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Der Pfaffenspiegel

Front matter (continued 8)

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Der Pater fragte Calleken, ob es ihr Ernst damit sei, ihre jungfräuliche Reinheit und Sauberkeit zu bewahren und zu dem Ende unter seine Obedienz, Untertänigkeit und Gehorsam sich verdemütigen wolle? Als sie bejahte, lobte er sie sehr und ersuchte sie, ihn mit Einwilligung ihrer Mutter an einem bestimmten Tage der Woche zu besuchen.

Nach einer mehrwöchigen Vorbereitung nahm er sie feierlich als Beichtkind an und ließ sie den schon oben angeführten Eid schwören. Darauf wies er sie an, gleich den anderen Mädchen in seine Disziplinkammer zu kommen und sich dort zur Pönitenz vorzubereiten. - Diese Kammer hatte er damals in einem Hause auf dem Steinhauersdyk in Brügge bei einer Witwe, Frau Pr., bei der die oben genannte Betken und einige andere Mädchen in Kost waren, um die Kochkunst zu erlernen. Die Nähterin wurde erst des Paters Vertraute nach dem Tode der Witwe.

Als Calleken zum ersten Mal in die Kammer trat, forderte sie Cornelius auf, bei dem Gelübde ihres Gehorsams ihm alle Anfechtungen und Versuchungen, welche der menschlichen Natur so eigen, zu beichten und namentlich die unkeuschen Träume, Gedanken und Begierden, welche der jungfräulichen Reinigkeit so sehr zusetzen, ungescheut ihm mitzuteilen, indem er nur auf diese Weise Mittel finden könne, Letztere zu beschützen.

Das arme, unschuldige Kind, welches von dergleichen Anfechtungen noch durchaus nichts wusste, stotterte etwas her, aber Cornelius erwiderte: "Bah, ich weiß recht gut, dass Euch alle die Unkeuschheiten und Unreinigkeiten, welche zwischen Verheirateten und Weltmenschen vorzufallen pflegen, bekannt sind: denn die Welt ist so arm im Argen und verdorben, dass junge Mädchen von acht bis neun Jahren recht gut wissen, auf welche Weise sie in die Welt gekommen sind. Bah! ein Mädchen von sechzehn bis siebzehn Jahren wie Ihr sollte nichts von solchen Versuchungen, Begierden, Quälungen wissen? Bah, Ihr hättet in der Welt bleiben sollen, Ihr wärt bald Mutter von drei bis vier Kindern."

Calleken, vor Scham ganz rot, sah zur Erde nieder und wusste nichts weiter zu sagen, als dass ihre Mutter sie auf das sorgfältigste vor allen eitlen, leichtfertigen und unehrbaren Äußerungen bewahrt hätte. - "O bah!" fuhr der Pfaffe fort, "darauf achte ich noch nicht. Die angeborene und gebrechliche Natur muss Euch in dem Alter, welches Ihr nun habt, darüber belehren; darum ist es nicht möglich, dass Ihr nicht bisweilen mit fleischlichem Streit angefochten werdet, den Ihr allein aus Verschämtheit mir verschweigt. Aber ich kann Euch durchaus nicht absolvieren, denn meine Seligkeit hängt daran, und darum bereitet Euch das nächste Mal besser darauf vor, alle eure natürlichen Anfechtungen zu erkennen zu geben.' - Hiermit entließ er Calleken und befahl ihr, auf einen bestimmten Tag wiederzukommen, was sie in Gottes Namen zu tun gelobte.

Als sie wieder zu ihm kam, nahm er sie in seine Disziplinkammer und ermahnte sie, alle Verschämtheit, die er ein falsches, böses Tier nannte, draußen zu lassen. Auf seine abermaligen Fragen nach fleischlichen Regungen antwortete ihm das unschuldige Mädchen, dass sie täglich Gott bitte, sie vor dergleichen Anfechtungen zu bewahren. Das lobte der Pater zwar, meinte aber doch, sie müsse Gott eigentlich um Versuchungen und Anfechtungen bitten, denn ein Zustand, in welchem diese ausbleiben, sei keine Heiligkeit zu nennen. "Bah!" fuhr er fort, "es ist eine Ehre, eine quälende Natur zu haben, und dass man zu ungleichen Personen, nämlich Frauen zu Männern und Männer zu Frauen, mit natürlich brennender Hitze geneigt ist; allein was ist das für ein Verdienst, wenn man kein Gefühl dafür hat? Bah, mein Kind, schämt Euch nicht zu gestehen, dass Ihr auch Fleisch und Blut gleich allen Menschen habt, oder ich muss Euch für heuchlerisch und ganz und gar für durchtrieben halten, weil Ihr nicht gestehen wollt, bisweilen fleischliche Gedanken oder unreine Begierden zu haben." Nun fuhr er fort, sie zu ermahnen, ihm rund heraus, je unumwundener je besser, alle ihre unkeuschen Gedanken und dergleichen zu sagen. Calleken wurde immer verschämter, je länger sie den Satyr in Priestertracht anhörte. Dieser glaubte daher vor allen Dingen darauf hinarbeiten zu müssen, diese ihm so hinderliche Scham zu vernichten, und nachdem er sie durch väterliche, gleisnerische Worte zutraulich gemacht hatte, fragte er feierlich: "Nun, Calleken, mein Kind, sagt mir, ob Ihr mir die Seligkeit eurer Seele auch mit ganzem Herzen anvertraut?" Sie antwortete: "Ja, ehrwürdiger Vater." - "Nun wohl", fuhr er fort, "wenn Ihr mir euer Seelenheil anvertraut, so könnt Ihr mir mit noch minderer Gefahr euren irdischen vergänglichen Körper anvertrauen; denn wenn ich eure Seele selig machen soll, so muss ich vor allem euren Körper geeignet, rein, sauber und fähig machen zu allen Tugenden, Andachten und Pönitenzien. Ist's nicht so, mein Kind?" - Sie antwortete: "Ja, ehrwürdiger Vater." - "Nun wohlan, mein Kind, so ist es nötig, dass Ihr meiner heiligen Obedienz untertänig seid und tut, was ich Euch befehlen werde."

Hierauf setzte er sich auf eine Bettstelle, die in dem Zimmer stand, und sie musste sich zwei Schritte von ihm hinstellen. Darauf sagte er, dass es zur Überwindung der Verschämtheit, welche der Disziplin und Pönitenz so durchaus zuwider, durchaus nötig sei, dass sie sich seinem Willen füge, und er gebiete ihr daher bei ihrem Gelübde des Gehorsams, sich sogleich vor ihm nackt auszuziehen.

Calleken antworte heftig erschrocken: "Ach, ehrwürdiger Vater, wie könnte ich das tun, ich müsste mich gar zu sehr schämen!" - "Mein Kind", rief er, "das muss so sein, unser beider Seligkeit hängt daran, darum weg mit der Scham und tut gehorsamlich, was ich befohlen habe." - "Ach, ehrwürdiger Vater", stammelte das geängstigte Mädchen, "ich will Euch lieber künftig alle meine Anfechtungen und fleischlichen Gedanken offenbaren (das arme Kind hätte sie gewiss erfinden müssen), als dies tun, denn ach - mir ist, als würde ich lieber sterben! Darum bitte ich demütig, ehrwürdiger Vater, erlasst es mir!" - Cornelius bestand aber fest darauf, denn ohne dasselbe sei es gar nicht möglich, eine vollkommene Andächtige zu werden; es sei das erste Mittel zum Empfang der heiligen, heimlichen Disziplin. Er verlangte unbedingten Gehorsam, wie ihn alle übrigen Disziplinschüler leisteten.

