VORWORT (continued 2)
Reading edition
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Durch ur-Sprung: ur-Teil-Ich-er-Scheinung; aus ur-Teil-Ich: ver-Langen: —Tat; aus Tat-widerstand: —Verständnis. — MANAS —
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Manas—Denktätigkeit dieser Welt, Namen des Bewußtseins: Unterscheidung, Überlegung, Erwägung, Einsicht, Verstand und Urteil. Also ist die Unterweisung: Ich komme auf Gesagtes zurück, o Teurer: widersprechend ist der Wille in den Beiden, die von getrenntem Standort aus—verständnislos —einander bekämpfen; widersprechend auch das Urteil. Ich, siegend, will die Tat, und sein Urteil ist seinem Willen gemäß: "du bist meine Nahrung, ich töte dich, es ist mein Recht". Ich, unterliegend, enwill die Tat, und sein Urteil ist seinem Willen gemäß: "du darfst mich nicht töten, es ist Unrecht und böse."
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Du erwägst zunächst das Urteil im Raum erscheinend: Der Gedanke in beiden ist Einer: Ich-Bestand, Ich-Verlangen, Ich-Tat; Bestand, Verlangen, Tat steht in Ich und Ich sich selbst gegenüber. Im Einen wie im Andern derselbe Wille, dieselbe Tat— widersprechendes Urteil. Jeder der Beiden will die Tat tun, Keiner der Beiden will die Tat dulden. Wer angreift und siegt, lobt Wollen und Tun; wer abwehrt und erliegt, schilt Wollen und Tun. Hier Lob, dort Tadel; Recht dem Einen ist Schuld dem Andern. Urteil widerspricht sich im Raum.—
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Ferner: Urteil in der Zeit erscheinend: Je nachdem Ich Angriff-Abwehr aufnimmt auf gibt, gestaltet sich das Urteil im Ich. Ich, das angreifend die Tat tun will, Ich, das angegriffen die Tat nicht dulden will—wechselt seinen Stand zur Tat: will, was es dem Andern antun wollte, nicht mehr tun; will selbst erdulden, was der Andere von ihm erdulden sollte—will dulden, nicht tun. Mit gewechseltem Standort wechselt der Wille, mit gewechseltem Wollen wechselt das Urteil. Ich schilt, was es lobte, Ich lobt, was es schalt. Urteil wechselt in der Zeit.—
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Und ferner: Urteil in sich: Je nach dem vierfachen Standort des Ich im Verlangen, je nach zwiefachem Stand des Ich in sich, je nach zwiefachem Stand des Ich außer sich, ist die Beziehung des Ich zum gegenständlich aufgefaßten Gedanken, ist Willen und Urteil des Ich. Ein und das selbe Ding, das selbe Tun, der selbe Vorgang, Ein Geschehen, Ein Gedanke erscheint im Ich als verschieden, als in gegen-Teile zerfallen, als Zweierlei, je nach dem Willensstandort des Ich zum Gedanken—je nachdem der Gedanke dem Ich als Gegensatz zu sich, oder als Gegensatz in sich, als fremder Gegenstand oder als eigener Zustand erscheint. Der einheitliche Gedanke: 'Fraß' wird zweierlei: 'Fraß an dir—Fraß an mir, fressen und gefressen werden'.
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Das selbe Eine unveränderte Ich urteilt über den selben Einen unveränderten Gedanken vom selben Standort zur selben Zeit— zwiefach; zwiefach auf jedem Standort, zwiefach zu jeder Zeit; gut und zugleich böse, schön und zugleich häßlich, recht und zugleich schuld, je nachdem Ich den Gedanken aufnehmen oder abweisen will, je nachdem das Urteil dem eigenen oder dem gegenständlichen Ich gelten soll, je nachdem das Urteil mein Ich—m-Ich, oder dein Ich—d-Ich betrifft. Angreifend hält Ich Angriff für Recht, doch selbst angegriffen für Schuld. Fressend hält Ich das Tun für löblich und gut, doch selbst gefressen für unrecht und böse—, dich fressen ist recht, mich fressen ist schuld'. Lob und Tadel, gut und böse, schön und häßlich, Fraß und nicht Fraß in Einem Atem, Verlangen, urteilend, steht sich selbst gegenüber. Alles Urteil trägt sein Gegenurteil in sich. Wie kein Teil ohne Gegenteil, so kein Urteil ohne Gegenurteil. Urteil ist nicht nur zwiespältig vom zwiefachen Standort des Ich im Raum, nicht nur zwiespältig vom zwiefachen Standort des Ich in der Zeit, Urteil ist zwiespältig in sich.
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Alles Urteil ruht in der Selbstherrlichkeit Ich; alles Urteil im Ich ist will-kür-lich wechselnd. Urteil widerspricht sich im Raum; Urteil wechselt in der Zeit. Alle Entscheidung im Urteil ruht auf Entscheidung im Willen. Willen liegt unmittelbar in jedem Urteil. Urteil und Willen deckt sich. Urteil ist Ausdruck des Willens. Immer ist Willen Lust; immer ist Unwille Leid. Willen hat immer Recht: 'ich habe Lust—ich will; ich leide es nicht—will nicht. Was ich will ist gut; ich will es, darum ist es gut; böse ist was ich nicht will, was nicht ich will, was mich will.' 'ich habe recht' heißt: 'ich will'; 'du hast Unrecht' heißt: 'ich will nicht'; 'du sollst' ist dasselbe wie 'ich will'; 'du darfst nicht' ist dasselbe wie 'ich will nicht'.—Alles Gebot, alles Verbot —müßige Fragen dem Wissenden. Was ich an mich ziehe, nenne ich anziehend; was wider mich ist, ist widerlich; was mir schadet, ist schädlich; was meinen Zwecken dient, ist zweckmäßig; was nicht mir nutzt—nichtsnutzig; was zu schonen ist, ist schön; was ich liebe, ist lieblich; was ich hasse— häßlich. Lust hier ist Leid dort; Lust jetzt ist Leid dann; in Lust ist Leid, in Leid ist Lust; Lust ist Leid, Leid ist Lust. Keine guten und keine bösen Dinge auf der Welt; keine guten, keine bösen Geschöpfe; keine guten, keine bösen Menschen. Böse ist, was zu mir böse ist; gut ist, was zu mir gut ist. Du willst Wirkung aus dir; ungewollte Wirkung auf dich nennst du böse. Gutes wie Böses ist nur in deinem Urteil—sonst nirgends. Du lobst und tadelst dich selbst, je nachdem du am gegen-Stand an-Teil nimmst, je nachdem du dich selbst im gegen-Stand bewußt oder unbewußt empfindest. Du erkennst: es gibt kein Urteil ansich. Urteil ist nur Rechtfertigung, nur Entschuldigung, nur Beschönigung deines Verlangens. Was als Urteil im Ich erscheint ist Willensausdruck. Wille ist Ich. Ich will, Ich urteilt. Es gibt kein Urteil —Ich ist Urteil.— Dies wunderbar Einfache erfaßt die Menschheit nicht.
