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Der Mann des Schicksals

PERSONEN (continued 2)

Siegfried Trebitsch translation

(Dame.) Wissen Sie, daß man in England sagt, eines Mannes Stern sei unvollständig ohne das Strumpfband einer Frau?[*]

[Footnote *: Eine Anspielung auf den Stern eines Ordens und den Hosenbandorden.]

(Napoleon entrüstet, schüttelt sie kurz ab und kommt zurück in das Zimmer:) Pah! die Heuchler! Wenn die Franzosen so etwas sagten, würden sie in frommem Schauder abwehrend die Hände erheben. (Er geht nach der inneren Türe und hält sie offen.) He! Giuseppe! wo bleibt das Licht, Mensch? (Er kommt zwischen den Tisch und das Büfett und rückt den zweiten Stuhl an den Tisch, neben seinen eigenen:) Wir müssen den Brief noch verbrennen. (Er hebt das Paket auf. Giuseppe kommt zurück. Noch bleich und zitternd, trägt er in der einen Hand einen Armleuchter mit ein paar brennenden Kerzen und eine breite Lichtputzschere in der andern.)

(Giuseppe kläglich, während er das Licht auf den Tisch stellt:) Exzellenz, wonach haben Sie eben da draußen ausgeschaut? (Er zeigt über seine Schulter nach dem Weingarten, fürchtet sich aber, umherzublicken.)

(Napoleon das Paket aufmachend:) Was geht dich das an?

(Giuseppe stammelnd:) Weil die Hexe fort ist—verschwunden… und niemand hat sie fortgehen sehn.

(Dame hinter ihm aus dem Weingarten tretend:) Wir haben sie beobachtet, wie sie auf ihrem Besenstiel zum Mond hinaufgeritten ist. Giuseppe, Sie werden sie nie wiedersehen!

(Giuseppe.) Jesus Maria! (Er bekreuzigt sich und eilt hinaus.)

(Napoleon wirft die Briefe in einem Haufen auf den Tisch:) Nun, also! (Er setzt sich auf den Stuhl, den er eben hingestellt hat.)

(Dame.) Ja; aber Sie wissen doch—den bewußten Brief haben Sie noch in Ihrer Tasche. (Er lächelt, nimmt einen Brief aus der Tasche und wirft ihn auf die Spitze des Haufens. Sie hebt ihn auf, betrachtet Napoleon und sagt:) Cäsars Frau betreffend.

(Napoleon.) Cäsars Frau ist über allen Verdacht erhaben—verbrennen Sie ihn.

(Dame nimmt den Brief mit der Lichtputzschere und hält ihn damit an die Kerzenflamme:) Wäre Cäsars Frau wohl über allen Verdacht erhaben, wenn sie uns beide hier sitzen sähe—? Wer weiß—?

(Napoleon ihre Worte mechanisch wiederholend, die Ellbogen auf den Tisch und die Wangen in die Hände gestützt, den Brief betrachtend:) Wer weiß—? (Die fremde Dame legt den angezündeten Brief auf das Lichtputzbrett und setzt sich neben Napoleon in der gleichen Stellung, die Ellbogen auf den Tisch, die Wangen in die Hände gestützt, und sieht zu, wie er verbrennt. Als er verkohlt, wenden sie beide gleichzeitig ihre Blicke davon ab und sehen einander an. Der Vorhang gleitet langsam herab und entzieht sie den Blicken.)

Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Der Mann des Schicksals, von Bernard Shaw.

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