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Das Königl. Seminartheater — Altenroda — Grünlein

Der Schuldturm Drei alte Mären

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s gäbe eine dicke Chronik, wenn einer die Geschichte des Schuldturmes von Altenroda aufzeichnete. Denn ob Altenroda auch immer nur eine geringe Stadt war, seine Bewohner waren allzeit ein helles Völklein: voll Biederkeit, aber manchmal, wenn des Teufels Stern regierte, auch voller Grausamkeit. Drei Stücklein sollen hier erzählt werden: das traurige Schicksal des Meisters Michael, die Geschichte vom törichten Kaspar und die Abenteuer des Köhlers vom Eulenwalde, der ein kurioser Mann war, aber doch auch seine bitteren Erfahrungen mit dem Altenrodaer Turme machte.

Illustration from Das Königl. Seminartheater — Altenroda — Grünlein: Novellen

Das traurige Schicksal des Meisters Michael

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as war in rotgoldener Herbstzeit, am Tage Michaeli, als ein Wandersmann mit leichtem Ränzel den Ochsenkopf, der südlich die Stadt Altenroda überragt, herunter stieg und an der Wegbiege, wo das Bild des heiligen Michael steht, Halt machte. Von dort aus überschaut man die ganze Stadt, samt dem Eulenwalde, der grünen Aue und der Poststraße, die in die Ferne führt.

Der Wanderer, der aus dem Dunkel der Bäume trat, und plötzlich das schöne Bild vor sich sah, breitete die Arme aus, ein Beben lief über seine junge Gestalt, und die braunen Augen wurden feucht. Wohl öffneten sich auch die Lippen, sie brachten aber kein Wörtlein hervor. Hätten sie sprechen können, es wäre ein einziger Schrei gewesen: »Heimat! Liebe Heimat!« So sank der Jüngling ins Herbstgras, lehnte den hübschen Kopf an den Sockel des Heiligenbildes und sah in wortloser Seligkeit hinunter auf seine Vaterstadt.

Er war lange fort gewesen, über acht Jahre. Als er auszog in die Welt, war er ein zweiundzwanzigjähriger Jüngling, und jetzt war er ein Mann. Gestern war er dreißig Jahre alt geworden und heute war sein Tauf- und Namenstag: Michael. Am längsten war Michael drunten in der Stadt Nürnberg gewesen; dort hatte er alle Wunder geschaut, die von Malern und Zeichnern, Kupferstechern und Goldschmieden, Baumeistern und Gießern verrichtet worden waren. Und nun war Michael selbst ein Meister in der Kunst der Uhrmacherei geworden. Sein großes Uhrwerk, das er in dreijähriger Arbeit in Nürnberg geschaffen hatte, war von den dortigen Meistern mit höchstem Lobe bedacht und von der Volksmenge bestaunt worden; der Abt eines reichen Klosters hatte es für gutes Gold erworben, und es hatten sich nun allerhand mächtige und reiche Herren gefunden, die geneigt waren, den Meister Michael in ihre Dienste zu nehmen, sogar des Bayern Kurfürstliche Gnaden und der hochwürdigste Herr von Bamberg. Michael aber, dem das Geld des Abtes reich im Beutel läutete und dem etwas anderes noch viel schöner im Herzen klang, sagte den Herren ehrerbietigsten Dank und begehrte Urlaub, erst einmal in seine ferne Heimat zu reisen.

Da saß er nun bei der Bildsäule des Michael und sah hinunter auf die liebe Stadt, die ihm draußen in der Ferne tausendmal im Wachen und Schlafen erschienen war. Jetzt sah er sie wirklich vor sich, jetzt brauchte er nur ein paar hundert Sprünge zu machen, dann war er mitten drin in der Heimat.

Aber er blieb sitzen. Es war eine große Scheu in ihm; die Stimme war ihm so verschlagen, daß er jetzt denen drunten keinen rechten Gruß hätte sagen können.

Auf der Straße fährt der Postwagen mit seinem Gepäck. Das wird eher da sein als er; wird ihn wohl unten schon anmelden.

Verspätete Schwalben ziehen nach Süden. Wie können sie fortfliegen von Altenroda? Ist es nicht besser, hier zu frieren, als anderwärts in Sommer und Sonne zu sein? Eine warme, wonnige Stunde verrinnt noch.

Da — wer kommt den Berg herauf — wem geht er entgegen wie ein Taumelnder — welch süßes Traumbild umfängt sein Blick?

»Elisabeth!«

Sie hängt leise weinend an seinem Halse, und er steht da und atmet schwer, und er schaut empor und sieht nichts als lauter Himmel.

Als er ihr ins Auge schaut, weiß er: Treue und Reinheit hat sie bewahrt durch acht lange Jahre.

»Ist es wahr?« fragt er endlich.

»Ja! Komm heim!«

Der Ruf von Michaels Meisterschaft war nach Altenroda gedrungen, und die Stadt war stolz darauf, daß einer ihrer Söhne sich in der großen Welt solchen Ruhm erworben hatte. So wurde nun Michael mit allen Ehren aufgenommen; jedermann wollte sein Freund und Gevatter sein, und der Tuchkaufmann Degener hörte auf, seiner Tochter Elisabeth zu zürnen, daß sie auf den fahrenden Gesellen acht Jahre gewartet hatte. Da des Mägdleins Truhe gefüllt und der Hausrat gerichtet war, wurde die Hochzeit schon einen Monat später mit viel Feierlichkeit und fröhlichem Gepränge und Gespiel begangen.

Eine Bedingung hatte der Schwieger für Einwilligung in so rasche Ehe jedoch gestellt. Er war Ratsherr, und also brachte er selbst an Meister Michael den Wunsch des Rates der Stadt, welcher folgender war:

»Michael, du bist ein großer Meister der Uhrmacherkunst. Du sollst für deine Vaterstadt eine Uhr erbauen, wie sie keine Stadt im ganzen Deutschen Reiche besitzt. Der Ruhm Altenrodas soll überall im Lande bekannt werden, und viele Fremde sollen kommen und deine Wunderuhr anstaunen. Nachdem die Bürger von Altenroda in harten Kämpfen mit den Ritter von Runkelstein diesen den Eulenwald und die grüne Aue wieder abgenommen haben, erfreut sich die Stadt solchen Wohlstandes, daß sie dich für deine Arbeit ebenso reich entlohnen kann, wie ein fürstlicher oder geistlicher Herr.«

Da sprach Meister Michael: »Ich hab' ein groß Werk im Kopfe. Wenn ich es mit der Gnade Gottes zu gutem Ende führe, wird eine Uhr entstehen, wie sie keine Stadt im Deutschen Reiche besitzt, ja nicht einmal der König von Spanien oder der Papst zu Rom. Und ich wüßte niemand, dem ich die Uhr lieber vergönnen würde, als der ehrenhaften Stadt Altenroda, die meine liebe Heimat ist.«

Als diese Worte bekannt wurden, war große Freude in Altenroda, und das Lob Meister Michaels war in aller Munde.