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Wie dein Stand im Raum bestimmt, was mit rechts oder mit links, was mit oben oder mit unten zu bezeichnen sei; wie dein Stand in der Zeit bestimmt, was du als Vergangenheit und was du als Zukunft unterscheidest, so bestimmt deine Beziehung zum Gedanken, dein zu-Stand zum gegen-Stand—das Wollen in dir—du selbst—was du gut oder böse, schön oder häßlich, Recht oder Schuld nennst, und wie jenen Bedeutungen, so kommt auch diesen keine Wahrheit zu.—Wie deine gegen-Wart in Raum und Zeit ein willkürlicher Scheidepunkt ist, der dir das Recht zu geben scheint, Verschiedenheit zu schaffen, ein rechts und ein links, ein oben und ein unten, ein vorher und nachher zu unterscheiden, so schafft deine gegen-Wart zum gegen-Stand, deine Beziehung zum gegenständlich aufgefaßten Gedanken, dein Stand im Verlangen, der Wille in dir—du selbst—Unterscheidung im Ungeschiedenen, macht dich als Gegensatz unterscheiden, was Eines ist: dein Verlangen—du selbst. In deinem Herzen sind die Auseinandertretungen, in dir ist Unterscheidung und aller Wandel der Unterscheidung. Wie aus rechts links wird, wie aus oben unten wird, wie aus hier dort wird, wie aus Zeit Raum wird, aus Willen Kraft, aus Freiheit Notwendigkeit, aus Tat Duldung, aus Lust Leid, aus Liebe Haß—so wird aus gut böse, aus böse gut, sobald du—atmend—dich in Gedanken wendest. Du neigst dich dem einen zu und neigst dich dem anderen ab. Dein Standort bedingt deinen zu-Stand; dein Zustand bedingt Willen und Urteil; Wille und Urteil bist du selbst. Du urteilst gerecht nach bestem Wissen und Gewissen. Wie du auch urteilst, du urteilst von dir aus; von deinem Standort aus beurteilst du deinen gegen-Stand; je nach deinem Ver-ständnis, je nach deinem Ab-stand oder deinem An-stand bildet sich dein Urteil. Wie du auch urteilst, es bleibt dein Urteil. Du erwartest, hoffst, nimmst Anteil; deine Zuneigung entscheidet oder deine Abneigung, Nähe oder Ferne deines Standortes. Wechselt dein Standort, so wechselt deine 'An-sicht'; wechselt deine Ansicht, so wechselt dein Urteil. Du schaust und urteilst vom Standort des Täters oder schaust und urteilst vom Standort des Dulders; du versetzt dich in die Lage des Henkers oder in die Lage des Opfers; du nimmst, je nachdem du dich selbst fressend oder gefressen fühlst, bewußt oder unbewußt Partei.
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Dein Urteil ist deine Anteil-nahme, deine Be-teil-igung am Gegen-stand. Was dem Beurteilten von dir zuteil wird, bist du selbst. Dein Urteil ist dein Eingehen in den Gegen-stand, dein 'inter-esse', dein Einssein mit dem Gegenstand. Du bist Richter in eigener Sache und urteilend triffst du dich selbst. Wie du auch urteilst, dein Urteil bleibt einseitig; doppelseitiges Urteil wäre Widerspruch in sich; vollständiges Ur-teil wäre vollständiges Teil. Gerechtes Urteil urteilt nicht. Bedeutungslos ob Jemand deinem Urteil widerspricht, denn er urteilt von eigenem Standort; bedeutungslos ob Jemand deinem Urteil zustimmt; bedeutungslos wenn die Besten deines Volkes und aller Völker deines Urteils sind. Alle die, welche deinem Urteil beistimmen, stehen bei dir, sind dir Beistand, vertreten deinen Standpunkt, sind mit dir ein-ver-standen, deine Standesgenossen, deine Partner—nichts mehr. Alles Urteil ist Partei. Alle Urteils-Wertung liegt in dir; was du am gegen-Stand beurteilst, bist du selbst—am Wesen des Beurteilten haftet kein Hauch deines Urteils, in keiner Form, in keinem Sinne, weder offen noch verborgen, weder hier noch sonstwo, weder heute noch je—Urteil ist Ausdruck deines Verlangens.
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Alle Wahrnehmung schafft sich in dir: gleichviel ob du solche als unbestreitbare Beschaffenheit des Gegenstandes erachtest, oder als eigengeschaffenes Willens Urteil durchschaust. Eigenschaft außer dir und Urteil in dir ist Eines; je nach sinnlicher oder seelischer Auffassung erscheint dir das Geschaute fremd oder eigen, sachlich in sich oder willkürlich aus dir. Was dir Eigenschaft der Dinge scheint, ist Auslegung deiner Empfindung, ist dein eigener Zustand in den Gegen-stand verlegt; ist schaffendes Verlangen aus dir in deinen Gegenstand übertragen. Seelisches Verlangen in dir gewinnt sinnliches Leben außer dir; Verlangen ausgelegt, im Raum selb-ständig geworden, wird leibhaftig, tritt dir als Ding verkörpert gegenüber. Deiner eigenen Seele Schöpfung, in räumliche Wirklichkeit hinausverlegt, ist außer dem Bereich deiner Seele dir entfremdet, darum von dir nicht mehr als Eigenschaffung erkannt, darum als Ding und Eigenschaft des Dinges sinnlich geschaut. Je unmittelbarer die schaffende Vorstellung aus dir quillt, je unbewußter du selbst deine Vorstellung bist, desto fremder und ferner, desto unbedingter erscheint dir das zur Vorstellung Gewordene, erscheint sachlich an sich. Erscheint dir aber Ding und Eigenschaft sachlich und unbedingt an sich, so erscheint auch alle Wahrnehmung am Dinge: Vielheit, Maß und Lage, Bewegung, Verhalten und Verhältnis der Dinge untereinander unbedingt, so erscheint die ganze dingliche Außenwelt, alle Wirklichkeit unabhängig von dir, unabhängig von deiner Wahrnehmung und Empfindung. Was unbedingt scheint, bedingst du selbst; die Be-ding-ung ist in dir, daher die scheinbare Unbedingtheit. Dein Anteil an den Dingen schafft Ding und Eigenschaft der Dinge; der Dinge Anteil an dir ist dein Urteil und bist du selbst. Eigen Geschaffenes legen wir den Dingen bei und nennen es der Dinge Eigenschaften—eigen Gewirktes Wirklichkeit dieser Welt.