Seine Worte hatten endlich die gewünschte Wirkung. Das schöne Mädchen hakte ihr Mieter auf und zog es aus; als sie aber ihr Leibchen aufschnürte, stürzten ihr die hellen Tränen aus den Augen, und Cornelius sagte: "Bah, mein Kind, fasst Mut und kämpft tapfer und klug gegen die Verschämtheit und Heuchelei, dann sollt Ihr einen Sieg feiern, dann soll alles Triumph, Friede und Glorie sein."

Als sie nun bis aufs Hemd entkleidet war und auch dieses fallen lassen sollte, verwandelte sich die Glut ihres Gesichts in tödliche Blässe. - Als Cornelius dies sah, stand er eiligst auf und holte aus seinem Schrank einige stark riechende Essenzen, mit deren Hilfe sie bald wieder aus der Ohnmacht erwachte.

Für dieses Mal ist es genug, mein Kind", redete er ihr freundlich zu, "das nächste Mal sollt Ihr nicht allein bei mir sein, sondern in Gesellschaft einiger Mädchen, die Ihr kennt und die Euch mit gutem Beispiel vorangehen werden." Als sie sich wieder angekleidet hatte, ermahnte er sie, keinem Menschen etwas zu sagen und ihm zu geloben, am bestimmten Tage sich auch wirklich wieder in seinem Disziplinzimmer einzustellen.

Sie hielt Wort und fand dort die oben erwähnten beiden schönen Mädchen, die gar keine Umstände machten, sich sogleich auskleideten und ganz dreist nackt vor den Pater hinstellten. Calleken folgte dem Beispiel, und Cornelius lobte sehr das Glorreiche eines solchen Siegs über die verfluchte Scham, die allem frommem Werk im Wege sei. Damit hatte es für dieses Mal sein Bewenden, denn Cornelius pflegte seine frommen Töchter mehrere Monate lang im Entkleiden zu üben, denn sein Grundsatz war, sie mussten freiwillig die Scham aufgeben und selbst die Disziplin begehren.

Während dieser mit Calleken vorgenommenen seltsamen Exerzitien wurde sie von einem Mädchen, das schon seit langem zu des Paters schamlosen Freikorps gehörte, gefragt: ob sie denn nun wisse, was die Disziplin oder heilige sekrete Pönitenz sei? Calleken antwortete, dass sie es wohl beinahe ahne, aber noch nicht sicher wisse. "Ei", sagte das Mädchen, "wenn du diese noch nicht verdient hast, dann musst du wohl ein ganz anderes reines Mädchen sein als alle anderen; allein ich denke, dass du deine Anfechtungen nicht recht bekannt und gestanden hast." Nun wurde sie zum unbedingten Gehorsam gegen Bruder Cornelius ermahnt: sie müsse, hieß es, ihre Seele ihm ganz und gar übergeben, den sonst könne es unmöglich etwas werden. Calleken versprach, ganz zu tun, wie die Mädchen ihr rieten.

Die vielen Reden von fleischlichen Anfechtungen, von natürlichen unsauberen Begierden, unkeuschen Träumen usw. hatten das unschuldige Mädchen ganz verwirrt gemacht, so dass sie Tag und Nacht an nichts anderes dachte, was denn auch mit wirklichen Anfechtungen endete, so dass sie dem erfreuten Pater etwas zu beichten hatte. Sie wurde nun der Disziplin für würdig erachtet und wurde eine Devote wie die andern.

Diese Bußgenossenschaft, zu welcher die schönsten Frauen und Mädchen von Brügge gehörten, bestand eine ganze Reihe von Jahren, ohne dass außerhalb des Kreises derselben das geringste verlautete. Aber der Krug geht so lange zu Wasser bis er bricht, und auch den frommen Beschäftigungen des faunischen Paters sollte ein Ende gemacht werden.

Bei einer kleinen Festlichkeit einiger Mitglieder dieser Genossenschaft, der auch Pater Cornelius beiwohnte, ging es sehr lustig zu. Der Pater tanzte mit einer hübschen Beichttochter und küsste sie in seiner frommen Weinlaune auf den Mund. -Calleken Peters hörte davon durch eine der Anwesenden und war sehr betreten, dann sagte sie - "man steht doch mutternackt vor ihm, und wie kann man wissen, ob ihn nicht etwas Menschliches anwandelt." Die andere erklärte ihn für einen Engel in Menschengestalt, der nicht sündigen könne; allein Calleken antwortete: "Ich behaupte nicht gerade, dass er sündigt, aber wie nun, wenn ihn eine menschliche Schwachheit ergreifen sollte, wie wolltest du dich benehmen, um nicht mit zu sündigen?" - "Ich würde es in Demut geschehen lassen", antwortete die andere, "denn ich bin Überzeugt, unser Herrgott würde mir solches nicht zur Sünde rechnen um des heiligen Mannes willen, indem dieser die Handlung ohne eigentlich fleischliches Gelüste vollbrächte."

Calleken wollte diese Religion nicht einsehen, allein der Pater, der Nachricht von dieser Unterredung erhielt, bekam einen großen Schrecken und nach mehreren Unterredungen mit Calleken ließ er sich von ihr in Gegenwart eines anderen Paters eine Erklärung unterschreiben, dass sie an ihm nie etwas bemerkt, was ihr Ärgernis gegeben habe, und dass sie nichts von einer heimlichen Disziplin wisse. Der Pater stellte ebenfalls ein Zeugnis aus, dass er Ohrenzeuge einer solchen Erklärung gewesen und Cornelius wurde wieder ruhig, besonders da er sah, dass Calleken Peters das Geheimnis bewahrte und auch nicht aus seiner Beichtgenossenschaft austrat.

Nach zwei Jahren kamen ihr aber Skrupel, und sie wollte von dem Pater aus der Bibel bewiesen haben, dass die heimliche Disziplin zur Seligkeit absolut notwendig sei. Sie warf ihm vor, dass er auf der Kanzel die Bibelstellen ganz anders auslege als ihr, und er rief sehr verlegen: "Ah bah! wenn ich auf der Kanzel stehe, rede ich für die Weltkinder."

Bei einem abermaligen Disput über diesen Gegenstand riss dem Pater die Geduld, und er befahl ihr, sich auf der Stelle zu entkleiden und die Pönitenz zu empfangen; allein Calleken weigerte sich durchaus und erklärte, dass nur Beweise aus der Bibel sie vermögen könnten, zum alten Glauben an die Notwendigkeit der heimlichen Disziplin zurückzukehren. Er tobte und gab ihr drei Wochen Zeit, sich zu bedenken.

Sie war bei ihrem Entschluss geblieben und ging nach drei Wochen ins Kloster. Cornelius war nicht zu Hause, und sie kam auf den Gedanken, eine Unterredung mit dem Guardian zu haben. Im Laufe derselben fragte sie denselben, ob er Kenntnis habe von der Art und Weise, wie Pater Cornelius diszipliniere?

Nach dem der Guardian sich überzeugt hatte, dass nur Gewissensangst das Mädchen zu ihm trieb, so erklärte er ihr endlich, dass Cornelius zu den Menschen gehöre, von denen Christus gesagt - "Wehe denen, die einen von diesen kleinsten ärgern; es wäre ihm besser, dass ihm ein Mühlstein an seinen Hals gehängt und er in die Tiefe des Meeres versenkt würde."