Sieben Jahre baute Michael an der Uhr. Er versenkte sich ganz in sein Werk, ging sehr selten unter Menschen, was ihm wohl den Ruf eines fleißigen Meisters, aber auch eines sonderbaren, wenn nicht gar hochmütigen Menschen einbrachte. Frau Elisabeth allein war seine stille Genossin. Sie hatte keine Kinder, aber sie war selbst wie ein stilles Kind, dessen Gegenwart auch dann den Meister nicht störte, wenn er tief im Grübeln war, wenn er rechnete, maß, zirkelte, probierte, wenn er mit kunstgeübter Hand Rädchen feilte, geheime Federn spannte oder Wellen einsetzte.

Nach sieben Jahren, just wieder am Michaelisfeste, war die Uhr fertig und in den Rathausturm eingebaut. Vier breite Abteilungen lagen übereinander. Die oberste und größte zeigte die Allmutter, die Sonne. Um die Sonne drehte sich die Erde und um die Erde der Mond. Und es waren nicht nur die Stunden und Minuten zu sehen, wie bei jeder Uhr, sondern auch Tag und Jahr waren verzeichnet und sollte selbst in einem Schaltjahr niemals ein Irrtum im Datum vorkommen. Sodann gab die Uhr die Mondviertel an und sollte auch in hundert Jahren noch alles damit stimmen. An der Umdrehung der Erde um die Sonne waren die vier Jahreszeiten zu erkennen und konnte jedermann deutlich sehen, in welchem Winkel die Sonnenstrahlen auf die Stadt Altenroda fielen, deren Platz auf dem Globus durch einen glitzernden Demantstein bezeichnet war.

In der zweiten Abteilung waren Licht und Nacht verkörpert als die Symbole von Gut und Böse. Im linken und rechten Seitenfelde lauerten Satanas und andere Geister der Finsternis. Öffnete sich aber am Morgen das Mitteltor, dann erschien Michael, der lichte Sieger des Himmels. Seine strahlenden Augen waren auf die Stadt gerichtet, deren Schutzpatron er war, auf silbernem Schilde standen mit goldener Schrift die Worte: »Quis ut deus?« Wer ist wie Gott? Sein Schwert war ein flammender Blitz. Wenn St. Michael erschien, schön wie der junge Tag, dann verkrochen sich Satanas und die andern Geister der Finsternis in die tiefsten Schatten. Um Mittag erschienen auf dem dritten Felde würdevoll einer nach dem andern die zwölf Apostel: Petrus mit den Schlüsseln des Himmelreiches, der greise, gebückte Andreas mit seinem Kreuze, Jakobus mit der Keule, der zarte Johannes, der Liebling des Herrn, und so die ganze Reihe durch, bis Judas mit dem Geldsack die heilige Reihe unheilig abschloß.

Auf dem untersten Felde kamen zur Abendzeit die heiligen drei Könige gegangen. Man sah ihnen an, daß ihr Weg ein weiter gewesen war. Müde ließen sich die Kamele am Halftergurt ziehen. Aber die drei Männer, die das Heil der Welt suchten, schauten gläubig und mutig gerade aus. Und siehe, ihr Ziel war nahe. Ein Stern senkte sich auf ein niederes, mit Stroh gedecktes Haus und blitzte golden auf. In das Strohhaus gingen die Weisen aus dem Morgenlande hinein. Der Stern aber leuchtete wie ein ewiges Lämplein die ganze Nacht. Damals sagten die Mütter von Altenroda, wenn die Kinder nicht schlafen wollten: »Pst! Am Rathaus hat das Christkindlein schon sein Licht angezündet!« Dann huschelten sich die Kleinen ins Bettchen und schliefen artig ein.

Zur Mitternacht aber, wenn die Sterne feierlich flimmerten oder auch, wenn der Sturmwind die Wolken jagte, erklang vom Turme die Weise eines Chorals, der in Altenroda damals gesungen wurde:

Herr über Tag und Nacht, Herr über Schlaf und Wacht, Herr über Glück und Not, Herr über Leben und Tod, Herr über alle Zeit — Preis dir in Ewigkeit!

Als dieses Wunderwerk einer Uhr der Stadt übergeben wurde, geriet alles vom Bürgermeister und Ratsherrn an bis zum ärmsten Werkelmann und bis zum kleinen Jungen in einen Taumel von Freude. Vom frühen Morgen, als St. Michael erschien, bis über den Mittag der zwölf Apostel hinweg stand die Menge vor dem Rathause; sie stand noch, als die drei Weisen am Abend müde Einkehr hielten; sie wich nicht vom Platze, bis um Mitternacht der Choral ertönte:

Herr über alle Zeit, Preis dir in Ewigkeit!

Der Gesang brauste zum sternklaren Himmel, und es zeigte sich, welch gewaltiger Prediger ein wahrer Künstler sein kann; denn als die Uhr sang und als die Menschen sangen, da ging eine tiefe Erschütterung durch alle Seelen; Tränen flossen, Männer schluchzten; alles Niedere fiel ab vom Volke; Meister Michael hob die Herzen mit seinen Händen bis an den Himmel.

Freudentage folgten. Wie ein König ging Michael durch seine Heimatstadt, und neben ihm blühte als schlichte Blume Frau Elisabeth an seinem Wege.

Meister Michael war nach der Menschen Meinung auf dem Gipfel des Glückes angelangt. Der Rat der Stadt hatte freiwillig die ausbedungene Summe für die Uhr zu des Meisters Ehr und Nutzen weit erhöht; der Schwieger war gestorben und hatte der einzigen Tochter sein schönes Patrizierhaus und sein stattliches Vermögen hinterlassen. Michael besaß alles, was nach der Menschen Meinung erstrebenswert ist: Ruhm, Geld, Liebe. Dazu war er gesund und schien wie ein kerniger Baum im Walde.

Ein Jahr lang ruhte der Meister von seiner Riesenarbeit aus. Dann aber wurde er unruhig. Zwecklos erschien ihm das Leben; öde und leer schleppten sich die Tage dahin. Auch seine Frau vermochte nicht, ihn zu trösten. Sie war kein Spielzeug, und er war nicht der Mann, um zu spielen. Immer mehr wuchs in ihm der Durst nach Arbeit. Zuletzt marterte er ihn Tag und Nacht. Michael saß einsilbig bei seiner Frau, er war mißmutig gegen die Freunde, die ihn besuchten; er wurde zornig, wenn jemand die Uhr als sein großes Lebenswerk pries. Schließlich griff die schlechte Seelenstimmung auch den Körper an. Müde ging Michael einher, er hatte keine Freude an Speise und Trank, und selbst in das schönste Abendrot sah er mit leeren Augen.

Qualvoll waren die Nächte. »Was schlafe ich denn, da ich doch nichts getan habe, da ich doch nicht müde sein, kann?« fragte er sich. Wenn der Choral vom Turme klang, hielt er sich die Ohren zu. Schließlich haßte er sein eigenes Werk. Er ging nie wieder an der Uhr vorüber, sah die Kinderschar nicht, die dort hockte wie vor einem wunderbaren Spielzeug.