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Urteilendes Urteil ist nur wo eine Beur-teilung von Ding und Eigenschaft, wo eine Teilung im Urteil möglich ist. Ist eine Wahlentscheidung zwischen Möglichkeiten—eine Will-kür im Urteil nicht denkbar, das heißt: sind Zwei-fel, das heißt zwei Fälle im Urteil ausgeschlossen, so ist kein 'Urteil', so ist bloße Benennung oder erweiterte Einsicht—Ent-deckung—nicht Urteil—wie: Die drei Seiten eines Dreiecks, einer drei-geteilten Geraden entnommen, ergeben zusammengetan wieder die Gerade; die drei Winkel eines Dreiecks, dem drei geteilten Winkel einer Geraden entnommen, ergeben zusammengetan wieder den Winkel einer Geraden—nicht Urteil, sondern bloßes Ergebnis einer Drei Teilung und Wiederzusammenfügung der Drei Teilung; selbstverständlich—daher unwiderleglich, nichtssagend—daher widerspruchslos, gleichgültig—daher allgemeingültig, daher unbedingt, sachlich an sich erscheinend;— bloße Wiederholung des Selben, wie: 'zwei mal zwei gleich vier', das heißt: 'vier ist das Gleiche wie zwei mal zwei', bloße Umstellung oder Umbenennung, dieselbe Aussage mit andern Worten—fälschlich 'Urteil' genannt. Willenloses Urteil, 'Urteil in sich' ist undenkbar, schüfe ewig Unlösliches, schüfe sich selbst Aufhebendes—wäre sinnliche Gottheit —undenkbar.
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Dein Urteil wertet den Gegenstand. Was von Geschehen oder Dingen dir gleichgültig oder wertvoll erscheint, was zweckmäßig oder ziellos, unwiderleglich oder fraglich, vergänglich oder ewig, Zufall oder sogenanntes Gesetz—alle Wahrnehmung und Eigenschaft, unmittelbare Gewißheit oder bloße Benennung—alles außer dir Erscheinende ist aus dir hinausverlegte Vorstellung—sinnlich gewordene Ent-gegnung seelischer Bewegung in dir, Ausdruck deiner Anteilnahme, deiner Wertung, Abschätzung, Maß deines Verlangens—Widerschein deiner selbst. Die ganze Welt außer dir ruht auf Verlangen in dir— einheitliches Verlangen vom ur-teilenden Ich als eigener Zustand oder als fremder Gegen-stand auf gefaßt. Verlangendes Urteil—urteilendes Verlangen in dir ist weltzeugende Kraft—aus dir gezeugte Überzeugung—du selbst. In dir ist Ur-sprung—du selbst bist die in Raum und Zeit erscheinende, die wirkliche Welt; wie gäbe es in der eigenen Erscheinungswelt eine Erscheinung unabhängig von dir? Wie wolltest du die selbstgeschaffene Welt anders als in dir selbst erfassen? Du bist Herr und Maß, Gesetz und Schöpfer aller Dinge und deiner selbst. Was unergründbar bleibt ist unergründbarer Ursprung—Unauflöslichkeit ewiger Wahrheit bist du selbst.
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Ein Heer von Zweifeln stürmt auf dich ein—hoffe auf Erleuchtung —sei der Erleuchtung gewiß.
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Noch einmal: Alles Urteil ist nur in dir. Alles Urteil trägt sein gegen-Urteil unmittelbar und unablöslich in sich. Alles Urteil hebt sich mit gewechseltem Willen zu nichts auf. Urteil hat in sich, Urteil hat in dir keine Geltung, ist gleichgültig, gleich ungültig, bedeutungslos, sinnlos, leer, nichtig in dir, nichtig in sich. Du erkennst: Was du urteilend mit widersprechenden Namen belegst, ist willkürliche, in 'Gegen'teile auseinanderspaltende, an sich nichtige Unterscheidung in dir. Was von solcher Unterscheidung—in dir als Urteil—außer dir als Eigenschaft der Dinge erscheint, ist Kennzeichnung deiner Gegen-wart im Verlangen, Kennzeichnung deiner Beziehung zum gegen-Stand,—dein Standort, dein zu-Stand, dein ver-Stand. Urteil und Eigenschaft ist deine Empfindung und nach-außen- Verlegung—Auslegung deines innen-Befindens; deine Einbildung und Widerspiegelung deiner Einbildung, das ist Vorstellung; unbewußt-be-wußte Einbildung, bewußt-unbewußte Vorstellung—je nach deinem Wachsen oder Welken im Atem dieser Welt; Atem des Verlangens: Lust oder Unlust, Liebe oder Haß; je nach deiner Stimmung ist deine Bestimmung des gegen-Standes; je nachdem dir zu Mute ist, deine Zumutung an den Gegenstand; je nach deinem Verhalten dein Dafürhalten; je nach deinem Befinden ist deine Empfindung; je nach deiner Einstellung—deine Vorstellung.—Deine Auffassung, Beziehung, Gesinnung, Neigung, dein Werden-ver-werden schafft Urteil, Namen und Dinge. Eines ist, was du urteilend willkürlich scheidest; Eines, was du durch Willensgegensatz in dir zu Gegensätzen außer dir prägst— Willensgestaltung, dein Wille und was wider deinen Willen wieder dein Wille ist: Aus dir gewirkt, auf dich wirkend—Wirkung und Wirklichkeit dieser Welt—deine eigene Schöpfung—du selbst. Solches hast du klar erkannt.
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Es gibt kein Urteil an sich.—Aufgegangen in dir ist diese Erkenntnis; von solcher Erkenntnis vermagst du ferner nicht mehr abzuweichen. Bedeutungslos, wenn die verworren denkende Menge solcher Erkenntnis fern bleibt; bedeutungslos, wenn einsichtige und wohlwollende Männer vor solcher Erkenntnis zurückschrecken, wenn solche, die sich für Wissende halten, bisher nicht gleich dir erkannten; bedeutungslos, wenn solche Erkenntnis in keinem der zahllosen Geschöpfe dieser atmenden Welt aufgeleuchtet wäre—von Menschen keinem, von Göttern keinem—wenn du allein stündest mit solcher Erkenntnis—bedeutunglos; unerschüttert bleibt: es gibt kein Urteil. Urteil ist Wille, Wille ist Ich, Ich ist Urteil. Wie im ersten Samenerguß die ganze Menschheit ruht, so ruht alles Urteil im ur-Teil-Ich. Ich-Ur-Teil ist Ich-Urteil. Darum lehrt De-schin-scheg-pa, der Feindbesieger und heilig vollendete Buddha, daß alles Auffassen in der Ichheit ein Nicht-auffassen sei.
