassen als die direkt betrachteten Gegenstände ansehen. Zur reinen Spiegelung gehört daher erstens eine gewisse Deutlichkeit der Spiegelbilder und zweitens eine solche Beschaffenheit des spiegelnden Gegenstandes, dass dieser nicht unsere Hauptaufmerksamkeit auf sich zieht; ebene oder gleichförmig gekrümmte polirte Flächen sind daher am häufigsten spiegelnde Objecte, insbesondere wenn sie farblos oder wenigstens gleichfarbig sind. Hat ein Object eine ausgeprägte Farbe, so regt dies schon leicht unsere Aufmerksamkeit an, und dies findet in noch höherem Maasse statt, wenn die Farbe nicht gleichmässig über die Oberfläche vertheilt ist. Wir nennen einen

[1] l. c. p. 313

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Gegenstand glänzend, wenn derselbe so beschaffen ist, dass wir zugleich den Gegenstand und die von demselben entworfenen Spiegelbilder in's Auge zu fassen genöthigt sind, wenn wir also gleichzeitig verschiedene Gegenstände sehen, die hintereinander in verschiedener Entfernung vom Auge gelegen scheinen und die daher sich decken sollten. Zu diesem gleichzeitigen Auffassen des Objects und seiner Spiegelbilder ist nothwendig, dass keins von Beiden über das andere das Uebergewicht erlange; werden die Spiegelbilder unmerklich, so hört natürlich der Glanz auf, wir sehen nur noch den Gegenstand in seinem eigenen Lichte; werden aber die Spiegelbilder sehr stark, so geht der Glanz in Spiegelung über. Wundt beweist ferner durch eine Reihe von Experimenten (p. 305-307), dass der Glanz nicht auf Accommodationsverschiedenheit, d. h. der verschiedenen Einstellung der Augen für die scheinbar oder wirklich verschiedenen Entfernungen der beiden Objecte beruht, sondern als ein Product der Vorstellungsthätigkeit auftritt und zwar definirt er den Glanz als einen solchen Urtheilsprozess, bei welchem die einzelnen Bestandtheile einer gegebenen Mischempfindung von einander losgelöst und für sich vorgestellt werden; während wir die beiden Farben (des spiegelnden und gespiegelten Lichtes) zugleich sehen, unterscheiden wir sie noch von einander. Wir erhalten beim Glanz die Vorstellung eines Gegenstandes, der das Bild eines anderen spiegelt, aber den Gegenstand deutlich aufzufassen, verhindert uns das Spiegelbild und das Spiegelbild deutlich aufzufassen, verhindert uns der Gegenstand. Der wesentliche Grund hierfür ist die Unmöglichkeit gleichzeitig zwei Dinge klar vorzustellen, die sich nicht in eine Vorstellung vereinigen lassen. Unsere Vorstellungsthätigkeit, die aber nach Klarheit strebt, wird deshalb in schneller Schwankung von dem spiegelnden Gegenstand zum Spiegelbild, vom Spiegelbild zum Gegenstand hinüberschweifen und darauf beruht das eigenthümliche Princip der Unruhe, was im Glanze liegt und z. B. auch von Brücke [1] besonders hervorgehoben (freilich aber in

[1] Brücke, die Physiologie der Farben für die Zwecke der Kunstgewerbe. Leipzig 1866 p. 228.

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etwas anderer Weise erklärt) wird. Auch die eigenthümliche Thatsache des von Dove entdeckten stereoskopischen Glanzes beweist und illustrirt das eben Gesagte. Dove zeichnete die stereoskopische Projection eines Prismas oder einer anderen Figur für das eine Auge mit weissen Linien auf matt schwarzem Grunde, für das andere Auge mit schwarzen Linien auf weissem Grunde. Bei stereoskopischer Vereinigung beider erscheint das Relief von graphitglänzenden Flächen begrenzt. Ausser Schwarz und Weiss geben auch andere Farben die Erscheinung des Glanzes; aber nicht jede beliebige Farbencombination ist zu brauchen. Denn contrastirt die eine Farbe merklich lebhafter gegen den Grund als die andere und drängt sie sich daher unserem Bewusstsein stärker auf, so wird sie allein gesehen. Der Glanz ist am lebhaftesten, wenn der Contrast beider Farben gegen ihren Grund stark und ungefähr gleich gross ist. Ausserdem wird der Glanz durch den gegenseitigen Contrast der beiden zu combinirenden Farben erhöht. Man combinire z. B. stereoskopisch Blau und Gelb. Macht man den Grund weiss, so verdrängt leicht Blau das Gelb vollständig, macht man den Grund schwarz, so verdrängt Gelb das Blau, macht man den Grund aber grau, so erhält man einen lebhaften Glanz.