Spielzeug! Jawohl, das war es: ein kunstvolles, sauber gearbeitetes, frommes Spielzeug. Sonst nichts! Eines Mannes, eines Meisters nicht würdig. Kein Werk, neben dem die eigene Seele in Dankbarkeit vor Gott, der es gegeben hat, niederkniet. Nur ein artiges Spielzeug! Kein Meisterwerk!

Der Gram fraß an Meister Michael, und die Quelle all dieses schweren Mißbehagens war seine Untätigkeit. Was sollte er tun? Tand fabrizieren für Stutzer und eitle Weiber? Kleine Kirchengeräte schaffen, die jeder andere auch recht gut machen konnte? Bürgermeisterketten erfinden, Krummstäbe ziselieren, Schnallen an Herzogsmäntel machen, Degengriffe für Erbgrafen, Wappen für Ritter, die nicht lesen konnten?

Nein! In solchen Kleinkram fand sich Michaels Seele nicht zurück. Sein Gedanke war immer und immer nur die Uhr. So hineingreifen ins All, die Blicke der Sonne belauschen, aufhorchen, wie sich die Erde langsam durch das Universum rollt, und jede Sekunde wissen, wo sie gerade ist, die Schrittlein abmessen, die der Mond um die Erde macht, und den alten Nachtwandler auch nach Hunderten von Jahren noch genau zur Stunde ertappen mit halbem oder ganzem Gesicht — ja, das alles hatte er schon vermocht. Ach, er mußte darüber hinaus! Das Firmament, oder doch ein großer sichtbarer Teil! Den Abendstern aufleuchten und als Morgenstern wiederkehren lassen, den roten Mars bringen und den königlichen Jupiter, den Himmelswagen fahren und den Polarstern als unverrückbaren Punkt darüber leuchten lassen, die Plejaden, den Orion auf- und untergehen lassen, dem armen Menschen sagen: sieh, so Gewaltiges ist über dir und um dich, und du bist so klein, und es ist alles in großer, ewiger Ordnung, und nur dein armes kleines Herz kannst du nicht in Ordnung bringen. Das war Michaels Traum.

Frau Elisabeth versuchte mit sanfter Hand die Fieber des Mannes zu kühlen — es gelang ihr nicht. Trübsinnig wurde der Meister, zuletzt war er krank.

Aber eines Tages, nachdem er vom Morgen bis Abend draußen im Eulenwalde ganz einsam gewesen war, kam er lachend zurück, umarmte sein Weib und sagte:

»Elisabeth, ich habe es zwar noch nicht, aber ich ahne es. Und da ich es ahne, werde ich es eines Tages wissen, und dann wird es sein!«

Ja, eines Tages wußte er sein neues Werk. Er sprach zu niemand davon, nicht einmal zu seiner Frau. Und er ging auf eine weite Reise. Als er zurückkam, sagte er:

»Elisabeth, ich war in Wien. In der Kaiserstadt. Ich habe dort gute Aufnahme gefunden. Nun wollen wir nach Wien ziehen, und dort werde ich mein neues Werk schaffen. Es wird anders sein als das von Altenroda.«

Zu den Vätern der Stadt aber sprach Meister Michael also:

»Ihr Herren, ich habe für unsere Stadt eine Uhr geschaffen, die euer Lob gewann. Ich bitte euch, daß ihr mich nun in Frieden entlasset. Ich will nach Wien gehen und dort eine neue Uhr schaffen, die mein Meisterstück werden soll.«

»Dein Meisterstück?« fragte der Bürgermeister finster; »hast du nicht für uns dein Meisterstück geschaffen?«

»Ach, edle Herren, ich habe noch nicht das Höchste getan, das ich vermag. Eure Uhr ist — wenn ich das ohne Überhebung sagen darf — meine gute Gesellenarbeit; das Meisterwerk aber steht noch aus. Lasset mich nach Wien ziehen, damit ich es dort schaffe.«

Da entließen die Ratsherren den Meister, beriefen ihn aber am nächsten Tage aufs neue.

»Meister Michael,« sagte der Bürgermeister, »du hast uns eine Uhr geschaffen, die ohnegleichen ist. Wir haben Vertrag mit dir gemacht, daß es die schönste Uhr in allen deutschen Landen sein soll. Das ist sie bis jetzt; nichts geht über sie. Der Ruhm dieses Kunstwerkes und damit dein Ruhm und der Ruhm deiner Vaterstadt geht durch das ganze Land. Willst du uns diesen Ruhm nehmen, willst du deinen Vertrag brechen?«

Da weinte Meister Michael und sagte:

»Ihr Herren, verachtet mich, hasset mich, nennet mich undankbar, ehrvergessen der großen Wohltaten, die ich durch euch empfing — ich kann nicht anders, ich muß mein Werk verrichten, ein Werk, das Altenroda nicht ertragen könnte. Lasset mich um der Barmherzigkeit Gottes und um der Kunst willen in Frieden nach Wien gehen und dort mein Werk tun!«

Bürgermeister und Ratsherrn blickten düster, entließen den Meister und beriefen ihn auf den nächsten Tag. Sie legten ihm eine Schrift vor und begehrten strenge von ihm, daß er sie unterzeichne. Die Schrift lautete:

»Ich, Meister Michael Grünhuber, schwöre bei Gott, bei meiner Seligkeit, bei der Ehre meiner Frau, bei der Ehre meiner Mutter und bei meiner eigenen Ehre, daß ich, solange ich lebe, niemals ein Uhrwerk anfertigen werde, das der Uhr in meiner Vaterstadt Altenroda gleichkäme oder sie gar überträfe.«

Der Meister weigerte die Unterschrift. Er bat, er weinte, schrie und wurde schließlich in den Turm abgeführt.

Dort saß er drei Jahre. An jedem dritten Tage wurde ihm die Schrift wieder vorgelegt und ihm sofortige Freiheit in Aussicht gestellt, wenn er sie unterschriebe.

Einmal wurde er der Haft entlassen. Da lag Frau Elisabeth im Sterben. Er bettete ihr müdes Köpfchen an seine Brust, sog mit einem langen Kusse ihre entfliehende Seele auf und bestattete sie zu Grabe. Dann mußte er in den Turm zurückkehren.

Fünf Tage nach Elisabeths Begräbnis unterschrieb Michael das Dokument des Rates der Stadt.

So wurde er aus der Haft entlassen und ging, ohne einen Menschen anzusehen, nach seinem Hause.

Er lebte still drei Monate dahin und verließ das Haus nur, um Blumen auf Elisabeths Grab zu tragen.

Im vierten Monat wollte der Meister nach Wien entfliehen. Unter dem Wams trug er den großen Plan zu seinem Meisterwerk, den er in drei Kerkerjahren ausgedacht und in drei Monaten seiner Freiheit aufgezeichnet hatte.

An der Grenze des Stadtgebietes wurde er gefangen.

Der Rat der Stadt erkannte den Meister Michael Grünhuber schuldig des Vertragsbruches, schuldig des Meineides, womit er gefrevelt habe gegen Gott, gegen seine Seligkeit, gegen die Ehre seiner Frau, gegen die Ehre seiner Mutter wie gegen seine eigene Ehre, erklärte ihn für schimpflich und aller bürgerlichen Ehre verlustig und verurteilte ihn zur Strafe der Blendung, damit es ihm nie wieder einfalle, seinen Vertrag zu brechen und die Stadt Altenroda des Ruhmes zu berauben, die beste Uhr in deutschen Landen zu besitzen.

