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Die dreizehn Bücher der deutschen Seele

Das Schuldbuch der Menschen (continued 2)

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Wehe den Besiegten! stand über dem Tor von Versailles; aber die Sieger im Westen wollten dem Schicksal die Türen zuhalten, durch die nun der Osten hereinbrach, die Fragen der Menschheit zu stellen:

War eine Menschheit, die solchen Massenmord um das Wohlsein der Völker rüsten und ausführen konnte, war eine Menschheit wie diese noch wert, so zu heißen?

War es ein Unglück, das über sie kam, oder war es ein Schicksal, verdient und notwendig, weil Raub- und Gewinngier des Abendlandes einmal sich selber auffressen mußten?

Die in den Erdhöhlen des Krieges wie in den Fabriken des Friedens um kärglichen Lohn den gemeinen Mann spielten: sollten sie länger ertragen, daß in Versailles die goldene Spinne dasaß, das alte Beutespiel neu zu beginnen?

Hatte die goldene Spinne nicht ihren Leib noch im Krieg vollgefressen, wie sie mit blutigen Zangen auf Massengräbern dasaß, der Armut das Blut auszusaugen? und war es nicht Zeit, ihr den Kopf abzuschlagen?

Sollte die Masse all der Enterbten nicht aufstehen gegen den Bürger, wenn seine Gewinn- und Genußsucht keine andere Ordnung zu schaffen vermochte? sollte der Sozialismus nicht endlich die Weltordnung werden?

So kamen die Fragen von Osten, wo die rote Zwietracht am Ziel war; denn die rote Armee der Fabrikler saß in den Prunkstraßen der Bürger, das russische Riesenland zu regieren.

Sie wollten das Schwert nicht eher hinlegen, als bis die Vorstadt in allen Ländern der Erde am gleichen Ziel war, bis die Diktatur des Proletariats die Menschheit von der goldenen Spinne des Kapitalismus erlöste.

Der Krieg der Staaten mit allem Haß ihrer Völker hatte den Krieg der Klassen entzündet: dem Krieg der Staaten und Völker konnten die Sieger noch einmal den Frieden diktieren, dem Krieg der Klassen mußte ihr letztes Diktat die Blutbahn aufreißen.

Versailles oder Moskau: so stand nun der Feind! im Völkerbund zu Versailles wollte der Kapitalismus die Erde für immer beschatten; im Bolschewismus zu Moskau war seinem Hochmut die Axt an die Wurzeln gelegt.

Menschendämmerung

Vier Winter wurden der Welt nicht zum Frühling; in die Blüte fiel Schnee, und Hagel über den Mißwachs; auf den zerstörten Feldern der Erde war Krieg; Krankheit, Hunger und Furcht fraßen die Welt leer.

Da kam die Wolfsbrut der dritten Zwietracht ans Ziel; denn nun waren die Herzen bereit für das wilde Ereignis, das dem Bürger die Tafeln der Tugend zerbrach.

Durch Eisen und Blut war die Wohlfahrt gekommen, in Blut und Eisen sank sie dahin; und als die Wohlfahrt dahin war, war von der Tugend des Bürgers nur noch der Hohn seiner zerbrochenen Tafeln geblieben.

Mit vergoldeten Buchstaben hatte die Neuzeit geprahlt, daß sie die glückreiche Erbin aller Vergangenheit wäre, daß die Zukunft des Menschengeistes nicht mehr den Irrlichtern der Seele, sondern dem Tageslicht seiner Werkstätten überantwortet sei.

Nun fiel die Schrift von den Wänden, und der Menschengeist mußte erkennen, daß ihm allein der Hochmut gehörte, daran das falsche Gold aufgeklebt war.

Der Hochmut zerbrach mit den Tafeln der Wände: alle Dämonen der Tiefe sandte der Abgrund über ihn her; und die schlimmsten Unholde krochen – das mußte er schauernd erkennen – aus seiner eigenen Brust.

Der Staat und sein starkes Gesetz war dem Bürger der Stockmeister all seiner Ordnung gewesen; nun ihm der Stock aus der Hand fiel, war der Tugend die Strafe der eigenen Torheit gesetzt, aber dem Laster der blinkende Lohn seiner List.

Alles, was schlecht und schlau, gemein, zwiezüngig und selbstsüchtig war, sah sich gesegnet; alles was treu und einfältig, großmütig, gerecht und uneigennützig war, sah sich verlassen.