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Ausgelöscht sind die in Rede stehenden Begriffe, ausgelöscht alle dazwischen liegenden, alle verwandten Bezeichnungen, Beilegungen, Eigenschaften—ausgelöscht alles Urteil, alles An-sich sein dieser Welt. Alle Unterscheidung durch Urteil—Recht und Schuld, gut und böse, Lob und Tadel, schön und häßlich—Gebot, Verbot—bloße Namen, nur Worte die sogenannten ewigen Gesetze—müßige Fragen dem Wissenden. Ausgelöscht—vernichtet, worauf die Welt gebaut schien—Spiel deiner Seele, ein bloßes Bild, ein Traum—nicht ist Urteil, nicht sind diese Begriffe in Wahrheit. Solches hast du klar erkannt; von solcher Erkenntnis vermagst du ferner nicht mehr abzuweichen… es sei denn, daß du—über dieses hinaus—zu tieferer Einsicht zu gelangen vermöchtest.
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In deinem Herzen sind die Auseinandertretungen, in deinem Herzen ist Unterscheidung und Wandel der Unterscheidung, in deinem Herzen die Schöpfung dieser Welt. Du selbst schaffst Zeit und Raum, du selbst bist Willen und Kraft, in dir ist Tat und Duldung, Ursache und Folge, Freiheit und Notwendigkeit; durch dich ist Verstand und Urteil, Recht und Schuld, gut und böse, schön und häßlich, durch dich ist diese Welt. Du bist Verlangen und Tat, Gesetz und Richter, Herr und Knecht, Schöpfer und Vernichter deiner Welt, deiner Welt Leben und Atmen— Atma— Ausgelöscht, vernichtet, was unantastbar, was ewig schien—und nur Eines besteht: Ich! Ich und die Welt, die das Ich sich schafft— die Welt mit allem Heil und Unheil, mit aller Herrlichkeit und aller Qual, aller Hoffnung und Enttäuschung, aller Hoheit und aller Nichtigkeit—die Welt des Guten und Bösen. Keine Welt ohne Ich und Verlangen, keine Welt ohne Tat und Tat Widerstand, keine Welt ohne Lust und Leid, keine Welt ohne gut und böse. Untrennbar ist Böses von Gutem, untrennbar Gutes und Böses von Ich und Welt. Ursprung des Bösen ist Ursprung des Ich. Das Böse zu treffen, triff dich selbst. Darum sagt Omar, der Zeltweber: "Ich selbst bin Himmel und Hölle". Dies ist Lösung der Frage, um die du mich angingst—Ursprung des Bösen—Quell alles Guten—restlose Lösung!
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Es gibt nur Ein Böses in der Welt: die Ich-bin-heit— Selbstsucht, und alles was du Sünde, Knechtschaft, Leiden nennst, fließt aus ihr—Samsara. Es gibt nur Ein Gut in der Welt: Selbstlosigkeit—und Erlösung fließt aus ihr—Nirvana. Erlösung vom Bösen ist Erlösung vom Ich. Selbstsucht zu Ende gedacht ist Selbstlosigkeit. Sei selbstlos aus Selbstsucht. Gib alles auf um alles zu gewinnen; du bereicherst dich gebend, nehmend beraubst du dich. Es ist kein anderer Weg zum Gehen—der heilige Weg aus Schein zu Wahrheit, aus Nacht zu Licht, aus Tod zu Unsterblichkeit.
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Noch einmal durchdenke ich mit dir das Geschehen dieser Welt, die zwiefache in gegen-Teile zerfallende Beziehung des Ich zum eigenen gegen-ständlich auf gefaßten Gedanken—: ab-Stand der gegen-Teile von einander und ver-Stand der gegen-Teile zu einander; den Weg aus Standhaftigkeit zu ver-Ständnis, den Weg aus Blindheit zu Erkenntnis, den Weg aus dem Ich zum nicht-Ich. Zwischen Ich im eigen-Stand und Ich im gegen-Stand liegt die trennende Vorstellung—: nicht-Ich. Ich, vom Trugbild der Sinne geblendet, ver-kennt sich im gegenüberstehenden Ich—wie der Hund sich selbst im Spiegel anknurrt. Zwischen Ich und Ich klafft Spaltung, Zwietracht, Zwist, Kampf.
Ich hier: "ja, ich will dich!"
Ich dort: "nein, ich will dich!"
Verlangen lebt, wächst, übersteigt sich—fällt. Henker und Opfer kommen sich entgegen. Ich hier, wie Ich dort, wechselt in seinem Zustand, läßt von seiner Stand-haftigkeit, gibt wider-Stand auf, nimmt ab-Stand vom eigen-Stand, nähert sich seinem gegen-Stand, ver-stellt sich auf den Stand des Gegners, ver-ständigt sich mit ihm, ver-steht ihn—Ich hat Selb-ständ-igkeit aufgegeben, Ich hat ver-Stand gewonnen. Ich hier wie ich dort ändert mit geändertem Stand Ansicht und Willen; Ich ändert sich, Ich wird ein anderes. Ich wandelt in Zeit und Raum; Ich-Standort-Wandel wandelt das Ich. Fremder gegen-Stand wird durch ver-Stand zu eigenem zu-Stand. Ich hier wie Ich dort ist aus Raum in Zeit getreten, Eins mit seinem Gegner: kein Gegner mehr, keine Gegnerschaft, kein Widerwille, kein Widerstand, keine Tat. Ich hat sich durch ver-Ständnis im wider-Ich wieder erkannt—Ich hat Erkenntnis gewonnen, Ich hat im du sich selbst wieder gefunden. Raum entzweit, Zeit eint. Was im Raum geschieden ist, fällt in der Zeit zusammen. Was sinnliche Anschauung trennt, eint seelische Erkenntnis. Ich und Ich, von blinder Anschauung aus-ein-ander gehalten, fallen, sehend geworden in-ein-ander.
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Und noch einmal: Sittlichkeit ist Durchschauen der Erscheinung. Ich ur-Teil, in sich gespalten, von sinnlicher Vorstellung "nicht-Ich" geblendet, in zwei Ich gegen-ein-ander entzweit:
Ich hier: "Ich will Tat-Angriff gegen dich."