Da nun Heimholz auf das Ueberzeugendste nachgewiesen hat, dass der Inhalt jedes einzelnen Sehfeldes, ohne durch organische Einrichtungen mit dem des andern verschmolzen zu sein, getrennt zum Bewusstsein gelangt, so ist auch in diesen Fällen der Glanz als ein Product der Vorstellungsthätigkeit aufzufassen. Der Glanz entsteht auch hier dadurch, dass unserem Bewusstsein zu gleicher Zeit zwei verschiedene Eindrücke geboten werden, die wir, weil sie aus einer Richtung kommen, zu combiniren streben, die aber durch ihre Verschiedenheit von einander nicht vereinbar sind, sich vielmehr jeder für sich unserem Bewusstsein aufzudrängen suchen und dadurch in sehr schnellem Wechsel nach einander zur Auffassung gelangen [1]. Dass wir von diesem Wechsel der Eindrücke kein volles Bewusstsein haben und nur eine gewisse Unruhe im Glanze spüren,

[1] Dieselbe Erklärung des stereoskopischen Glanzes giebt u. A. auch J. Martins-Matzdort: Die interessantesten Erscheinungen der Stereoskopie" Berlin 1868.

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im Uebrigen aber den Eindruck einer einheitlichen Lichtausstrahlung empfangen, ist durchaus kein Gegengrund gegen diese Auffassung, denn auch beim gewöhnlichen Sehen, resp. Betrachten eines Gegenstandes streifen wir mit unseren Augen (mit der allein deutlich sehenden Macula lutea) schnell über denselben, gewissermaassen ihn betastend, hin, combiniren aber trotzdem die einzelnen Eindrücke zu einem einheitlichen Bilde, ohne zu merken, dass dasselbe aus verschiedenen, schnell auf einander folgenden Wahrnehmungen zusammengesetzt ist. —

Sehr häufig wechselt mit dem stereoskopischen Glanze ein anderes Phänomen ab — nämlich der sogenannte Wettstreit der Sehfelder, bei welchem die beiden Gesichtseindrücke in langsamem Wechsel (in Perioden von etwa 8 Secunden und länger) nach einander zum Bewusstsein kommen. Es tritt diese Erscheinung ein, wenn bestimmte Bedingungen [wie Wundt überzeugend nachgewiesen hat: eine durch unwillkürliche Bewegungen der Augen veranlasste momentane Verschiebung (Divergenz) der beiden Bilder] die Trennung der beiden gleichzeitig aufgenommenen Gesichtseindrücke begünstigen. Decken sich die beiden Farbenbilder vollständig, so sehen wir unter geeigneten Umständen Glanz oder auch nur die Farbe, die mit dem Grunde stärker als die andere contrastirt und dadurch sich der Aufmerksamkeit mehr aufdrängt. Sobald aber durch eine Schwankung der Sehaxen, wie sie durch Ermüdung oder durch willkürliche Veränderung der Aufmerksamkeit sehr leicht und fast immer eintritt, eine Verschiebung der Objecte gegen einander stattfindet, so dass sie sich nur noch theilweise decken, kommt die sog. Verdrängung durch Eigencontrast zur Geltung und wir sehen nur die Farbe, die mit dem Grunde am wenigsten contrastirt [1]. Dadurch, dass wir nun unsere Augenstellung immer wieder zu corrigiren suchen, wodurch die Verdrängung durch Contrast mit dem Grund mit der durch Eigencontrast fortwährend abwechselt, erhalten wir den Wettstreit der Sehfelder, der also auch darauf beruht, dass wir die verschiedenen Eindrücke beider Sehfelder zu vereinigen streben, dass aber Bedingungen eintreten, welche die Trennung beider, bald das eine, bald das andere mehr be-

[1] Näheres über dies interessante Thema: Wundt. l. c. p. 330.