Es geschah.

Meister Michael wurde des Lichtes beider Augen beraubt. Sein Vermögen wurde eingezogen.

Als Bettler zog Michael von Tür zu Tür. Manchmal machte er Halt dort, wo er wußte, daß im Ratsturme seine Uhr war. Den Lichtengel Michael konnte er nicht mehr sehen, die zwölf Apostel nicht mehr, die heiligen drei Könige nicht mehr; das ewige Lämplein über dem Stall von Bethlehem sah er nicht mehr. Nur in der Nacht sang der Choral in seine arme Seele.

Als Michael aber einmal tagelang vor der Uhr stand und gespannt auf ihren Schlag lauschte, fragten die Bürger:

»Was hat er? Was ist's um die Uhr?«

Da sagte der Blinde:

»Die Uhr gerät in Unordnung. Führt mich noch einmal hinein.«

Sie taten nach seinem Willen.

Mit blinden Händen tastete sich der Meister in sein Werk.

Als er herauskam, ging die Uhr nicht mehr.

Alles Volk war so erschrocken, daß niemand darauf achtete, wie der Blinde entwich.

Kein Mensch hat jemals wieder etwas von ihm gehört. Die Uhr aber geht nicht bis auf den heutigen Tag. Kein Künstler späterer Zeit hat sie wieder zum Leben zu erwecken vermocht.

Vom törichten Kaspar

Illustration from Das Königl. Seminartheater — Altenroda — Grünlein: Novellen

eit Jahrhunderten lebte die Stadt Altenroda in Fehde mit den Rittern von Runkelstein. Diese hatten südlich der Stadt, etwa zwei Wegstunden entfernt, ihre feste Burg und beunruhigten von da aus nicht nur die Kaufleute, die auf der Poststraße gen Altenroda fuhren, sondern fielen auch des öfteren keck in städtischen Besitz ein. Da gab es Hader und Fehde oft jahrelang, bis beide Parteien den Zank satt hatten. Dann wurde Friede geschlossen. Die Ritter brachten ihren Kaplan mit, den einzigen, der in ihrem Burgbereich lesen und schreiben konnte, und auf dem Rathause zu Altenroda wurde alles verhandelt, genehmigt und unterschrieben, von den Rittern durch drei Kreuze mittels eines Pinsels und roter Tusche, da sie einen Gänsekiel in ihren Fäusten nicht zu erfühlen und zu halten vermochten. Es handelte sich in den meisten Fällen um Waffenstillstand auf neun Jahre.

Die Hauptsache bei diesen Friedensschlüssen waren die darauffolgenden Trinkgelage, bei denen die Ritter den vortrefflichen Weinen, die im Ratskeller von Altenroda lagen, so viele Ehre antaten, daß sie in den meisten Nächten in ganz leblosem Zustande nach ihren Herbergen gebracht werden mußten. Mit der Zeit kamen diese Friedensfeste die Stadt kostspieliger zu stehen als der Krieg, weshalb der ganze Rat immer tief aufatmete, wenn die teuren Gäste endlich heimzogen.

Die Ritter hielten den neunjährigen Waffenstillstand selten länger als neun Wochen; dann fingen die Ärgernisse von neuem an. Es ist kein Wunder, daß die Bürger von Altenroda über solch permanente Bosheit in gerechten Zorn gerieten.

Als es ihnen daher einmal gelang, den einzigen Sohn des Ritters, den Junker Ottokar, auf einem besonders kecken Raubzuge zu fangen, beschloß der Rat der Stadt, dieses Mal mit den Runkelsteinern ein für allemal aufzuräumen.

Ottokar wurde vor das Gericht gestellt, mit Leichtigkeit vieler grober Taten überführt und einstimmig zum Tode verurteilt.

»Indem wir den Junker fällen,« sagte der Bürgermeister, »vernichten wir zugleich das ganze Raubgezücht der Runkelsteiner; denn auf des Junkers zwei Augen steht das ganze Geschlecht.«

Die Stadtväter berieten nun lange über die Todesart, durch die Junker Ottokar sterben sollte. Enthaupten schien ihnen zu sanft und glimpflich, ihn henken oder rädern zu lassen, aber bedenklich, da sie dann den Zorn des ganzen Adels auf sich laden würden, der solche Todesart für einen ihresgleichen als nicht standesgemäß erachten würde.

So fand ein Ratsherr großen Beifall, als er sagte:

»Wir leben im Anfang des Monats August. Der Tag Sancti Bartholomäi, welcher der 24. August ist, steht dicht bevor. St. Bartholomäus ist — wie ihr Herren wohl wißt — dadurch zu Tode gebracht worden, daß er geschunden wurde. Wir wollen den Junker am Bartholomäustage zu Ehren des Heiligen schinden.«

Niemand fiel das Sonderbare dieser Art Heiligenverehrung auf; denn es war eine grobe Zeit. Alle waren vielmehr von dem Vorschlag sehr befriedigt.

Der alte Runkelsteiner, der um seinen einzigen Sohn in begreiflicher Sorge war, selbst zu schwach zu einem offenen Überfall und zurzeit ohne Bundesgenossen, schickte einen Boten an die Stadt und bot dreitausend Goldgulden Lösegeld für seinen Junker.

Der Rat der Stadt sagte sich: »Nicht drei Goldgulden hat der alte Schlauch im Besitz, geschweige dreitausend,« stellte sich aber, äußerer Gerechtigkeit wegen, als ob er dem Vorschlag traue, und ließ sagen, wenn binnen drei Tagen die dreitausend Goldgulden da seien, wolle man sich die Sache wegen seines Sohnes überlegen.

Abermals kam der Bote des Runkelsteiners. Bares Geld, richtete er aus, hätte sein Herr eben nicht bei der Hand, wolle aber gerne einen Schuldschein unterpinseln und, wenn es sein müsse, mit zehn, nicht nur mit drei Kreuzen.

»Wir wollen mit dem Pinsel nichts mehr zu tun haben,« entschied der Bürgermeister.

Der Junker Ottokar saß im Turme, und wenn er an den bevorstehenden Bartholomäustag dachte, juckte ihn die Haut, und er kratzte sich lange und heftig, dachte aber nicht an seine Sünden, sondern nur daran, wie er ausrücken und dabei ein ganzes Fell behalten könne.

Zu jener Zeit lebte in Altenroda ein Mädchen namens Rosmarie. Sie war die Tochter eines Herbergsvaters, und da der Junker Ottokar beim letzten Friedensfeste in ihres Vaters Haus in Quartier gelegen hatte, in den Junker tief und schmerzlich verliebt. Hatte es doch der Edelherr nicht verschmäht, sie manchmal in die rosigen Wangen zu kneifen oder ihren blühenden Mund zu küssen.

Dieses Mädchen aber wurde von Kaspar, dem Sohne des Turmwächters, bis zur Unsinnigkeit geliebt. Kaspar war ein schmucker, starker Bursche, aber sein Geist war nur von geringen Gaben.