Ich dort: "Ich will Tat-Abwehr gegen dich".
Ich, durch seelisches ver-Ständnis sehend geworden, erkennt im nicht-Ich sich selbst,—das trennende 'hier und dort' ist fortgefallen—ver-ein-igt, ein-mütig, Ein Ich, ein-ig, eines Willens: "Keine Tat gegen mich selbst." Sich selbst im Anderen erkennend vermagst du nicht böse zu wollen.
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Wie ein Ich auf zwei Standorten im Raum in zwei Ich gegen einander entzweit ist, so sind zwei Ich in der Zeit auf Einem Standort zu einander vereint: Eines. Aller Zwiespalt durch Ich-da-Sein, durch Ich-bin-heit, asmita,— durch Selbstsucht; alle Eintracht durch ver-Ständnis, durch Erkenntnis —durch Selbstlosigkeit—das Geheimnis alles Geschehens, alles Werdens und Vergehens alles Lebens, alles Streites, alles Friedens, aller Sittlichkeit auf Erden—der Weg aus dem Ich zum nicht-Ich, der Weg zu Erlösung, der heilige Weg.
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Durch Ur-sprung in Ich und Ich: ist Ent-zwei-ung, Verlangen hier und Widerstand dort, Ein-tracht durch Erkenntnis. Geschlossen hat sich der Zwiespalt, ausgefüllt die Kluft, verraucht das Verlangen; der Streit ist begraben, aufgegeben Tat, Frieden gewonnen; erreicht aller Sittlichkeit höchst gepriesenes Gut, erstanden das Wunder: Selbstlosigkeit—Nirvana in Samsara.
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Durch ur-Sprung ur-Teil, sich abscheidend, unter-scheidet: Ich und Welt; unterscheidet da seiend: Zeit und Raum; unterscheidet verlangend: Wille und Kraft; unterscheidet wirkend: Tat und Duldung, Freiheit und Notwendigkeit, Lust und Leid; unterscheidet urteilend: gut und böse, Recht und Schuld, schön und häßlich; also in allen Dingen dieser Welt ur-Teil-gegen-Teil atmend wirkt s-Ich die Wirklichkeit, wirkt s-Ich das Verständnis dieser Welt. Alle unter-Scheidung durch ab-Scheidung im ur-Sprung; durch ur-Teil-ent-Scheidung alle ver-Schied-enheit; alles er-Schein-ende durch ur-Teils Urteil. Auf bloßen Worten beruhend die Vielheit, nur Namen—Eines ist es in Wahrheit. Sehend geworden erkennst du: Es ist der Welt, die dich lebt, Atmen. — atma —
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Geringes Verständnis lebt in uns Menschen. Vom Trugbild dieser Welt geblendet, irren wir, einer dürstenden Herde gleich, dahin und dorthin, blind gegen den Quell alles Lebens. Wo ist Erlösung?—Da, wo Erkenntnis ist. Sagt dir jemand: zu verwerfen sei diese Lehre, sie hebe den Unterschied zwischen Recht und Unrecht auf, sie preise nicht das Gute und verabscheue nicht das Böse, so antworte ihm: Diese Lehre lehrt über sinnliche Erscheinung hinaus—Seelen- Einheit—über menschliches Urteil hinaus—der Menschheit höchstes Ziel: Selbstlosigkeit. Selbstlosigkeit löst aus den Fesseln des Ich, aus den Fesseln nimmer gestillten Verlangens, aus nimmer gestillter Hoffnung, aus dem Kerker dieser Welt zur urewigen Heimat. Und gewiß! Fest gefügt ist der Grundbau dieser Lehre, unerschütterlich, auf dem Grunde, der unsre Welt trägt. Ist das Eine, so ist das Andere—untrennbar; untrennbar Erlösung von dieser Lehre vollem Erleben. Nicht an vergänglichem Werke wirke ich, in der Gottheit Tiefen ruht die Lehre, Menschen im Körper schier unergründlich— unergründlich. Ehernes Tor der Erkenntnis—erlösende Wahrheit.
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So lautet in âranâda-upanishad der fünfte adhyâya: manas, Verstand und Urteil; nunmehr: buddhi, Erwachen.
VI. ERWACHEN AUS DER ERSCHEINUNG — buddhi —
Zu dem, was ich dir noch vom Kreislauf der Erscheinung zu sagen gedenke, o Teurer, erfasse wohl: Auf Einem Gedanken ruht wovon ich dir rede—Samsara; auf Umzulangen im Ur-sprüng—auf Verlangen ruht diese Welt. Eines ist, was wir, in dieser Welt erwachend, rastlos suchen; Eines, was wir, in irdischer Anschauung befangen, vielheitlich schauen; Eines nur, was wir mit zahllosen Worten benennen; alles Geschehen und alle Gestaltung, aller Geschöpfe und aller Welten all-einiger Gedanke: — Verlangen — Verlangen, dem Ursprung entquellend, Verlangen nach Überbrückung der Kluft, Verlangen nach Wiedervereinigung—unserer Leben Sinn und aller Welten Ziel: Verlangen nach Erlösung.
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Was ich dir von tiefer Erkenntnis verkündige, besitzt die Menschheit nicht, und nicht überliefert wurde mir die Lehre aus der Gemeinschaft hoher Meister—: den Sinnen entrückt, der Gedankenqual entronnen, in wunschloser Allhingebung versunken—fand ich mich erleuchtet. Erkenntnis trat zu Tage, wuchs und erstarkte. In solche Erkenntnis weihe ich dich ein; von solcher Erkenntnis getragen erachte dich auf rechtem Wege—du nahst den Wissenden.
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All-ur-sprung: ur-Teil und gegen-Teil; aus solcher Ent-zwei-ung—: ver-Langen nach Ergänzung; aus solchem Verlangen—: Tat; aus Tat-widerstand—: Erkenntnis — BUDDHI — aller Welten Hoheziel!—Erfasse den großen Gedanken, ehe deine Lippe ihn ausspricht— —Erwachen der Menschheit—
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Wer sein Heil im 'Ich' sucht, dem ist Selbstsucht Gebot, dem ist Selbstsucht Gottheit. Wer sein Heil in dieser Welt sucht, der bleibt dieser Welt verfallen; dem ist kein Entrinnen aus ungestilltem Verlangen; dem ist kein Entrinnen aus nichtigem Spiel; dem ist kein Entrinnen aus den engen Fesseln des 'Ich'. Wer sich aus dieser Welt nicht erhebt, der lebt und vergeht mit seiner Welt. Wem die Gnade des Ishvara das Auge geöffnet hat, der durchschaut diese Welt. Wer diese Welt durchschaut, der ist für diese Welt verloren. Darum ist Erkenntnis Enttäuschung, darum ist Erkenntnis Erwachen. Erwachen ist Erlösung—Erlösung ist Vollendung in Gottheit. Davon ist gesagt: "Erkenntnis—und einen andern Weg hat der Mensch nicht."