Sie ging nun nicht mehr zu Cornelius, allein dieser belästigte sie fortwährend, und sie beschloss daher, gegen alle fernere Teilnahme an der Bußsodalität zu protestieren. Cornelius war wütend, behandelte sie wie einen bösen Geist und übergab sie feierlich dem Teufel.

Bis jetzt hatte das Mädchen geschwiegen, aber nun erhob es sich mit dem Stolz und Mut der gekränkten und misshandelten Unschuld und rief: "Wehe Euch, ihr fleischlich gesinnter Mensch, der ihr mit all diesem Nacktauskleiden und Disziplinieren nichts anderes gesucht habt, als eure unkeuschen Augen und niederträchtigen Begierden zu befriedigen zum großen Ärgernis und Skandal von so viel unschuldigen Mädchen. Wehe Euch, es wäre besser, dass Euch ein Mühlstein an den Hals gehängt und ihr in die Tiefe des Meeres versenkt würdet!"

Die Wut des Paters war unbeschreiblich. Die Szene endete damit, dass er sie am Arm ergriff und zur Tür hinausschob, wobei er wie wahnsinnig schrie: "Weg von hier, Ihr Paulianerin! ich sehe nun, dass Ihr eine Paulianerin geworden seid wie Betken Maes; weg, weg, ich übergebe Euch dem Teufel!"

Calleken Peters ging ruhig nach Hause und lebte still und sittsam, ohne - aus Rücksicht für den Guardian und andere Frauen - von der seltsamen Bußanstalt des Paters zu reden, die immer fortblühte. Sie heiratete und kümmerte sich nicht darum; aber drei Jahre nach der oben erzählten Szene kam die ganze Geschichte durch die oben erwähnte Betken Maes an den Tag.

Es war dies ein ausgezeichnet braves Mädchen. Sie hatte sich ganz und gar der Krankenpflege gewidmet und wohin sie immer kam, erschien sie wie ein Engel des Trosts. Sie hatte auch zur Bußgesellschaft von Cornelius gehört, allein gab ihn als Beichtvater auf und beichtete einem trefflichen Augustinermönch. Cornelius war wütend und verketzerte sie überall, allein Betken schwieg.

Als sie einst bei einer Kranken war, die zu sterben meinte, verlangte dieselbe, in einer Kapuze zu sterben, die sie von Cornelius erhalten, der ihr gesagt hatte, dass sie, wenn sie in derselben sterbe, gar nicht einmal in das Fegefeuer kommen werde. Betken suchte, ihr den Unsinn auszureden, die Frau wurde böse, genas aber und erzählte die Sache Cornelius.

Dieser verleumdete sie nun in allen Klöstern und Privathäusern, welche ihr die Kundschaft aufkündigten. Er wusste es sogar so weit zu bringen, dass ihr Beichtvater, weil er seine vereidigten Beichttöchter verleite, in den Bann getan wurde. Betken selbst wurde als Ketzerin sogar auf der Straße verfolgt und verspottet.

In dieser Not beichtete sie dem Provinzial der Augustiner das Geheimnis der Bußanstalt. Der Provinzial beschloss, den Vermittler zu machen, und bewog Cornelius, gegen ihr Versprechen zu schweigen von der Kanzel seine Reden gegen sie zu widerrufen. Er tat dies in verblümter, nur wenigen verständlicher Weise und erklärte überall, dass er den Schritt nur auf Andringen angesehener, dem Erasmianismus anhängender Häuser getan habe. Seine Meinung aber über das Mädchen sei dieselbe.

Betken Maes war völlig wie vogelfrei; sie traute sich aus Furcht vor dem Pöbel nicht auf die Straße, und die Nächte durchwachte sie in Angst, da sie jeden Augenblick eine Gewalttat der Fanatiker oder einen Besuch der schrecklichsten Inquisition erwartete. Der Trieb der Selbsterhaltung bewog sie zum letzten Mittel. In mehreren Häusern, wo man sie noch duldete, erzählte sie die Betrügereien des Paters Cornelius und gab detaillierte Schilderungen von seiner Pönitenzanstalt. Anfangs glaubte man, sie erzähle ein von der Rachsucht eingegebenes Märchen; aber die Sache verbreitete sich und kam dem Magistrat zu Ohren, der diese Gelegenheit nicht ungern ergriff, um dem verhassten Mönch an den Kragen zu kommen.

Cornelius opponierte und drohte sogar mit der Inquisition. Das zwang den Rat vollends, alle Rücksichten fallenzulassen, und Calleken Peters und alle Sodalinnen des Paters mussten zu ihrer großen Beschämung persönlich vor Gericht erscheinen. Unter ihnen befanden sich sehr viele angesehene Frauen und Fräuleins. Ihre Unschuld erkannte man wohl im Allgemeinen an, aber es erging ihnen wie den vornehmen "Seelenbräuten" des Königsberger Muckers Ebel, der Makel des Lächerlichen blieb zeitlebens an ihnen kleben.

Das Urteil gegen Cornelius fiel sehr milde aus, denn die Pfaffen hatten damals noch die Oberhand. Er wurde von Brügge nach Ypern versetzt, da ihm kein förmlicher Angriff auf die Tugend der Frauen bewiesen werden konnte. Mehr als das Gericht bestrafte ihn die Satire des Volkes, die ihn auf alle mögliche Weise verfolgte. Er starb im Jahr 1581, aber sein Name hat sich noch in der Tradition erhalten, und manches Mädchen wird rot und kichert heimlich, wenn "Broer Cornelius" genannt wird.

Doch was wollen alle Künste des plumpen flämischen Paters sagen gegen die feine Niederträchtigkeit der Jesuiten in dergleichen Dingen! Sobald sie ihre Wirksamkeit begonnen, bemühten sie sich, Mädchen und Frauen für ihre Geißelsodalitäten zu gewinnen. Sie hatten sich nicht für die Geißelung auf den Rücken, sondern für die unterhalb desselben gelegene Gegend entschieden. Diese Art der Disziplin wurde von den Jesuiten in Löwen die Spanische genannt und angewandt, weil sie der Gesundheit zuträglicher sei als die obere, oder aus andern Gründen.

Während die roheren Mönche des Mittelalters wirklich hin und wieder aus dummem Religionseifer die Geißel anwendeten, taten es die Jesuiten meistens, um unter dem Deckmantel der Religion ihre raffinierte Wollust zu befriedigen. Wie sie dabei zu verfahren pflegten, will ich in der berüchtigten Geschichte von dem Jesuiten Girard und Fräulein Cadière zeigen, soweit es der Umfang dieser Blätter gestattet. Der Prozess, den das Fräulein gegen ihren Beichtvater einleitete, machte im Anfang des 18. Jahrhunderts ein ungeheures Aufsehen; ganz Europa nahm daran teil. - Das Hauptwerk über diesen wichtigen Rechtshandel umfasst acht Bände, und man wird es begreiflich finden, dass meine Darstellung nur eine sehr skizzenhafte sein kann.

