II.
Reading edition
Wohl schreitet die Sehnsucht brückendes Schrittes Von Berg zu Berg übers Tal, Von Stern zu Stern; die Spur ihres Trittes Leuchtet im Weltenall. Sie schreitet, schreitet auf glühenden Sohlen Ewig im ewigen Raum; Wo End und Anfang zeitlos rollen, Schleift ihrer Schleppe Saum. Sie schreitet, schreitet mit suchenden Füssen Vom Vollen ins leerste Nichts; Und wo sie hintritt, im Dunkel spriessen Brennende Blumen des Lichts. Und wo sie hintritt, im ewig Leeren Urewige Fülle aufquillt; Urewig des Endes Anfangbegehren Des Anfangs Ende stillt. So über die Weiten und über die Zeiten Vom Nirgendwo zum Niemal Mag wohl die Sehnsucht brückend schreiten Von Berg zu Berg übers Tal.
Suh – suh – ein Ton in mir Der schwillt und ebbt im All Zur Weltenfuge Klanggewirr, Zur Einheit Urchoral. Ruh – Ruh – so singt der Ton Der Seele Sehnsuchtslied, So schreit die Möve sturmentflohn Der übers Meer herzieht; So heult der Sturm den Brausesang, So brüllt das Meer im Grund, Des Weltenwütens Sterbedrang, Der Tod am Leben wund. Weh – weh – ein Ton in mir Zur Meeresbrandung schwillt, Die aller Ufer Qualrevier Mit bangem Schrei erfüllt. Bis einst des Schweigens Abgrund weit Den Mutterschooss auftut, Und alles Leben, alles Leid Erlöst im Tode ruht.
Im Gedränge Der Menge Urseiender Wahrheit Zu sehen Verstehen Die werdende Klarheit; Im kleinen Erscheinen Das grosse »An-sich«, Beim Zahl-viel Ans All-ziel Erinnere dich. Da drinnen Beginnen, Da draussen das Ende; – Dass im Innern Erinnern Das Aussen fände, Lern nennen Lern kennen Was aussen ist; Werde jetzt Was zuletzt Von Anfang du bist. Gewärtig Unfertig Die Einzelheit, Doch vorwärts Und rückwärts Die Ewigkeit. Das Leben Ein Schweben Um zuckende Flammen; Folg allen, Sie fallen Zur Sonne zusammen. Folg einer, Stets kleiner Zum Nichts sie verschwindet. Tauchst dort du, immerfort du, Ohne Rast du, so hast du Im Nichts das All ergründet. Du magst, Wo du fragst Wohl Antwort erwerben, Vom Einen Zum Keinen Zum All wohl sterben. Magst zählen, Magst schwellen, Zum Endlosen streben. Durch Tod Zu Gott; Zu Gott durch Leben. Im Innern Erinnern Und aussen Lernen. Doch immer Geflimmer Von bekannten Sternen. Wusstest schon Die Lektion Vorm Unterricht, Siehst eben Im Leben Dein eigen Gesicht. Was gewesen, Was du vergessen, Sagt dir Erinnerung. Was alt Wird bald Im Gedächtnis jung – Stets nur Die Spur Von deinem Sein. Erinnern im innern Und Lernen im Fernen; Hier, dort, das Urselbstein.
Aus deinem Innern sollst du's heben, Im Innern kreist die ganze Welt. In dich hinein das Aussenleben In einen tiefen Abgrund fällt. Aus dir heraus – bist stets am Ende; Hinauf, hinab, rundum ..... nur Wände. Oh wolle nicht nach Aussen schweifen, Wo deine Kerze flickernd tropft. Erkennen nenne nicht Begreifen, Gefühl nicht, wenn dein Finger klopft. Dem Spiegel wuchsen keine Flügel, Und doch siehst du die Welt – im Spiegel. Oh trachte nicht dich auszudehnen! Sink in dein Inneres still hinab. Lass draussen der Erscheinung Wähnen, Steig aus dem engen Weltengrab; Dort wolle nicht zur Tiefe sinken – Kann doch in dir das All ertrinken. Woll' nicht der Gründe Grund ergründen, Und nicht durchmessen Raum und Zeit! Nur in der Seele kannst du's finden: Das »Welteneng«, das »Weltenweit«. Da ordnen sich des Chaos Trümmer: Das Nichts, das All, das Ja, das Nimmer. Der Kugel All ist ohne Ende, In Punktes Nichts ist kein Beginn. Von innen dich nach aussen wende Zurück zum Innerstinnen hin. Die Welt des Seins, das Nichts des Scheines, Das Ipse, Tu – Allselbst, Alleines.
I. Der Mensch ist allwissend, nur weiss er es nicht. Es sendet die Sonne ihr strahlendes Licht Hinaus ins weite Weltenrund. Der Sonne aber wird es nicht kund, Dass sie das Universum erhellt. Sie selber schaut sich um in der Welt Fragend und zagend von Stern zu Stern Und sieht in jeglicher Himmelsfern Die eine urewige finstere Nacht Und nichts von all der leuchtenden Pracht. Die Sonne sendet das schaffende Licht Und sucht es in Sehnsucht und findet es nicht. II. Der Mensch ist allwissend, und dunkel er's fühlt. In seinem Innern er suchend wühlt Und findet langsam Stück um Stück. Und heller und heller wird sein Blick, Den ihm sein Ego so gänzlich getrübt. Und wie den Säugling die säugende Amme So liebt das Ipse die leuchtende Flamme, Das eine urewige Objekt, das Tu. So stirbt das Subjekt und findet die Ruh. Allwissenheit schaff ich durch eigenen Tod, Ich war, ich bin, ich werde – – Gott.