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Hüte das Urerbe—dir zum Heil und allen denen, die auf Erden mit dem Tode ringen.
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Also ist die Unterweisung: Aus Sinnes-wahr-nehmung wird, was du Wirklichkeit dieser Welt nennst. Was deinen Sinnen wirklich wahr scheint, ist deinem Nachsinnen hinfällig; was deinen Sinnen standhält, flieht vor deinem Besinnen, mündet, sich selbstwidersprechend, in Widersinn, und nur in sinnlicher Auffassung scheint Sinn in der Welt. Und gewiß: wäre letzter Sinn in der Erscheinung, so wäre Erscheinung Wesen. Sinneswahrnehmung in dir ist rings um dich sinnlich begrenzt. Grenze deines Schauens ist der Gegenstände sinnlicher Widerstand— Seele der Dinge bleibt deinen Sinnen ewig unnahbar. Wie ein Strom Ufer von Ufer trennt, so trennt sinnliche Anschauung Seele von Seele; und wie du von Ufer zu Ufer auf unsicher schwankender Fähre gelangst, so gelangt Seele zu Seele durch blind suchende Sinne; und wie ein mächtiger Strom jenseitiges Land völlig deckt, so decken zügellos stürmende Sinne alle Seele außer dir. Irdische Wahrnehmung ist der Blindheit vergleichbar—was wir hier in Gestalten und Farben gläubig schauen, ist nicht die Welt, Samsara zeugt blinde Kinder.
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Maya! Es scheint, es stellt sich dar, es mutet dich an, dich gelüstet danach und du erliegst der Lust.—Von gleißender Erscheinung geblendet, suchst du unsicher tastend dein Ziel, taumelst Wahnbildern folgend, von Trug zu Trug—wahrlich einem Trunkenen vergleichbar. Und wie ein Trunkener unter den Hufen einer Büffelherde sich im Paradiese träumt, so träumst du trunken von Sinneslust ein erlogenes Glück—die ewige Lüge! Verlangen in dir ist der Seele Verlangen nach ewigem Ziele; Sinneswahrnehmung in dir hält dich in vergänglicher Erscheinung zurück. Die Erscheinung ergreifend, bist du ergriffen—Seele in den Fesseln der Sinne. Darum sagt Maitrâyana Upanishad: "Seele von den Gegenständen überwältigt." Darum sagt man: sich ernüchtern, wieder zu sich kommen, sich auf sich selbst besinnen. Darum lehrt der Erlauchte: "Unterscheidung des Wandelbaren vom Unwandelbaren, des Ewigen vom Vergänglichen, Unterscheidung des Wesens von der Erscheinung."
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Unabsehbare Kluft, unlöslicher Widerspruch uns irdisch Schauenden zwischen Erkenntnis und Anschauung; Torheit, ewiges Ziel in vergänglicher Erscheinung zu suchen. Daraus sinnloses Hasten und Irren, endloser Wechsel, unablässige Erneuung; daher die Unbeständigkeit, die Friedlosigkeit, die Vergänglichkeit alles Irdischen, daher die Unsinnigkeit steter Wiederholung alles Geschehens, aller Gebilde, aller Gedanken—ein rastloser Kreislauf von Hoffnung zu Enttäuschung. Darum die Unzulänglichkeit, das Stückwerk, die Unvollkommenheit aller Dinge; die Unwiederbringbarkeit der Zeit, die Unüberwindbarkeit des Raumes; darum des Hohenzieles Unerreichbarkeit, des Zweifels Unstillbarkeit, die Trostlosigkeit, die Widersinnigkeit, Verruchtheit dieser Welt. Diese Welt ist für Kinder und Wölfe, und so sehr sind wir Kinder und Wölfe, daß wir uns in solcher Welt gefallen! Der Welt Lust ist Fraß, der Welt Lohn ist Trug, der Welt Ziel ist Vernichtung—und du solcher Welt williger Sklave. Ist Lust Frieden? Und ist nicht verlorene Lust Schmerz? Und wäre nicht dauernde Lust Qual? Und schließt nicht Lust Seeligkeit aus?— Wagst du es zu widersprechen?—Was auf Erden vermöchte Verlangen nach dem Höchsten zu stillen?—Verlangen nach Gottheit.
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Das Gepräge dieser Welt ist Vergänglichkeit.
Was von Gedanken und Dingen dieser Welt lebt, atmet in Einhauch und Aushauch, aus Entstehen zu Vergehen. Alles Werden durch Absonderung, durch Abstammung, durch Verzweigung, durch Spaltung, durch Unterscheidung von einander. Alle Empfindung und Wahrnehmung durch Abstand; alles Wollen und Tun durch Gegenstand und Widerstand. Ich-nicht-Ich-bewußtsein durch Anstoß und Hemmung; Leben und Dasein durch Wandel—nichts was unverändert, nichts was beständig, nichts in Frieden im Himmel und auf Erden. Samsara ist Wechsel; wer Frieden im wechselnden Samsara sucht, der ist betrogen; Frieden kann nur zu Unfrieden wechseln. Dieser Welt Bestand durch Gegen-stand, dieser Welt Sinn durch Gegen-sinn; darum dieser Welt Wider-spruch und Wider-sinn; darum dieser Welt ruheloser Kampf; darum dieser Welt Vergänglichkeit. Entzweiung will Paarung, Ansammlung will Auflösung; weil Entstehen ist, darum ist Vergehen; weil Verschiedenheit ist, darum ist ein Verscheiden; weil Leben ist, darum ist Tod. Alle Erscheinung ist durch Ur-sprung, durch Entzweiung in Gegensatz, und aller Gegensatz will Ausgleich. Was durch Entzweiung aus Einheit entspringt, endet in Einheit. Wie alles Urteil in seinem Gegenurteil sich auf hebt, wie aller Gedanke, zu Ende gedacht, durch seinen Gegensinn in sich selbst zurückkehrt, so kehrt alle Erscheinung in sich selbst zurück, sich selber aufhebend. Alle Wirklichkeit hält stand, so lange du Befriedigung im Wirken suchst, solange du, selbst Erscheinung, sinnliche Erscheinung wahr-nimmst, solange du an die Wirklichkeit dieser Welt glaubst. Erscheinung, durchschaut, hält nicht stand, verblaßt, zerrinnt, geht zugrunde, geht auf den Urgrund zurück. Wirklichkeit, als Schein erkannt, wirkt nicht mehr, ist nicht mehr wirklich—vergangen wie ein Traum, der beim Erwachen zu nichte ward.
