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Der G'wissenswurm

Front matter (continued 2)

Reading edition

Liesel (hat diese Bewegung bemerkt und wendet sich). Was is dir? Was schreibt denn die Mahm?!

Grillhofer. Ich weiß net recht—ich muß's nomal lesen, kimm zu mir—kimm zu mir, mein Dirndl, und halt mer es Licht.

Liesel (eilt hinzu und steht neben Grillhofer und hält die Lampe).

Grillhofer (liest). "Mit schweren Herzen schick ich Dir a Anvertrauts zruck, doch steht Dir frei, wann D' den Brief glesen hast, ob Du's als das Deine anerkenne willst, sunst nimm ich's mit Freuden wieder an mich. I mein, ich brauch mich net z' schamen, wie ich Dir's zuschick. Dö Dirn, was heunt zun zweitenmal bei dir einspricht, is im Deckerl in mein Haus bracht wordn, weil s' Dein Weib net hat auf'n Hof vor Augen habn wolln, aber es war ihr Meinung, wann a rechtschaffen Gschöpf aus ihr wordn wär, sollt ich Dir's zuschicken… " Vergelt dir's Gott, Mirzl, in sein'n Himmel obn, vergelt dir's Gott. Vergelt er's a der Horlacherin und alln braven Weibsleuten, wie s' an uns tun!…

Liesel (ahnungsvoll). Aber ich kenn mi no net aus!

Grillhofer (liest). "Dö Dirn hoaßt mit ihrn Rufnamen Horlacher-Lies, weil s' von klein auf bei mir war, hat bis heunt für vater- und mutterlos golten und weiß's selber net anders; nach'm Kirchbuch heißt s' Elisabeth Riesler und is, wie die Magdalen ausgsagt hat, Dein Kind" Dirndl, was zitterst denn a so? (Faßt ihre Hand, in der sie die Lampe trägt, und führt sie nach dem Tische.)

Liesel (läßt die Lampe fahren). Jesses, is aber dö Mahm a falschs Ding gwest! (Sinkt vor Aufregung in die Knie auf den Schemel zu Grillhofers Füßen.) Also du, du hast mer's Lebn gehn, no, vergelt dir's Gott, es gfallt mer recht gut af der Welt!

Grillhofer. Es reut mich a neamer—es reut mich a neamer. (Sucht mit der zitternden Hand herum und legt sie der Liesel auf den Kopf.) O du mein lieber Herrgott! (Weinerlich.) 's Kind is im Vaterhaus!—Haha, weil nur 's Kind im Vaterhaus is!—(Preßt Liesel an sich.)

(Kleine Pause.—Von außen vor dem Fenster präludiert eine Zither und nimmt dann die Melodie des Liedes aus dem ersten Akt auf.)

Grillhofer (steht auf). Horch—no wird's gar lustig no derf's scho wieder lusti werdn.

Liesel (erhebt sich, deutet nach dem Fenster, und wie auf das Lied aufmerksam zu machen, singt sie piano).

Und Zithern und Derndeln, Na, dö kenn ich net lon…

Grillhofer. Wer is's denn?

Liesel. Der Wastl! (Umarmt Grillhofer und verbirgt ihr Gesicht an seiner Schulter.) Weißt es ja eh—Voda!

Grillhofer. Haha! (Das Orchester nimmt den zweiten Teil der Melodie voll auf. Er singt.)

O schön grüne Welt, Laß sagn, wie d'mer gfallst, Solang Zithern klingen (Liesel an sich ziehend.) Und mei Derndl mich halst! (Den Jodler bringt die Musik allein.)

Anzengruber: Der Gwissenswurm, III. Akt, 7. Szene

Siebente Szene

Vorige. Dusterer, Wastl, Rosl stürzen zur Türe herein.

Dusterer. Schau, da schau—wie er Buß tut—und wie dein Schatz treu is!

Grillhofer. No—no—is a bissel viel, drei Narren af einmal!

Wastl. Alsdann doch wieder gfoppt! (Greift nach der Türschnalle.)

Liesel. Aber Wastl…

Grillhofer. 's is ja mein Kind!

Rosl. Jesses, der Bauer hat a Kind kriegt!

Wastl. No, is's halt a reich Bauerstochter—und ich kann mer's Maul abwischen.

Grillhofer. Du bist a Trottel! Kannst ja net wissen, ob ich mir net lang scho ein solchen, wie du bist, zum Schwiegersuhn wünsch.

Wastl. Aber Bauer—Jesses und Joseph—dös is doch alles z'viel—aber i nimm's schon!

Grillhofer. Und no weiß ich mir schon mei Ausnehmerei und no fahrn mer morgn doch nach der Kreisstadt.

Dusterer (ganz vergessen, schreit auf). Mir fahrn doch nach der Kreisstadt!

Grillhofer. Mir!!! (Deutet auf sich und Wastl und Liesel.) Aber net mir! Hast mer viel eingredt und viel vorglogn, damit ich mein, ich war der Schwärzeste, aber unser Herrgott kennt a ein gfarbten Schimmel, hat mich wieder fein sauber gstriegelt und hat mer dö ins Haus gschickt und gsagt: da hast z'gleich dein Buß und dein Sorg und dein Freudigkeit. Du aber, du trauriger Wurmdoktor, du bleibst mer aus mein Haus, deine Kinder magst mer schicken, was net für ihrn Vater können, daß mer an ihnen was tut.

Liesel. Aber für dich weiß ich a Lehr, is a wahre Christenlehr, Dusterer, nimm dir's z'Herzen! (Singt.)

Schlußlied

Der Herrgott hat 's Lebn Zum Freudigsein gebn, Und was wir oft schlecht, Er macht's do no recht! Drum sorg für das Deine, Mach niemanden irr—

Grillhofer.

Und misch dich net eini, Du kriegst nix dafür!

Alle.

Und misch dich net eini, Du kriegst nix dafür!

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