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tonend, erleichtern. Beim Glanz sind keine Bedingungen vorhanden, welche abwechselnd das eine und das andere Bild bevorzugt sein lassen und die Trennung beider Bilder ist darum keine so prägnante, obwohl sie wegen der Unmöglichkeit, beide in Eins zu vereinigen, auch vorhanden ist. Es wird darum eben der Wechsel beider Bilder unendlich viel schneller eintreten und wir können den Glanz einen sehr beschleunigten Wettstreit der Sehfelder nennen. —

Prüfen wir jetzt, welches der oben erörterten Gesetze auf das Komische Anwendung findet. Von einem Punkte aus sehen wir beim Komischen plötzlich und gleichzeitig zwei verschiedene unvereinbare Gefühlsqualitäten in uns erzeugt werden. Da nun der Affect des Komischen, wie die einfache Beobachtung lehrt, weder als ein unangenehmes, noch allein als ein angenehmes Gefühl sich auffassen lässt, so kann also von einer Verdrängung durch Contrast nicht die Rede sein, vielmehr ergiebt sich bei näherem Eingehen die völlige Analogie zwischen der Erscheinung des Glanzes und dem Komischen, da andererseits die Plötzlichkeit der Wirkung den langsamen Wettstreit der Sehfelder ausschliesst. Es stimmt hiermit die schon oben angedeutete Thatsache überein, und wird dadurch gewissermaassen bestätigt, dass die beiden conträren Gefühle beim Komischen von annähernd gleicher Stärke sein müssen, so dass keines von dem andern im Wettstreit ganz unterdrückt werden kann. Das Komische ist ein Mischgefühl eigenthümlicher Art; wie beim Glanze kommen die einzelnen Componenten in so schnellem Wechsel hintereinander zur Wirkung, dass wir scheinbar ein einheitliches Gefühl vor uns haben und nicht im Stande sind, die beiden Factoren desselben einzeln direct zu beobachten; so wie wir beim Glanze auch nicht direct darüber klar werden, dass derselbe aus zwei verschiedenen Lichtarten zusammengesetzt ist. Hierdurch wird der Einwurf gegen meine obige Darstellung beseitigt, dass man sich ja der angenehmen und unangenehmen Gefühle, die ich im Komischen gefunden haben will, gar nicht bewusst werde, und dass sie deshalb auch gar nicht vorhanden sein könnten. —

Wir haben also das Wesen des Lächerlichen als einen

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beschleunigten Wettstreit der Gefühle, d. h. als ein schnelles Hin- und Herschwanken zwischen Lust und Unlust erklärt. Mit dieser Auffassung stimmen aber die auf ganz anderem Wege gewonnenen Resultate der metaphysisch-ästhetischen Untersuchungen von Vischer und die Ansichten Kant's völlig überein. Kant hebt hervor, dass beim Lächerlichen, wenn der Schein, der uns auf einen Augenblick getäuscht hat, in Nichts verschwindet, das Gemüth wieder zurücksieht, um es mit ihm noch einmal zu versuchen und so durch schnell hintereinanderfolgende Anspannung hin- und zurückgeschnellt und in Schwankung versetzt wird, die, weil der Absprung von dem, was gleichsam die Saite anzog, plötzlich (nicht durch ein allmähliches Nachlassen) geschah, eine Gemüthsbewegung und mit ihr harmonirende inwendige körperliche Bewegung verursachen muss, die unwillkürlich fortdauerte und Ermüdung, dabei aber auch Aufheiterung (die Wirkung einer zur Gesundheit gereichenden Motion) hervorbringt.

Ganz ähnlich schildert Vischer [1] diesen Wettstreit der Gefühle in folgenden Worten: Dieses Lustgefühl darf aber mit demjenigen nicht verwechselt werden, welches aus der Anschauung des Schönen fliesst, denn es ist ein gegensätzlich bewegtes". Die gegensätzlichen Glieder bilden eine widerspruchsvolle Einheit und ihr Ineinander nöthigt das Gefühl, zwischen ihnen herüber und hinüber zu gehen, was als ein rascher Wechsel zwischen Lust und Unlust empfunden wird, so zwar, dass jene durch diese verdoppelt, aber auch durch sie bedingt ist". — Es ist also Lust durch Unlust, doppelte, weil durch Unlust gewürzte Lust, aber doch Lust mit Unlust. Es ist ein durchaus bewegtes Gefühl, worin Unlust in Lust, Lust in Unlust hinüberzittert." — Es lässt sich wohl nichts gegen die Behauptung einwenden, dass die Uebereinstimmung dieser auf ganz anderem Wege gefundenen Resultate mit der von mir aufgestellten Theorie des Komischen einen weiteren Beweis für die Richtigkeit derselben abgiebt. — Jetzt haben wir noch die Thatsache in's Auge zu fassen, dass uns das Komische doch in toto als etwas entschieden

[1] l c. § 225.