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Was dir als gegenständliche Welt erscheint, ist nicht an sich; was du Wirklichkeit nennst, ist zu sinnlich anschaulichen Bildern gewordener Gedanke in dir—ist dein träumendes Verlangen, die unermeßliche Kluft zu überbrücken, der weite Irrweg zur ewigen Heimat. Die Gestaltung dieser Welt ist dein; Wirklichkeit folgt deinem Gebot—Wahr-nehmung in dir ist Be-dingung; das heißt: was du von Erscheinung für Wahrheit nimmst, gewinnt Gestalt, wird zu wirklichen Dingen. Du er-innerst dich aus zeitloser Vergangenheit—du er-innerst dich aus raumloser Nähe und Ferne—du ver-gegenwärt-igst dir aus seelisch ewiger Gegenwart sinnlich gegenwärtige Erscheinung. Deine Einbildung wird Vorstellung: das Verlangen in dir hat sinnliches Da-sein gewonnen, was du wirklich wahr nennst, hat sich geschaffen. Die gewaltige Welt ist aus deiner Empfindung geboren, deine eigene Schöpfung—du selbst.
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Dies wunderbar Einfache wird von Unmündigen widerstrebend erfaßt —volles Erleben hiervon ist nur dem Erwachenden beschieden.
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Was aus Ursprung dieser Welt lebt, lebt zwiefach: lebt als Empfindung in dir, lebt als Bewegung außer dir; Bewegung im unendlichen Raum—und Empfindung solcher Bewegung in ewiger Seele—: die also erscheinende Welt. Bewegung aus dem Raume trifft dich—du wirst der Bewegung inne. Inne-werden der Außen-bewegung ist Empfindung in dir; Auslegung dieser deiner Empfindung ist dir Bewegung im Raum. Empfindung: ver-inner-lichte Bewegung; Bewegung: ge-äußer-te Empfindung. Was aus-wendig Bewegung ist, ist in-wendig Empfindung. Äußerer Gegenstand schafft inneren Zustand; innerer Zustand schafft äußeren Gegenstand. Bewegt empfindest du—empfindend bewegst du. Seelische Empfindung von dir aus-gelegt, wandelt sich außer dem Bereich deiner Seele zu sinnlich anschaulicher Bewegung. Empfindung aus dir hinausverlegend, stellst du vor; vorstellend wirkst du; gegen-ständlich Vorgestelltes ist Gegenstand; Gegenstand widersteht; Widerstand ist Wirkung auf dich. Dein eigenes Werk, aus dir gewirkt, ist Wirklichkeit und wirkt auf dich zurück.
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Die Seele wird von äußerer Bewegung innen bewegt; die innen bewegte Seele bewegt nach außen. Du empfindest in dir, das heißt: du bewegst außer dir. Was du zeitliche und räumliche Ferne nennst, ist sinnlich befangene Auffassung; Seele wirkt außersinnlich, Seele wirkt seelisch, über Zeit und Raum hinaus.—Eines ist Auslegung deiner Empfindung und Rückwirkung des aus dir Hinausverlegten— Zusammenfließen der Seelen—Seele der Dinge—eigene Seele— Überbrückung des Ur-sprungs. Je nach Vorwiegen seelischer oder sinnlicher Auffassung im Ich scheint Empfindung oder scheint Bewegung, scheint eigener Zustand oder fremder Gegenstand, ist gedankliche Ein-bildung oder anschauliche Wahrnehmung, das ist: allen deinen Sinnen faßbarer Körper—der Gedanke ist leib-haftig geworden; Eines ist Gedanke und Sichtbarkeit des Gedankens. Angeschaute Gedanken sind Körper. Davon sagt Patandschali: "Körpererscheinung wird durch Wandlung der Auffassung im Ich." Davon sagt der Buddha: "Wie ich aus einem Schilfrohre den Halm ziehe—hier das Schilf—dort der Halm, so bilde ich aus diesem meinem Leibe nach dem Willen meines Herzens einen anderen Leib, mit allen Gliedern versehen und mit Gefühl begabt." Der verlangende Gedanke zu Fleisch und Blut geworden.
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Es scheint, als sei in dir seelische Empfindung, es scheint, als sei außer dir seelenlose Bewegung; deiner Seele Empfindung, deinen Sinnen Bewegung—Gegensatz und Einheit. Was sinnlich als Gegensatz erscheint, wird seelisch als Einheit erkannt. Was blindem Schauen durch unüberbrückbare Kluft getrennt scheint, unvereinbar und unlösbares Rätsel, ist Eines; Eines, was deinen Sinnen Bewegung, deiner Seele Empfindung ist—je nach sinnlicher oder seelischer Auffassung unterscheidende Benennung, ununterschieden in sich, zwei Worte für das Selbe—: Verlangen in dir. Und wie du in deinem eigenen, einheitlichen, ungespaltenen Verlangen Widerwillen von Willen unterscheidest, beides in dir, beides Eines—du selbst, so unterscheidest du Bewegung von Empfindung, bei des in dir, beides Eines—du selbst. Alle Empfindung ist Bewegung, alle Bewegung—Empfindung; Beid-einheit, seelisch-sinnlich geschaut. Empfindung in dir und die Welt ist bewegt; du durchschaust die Bewegung und still stehen alle Sonnen und Erden, und es empfinden alle Sonnen und Erden, ruhelos Ausgleich suchend.