Als das Mädchen Tag und Nacht lang um den Junker geweint hatte und den Gedanken nicht mehr ertragen konnte, daß ihm die junge Haut samt dem schwarzen Schnurrbarte vom Kopfe gezogen werden sollte, kam sie auf einen Rettungsgedanken. Sie berief den Turmkaspar zu sich und tat so schön mit ihm, daß der arme Bursche glaubte, er sei plötzlich ins Paradies gekommen. Und dann sprach die Schlange:

»Mein schöner, allerliebster Kaspar! Wie gerne wollt ich deine Frau werden, wenn du mir nur ein einziges Mal einen Gefallen tun wolltest.«

Kaspar schwur, daß er ihr alle Gefälligkeiten der Welt erweisen, ja, daß er Wunder wirken wolle, wenn es nicht anders ginge.

»Wunder brauchst du nicht zu wirken,« sagte das Mädchen, »bloß du sollst dem Junker Ottokar, der im Turme sitzt, etwas von mir ausrichten, und du sollst ihn in der morgigen Neumondnacht heimlich aus dem Gefängnisse herauslassen.«

»Mädel!« schrie der Kaspar. »Wenn ich das täte, gäbe mir mein Vater wahrhaftig eine Ohrfeige.«

»Siehst du,« begann das Mädchen zu weinen, »nicht einmal eine Ohrfeige willst du für mich wagen und sprichst doch vom Wunderwirken.«

»Eine Ohrfeige will ich schon hinnehmen,« sagte Kaspar, »auch ein paar gebrochene Rippen. Aber, Rosmarie, was liegt dir an dem Junker? Liebst du ihn?«

Da merkte Rosmarie, daß Kaspar eifersüchtig wurde. Sie sprach nun mit hundertspältigen Worten auf ihn ein; erzählte, wie freundlich und herablassend der Junker immer zu ihr gewesen sei, und daß sie den Gedanken nicht ertragen könne, ihn so grausam gemartert zu sehen.

Kaspar brummte. Er sagte sich: sie liebt ihn! Die Eifersucht fraß an seinem Herzen.

Rosmarie senkte das Köpfchen und faltete die Hände. Mit traurigem Seufzen sprach sie:

»Wenn du mir also nicht zu Willen bist, so muß der liebe Junker dahingehen, und ich sehe schon, daß du dir aus mir nichts machst. Ich werde also sterben und dann gewiß nicht deine Frau werden.«

Da begann auch Kaspar zu weinen; denn er konnte das Mädchen nicht also kläglich reden hören. Und ob er gleich den Verdacht nicht los wurde, daß Rosmarie den Junker lieb habe, so hörte er doch auch, wie schön sie zu ihm selbst sprach, und schließlich sagte er sich: Sie liebt uns beide. Wenn sie erst meine Frau ist, werde ich dafür sorgen, daß sie mich allein liebt.

Also willigte er in den Handel ein, worüber das Mädchen in Seligkeit geriet. Sie gab dem Kaspar drei Küsse auf die Backe.

Es wurde nun alles genau beraten, wie das Abenteuer bewerkstelligt werden sollte. Kaspar sollte seinem Vater, dem Turmwächter, sobald dieser seinen tiefen Abendtrunk getan hatte, die Turmschlüssel stehlen und den Junker durch eine Seitenpforte des Turmes ins Freie lassen. Rosmarie wollte schon vor Toresschluß die Stadt verlassen und mit einem Pferde, das sie von einem verwandten Bauern entlehnen wollte, in der Nähe der Turmtüre warten. Kaspar sollte sie dann durch den Turm in die Stadt wieder hinein lassen, und in drei Wochen sollte Hochzeit sein.

Abgemacht!

Als der Junker im Turm hörte, daß seine Rettung bevorstand, freute er sich gewaltig, fragte aber, was das für eine Herbergstochter sei, die ihm so dienstlich sein wolle.

»Ach Gott, doch die Rosmarie,« sagte Kaspar verwundert, »doch die mit den roten Backen und den braunen Haaren.«

Der Ritter schüttelte den Kopf. Er sagte, es gäbe mehrere Herbergen in Altenroda und also auch mehrere Herbergstöchter. Rote Wangen hätten alle und Haarfarben könne er sich nicht behalten.

Darüber freute sich Kaspar. Er sagte sich, der Ritter kann sich auf Rosmarie nicht genau besinnen, also wird er sie auch nicht allzu heftig lieben, und ich habe sie allein für mich.

Um Mitternacht öffnete Kaspar das Ausfallpförtlein und ließ den Junker frei. Alsbald kam mit leisem Jauchzen Rosmarie aus einem nahen Gebüsch. Sie führte ein Pferd am Zügel und sprach leise Worte zu ihrem Ritter. Der lachte, schwang sich aufs Roß und zog das Mädel blitzschnell zu sich in den Sattel.

Kaspar erschrak furchtbar.

»Halt, halt,« schrie er, »was macht ihr? Das ist ja meine Braut!«

Und er hing sich verzweifelt dem Pferde an den Schweif.

»Du Tölpel,« rief der Ritter, »lauf hinter uns her! Komm auf den Runkelstein!« Hieb dem Pferde die Faust auf den Hals, daß es aufbäumte, ausschlug, davonraste und den armen Kaspar ins Gras schleuderte.

Der lag erst ohnmächtig, dann richtete er sich auf und befühlte seinen Schädel.

»Sie ist fort. Er ist fort. Und ich sitze hier!«

Diese drei Tatsachen stellte Kaspar in tiefer Traurigkeit fest. Er war von so einfacher Wesensart, daß er sich erst bei Tagesgrauen ganz klar wurde, was eigentlich geschehen war.

Da warf sich Kaspar ins Gras und weinte aus Scham und Herzeleid darüber, daß die Rosmarie so schlecht war.

Als die Stadttore geöffnet wurden, ging er nach dem Marktplatze und wartete auf die Ratsherrn. Die kamen heute früher als sonst, und viel Volk war auch schon vor dem Rathause versammelt; denn es war ruchbar geworden, daß der Runkelsteiner aus dem Turme entwichen war.

»Was hast du uns zu sagen?« fragte der Bürgermeister, als Kaspar vor dem Rate stand.

»Ich will mich beklagen,« sagte Kaspar, »über den Junker Ottokar und über das Mädchen Rosmarie. Denn sie haben mich betrogen, und der Rat der Stadt soll sie bestrafen.«

»Was haben sie dir denn getan?«

Nun erzählte der törichte Kaspar alles genau, wie es sich zugetragen hatte, wie er mit dem Mädchen und dem Junker einen Vertrag gemacht habe, daß er den Junker aus dem Kerker lasse und dafür das Mädchen zur Frau kriege, und wie die beiden den Vertrag gebrochen und ihn betrogen hätten. So sollte nun die beiden auch die verdiente Strafe treffen.