Catherine Cadière war die Tochter eines wohlhabenden Kaufmanns zu Toulon und am 12. November 1702 geboren. Sie hatte drei Brüder; der älteste verheiratete sich, der zweite trat in den Dominikanerorden, und der dritte wurde Laienpriester. Der Vater war schon während der Minderjährigkeit Catherines gestorben, die nun bei ihrer borniert bigotten Mutter als deren Liebling blieb. Sie entwickelte sich sowohl körperlich als geistig auf die vorteilhafteste Weise. Das heißt, sie wurde sehr schön, und ihrer trefflichen Gemüts- und Geistesanlagen wegen wurde sie von allen, die sie kannten, sehr wohl gelitten. Allein die Erziehung ihrer bigotten Mutter, die darin von Geistlichen unterstützt wurde, die abgeschmackten Heiligenlegenden und mystischen Bücher, die man ihr schon frühzeitig zu lesen verstattete, gaben ihrem Geist eine ganz eigentümliche schwärmerische, mystische Richtung. Das Beispiel der heiligen Frauen der römischen Kirche und die heiligen Offenbarungen und Visionen, deren dieselben gewürdigt wurden, lagen ihr beständig im Sinn, und ihr höchster Wunsch war es, diesen halbtollen Närrinnen ähnlich zu werden. Dies war denn auch der Grund, weshalb sie mehrere vorteilhafte Heiratsanträge ausschlug.

So erreichte sie das Alter von fünfundzwanzig Jahren und man darf voraussetzen, dass in einem körperlich so üppigen und dabei so phantasiereichen Mädchen die gewaltsam unterdrückte Natur längst angefangen hatte, ihre Rechte geltend zu machen, und dass es nur eines leichten Reizes bedurfte, um ihre sinnlichen Begierden zu hellen Flammen anzublasen.

Zu dieser Zeit, im Jahr 1728, kam der Jesuit Pater Johann Baptist Girard als Rektor des Königlichen Seminars der Schiffsprediger zu Toulon an. Früher hatte er in Aix gelebt. Ihm ging ein großer Ruf als ausgezeichneter Kanzelredner und als durchaus streng sittlicher Mann voraus, und er erlangte denn auch gar bald in seinem neuen Wirkungskreise eine ganz außerordentliche Geltung und Verehrung. Besonders strömten die Frauen zu seinen Predigten und in seinen Beichtstuhl. Eine große Menge junger Mädchen trat in eine Art von Orden, in welchem unter Girards Leitung fromme Übungen vorgenommen wurden. Die fromme Schar machte ihm viel Freude, denn es waren schöne Mädchen darunter, und die Frömmigkeit und Ehrbarkeit des Jesuiten waren nur das Schafsfell, mit welchem der reißende Wolf der rohesten Sinnlichkeit bedeckt wurde.

Vor allen Dingen trachtete Girard zunächst danach, durch seine Lehren die Herzen und die Phantasie der jungen Mädchen zu vergiften. Wie eine Spinne ihr Opfer mit unendlich vielen feinen Fäden umzieht, ehe sie ihm das Blut aussaugt, so war auch der Jesuit bemüht, seine Opfer im Netz der raffiniertesten Sinnlichkeit zu fangen. Er durfte nicht zu schnell vorwärts gehen, denn Übereilung konnte alles verderben. Auch hatte er dazu keine Ursache, da er über den sicheren Erfolg seiner Verderbungstheorie vollkommen beruhigt war.

Als er bemerkte, dass die Mädchen bereits mit schwärmerischer Innigkeit und felsenfestem Vertrauen an ihm hingen, fing er allmählich an, ihnen andere Strafen, als es bisher geschehen war, für ihre Sünden aufzuerlegen, und kam nach und nach auf die Disziplin.

Die meisten Mädchen ahnten aus Dummheit auch nicht das allergeringste Böse und andere, durch das Geißeln angenehm sinnlich aufgeregt, fanden ein geheimes Vergnügen daran, wenn sie sich dessen vielleicht auch nicht klar bewusst waren. Noch andere mochten wohl den Pater und seine Absichten durchschauen, allein sie waren weit entfernt, denselben entgegenzuwirken, weil sie es nicht ungern gesehen haben würden, wenn sie heimlich und ungestraft von der verbotenen Frucht hätten naschen können. Diese und vielleicht auch finanzielle Gründe machten eine der Beichttöchter, Fräulein Guiol, dem Jesuiten ganz und gar ergeben, und sie ließ sich zu all seinen Plänen gern gebrauchen.

Diese Guiol war ein gescheites, durchtriebenes Geschöpf und dem Pater von unendlichem Nutzen. Er durfte bei seinen Beichttöchtern bald weitergehen und bei der Disziplin seine Lüsternheit noch auf andere Weise als mit den Augen befriedigen, wenn er sich auch wohl hütete, zum Äußersten zu schreiten, wo er seiner Sache nicht ganz gewiss war wie etwa bei der Guiol.

Zur Zahl seiner Pönitentinnen gehörte auch Catherine Cadière. Das in seiner vollsten Blüte prangende geistvolle Mädchen erregte nicht nur seine Sinnlichkeit, sondern flößte ihm auch ein Gefühl ein, welches ich Liebe nennen würde, wenn ich es für möglich hielte, dass eine solche hohe Leidenschaft in der Brust eines derartigen Menschen Raum gewinnen könnte. Ihr verständiges und tugendhaftes Wesen erforderte aber ganz besondere Behandlung und Rücksicht und er beschloss, hier mit ungewöhnlicher Umsicht zu Werke zu gehen. Er machte die Guiol zu seiner Vertrauten und diese verhieß ihm ihren Beistand.

Als er das Innere des Mädchens sondierte, erkannte er bald ihre schwärmerische Richtung und war bemüht, den Funken zur Flamme anzublasen. Er rühmte ihre ganz besonderen Anlagen, prophezeite, dass Gott mit ihr ganz besondere Absichten hege, und wusste sie zu dem Versprechen zu bewegen, sich zur schnelleren Erreichung derselben gänzlich seiner Leitung und seinem Willen zu überlassen.

So wurde das Mädchen innerlich vergiftet, ohne nur eine Ahnung davon zu haben. In ihrem Busen wogte ein Meer von unbestimmten, aber unbeschreiblich süßen Gefühlen. Kurz, "das Püppchen wurde geknetet und zugericht, wie's lehren tut manch welsche Geschicht." Dahin war Girard im Lauf eines Jahres gelangt; nun galt es, den zündenden Funken in das Brennmaterial zu werfen, welches er in ihr angehäuft hatte.

Catherine war längere Zeit krank gewesen und besuchte Girard im Refektorium der Jesuiten. Er machte ihr zärtliche Vorwürfe, dass sie ihn während ihrer Krankheit nicht habe rufen lassen, und gab ihr einen glühenden Kuss. - Dem erfahrenen Mädchenkenner konnte es nicht entgehen, welche außerordentliche Wirkung dieser Kuss hervorbrachte. Katharina musste ihm in den Beichtstuhl folgen, und hier forschte er genau nach ihren Ideen und Stimmungen, befahl ihr täglich zum Abendmahl zu gehen und fleißig die Kirche zu besuchen; auch weissagte er ihr baldige Visionen und ermahnte sie, ihm über diese wie überhaupt über ihre psychischen und physischen Zustände den gewissenhaftesten Bericht abzustatten.

