NACH DEM KABARETT
Reading edition
Ich gehe morgens früh nach Haus. Die Uhr schlägt fünf, es wird schon hell, Doch brennt das Licht noch im Hotel. Das Kabarett ist endlich aus. In einer Ecke Kinder kauern, Zum Markte fahren schon die Bauern, Zur Kirche geht man still und alt. Vom Turme läuten ernst die Glocken, Und eine Dirne mit wilden Locken Irrt noch umher, übernächtig und kalt.
Schon zweimal wurde ich geboren, Und damals sang ich auch für Geld, Doch sonniger schien mir die Welt, Und meine Munterkeit hab ich verloren. Irgendwo in der Ferne vergeht die Zeit, In meinem Arme fühl ich sie entrinnen. Ich denke an mein erstes Beginnen. Wie tief verwirrt mich die Unendlichkeit!
Einsam irr ich durch die Nächte und denke an dich. Manchmal sehe ich einen Mantel, der deinem gleicht. Und dann rufe ich dich leise beim Namen. Mein Herz steht still vor Trauer. Müde lehne ich mich an die Mauer und schließe die Augen. Langsam rinnen viele Tränen zur Erde. Die Welt bleibt weit zurück. Ich wehe durch weiße Wolken in offene Arme. Ein Rosenregen fällt mir nach und kühlt meine kranken Augen. Alles ist so weiß und zart. Ach so süß.
(Ferdinand Hardekopf gewidmet)