Der Rat der Stadt entschied:

»Der Junker Ottokar und das Mädchen Rosmarie haben abscheulich an dem Kaspar gehandelt. Wegen ihrer verwerflichen Gesinnung sollen beide hart bestraft werden, so man ihrer einmal habhaft werden sollte. Der Kaspar aber, der den gefährlichsten Feind der Stadt aus dem Kerker befreit hat, soll gehenkt werden.«

Als der törichte Kaspar dieses Urteil hörte, fiel er um. Sein Herz war so voll Liebe, Zorn und Wehe gewesen, daß er gar nicht daran gedacht hatte, ihm selbst könne wegen seiner Tat auch etwas geschehen.

Nach Tagen erst in der kühlen Kerkerluft ging ihm alles richtig auf. Jetzt dachte er auch daran, daß der Junker gerufen hatte: »Du Tölpel, laufe hinter uns her. Komm auf den Runkelstein!« Das war wegen des Henkens gewesen, und müßte er wohl gar noch dem Junker wegen seines Rates dankbar sein.

Der älteste der Ratsherrn, ein milder Greis, der weit über das Leben sah, rückwärts wie vorwärts, sagte in der nächsten Ratssitzung:

»Kaspar ist eine Einfalt. Die Liebe hat sein armes Gehirn stumpf und seine Augen so blind gemacht, daß er seine Schuld nicht erkannte, wie er ja auch die Gefahr nicht ersah, in die er hineinlief, da er sich selbst bezichtigte. Deshalb, ihr Herren, wollet milde mit ihm verfahren, damit Gott euch genädig sei und ihr eurer Feinde doch noch Herr werdet. Schenket dem Toren die Strafe des Stranges. Sperrt ihn eine Zeitlang in denselben Kerker, aus dem er den Junker entließ, und dann verbannt ihn aus Altenroda. Wer aus einer solchen Heimat verbannt wird, trägt schwere Strafe genug.«

Diesem weisen Rate folgten die Väter der Stadt. Kaspar mußte drei Jahre im Turme sitzen und dann mit einem Stecken aus Haselholz, einem schmalen Ränzel und zehn Groschen Münze für immer die Stadt verlassen.

Kaspar ist hin und hergewandert in der Welt und endlich unter die Söldner eines Fürsten geraten. Auf einem Kriegszuge fand er in einem Straßengraben eine sterbende Soldatendirne. Es war Rosmarie. Der Junker hatte sie eine Zeitlang auf der Burg behalten und dann verstoßen.

Rosmaries Gesicht war ganz häßlich geworden; nur die Haare waren von brauner Seide wie einst.

Als die Arme entschlafen war, grub der Kriegsknecht Kaspar ein Grab, legte Rosmarie hinein und sprach ein Gebet, wobei er sein Gesicht gen Osten wandte, wo in weiter Ferne die Heimatstadt Altenroda lag.

Rauchermärchen

Illustration from Das Königl. Seminartheater — Altenroda — Grünlein: Novellen

m Eulenwalde lebte vor ungefähr zweihundertdreizehn Jahren ein Köhler, der als ein guter Mensch anzusprechen gewesen wäre, wenn er nicht so lasterhaft geraucht hätte. Und zwar rauchte er Tabakspfeife. Dieses Teufelsding verbreitete im Eulenwalde auf eine Meile im Umkreis einen solchen Qualm und Gestank, daß die Rehe und Hasen schwarze Felle bekamen, der stickende Brodem den Mäusen verheerend in ihre Erdwohnungen drang und den Eulen und allen Singvögeln des Waldes die Augen tränten. Die garstige Wirkung kam davon her, daß der Köhler nicht nur Tag und Nacht die Pfeife kaum ausgehen ließ, sondern, daß auch sein Tabak von übler Sorte war. Ein Zug, gegen den Wind geblasen, genügte, einem Wanderer der eine Meile weg arglos und gesund seine Straße marschierte, plötzlich den Atem zu verschlagen.

Der Tabak hieß Rippentabak. Er bestand aus in Stücke gebrochenen Stangen, welche die Pestilenz in sich hatten. (Die Gegend, wo dieser Tabak wuchs, ist im Laufe der Zeiten als Strafe Gottes untergegangen.)

Das Schlimmste war, daß der Köhler diese Pestilenz damals nicht etwa hübsch behutsam im engsten Kreise behielt, sondern eitel und leichtfertig in alle Winde blies. Der Köhler war Kunstraucher. Hatte er sich durch einen abgrundtiefen Zug aus seiner Pfeife die Mund-, Nasen-, Ohren- und Stirnhöhlen, die Luftröhre, die Lunge, ja den Magensack voll Dampf gesogen, so ließ er diesen inneren Reichtum langsam und in kunstvollen Formen wieder an die Außenwelt steigen.

Der Köhler rauchte Ringe: kleine, mittlere, große, auch Ringe, die sich ineinander verschlangen, er rauchte aber auch Herzen, manchmal eines, manchmal zwei, die sich miteinander vereinigten; er rauchte eine Mandel Eier; er rauchte die Rechenaufgabe zwei mal zwei gleich vier in der Luft; er rauchte einen Reiter; er rauchte Sonne, Mond und Sterne.

Waldkinder, die auf der Suche nach Pilzen und Beeren waren, sahen dem Köhler manchmal bewundernd zu. Dann sagte er, wenn er wollte, könnte er das ganze Einmaleins rauchen. Das war aber nicht wahr; rauchen hätte er's vielleicht können, aber das Einmaleins selber konnte er nicht. Er konnte nur zwei mal zwei gleich vier.

Am Rande dieses Waldes lebte in einer hohlen Eiche die Baumgöttin Querka. Sie stand bei den Bürgern von Altenroda in hohem Ansehen; denn sie beschützte die Stadt vor Blitz und Hagelschlag. Die Göttin hatte eine empfindliche Nase, also daß sie sich durch die höllischen Rauchschwaden des Köhlers oft belästigt fühlte. Aus großer Gutherzigkeit hatte sie lange geschwiegen. Als aber das jüngste ihrer drei Kinder den Husten bekam, sagte die Göttin: »Da muß etwas geschehen!« — machte sich auf und ging zum Köhler. Sie war recht lieb und artig mit dem alten Brummbart und fragte ihn nebenher, ob er es denn nicht so einrichten könne, daß er den Rauch zum Himmel hinauf blase, damit er sich dort zu Wolken zusammenballe und vom Winde auf den Großen oder Stillen Ozean getragen werde.

Da sagte der Köhler: »Nein, mein Rauch gehört in den Eulenwald!« — und da war wohl auch nichts dagegen zu tun.

Die Göttin aber half sich durch eine List. Heimlich sprach sie über die Tabakspfeife einen Zaubersegen, der bewirken sollte, daß alle Figuren, die der Köhler rauchte, in der Luft zu Gold wurden.

