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Der Weihnacht-Abend

Dreyßigstes Kapitel.

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Wir wenden uns von diesen Trauer-Szenen um die Leidtragenden in eine lichtere Zukunft zu begleiten. Außer dem bittern Gram über eine Reihe von Uebereilungen hatte auch die Geschichte seiner Gefangennehmung, der Schmerz gekränkter Ehre Woldemars Herz zerrissen und das Bewußtseyn der erschöpften Pflicht reichte nicht hin eine Wunde dieser Gattung zu bedecken.

Julius begleitete ihn bald nach Herminens Todtenfeyer in die Hauptstadt. Er trat mit ruhigem, gefaßtem Muth dem Groll der Falschen, dem Vorurtheil der Täuschbaren, dem Verfolgungs-Geist mächtiger Feinde entgegen, beschämte diese und drang auf ein Kriegsrecht das ihn freysprach und belobte. Die eben erfolgte Auswechslung der Gefangenen überhob ihn der Rückkehr in die Nachbarschaft der Guillotine, welche seitdem die Frau von Wessen bereits ein Dutzend Mahl zur Wittwe gemacht hatte, und so kehrte denn Woldemar frey und versöhnt mit dem Schicksal auf Herminens Landgut zurück, das ihm der letzte Wille seiner verewigten Freundin zugetheilt hatte.

Ihr kommt zur rechten Stunde! „rief Auguste die jetzt ihrer Niederkunft nahe war, den Freunden entgegen“ Wir dürfen keinen Tag länger säumen nach Wessenburg, in die Arme der verlangenden Mutter zu eilen, und doch ist der gute Rath hier eben sehr theuer. Therese kann, wie sich von selbst versteht, nicht bey dem ledigen Manne bleiben und doch Keine von uns es über sich gewinnen das theuere Weihnachts-Geschenk der Hand einer Wärterin zu überlassen.

Julius dachte bereits auf einen Vorschlag zur Güte, und zu dem Hauptmann sprach Auguste „Therese ist hergestellt.“ Er schwieg — Sie blüht wie diese Frühlings-Blumen „fuhr jene fort.“ Verwaist, und einsam steht sie auf der Welt, geziert mit Reitz und Seelen-Güte, der Schwester Ebenbild, die Erbin ihres Herzens und ihres Goldes. Genug „versicherte sie mit steigendem Eifer“ ich lege mein Haupt nicht sanft, mich eher nicht ins Wochenbett, bis sie die Ihre ist.

Woldemar aber vernahm kein Wort dieser Rede, denn alle Schrecken jener Nacht hatten sein verletzbares Herz beym Anblick dieses Zimmers überfallen. Er starrte das Sopha an, auf dem sie damahls, lieblich geschmückt von einem Tanz erschöpft, zu ruhen schien und ihr lächelndes Himmelsbild über diesem, mit Flohr bekränzt, umschlungen mit Zypressen-Zweigen.

Wo sind Sie? fragte die Baronin und weckte den Träumer, denn eben trat Therese mit seinem Kind auf ihrem Arm in’s Zimmer. Er fuhr empor, schritt auf sie zu und riß das holde Ebenbild der Todten mit einem Klageton ans Herz.

Therese wurde roth. Gelobt sey der Genius „rief er aus“ der mich durch diesen Zauberspiegel täuscht. Zur Hälfte nur hab ich die theuere Braut verlohren. Die schönere Hälfte lebt in diesen Zügen, sie lebt in diesem Herzen, und ach, in diesem Kinde fort.

Zerbrich Dir den Kopf nicht länger „flisterte Auguste in des Gatten Ohr“ es scheint als wolle sich das Auskunfts-Mittel ganz ohne unser Zuthun finden.

Therese hatte indeß ihr glühendes Gesicht an des Knaben Brust verborgen. Wo warst Du denn? fragte die Freundin.

An Ihrem Grabe „sprach Therese“ der Abend ist so schön und der Kirchhof mit Blüthen bedeckt.

O, führen sie mich hin! „bat Woldemar“ meine Augen werden diese Blüthen bethauen.

„Herzlich gern“ erwiederte sie und winkte Augusten, ihr zu folgen, doch diese versagte lächelnd die Gewährung, hing sich an ihres Gatten Hals und hielt auch den zurück.

Der Gottes-Acker stieß an den Garten, eine Thüre verband sie. Hoch über alle ragte das Grab seines Lieblings unter der Linde. Die Stimme der Schläferin schien aus dem Dunkel des sanft bewegten Laubes zu flistern, ihr freundlicher Geist ihm in den wallenden Halmen des Hügels zu nicken.