Menschendämmerung war; aber kein Surtur aus Süden kam mit dem weißglühenden Schwert, keine Flamme zückte aus Muspilheim, das Gezücht zu verbrennen.

Nur in den Brunnen der Seele wurde die Tiefe lebendig, und die Frage schwoll an: warum der gekreuzigte Gott noch immer auf Golgatha hinge?

Der sich den Menschensohn nannte, hatte Gott in den Herzen der Menschen erweckt, daß er stark würde in jedem, des irdischen Daseins zu lächeln; aber mit Strafe und Lohn seiner Weltgerichtslehre hatte der Priester die Freiheit der unsterblichen Seele wieder in Furcht und Hoffnung der Knechtschaft gebunden.

Nun brach aus den Brunnen der Tiefe die Sintflut, alles Dasein ersäufend, das in der Furcht und Hoffnung solcher Knechtschaft verharrte, statt seiner unsterblichen Seele gläubig zu sein.

Weil ihm der Himmel verschlossen war, hatte der Menschengeist trotzig getrachtet, sich die Erde zu retten; er hatte der Menschenvernunft Werkstätten gebaut, die seine Tempel sein sollten: nun kam die Sintflut über den Wahn und den Hochmut.

Aber die Männer der dritten Zwietracht bauten die Arche, der Flut zu entrinnen; sie lachten des Gottes, der Himmel und Hölle bedurfte, auf Erden mächtig zu sein; sie wollten das dritte Reich finden, da weder Engel noch Teufel Gottes Allgegenwart störten.

Sie wollten des ewigen Grundes in allen Untiefen gewiß sein: wo eine Seele erwachte, war Gott ins Dasein getreten, in ihrer Unsterblichkeit war seine Stärke, in ihrer Liebe war seine Gnade, in ihrer Vollendung war seine Entfaltung.

So bauten die Männer der dritten Zwietracht die Arche, so fuhren sie gläubig hinein in die Nacht und Brandung der Zeit, den Berg der Eintracht zu finden, indessen die Sintflut dem Hochmut und Wahn den schäumenden Untergang brachte.

Wiederkunft

Das Land der Mitte zu heißen, ist Deutschlands Geschick: zwischen Versailles und Moskau liegen die Gräber seiner gefallenen Söhne, zwischen Versailles und Moskau liegt seine kommende Not.

Die rote Zwietracht reißt seine Hoffnung nach Osten, die goldene Spinne im Westen saugt ihm sein Blut; was es der einen läßt, muß es der andern nehmen: so ist es noch einmal das Schlachtfeld der Welt.

Denn nun kann nicht Frieden auf Erden gesungen sein, als bis das dritte Reich kam; aber das dritte Reich wird keinem der Völker gehören, die Menschheit wird sein Herrscher und Untertan heißen.

Die Menschheit will werden, aber sie kommt nicht mit Lorbeer und Psalmen: Gewalt muß Gewalt bezwingen, ein Meer von Blut muß den Abgrund ersäufen, daraus sie geboren sein will.

Versöhnung und Friedensschalmeien müssen verstummen, wenn der Abgrund zu kreißen beginnt; denn alles was dumm und gemein, was selbstsüchtig und eitel, was schlecht und schlau und zwiezüngig ist, will die Geburt stören.

Die rote Zwietracht im Osten wird einmal die goldene Spinne im Westen erschlagen; aber das rote Elend wird nach dem goldenen schreien, bis die erste Eintracht beginnt.

Daß aber das Reich der Eintracht uns widerfahre auf Erden, wird es der Herzen bedürfen, die das Kreuz der Zwietracht tapfer und treu nach Golgatha tragen; der deutschen Seele wird seine bitterste Botschaft gehören.

Zu töricht, im Rat von Versailles zu sitzen, zu töricht, im Haß von Moskau zu sein, niemandens Freund und aller Welt Feind, wird sie in langer Einsamkeit bleiben.

Die Einsamkeit wird ihre schwarzen Unholde gebären und ihre Lichtalben; wenn der Morgen der Menschendämmerung anbricht, wird sie nicht mehr auf Allerweltsstraßen gehen.

Alle Kämpfe der Menschheit werden der deutschen Seele auferlegt sein, bis sie, Besiegter und Sieger in Einem, der kommenden Eintracht Christophorus wird; bis einmal Wiederkunft ist, bis endlich den Kindern Gottes auf Erden die grüne Wiese, das blanke Meer und der blaue Himmel gehören.

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