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Angenehmes erscheint, ja die gewöhnlichen Grade des Angenehmen gewissermaassen noch übertrifft. Eine Art von Erklärung finden wir in der obigen Aeusserung Vischer's, wo er das Komische doppelte, weil durch Unlust gewürzte Lust" nennt. Vor Allem müssen wir aber auch hier wieder die Analogie mit dem Glanze hervorheben. Bei demselben erhalten wir ebenfalls überwiegend den Eindruck des helleren Lichtes, während das Schwarz nicht ganz unterdrückt, aber doch gewissermassen unwirksam gemacht ist. Es werden in dem beschleunigten Wettstreit der Sehfelder, den wir Glanz nennen, die hellen Lichter gewissermassen stärker betont und in ganz derselben Weise zeigen sich auch bei dem beschleunigten Wettstreit der Gefühle, welcher das Komische bildet, die angenehmen Gefühle als hauptsächlich wirksam und wir können, wenn wir die physiologische Wirkung des Komischen erforschen wollen, das unangenehme Gefühl, das sich ja nie zum psychischen Schmerz steigern darf, so weit vernachlässigen, dass wir das Komische als eine intermittirende, rhythmisch unterbrochene, freudige Gefühlserregung ansehen. —

Diese freudige Erregung tritt nach jeder Intermission unvermittelt und plötzlich ein und ist somit der freudigen Ueberraschung analog. — Beobachten wir nun aber die somatischen Vorgänge während dieses eben genannten psychischen Zustandes, so fallen uns besonders bei den stärkeren Graden der Ueberraschung Symptome in's Auge, die neben anderen Reizungen unzweideutig eine Reizung der vasomotorischen Centren, also des Sympathicus beweisen. Wir beobachten im ersten Augenblicke eintretender Ueberraschung ein Blasswerden der Haut, (wie Domrich [1] meint, nicht nur im Gesicht, sondern wahrscheinlich über den ganzen Körper). Die plötzliche Verengerung der Gefässe, durch welche dies Blasswerden bedingt wird, veranlasst weiter das Herz nach einem kurzen Augenblick des Stillstandes zu schnelleren und ausgiebigeren Zusammenziehungen, weil es bei Durchtreibung des Blutes durch die engeren Gefässe grössere Widerstände zu überwinden hat [2]. — Es sind auch hier besonders

[1] l. c. p. 233. [2] Goltz, Ueber den Tonus der Blutgefässe. Virchow. Arch. Bd. XXIX. Heft 3 u, 4 p. 419.

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die kleineren Arterien, die durch die reflectorische Reizung des Sympathicus verengert werden, was sich aus folgendem Umstande, auf den schon Domrich aufmerksam macht, schliessen lässt. — Auf das Stadium der Gefässverengerung folgt nämlich bei der Ueberraschung nach kürzerer oder längerer Zeit ein Stadium der Gefässerweiterung und die vorher vorhandene Blässe macht einer mehr oder weniger saturirten Röthe Platz. Nun ist aber die Haut mit derselben bei Weitem nicht so gleichmässig und intensiv übergossen, wie bei der Scham, was eben daher rührt, dass die Verengerung und folgende Erweiterung mehr die kleineren Arterien der Haut und nicht wie bei der Scham das ganze Capillargefässsystem derselben trifft. — Eine einmalige freudige Ueberraschung ruft also eine einmalige Sympathicusreizung mit entsprechender Verengerung der kleineren Arterien hervor. Demnach wird eine intermittirende freudige Erregung wie wir sie als Wesen des Komischen nachgewiesen haben, eine intermittirende Sympathicusreizung erwarten lassen. —

Das war ja aber das Resultat, welches wir nach Maassgabe des schon Eingangs erwähnten Experimentes finden wollten und es ist damit die Psychologie des Komischen mit der Physiologie in Einklang gebracht. Wie die intermittirende Sympathicusreizung das Lachen als physiologisch nothwendige Folge nach sich zieht, haben wir im ersten Abschnitt dieser Arbeit gezeigt, und wir sind mithin jetzt im Stande, auch das Lachen, welches durch das Komische bewirkt wird, als zweckmässige Reflexbewegung völlig zu verstehen.

Druck von Bär & Hermann in Leipzig.

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