Diese Visionen stellten sich denn auch wirklich ein und erhitzten ihr Blut und ihre Phantasie immer mehr. Ob sie allein durch den aufgeregten Gemütszustand des Mädchens und durch das geistige Gift des Pfaffen oder durch materielle Mittel hervorgerufen wurden, weiß ich nicht anzugeben. Es kam aber endlich so weit, dass sie ihm klagte, wie sie nicht mehr im Stande sei, laut zu beten und ihm die heftige Liebe zu verbergen, die sie für ihn empfinde. Über den ersten Punkt beruhigte er sie bald und "die Liebe", fuhr er fort, "die Ihr zu mir tragt, soll Euch keinen Kummer machen; der liebe Gott will, dass wir beide miteinander vereinigt werden sollen. Ich trage Euch in meinem Schoß und in meinem Herzen; von nun an seid Ihr nichts mehr als eine Seele in mir, ja die Seele meiner Seele. So lasst uns denn in dem heiligen Herzen Jesu einander recht brünstig lieben."

Anstatt nun der Natur freien Lauf zu lassen und der aufs höchste aufgeregten Sinnlichkeit Genüge zu leisten, verfuhr er weit teuflischer. Sein Bemühen war nun darauf gerichtet, den durch ihn hervorgerufenen hysterischen Zustand zur äußersten Stufe heranzubilden. Dies gelang ihm auch. Fräulein Cadière verfiel in hysterische Krämpfe, während welcher sie wunderbare Visionen heiliger und unheiliger Art hatte, die sich aber meistens um Pater Girard bewegten.

Schon zur Fastenzeit des Jahres 1729 hatte sie eine wunderbare Vision. Sie hörte eine Stimme, welche ihr zurief: "Ich will dich mit mir in die Wüste führen, wo du nicht mehr mit Menschenkost, sondern mit Engelspeise genährt werden sollst." - Von nun an widerstand ihr jede Speise, und überwand sie ihren Ekel dagegen mit Gewalt, so folgte darauf heftiges Erbrechen. Dann bekam sie einen Blutsturz. Pater Girard und seine Vertrauten erklärten diese Zufälle als ein Zeichen der ihr nun bald zuteil werdenden Wundergabe.

Catherine verfiel nun aus einer Verzückung in die andere. Auf ihrem Gesicht standen Blutstropfen und an ihrer linken Seite und an den Händen und Füßen wurden blutige Stigmen oder Wundmale sichtbar, mit denen nach dem römischen Aberglauben besonders heilige von Gott auserlesene Personen begnadigt werden. - Ja, hiermit endeten die Wunder nicht. Als der Pater dem Fräulein die Haare abgeschnitten hatte, bildete sich um ihr Haupt eine Art Heiligenschein, und das Tuch, mit welchem sie ihr Gesicht abgetrocknet hatte, erhielt davon das Bild eines leidenden Christus mit der Dornenkrone!

Wie weit diese wunderbaren Zustände der geistigen und körperlichen Krankheit des Fräuleins und wie weit sie jesuitischem Betrug zugeschrieben werden müssen, weiß ich nicht zu beurteilen. Dass Girard jedoch die Entdeckung des Letzteren sehr fürchtete, geht schon aus der Sorgfalt hervor, mit welcher er darüber wachte, dass von dem Zustand des Fräuleins außerhalb des eingeweihten und gläubigen Kreises nichts bekannt wurde. Der Mutter hatte er gesagt, dass Catherine in vierundzwanzig Stunden sterben würde, wenn man nur ein Wort über die wunderbaren Vorgänge fallen ließe.

Girard hatte nun selbstverständlich freien Zutritt im Haus der Madame Cadière, denn er musste ja für die Seele ihrer Tochter sorgen und - die Stigmen untersuchen! Bei diesen Visiten war er stets so vorsichtig, den jüngeren Bruder Catherines, der damals gerade im Jesuitenkollegium Theologie studierte, bis an die Haustür mitzunehmen und sich auch von ihm wieder abholen zu lassen. Er schloss sich stets mit seiner Beichttochter in deren Zimmer ein und konnte sich an den wunderbaren Stigmen, besonders dem in der Seite, gar nicht satt sehen. Verfiel Catherine in hysterische Krämpfe und Ohnmacht, was für Besessenheit galt, dann wandte der Jesuit die ihm dadurch vergönnte Zeit dazu an, seine Lüsternheit auf brutale Weise zu befriedigen, soweit es anging. Wenn das Fräulein erwachte, fand sie sich unanständig entblößt, und hinter ihr stand mit hämischem Gesicht der fromme jünger Jesu.

Fräulein Cadière beklagte sich hierüber mehrmals bei der Guiol, aber diese leichtfertige Person lachte sie aus, dass sie dabei nur etwas Unanständiges finden könne, und ebenso erzählten ihr die anderen Mitglieder der Schwesternschaft, dass Pater Girard sich mit ihnen noch ganz andere Freiheiten herausnehme, worüber sie indessen durchaus nicht ungehalten wären.

Der galante Jesuit war aber auch stets bemüht, sich immer fester in die Gunst seiner Schülerinnen zu setzen. Er wusste ihnen die Andacht sehr zu erleichtern und sorgte dafür, dass sowohl ihre Sinnlichkeit als ihr weltlicher Sinn fortwährend Nahrung erhielten. Er sorgte stets für gute Bedienung, für eine vortreffliche Küche, Landpartien und Blumensträuße. Die Königin all seiner Gedanken aber blieb Catherine.

Bei dieser rückte er nun seinem Ziele immer näher. Er führte eine Gelegenheit herbei, um sich scheinbar mit Recht über ihren Ungehorsam beklagen zu können, und nachdem Catherine von der Guiol gehörig vorbereitet war, erschien sie demütig bei Girard zur Beichte, bereit, jede Strafe auf sich zu nehmen, die er ihr auferlegen werde. Der Pater kündigte ihr nach einer scharfen Ermahnung denn auch an, dass sie Pönitenz für den Ungehorsam leisten müsse.

Am anderen Morgen erschien er mit einer Disziplin in ihrem Zimmer und sagte: "Die Gerechtigkeit Gottes verlangt, dass, weil Ihr Euch geweigert habt, mit seinen Gaben Euch bekleiden zu lassen, Ihr Euch jetzt nackt ausziehen sollt. Zwar hättet Ihr verdient, dass die ganze Erde Zeuge davon wäre, doch gestattet der gnädige Gott, dass nur ich und diese Mauer, die nicht reden kann, Zeugen bleiben. Vorher aber schwört mir den Eid der Treue, dass Ihr das Geheimnis bewahren wollt, denn die Entdeckung könnte mich und Euch ins Verderben stürzen."

Das Fräulein tat, wie er befohlen hatte, und als sie sich bis aufs Hemd entkleidet hatte, gebot er ihr, sich auf das Bett zu legen. Nachdem es auch dies getan, wobei er sie mit einem Kissen unterstützt hatte, gab er ihr einige sanfte Hiebe auf die Hüften, die er dann küsste. Nun zwang er sie, auch die letzte Hülle zu entfernen und sich demütig vor ihn hinzustellen. Das Fräulein wurde ohnmächtig, aber als sie wieder zu sich kam, erklärte sie, gehorchen zu wollen, und kniete ganz nackt vor ihm nieder. Darauf gab er ihr noch einige Streiche und ließ nun seiner Begierde freien Lauf. Catherine setzte ihm keinen Widerstand entgegen, und der satanische Jesuit erreichte das Ziel seiner Wünsche.