Richtig, kaum war die Göttin fort, so begann der Zauber zu wirken. Der Köhler hatte eben einen stattlichen Ring geraucht und sah zu, wie er langsam davonschwamm — was zu sehen immer des Köhlers größte Freude war — als der Ring plötzlich in der Luft stehen blieb, zu funkeln anfing und auf einmal — kling, kling — auf die Erde fiel. Der Köhler ging herzu, hob einen riesigen goldenen Ring auf, betrachtete ihn, ließ ihn an einem Steine klingen und hing ihn sich endlich um den Hals. Dann setzte er sich auf den Holzblock zurück, auf dem er immer saß, dachte über das Geschehnis nach und rauchte in Gedanken eine Mandel Eier. Als die Eier aber kaum bis an die kleine Birke geschwebt waren, blieben sie stehen, wurden zu Gold und regneten auf die Erde. Der Köhler hob verwundert die Eier unter der Birke auf und sagte: »Nanu!« Darauf ging er wieder nach seinem Holzblock und dachte weiter nach, was zur Folge hatte, daß plötzlich zwei goldene Herzen aus der Luft fielen. Jetzt sagte der Köhler: »Das scheint mir nicht mit rechten Dingen zuzugehen.« Aber an sich machte ihm die Sache Freude. Also paffte er sich einen ganzen Berg goldener Ringe, Herzen, Sonnen und Eier zusammen. Nur mit der Rechenaufgabe war es ein verhextes Ding. Jedesmal fielen die Ziffern in falscher Reihenfolge aus der Luft, so daß immer im Grase zu lesen stand: zwei mal vier gleich zwei. Darüber ärgerte sich der Köhler, und als die Aufgabe immer aufs neue mißriet, kam der Mann in so großen Zorn, daß er seine Tabakspfeife faßte und sagte: »Du dummes Ding, wenn du nicht mehr ordentlich rechnen kannst, sollst du verbrennen!«

Damit schleuderte er die Pfeife ins Feuer des Meilers. Nun konnte der Köhler eine ganze Nacht lang nicht rauchen, was ihn so verdroß, daß er nach dem goldenen Berge mit dem Fuße stieß.

Die Göttin drüben am Waldrande aber sagte: »Merkt ihr nicht, Kinderchen, was heute für gute Luft ist?« Das Kleinste hörte auf zu husten, und viele Bäume, die in dem Qualm am Verdorren gewesen waren, schlugen mutig wieder aus.

Am nächsten Morgen, als der Köhler aus seiner Hütte trat, sah er einen fremden Rittersmann bei seinem Goldhaufen stehen und diesen mit Aufmerksamkeit betrachten.

»Was willst du mit dem vielen Golde?« fragte der Ritter.

»Das weiß ich selber nicht!« sagte der Köhler.

»So will ich dir einen guten Vorschlag machen, lieber Mann. Leihe mir das Gold gegen einen Schuldschein. Einen Silbertaler als Zins gebe ich dir im voraus.«

Der Köhler dachte nach, ob das wohl ein gutes Geschäft sei, und kam zu dem Schluß, ein Silbertaler sei nicht zu verachten, da er sich doch eine neue Tabakspfeife kaufen mußte. Also willigte er in den Handel ein. Der Fremde schrieb etwas auf ein Papier, was der Köhler nicht lesen konnte, gab ihm einen Silbertaler und lud das Gold in großen Säcken auf seine Maultiere.

»Leb wohl!« sagte er und stieg auf sein Roß.

»Ach, edler Herr,« sagte der Köhler; »es wäre mir halt lieb, wenn ich Eure Adresse wüßte.«

»Meine genaue Adresse kann ich dir nicht geben,« sagte der Ritter; »ich reite nämlich gerade in den Krieg nach Persien.«

»Ach so,« sagte der Köhler und ließ ihn mit dem Golde ziehen.

Hinterher aber ärgerte er sich und sagte sich, der Fremde habe ihn wohl sicherlich übervorteilt. Doch er tröstete sich, daß er sich ja jederzeit einen neuen Haufen Goldes zusammenrauchen könne.

Die Sache kam aber anders. Der Köhler hatte sich um drei Groschen in Altenroda eine neue Pfeife erhandelt und wollte dem Händler sein goldenes Kunststück vorrauchen. Da kam aber nichts zustande als Rauchringel, die davon schwebten und die ganze Stadt verpesteten.

Der Rat der Stadt, als er die Sache übel in die Nase bekam, schickte eilends seine Büttel aus und ließ den gottlosen Raucher festnehmen. Es war nämlich bei schwerer Strafe verboten, innerhalb von Altenroda bis zwei Wegstunden über die Stadt hinaus Rippentabak zu rauchen.

Der Köhler wurde vor Gericht gestellt, und es wurde der herbe Spruch gefällt: ein ganzes Jahr solle der Sünder im Turme schmachten, bis ein Sommer durch seine Hitze, ein Herbst durch seine Stürme, ein Winter durch seinen Frost und ein Frühling durch seine Düfte die Stadt Altenroda von seinem Tabaksgestank wieder gereinigt habe. Nach zwei Wochen schon kam der Beichtvater des Köhlers zum Rat und bat um Gnade für den Eingesperrten, der im Turm ohne Rippentabak verschmachten müsse, wie ein Fisch ohne Wasser. Der Rat von Altenroda, der immer milde und menschenfreundlich war, bestimmte darauf, man solle dem Köhler fünfundzwanzig Stockhiebe auf seinen ledernen Hosenboden verabfolgen und ihn dann als verwarnt entlassen.

Solches geschah. Als der Köhler sich von den fünfundzwanzig Hieben soweit erholt hatte, daß er wieder laufen konnte, kaufte er sich einen Zentner Rippentabak, das Pfund zu zwei Pfennigen, und wanderte heimwärts.

Im Walde war unterdes große Freude gewesen. Glückselig saß Querka, die Göttin, in ihrem hohlen Baum und atmete köstliche Lüfte, die Mäuse freuten sich, daß es nicht mehr durch die Ofenröhren ihrer Wohnung rauchte, die Felle der Hasen färbten sich auffallend heller und die Augenentzündung der Vögel ließ nach.

»Das habe ich alles mit meinem Zauberspruch getan,« dachte Querka; »denn goldene Ringe können nicht fliegen.«

An einem Abend aber — was roch Querka? Was rochen ihre Kinderlein? Was schnüffelten die Hasen? Wovor schüttelten die Eulen ihr Gefieder?

Rippentabak!

Es schwebten wieder Herzen, Ringe, Eier und Rechenaufgaben durch den Wald. Die Göttin eilte erschrocken zur Köhlerhütte. Richtig, da saß er und rauchte; rauchte aber nicht Gold, sondern rauchte Rauch — Rippentabaksrauch.

Die kluge Göttin machte sich nun wieder recht lieb und artig an den alten Schlot heran und fragte ihn, wo denn die goldenen Ringe seien.

Hätte er verliehen, sagte der Köhler und besäße ein Testimonium darüber. Er holte die Quittung des Ritters aus seiner Hütte und zeigte sie der Göttin. Diese las:

»Ich bestätige, daß der Köhler vom Eulenwalde der guten Stadt Altenroda der größte Esel der Welt ist.

Kuno von Bimbim.«

»Das ist die Quittung?« fragte die Göttin, »die Quittung für all' Euer Gold?«

»Ja,« sagte der Köhler stolz; »es hat alles seine Richtigkeit.«

Die Göttin ließ ihn bei dieser fröhlichen Auffassung und fragte schmeichelnd, ob er sich denn nicht etwas gedacht habe, als er plötzlich goldene Ringe rauchen konnte.