O ewige Liebe „rief er aus“ nur hier kein Ende! Nur dort kein Grab!

Inniger drückte Therese den Knaben ans Herz, sah tief bewegt in die sinkende Sonne und sagte „So starb sie!“

Woldemars Stimme lockte die Seele der Sinnenden zu dem Grabe zurück. Meine Zukunft „sprach er“ soll eine fortwährende Todten-Feyer seyn.

Am sichersten „erwiederte sie“ wird ein reines, sittlich schönes Leben diesen heiligen Schatten versöhnen.

Wer leitet mich zur ebenen Bahn? „fragte der Weinende“ Therese antwortete „Das Schicksal der Dulderin!“

Woldemar sah ihr in’s Auge. Wehmuth und Sehnsucht, Anmuth und Liebe begegneten sich im stummen Wechselspiel der Blicke. Hermine „sprach er“ starb an Deinem Herzen. Laß mich an ihm genesen und diese Hand geleite mich!

Therese drückte voll Innigkeit die seine, und wie im letzten Augenblick Hermine sie umfing, so umfing jetzt Woldemar die Braut auf ihrem Grabe.

Die variierende Schreibweise des Originals wurde weitgehend beibehalten, ebenso die teilweise ungewöhnliche Platzierung der Anführungszeichen.

Anstatt des Namens Julie steht gelegentlich Juliane.

Offensichtliche oder sinnentstellende Fehler wurden korrigiert wie hier aufgeführt (vorher/nachher):

... ihren Häubchen. ... ... ihrem Häubchen. ...

... Wolken des tiefen, land genährten Unmuths ... ... Wolken des tiefen, lang genährten Unmuths ...

... dieses Receptes. Auguste blättert in ... ... dieses Receptes. Auguste blätterte in ...

... hatte sich den doch, trotz dem Heere ... ... hatte sich denn doch, trotz dem Heere ...

... in seinem Diensteifer verbraucht hatte und ... ... in seinem Diensteifer verbracht hatte und ...

... General-Marsch geschlagen, den kein Augenblick ... ... General-Marsch geschlagen, denn kein Augenblick ...

... in ihren eigenen Schlafzimmer an, gesellte ... ... in ihrem eigenen Schlafzimmer an, gesellte ...

... bey und verschloß die bewußte Tapaten-Thür. ... ... bey und verschloß die bewußte Tapeten-Thür. ...

... und so ward er den angenommen. ... ... und so ward er denn angenommen. ...

... Nahmen schrieb, vergebens einer Anwort auf ... ... Nahmen schrieb, vergebens einer Antwort auf ...

... seine dringende, Herminens Ehre rettend ... ... seine dringende, Herminens Ehre rettende ...

... dringt auf eine Theilung der Erbschnft, ... ... dringt auf eine Theilung der Erbschaft, ...

... Pötzlich entstand eines Morgens großer ... ... Plötzlich entstand eines Morgens großer ...

... an diesem Herzen alle wilde Wünsche des meinen ... ... an diesem Herzen alle wilden Wünsche des meinen ...

... Julie ward vor dem Augen des Erwachenden ... ... Julie ward vor den Augen des Erwachenden ...

... Stimme“ mehr als ich je verguten kann; ... ... Stimme“ mehr als ich je vergüten kann; ...

... die eine nach ihren Tuch, die andere kichert ... ... die eine nach ihrem Tuch, die andere kichert ...

... goldenen Locken, formte sich die vieleckige ... ... goldenen Locken, formte sich der vieleckige ...

... an ihm nieder, den Amatus hatte ... ... an ihm nieder, denn Amatus hatte ...

... gut daß Ihr es wagte mich so plötzlich, so ... ... gut daß Ihr es wagtet mich so plötzlich, so ...

... zur Arme zurück, erzählte ihm, daß der unglückliche ... ... zur Armee zurück, erzählte ihm, daß der unglückliche ...

... Ich bin wie ich bin, guter Woldmar, ... ... Ich bin wie ich bin, guter Woldemar, ...

... oder möglichen Unfall, daß Herz jeden ... ... oder möglichen Unfall, das Herz jeden ...

... erheitere Dich. Sie, wir erschöpfen alles ... ... erheitere Dich. Sieh, wir erschöpfen alles ...

... bestand, über die Kraft-Aeußerug mit ... ... bestand, über die Kraft-Aeußerung mit ...

... diese Gedächniß-Nacht an ihrem Bette feyern ... ... diese Gedächtniß-Nacht an ihrem Bette feyern ...

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