Von nun an betrachtete er das Fräulein ganz und gar als sein Eigentum und verführte sie zu Handlungen der raffiniertesten Sinnlichkeit, wobei er sich jedoch stets sehr geschickt in ein heiliges Gewand zu kleiden wusste. Was er alles vornahm hier zu erzählen, ist nicht tunlich.

Wollte die Mutter oder der Bruder des Fräuleins ihn manchmal in seinen andächtigen Beschäftigungen stören, dann warf er ihnen die Tür vor der Nase zu, und als sich einmal der Dominikaner darüber bei der Mutter beklagte, hieß sie ihn schweigen und wies ihn sogar zum Haus hinaus. So sehr war die blödsinnig bigotte Frau von der Heiligkeit des Jesuiten und der Tugend ihrer Tochter überzeugt.

Girard merkte sehr bald, dass Fräulein Cadière schwanger war, und unter einem Vorwand bewog er sie, einen Trank, den er bereitet hatte, einzunehmen. Es war dies ein abtreibendes Mittel, welches auch seine Wirkung tat. Catherine fühlte sich durch den erfolgenden Blutverlust sehr geschwächt, so dass ihre Mutter, welche weit entfernt war, die Wahrheit auch nur zu ahnen, ihr sehr dringend riet, einen Arzt zu Rate zu ziehen, was aber Girard durch allerlei Gründe zu verhindern wusste.

Durch die Unvorsichtigkeit einer Magd wäre das Geheimnis fast entdeckt worden, und um sich dagegen und zugleich auch seine Beute zu sichern, beschloss Girard, Catherine als Nonne im St. Clara-Kloster zu Ollioules unterzubringen. Er schrieb an die Äbtissin und machte ihr die hinreißendste Schilderung von der Tugend, Frömmigkeit und Gottseligkeit seiner Pönitentin, so dass sie mit Freuden bereit war, Catherine aufzunehmen, wenn ihre Familie dazu die Einwilligung geben würde. Diese wurde sehr leicht erlangt und das Fräulein reiste, mit den besten Empfehlungsbriefen versehen, nach Ollioules ab, wo sie sehr gut aufgenommen wurde.

Der Jesuit wusste von der Äbtissin die Erlaubnis zu erhalten, seine Beichttochter besuchen und ihr schreiben zu dürfen. So schlau Girard aber sonst war, so beging er doch einige Unvorsichtigkeiten, welche die Nonnen und die Äbtissin misstrauisch machten und die Letztere veranlassten, seine Besuche zuerst einzuschränken und dann gänzlich zu untersagen. Durch Vermittlung eines ihm befreundeten Geistlichen wurde dieses Verbot jedoch bald wieder aufgehoben und Girard genierte sich noch weniger als früher. Er beobachtete Visionen, untersuchte die Stigmen und gab seiner Beichttochter die Disziplin auf die alte Weise.

Dies hätte alles noch hingehen mögen, allein er schloss sich oft stundenlang mit Catherine ein, und da diese, auf ihre besondere Heiligkeit stolz, hin und wieder mit ihren geistlichen Genüssen gegen andere Nonnen großtat, so kam man immer mehr und mehr auf den Gedanken, dass das Verhältnis zwischen Girard und seiner Beichttochter nicht ganz rein sein möchte. Die Äbtissin verordnete daher, dass beide in ihren Unterredungen durch Klausur voneinander getrennt bleiben sollten.

Girard achtete das jedoch wenig. Er schnitt mit einem Taschenmesser in die ihn von seiner Geliebten trennende Leinwand ein Loch und unterhielt sich durch dasselbe stundenlang mit ihr. Hatte er sich müde geküsst und wandelten ihn andere Gedanken an, dann befriedigte er seine Lüste auf eine Weise, deren nähere Andeutung widerlich sein würde. Dergleichen erlaubte er sich sogar im Sanktuarium, und wollte man ihn in gebührender Entfernung halten, dann wurde er sehr unwillig und schrie. "Was! Ihr wollt mich von meiner Beichttochter trennen?" Der Jesuit ließ sich sogar das Essen vor die Klausur bringen; beide aßen Hand in Hand, und es kam nicht selten vor, dass ihn Laienschwestern dabei überraschten, wenn er seinen Arm um den Leib des Fräuleins geschlungen hatte.

Der jesuitische Wollüstling fing aber bereits an, seines Opfers überdrüssig zu werden. Er erklärte sie daher für hinreichend heilig und beschloss, sie in ein entferntes Karthäuser-Nonnenkloster zu schicken. Die Nonnen setzten von diesem Vorhaben sogleich den Bischof von Toulon in Kenntnis, der es nicht dulden wollte, dass ein Mädchen, welches in der Welt für eine Heilige gehalten wurde, seine Diözese verließ. Er schrieb daher an Catherine und verbot ihr, in Zukunft dem Pater Girard zu beichten oder sich an einen Ort zu begeben, wohin sie derselbe weisen würde, und stellte ihr zugleich frei, zu ihrer Familie zurückzukehren. Er sandte ihr darauf einen Wagen, und der Aumonier des Bischofs und Pater Cadière, ihr Bruder, brachten sie in ein Landhaus unweit Toulon.

Als Girard diese Nachricht erhielt, erschrak er nicht wenig, und es war sein erster Gedanke, sich die Schriften und Briefe zu verschaffen, welche die Cadière von ihm hatte. Dies gelang ihm auch durch Vermittlung einer anderen Beichttochter, die er früher besonders geliebt hatte; nur ein einziger Brief blieb durch Zufall in Catherines Händen zurück.

Diese wurde nun als eine Heilige der besonderen Obhut des neuen Priors der Karmeliter zu Toulon übergeben. In der Beichte hörte dieser nun manche befremdende Dinge, die ihn, nebst einigen auf Girard bezüglichen schwärmerischen Äußerungen, veranlassten, tiefer nachzuforschen, und so entdeckte er denn ohne besondere Schwierigkeit den niederträchtigen Betrug, mit welchem man dies schwärmerische, unschuldige Mädchen und die Welt betrogen hatte. Er machte sogleich Anzeige bei dem Bischof, der selbst auf das Landhaus kam und Catherine über alle näheren Umstände befragte. Das arme Mädchen, dem nun die Augen so furchtbar geöffnet wurden, bat fußfällig und mit Tränen, die Ehre ihrer Familie zu berücksichtigen und die Sache zu unterdrücken.

Der Bischof versprach dies zwar, wurde aber bald durch andere Rücksichten umgestimmt und der Prozess nach einigen Präliminarien bei dem für geistliche Sachen verordneten Kriminalgerichte zu Toulon anhängig gemacht. - Doch was wollte ein armes Mädchen ausrichten gegen die mächtigen Jesuiten, die selbst auf den Gerichtsbänken ihre Angehörigen sitzen hatten! Die Sache des Paters Girard wurde zu der des Ordens gemacht, welcher für diesen Prozess über eine Million Franc opferte.

Es begann nun eine Reihe der nichtswürdigsten Ränke, um Fräulein Cadière als eine Lügnerin und Betrügerin und von den Feinden des Jesuitenordens bestochene Person hinzustellen, ja sie der Ketzerei und Zauberei zu beschuldigen, vermittels welcher sie sich auf allerlei verbotenen Wegen den Heiligenschein habe verschaffen wollen. Fräulein Cadière bereute nun, leider zu spät, dass sie dem Pater ganz arglos die Briefe und Schriften ausgeliefert hatte, mit denen sie ihre besten Verteidigungswaffen aus den Händen gab.