»Ja,« nickte der Köhler, »das habt Ihr getan.«

»Und wo ist die verzauberte Tabakspfeife hingekommen?«

Der Köhler wies mit dem Daumen nach dem Meiler.

»Da! Verbrannt! Das dumme Ding konnte nicht mehr rechnen. Es rechnete zwei mal vier gleich zwei. Und das ist falsch. Das ärgerte mich!«

Nun redete die Fee in den lieblichsten Worten auf den Köhler ein, er möge sich doch auch über seine neue Tabakspfeife einen Segen sprechen lassen; aber der Köhler hielt die Pfeife abwehrend beiseite und sagte:

»Nein, ich mag nicht! Meine Ringe und Herzen können fliegen; aber deine goldenen Ringe purzeln auf die Erde. Daß sie fliegen können, das ist das Schöne bei den Ringen. Was habe ich vom Golde, das mir ja doch wieder ein Ritter abborgt, der damit nach Persien reitet.«

Da schlug die Fee trostlos die weißen Hände zusammen.

Nach einiger Zeit fragte sie: »Was ist denn in dem schrecklich großen Ballen da?«

»Rippentabak!« sagte der Köhler. »Ein Zentner. Ich hatte bloß noch einen kleinen Vorrat. Wenn der aufgeraucht ist, kommt der neue Ballen dran.«

Da liefen der Fee heimlich Tränen über das Gesicht. Als aber der Köhler einmal nach der Hütte verschwand, weil er sein kostbares »Testimonium« dort wieder bergen wollte, erhellte sich das Gesicht der Fee; sie trat an den Tabakssack und sprach heimlich und schnell eine Zauberformel, wodurch sich der Rippentabak in Tabak so edler Art verwandelte, wie er nur in den Gärten des Kalifen gedeiht.

»Müssen wir schon Tabaksrauch schlucken, dann doch edlen!« sagte sich die Fee.

Drei Tage später öffnete der Köhler den neuen Tabaksballen. Er verwunderte sich über das Aussehen des Tabaks, der ein krümeliges braunes Gewuschele darstellte, gar keine starken reellen Rippen, stopfte sich aber eine Pfeife, rauchte sie bis zu Ende und spuckte während der Zeit seinen ganzen Meiler aus. Nach der zweiten Pfeife wurde ihm so übel, daß er die kleine Birke, an der er sich festgehalten hatte, umbrach und mit ihr zu Boden fiel. Als er sich erholt hatte, erfaßte ihn großer Zorn. Er nahm den wildesten Eichenprügel, den er besaß, eilte nach Altenroda hinunter, immer schimpfend: »Zwei Pfennige für das Pfund hat mir der Betrüger abgenommen!« kam in den Laden des Kaufherrn, der ihm den Tabak verkauft hatte, und prügelte den mit dem Eichenknüppel, bis er halbtot am Boden lag. Nur den Bemühungen des gelahrten Medikus der Stadt unter Beiziehung des Baders gelang es, den schwerverletzten Kaufmann am Leben zu erhalten.

Dieser mißhandelte Kaufmann aber war eine gewichtige Persönlichkeit. Er besaß ein Grundstück von siebenhundert Gulden im Wert und hatte die Tochter des Bürgermeisters zur Frau. Hauptsächlich aus letzterem Grunde verurteilte der Rat der Stadt den missetäterischen Köhler zum Tode durch den Strick. Der Beichtvater kam zwar wieder und bemühte sich mit ängstlicher Fürsprache, aber das nützte gar nichts; der Köhler sollte hängen.

Waldkinder jedoch, die nach Beeren und Pilzen suchten, erzählten sich von dem traurigen Schicksal, das dem Köhler bevorstand. Und das hörte die Fee. Sie erschrak bis in die Tiefe ihres lichten, lieben Herzens und eilte auf ihren goldenen Schuhen nach Altenroda. Dort trat sie vor den Rat der Stadt und erzählte alles.

»Ihr Herren, ich allein hab' Schuld, ich allein!«

Da traten die Ratsherrn zusammen und sagten sich nach kurzer Beratung:

»Mit der Göttin Querka können wir es nicht verderben. Wer weiß, was sonst, wen das nächste schwere Wetter zwischen Ochsenkopf und Eulenwald hereindringt.«

Also gingen sie wieder in den Sitzungssaal und sagten:

»Hohe Göttin, wir haben beschlossen, dir den argen Sünder zu überantworten. Du selbst fälle das Urteil. Fälle es aber nicht zu milde, fälle es gerecht. Der Rat der Stadt behält sich vor, seine Einwände zu machen.«

Die Göttin ließ sich zu dem Gefangenen führen.

Der saß wie ein Verhungerter und Verdursteter auf dem Boden seiner Zelle.

»Kennst du mich?«

»Ja.«

»Willst du etwas von mir?«

»Ja.«

»Was?«

»Rippentabak!«

»Das geht nicht. Aber was anderes kann ich dir schenken.«

»Was?«

»Das Leben!«

Der Köhler kratzte sich hinter dem Ohr.

»Was ist das Leben ohne Rippentabak!« sagte er trostlos.

Die Göttin staunte diesen Menschen an. Dann kam ihr ein guter Gedanke.

»Sag mir, Köhler, mußt du durchaus im Eulenwalde wohnen, oder könntest du auch anderswo rauchen?«

»Auch anderswo,« sagte der Köhler. »Bloß Rippentabak muß es sein, aber nicht solcher, der runterfällt, sondern solcher, der fliegt.«

Die Göttin fällte den Spruch:

»Der Köhler Jakobus aus dem Eulenwalde der würdigen Stadt Altenroda ist zur Strafe dafür, daß er den ehrenwerten Bürger Bartholomäus Schnürle fast bis zum leiblichen Tode mißhandelt hat, zu lebenslänglicher Verbannung verurteilt. Diese Verbannung soll er auf dem mit ›Ochsenkopf‹ benannten Berge verbüßen, der im Süden der Stadt liegt, gerade auf der Gegenseite der Stadt, wo bisher seine Hausung war. Der Verbrecher ist berechtigt, jede Woche einmal nach Altenroda hinabzusteigen, sich alldorten zehn Pfund Rippentabak sowie sonst zum Leben Zubehör zu kaufen.«

Der Rat von Altenroda bestätigte dieses Urteil, tat aber auch seine Wünsche kund: »Die Köhlerhütte ist ganz auf dem Gipfel des Ochsenkopfes zu errichten, wo der meiste Luftzug ist; auch ist zum Schutze für die Gemarkungen Altenrodas eine steinerne Rauchfeste zu errichten, eine keilförmige Schanze, durch die jeweils der Rauch aus Jakobi Pfeife hinunter nach Wenighofen zieht.«

So geschah es. Wenighofen — eine feindnachbarliche Stadt von Altenroda — ist ausgestorben. Wer das nicht glaubt, sehe auf der Landkarte nach. Er wird Wenighofen nicht finden.

Was aus dem Köhler weiter geworden ist, weiß niemand. Aber wenn er nicht gestorben ist, raucht er heute noch.

Rippentabak!

Anmerkung.

Du bekehrst eher zehn Türken zum Christentum als einen Raucher zur Vernunft.

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