Der Prozess nahm bald für sie eine recht schlimme Wendung. Der König hatte Kenntnis davon erhalten und durch ein Dekret des Staatsrats die allerstrengste Untersuchung anbefohlen. Die Sache kam nun vor den Hohen Gerichtshof zu Aix. Der Karmeliterprior und der Dominikaner Cadière wurden als Mitschuldige und Mitbetrüger in den Prozess verwickelt; die Nonnen zu Ollioules wurden zu ungünstigen Aussagen gegen Fräulein Cadière durch die Jesuiten veranlasst und die Ärmste selbst duldete bei den den Jesuiten befreundeten Ursulinerinnen in diesem Ort ein hartes Schicksal. Sie war in eine Kammer eingesperrt worden, die früher einer Wahnsinnigen als Wohnung gedient hatte und die mit Moder und Gestank erfüllt war.

Man folterte sie physisch und moralisch auf alle nur erdenkliche Weise, gebrauchte List und Gewalt und erreichte endlich damit den beabsichtigten Zweck, sie zum Widerrufe zu bewegen.

Nun aber drangen die Jesuiten erst recht auf scharfe Untersuchung, denn nun schien ihr Sieg gewiss, und der Erste Gerichtshof zu Aix fällte auch wirklich ein Urteil, welches Fräulein Cadière sehr ungünstig war. Man brachte sie einstweilen als Gefangene in ein Kloster zu Aix; aber sie appellierte wegen Missbrauchs geistlicher Gewalt in dem eingeleiteten Verfahren, und die Sache kam vor das Parlament.

jetzt begannen die Intrigen der Jesuiten aufs neue. Catherine behauptete, dass sie unschuldig von P. Girard auf die angegebene Weise misshandelt und nur durch Drohungen und Quälereien während des Kriminalverfahrens zum Widerruf gezwungen worden sei.

Der königliche Prokurator zeigte sich bei dem ganzen Verfahren durchweg parteiisch für die Jesuiten und trug endlich an auf: "Lossprechung des P. Girard und auf die ordentliche und außerordentliche Folter, sodann aber auf Hinrichtung durch den Strick für Catherine Cadière."

Die vierundzwanzig Richter waren aber nicht dieser Meinung; jedoch waren ihre Ansichten geteilt. Zwölf davon sprachen sich dahin aus: Johann Baptist Girard in Anbetracht der an ihm sichtbar gewordenen Geistesschwäche, die ihn zum Gegenstand des Spottes seiner Beichtkinder gemacht, mit seiner Klage gegen dieselbe abzuweisen. - Das Urteil der anderen, besseren Hälfte des Parlaments lautete aber sehr verschieden: Johann Baptist Girard ist zum Tode durch Feuer zu verurteilen, wegen vollkommen erwiesener geistlicher Blutschande, Fruchtabtreibung und Erniedrigung seiner geistlichen Würde durch schändliche Leidenschaften und Verbrechen etc.

Bei dieser Gleichheit der Stimmen entschied der Präsident, dass man beide Parteien ohne Strafe freilassen solle. Einige Richter wollten sich nicht damit begnügen, sondern trugen darauf an, dass man der Cadière wenigstens eine kleine Züchtigung möchte angedeihen lassen. Dagegen erhob sich aber ein edler Mann unter ihnen und rief: "Wir haben soeben vielleicht eines der größten Verbrechen freigesprochen und sollten diesem Mädchen auch nur die geringste Strafe auferlegen? Nein, eher sollte man diesen Palast in Flammen aufgehen lassen!" - Diese Worte machten Eindruck. Es wurde bestimmt, das Fräulein zu ihrer Mutter nach Hause zu entlassen und der Sorgfalt derselben zu empfehlen.

Das königliche Parlament hatte den Schurken zwar freigesprochen; aber in der öffentlichen Meinung war Girard gerichtet. Eine unzählbare Menschenmasse erwartete in den Straßen die Entscheidung des Gerichtshofes. Die Richter, welche gegen die Cadière gesprochen hatten, wurden mit Schimpf und Hohn empfangen; die Gegner Girards mit Beifall. Diesen selbst bewillkommnete man mit Schimpfreden und Steinwürfen, so dass man ihn nur mit Schwierigkeiten unverletzt durch die tobende Menge bringen konnte. Diese Wut des Volkes erstreckte sich sogar auf den Küchenjungen, der ihm das Essen gebracht hatte, und man zertrümmerte dessen Schüsseln, Teller und Flaschen.

Andererseits war man eifrig bemüht, Fräulein Cadière Teilnahme zu zeigen. Man wetteiferte darin, sie die erlittenen Kränkungen und Misshandlungen durch freundliche Bewirtung und Trost vergessen zu machen. Man pries ihre noch immer große Schönheit; - kurz, sie wurde Mode, wie das ja aber auch mit interessanten Verbrecherinnen in Frankreich und anderswo noch heutzutage der Fall ist.

Die Teilnahme, welche sie erregte, brachte ihr jedoch Gefahr. Man gab ihr den wohlgemeinten Rat, Aix schleunigst zu verlassen und sich verborgen zu halten. Sie reiste ab - aber von da an verlor sich ihre Spur für ewig. Man hat nie erfahren, was aus ihr geworden ist; aber die allgemeine Meinung ging zu jener Zeit dahin, dass sie von den Jesuiten heimlich aus dem Wege geschafft worden wäre.

Girard starb ebenfalls nach Verlauf eines Jahres. Die Jesuiten gingen ernstlich damit um, ihn zum Heiligen erheben zu lassen, und verglichen ihn hinsichtlich seines Schicksals mit - Christus!

Eine ganz ähnliche Geschichte wie mit Fräulein Cadière trug sich kurz vor der Aufhebung des Jesuitenordens in Frankreich zwischen einem seiner Angehörigen und der Tochter eines Parlaments-Präsidenten zu, welche auch mit Hilfe des Geißelns verführt wurde. Um die Ehre des Ordens zu retten und die Unmöglichkeit der Anklage beweisen zu können, hatte man einen Wundarzt erkauft und vereidigt, welcher den Schuldigen kastrierte. Das Geheimnis wurde indessen später entdeckt.

Trotz dieser und anderer an den Tag gekommenen Niederträchtigkeiten - und unter Tausenden wird vielleicht nur eine bekannt! - wurde den Jesuiten nicht das Handwerk gelegt; überall wurden sie als Beichtväter gerne gesehen, und besonders die Frauen ließen sich nach wie vor die angenehme Geißelung gefallen. Einer besonderen Blüte hatten sich diese Beichtinstitute mit Geißelung fortwährend in Spanien und noch mehr in Portugal zu erfreuen. König Joseph Emmanuel (1750-77) ließ sich häufig disziplinieren, und nur mit Mühe brachte ihn sein Minister, der Marquis von Pombal, davon ab. Die Damen, an ihrer Spitze die Marquise Leonore de Távora, waren nicht weniger närrisch als der König.

Die Jesuiten wurden bekanntlich durch Pombal vertrieben, allein seine Feindin, die Königin Donna Maria (1777-99), rief sie wieder zu sich, und die angenehmen Beichtzerstreuungen mit obligater Geißelung begannen ärger als zuvor. Der interessante und verschmitzte Pater Malagrida errichtete eine förmliche Bußanstalt unter den jungen Hofdamen. Man geißelte sich selbst in den Vorzimmern der Königin und diese soll an den frommen Übungen selbst teilgenommen haben. - Manche Geschichte à la Girard mag hier im Verborgenen vorgegangen sein, denn die Hofdamen waren nach dem Zeugnis von Jesuiten auf das Geißeln so versessen, dass sie mit einer ordentlichen Wut danach verlangten, die kaum zu befriedigen und in Schranken zu halten war. Ja, sogar fremde Prinzessinnen und die Damen der Gesandten wurden zu diesem wollüstig-unterhaltend-frommen Jesuitenspiel förmlich eingeladen.

Die Zahl der Beispiele von dem Missbrauch des Beichtstuhls ist unendlich groß und es ließe sich ein umfassendes Werk damit füllen; da aber dieses Kapitel ein Ende haben muss, so beschließe ich es mit dem Bericht über eine seltsame Beicht- und Bußanstalt, welche ein Kapuziner zur Zeit Napoleons I. errichtete. Über die zur Zeit Napoleons III. und seiner Kaiserin werde ich vielleicht einmal später zu berichten haben.

Der erwähnte Kapuziner hieß P. Achazius und lebte in einem Kloster zu Düren im jetzigen preußischen Regierungsbezirk Aachen. Der Kapuziner war abscheulich hässlich, aber er predigte vortrefflich, stand in dem Ruf ganz ausgezeichneter Frömmigkeit und erfreute sich trotz seiner faunischen Manieren des Zutrauens der Damen in so hohem Grade, dass sie ihn zum Direktor ihrer geistlichen Übungen wählten. Am liebsten aber hatte es Pater Achazius mit Witwen und Jungfrauen von reiferen Jahren zu tun.

Eine dieser Letzteren hat er sich zu seinem Privatvergnügen erkoren. Er brachte ihr folgende höchst seltsame Lehre bei: Der Mensch sei unfähig, die Begierden des Herzens völlig zu zähmen; aber der Geist könne doch tugendhaft bleiben, während der Körper nach gewöhnlichen Begriffen zu sündigen scheine. Der Geist gehöre Gott; der Körper der Welt; von diesem Letzteren selbst mache der Himmel auf die obere Hälfte, die Welt auf die untere Anspruch. Die Seele sei daher rein zu bewahren, während man den Körper ruhig fortsündigen lasse.

Die noch immer hübsche alte Jungfer, welche diesen angenehmen Lehren ein sehr lernbegieriges Ohr lieh, ging bald in des Paters Ideen ein. Nach vollendeter Beichte musste sie vor dem Kapuziner niederknien, Vergebung für ihre Sünden erflehen und ihm "des Teufels Anteil zeigen", das heißt sich bis zum jungfräulichen Zentrum ihres Körpers von unten herauf entblößen. Als dies geschehen war, schritt er zum letzten Teil der Andacht und weihte die Dame feierlichst zum ersten Mitglied des Ordens ein, den er zu stiften gedachte.

Diese fromme Jungfrau war nun bemüht, sowohl unter Personen ihres Alters wie auch unter jungen Frauen und Mädchen Proselyten zu machen; - kurz, sie diente dem Pater als Kupplerin. Die Zahl dieser adamitischen Ordensschwestern wurde bald ziemlich zahlreich und Achazius, unfähig, einer so großen Menge frommer Damen zu genügen, zog rüstigere Kämpfer des Glaubens unter seinen geistlichen Brüdern mit in seine Bußanstalt, welche fröhlich gedieh und vielleicht heute noch bestehen würde, wenn das Geheimnis derselben nicht durch ein junges Mädchen aus Achazius' Schule entdeckt worden wäre, welche Nonne wurde, als solche die Bekanntschaft eines französischen Offiziers machte und diesem die Sache mitteilte.

Es wurde nun eine genaue gerichtliche Untersuchung angestellt, welche die merkwürdigsten Resultate ergab. Es kamen da Dinge ans Tageslicht, welche sich nicht wohl niederschreiben lassen. Eine liebenswürdige und anständige Dame, Gattin eines Papierfabrikanten, sagte in dem Verhör aus, dass sie wie verhext gewesen und wie durch einen Trank verzaubert, zu dem hässlichen Kapuziner hingezogen worden sei, der sich Dinge mit ihr erlaubt hatte, deren Aufzählung dem abgehärtesten Kriminalmenschen das Blut in die Wangen trieb. Die Geißelung spielte eine Hauptrolle. Achazius ließ die Ruten oft in Essig legen und hieb die hier erwähnte Dame manchmal so stark, dass sie unter irgendeinem Vorwand über drei Wochen lang das Bett hüten musste.

Im Laufe der Untersuchung ergab sich, dass so viele Kapitel, Klöster und Familien dadurch kompromittiert wurden, dass Napoleon dem Generalprokurator aus politischen Gründen befahl, den Prozess niederzuschlagen. P. Achazius nebst einigen seiner Mitarbeiter wurden eingesperrt.

Die Akten über diesen skandalösen Prozess lagen später noch längere Zeit in Lüttich; wurden dann aber an die preußische Regierung nach Aachen abgeliefert. Es fehlen indessen schon manche wichtige Stücke und andere verloren sich später, weil die beteiligten Familien alles nur mögliche taten, die Denkmäler ihrer Schande zu vernichten. Auch die zu jener Zeit darüber erschienene Broschüre und Karikaturen wussten die Pfaffen einzusammeln und zu vernichten. (Münchs Aletheia, 3. Buch, S. 323 usw. Die berichteten Tatsachen hat Münch aus dem Munde des Staatsrates Leclerq und des Professors Gall zu Lüttich, welche die Untersuchung geführt und die Anklageakte verfasst hatten.)

Wir würden uns sehr täuschen, wenn wir der Meinung wären, dass sich in so kurzer Zeit die Zustände der römisch-katholischen Geistlichkeit geändert hätten. Es ist durchaus kein Grund vorhanden, das anzunehmen; sie sind heutzutage mit geringen Modifikationen wahrscheinlich noch dieselben, welche sie vor Jahrhunderten waren und werden sich nicht ändern, bis einst dem fluchwürdigen Zölibat und der Ohrenbeichte ein Ende gemacht wird.

Ich bin nun mit diesem Buch zu Ende, obwohl keineswegs mit meinem Material, welches geradezu unerschöpflich ist. Ich halte es für unnütz, noch irgendwelche Bemerkungen hinzuzufügen. Die Schlüsse, welche sich aus dem Inhalt der vorstehenden Blätter ziehen lassen, liegen zu klar auf der Hand, als dass es noch irgendwelcher Hinweise bedürfte. Ich fordere nur die in römisch-katholischen Ländern lebenden Leser dieses Buches auf, sich in ihrem Kreis umzusehen, und wenn sie der guten Sache nützen wollen, mir auf den in diesem Buch behandelten Gegenstand bezügliche, authentische Mitteilungen zu machen. Schließlich bemerke ich noch, dass die Geistlichen die von mir erzählten Fakten als Lügen, Erfindungen oder Übertreibungen darstellen werden und weise in Bezug darauf auf das hin, was ich darüber in der Vorrede sagte.

Wenn ich von dem Unwesen in der nicht römisch-katholischen Kirche nichts sagte, so geschah dies keineswegs aus Parteilichkeit, sondern einzig und allein, weil ich mich innerhalb der durch den Titel vorgezeichneten Grenzen halten musste.

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