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Ich ist Ur-sprung. Nichts dieser Welt, was sich nicht im Ich willig-un-willig schafft, zwiefach in Zeit und Raum. Aller Inhalt des Ich durch Gegen-sinn in sich, durch Gegen-stand zu sich. Die ganze Welt im verlangenden, im unter-scheidenden, im ur-teilenden, im ent-zweienden, im ent-zweiten Ich. Ich außer sich verlangend, spaltet in sich selbst, spaltet im Urteil, Wollen und Tun: bejahend verneint Ich, wollend en-will Ich, liebend haßt Ich. Kein Tun ist einwertig. Du vermagst dich keinem Dinge zuzuneigen, ohne dich einem anderen Dinge abzuneigen. Zuneigend neigst du dich ab, abneigend neigst du dich zu. Alle Zuneigung ist Abneigung, alle Abneigung ist Zuneigung. Du bejahst den Satz und verneinst damit den Gegensatz. Du glaubst Eines zu tun und tust zweierlei—: ewiger Zwiespalt, ewiger Ur-sprung in dir selbst. Kein Geschehen, kein Ding, kein Wort, kein Gedanke ist eindeutig. Mit deinem Leibe neigt sich deine Seele. Neigung ist körperliche Bewegung, Neigung ist seelische Empfindung. Neigung deines Leibes ist Neigung deiner Seele; seelische Neigung erscheint deinen Sinnen als Körperbewegung; Körperbewegung ist in dir als seelische Neigung wach. Neigung ist seelisch und sinnlich zugleich. In einem Worte ist Einheit von Zuneigung und Abneigung, Einheit von Empfindung und Bewegung, Einheit von Leib und Seele. Im einheitlichen Worte liegt sich selbst aufhebender Gegensinn: Ich und du, innen und außen, hier und dort, Zustand und Gegenstand, Zeit und Raum, Gedanke und Tat, Seele und Sinnlichkeit, Unfaßbares und greifbare Wirklichkeit; in einem Worte Anziehung und Abstoßung, Aufflammen und Verlöschen, Lust und Leid, Himmel und Hölle, Leben und Tod. In jedem Worte spiegelt sich zerfallene Einheit. Gegensinn im einheitlichen Wort—Einheit gegensinnlicher Worte ist Lösung nie gelöster Rätsel, Lösung nie gelösten Widerspruchs; törichter Streit durch Jahrtausende—: Allgottheit, Göttervielheit; Gutes und Böses in Gott; Wesenseinheit oder Doppelwesen der Welt; Weltgeist oder Weltenstoff; Allseele oder Seelenvielheit; Ursächlichkeit oder Selb-einheit; Zweck oder Zufall; eherne Naturgesetze oder freie Schöpfung—wie auch Irrende die seelisch sinnliche Kluft benannt haben mögen—müßige Fragen dem Wissenden, Lösung aller Gegensätze, Lösung des Widerspruchs dieser durch Widerspruch werdenden Welt.
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Und ferner, o Teurer, Lösung nie gelöster Rätsel—: das Wunder der Verkörperung. Es offenbare sich dir, aus welchen Tiefen solche Lösung fließt und der Weg zu Erlösung. Du fühlst dich Körper, du weißt dich Seele. Du empfindest dich selbst unmittelbar, du schaust aus dir mittelbar durch Sinne. Deine Sinne nehmen sinnlich wahr; Seele in dir nimmt sinnlich Geschautes für wahr. Auf fünffach verschlungenen Sinnenwegen suchend, seelenblind für alle Seele außer dir, verkennst du alles, was du nicht selbst bist und dich selbst. Du begreifst die ganze Welt sinnlich; du nimmst dich selbst sinnlich wahr. Also seelenblind schauend glaubst du dich von Allseele abgeschieden, vermagst abgeschieden Erachtetes nicht mehr seelisch zu dir zu einen. Was du nicht mehr als eigen erkennst, deuten deine Sinne als außer dir; du vermagst, was dir außen dünkt, nicht anders als fremd, als räumlich dir gegen-über-stehend, als gegen-ständlich zu dir aufzufassen; du kannst, was du nicht selbst bist, nur als Gegenstand schauen. Alles nicht-Ich muß dir Ding und Körper sein.
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Also sieht Seele kraft ihrer Sinne Körper; also ist Seele sinnlich erfaßt: Körper. Also sind Körper: Körper durch wahrnehmende Sinne—Körper durch Verkörperung der Seele, zwiefach Eines. Empfindend bist du Seele, empfunden Leib; be-seelter Körper— verkörperte Seele. Sinnliche Gestalt ist seelische Gestaltung, leibliche Zeugung—seelische Über-zeugung; Beid-einheit—: Gedanke leibhaftig geworden, dein schaffendes Verlangen. Du verlangst und es wird Ding und Bewegung, du verlangst und es ist Empfindung und Seele: —gottabgewandt: Welt—weltabgewandt: Gottheit genannt. Alles was dir als Wirklichkeit erscheint—welche Namen es auch trage—ist Seele, von Seele in dir sinnlich erfaßt. Seele—alles andere Sinnenmitgift. Alle Gestaltung Seele, alle Gebilde in die Sinne fallende Erscheinung—Sinn-bild der Seele—Seele im Bannkreis der Sinne—Seele in irdischer Umhüllung—in Sinnenwelt versunkene Gottheit. Nur für irdische Augen ist diese Welt—Samsara; seelisch durchschaut versinkt die Erscheinungswelt deinen Sinnen; nur für seelisches Schauen ist Erlösung—Verklärung der Welt—der Seele Seeligkeit—Nirvana.
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Raum-zeitlose Seele in zeit-räumlicher Welt. Im unendlichen Raum alles zeitlos; in ewiger Zeit alles raumlos. Ohne Raum ist alles im Laufe der unendlichen Zeit; ohne Zeit ist alles im unendlichen Raum. In der Zeit ist die Gegenwart—ohne Dauer, und nur im zeitlosen Gedanken zu fassen. Im Raum ist der Punkt—ohne Ausdehnung, und nur im raumlosen Gedanken zu fassen; in Zeit und Raum erscheinende Körperlichkeit ist endlos teilbar, also körperlos und nur in Gedanken zu fassen. Urteil von Zeit—nicht Zeit; Urteil von Raum—nicht Raum; Urteil von Körper—nicht Körper. Das letzt Denkbare von Zeit, das letzt Denkbare von Raum, das letzt Denkbare von Körper ist Gedanke im Ich. Das letztdenkbare Urteil der Welt ist Ich-urteil. Im Ich ist Bindung und Lösung dieser Welt. Ich, erscheinend, ist Zeit in Raum, ist Empfindung in Bewegung, Willen in Kraft, Ursache in Wirkung, Freiheit in Notwendigkeit, Selbigkeit in Ursächlichkeit, Seele in Leib, Wahrheit in Täuschung, Wesen in Schein.—Denkt die Welt, so denkt sie: Ich. Zeiteinbildung, Raumvorstellung, Körperwahrnehmung—die Welt— entspringt und endet im Ich. Ich-gegenwart ist Zeitewigkeit, ist Raumunendlichkeit, ist Körper und Wirklichkeit. Zeit-räumliches Ich aus raum-zeitloser Seele. Davon ist gesagt: >>das Weltall hat nur in mir Bestand.<<
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Ich ist ur-Teil im entzweienden Ursprung der Welt. Ich ur-Teil, vom All abgesondert—un-zu-langend—ver-langt zum All zurück; darum ist Ich Verlangen. Ich ist ungestilltes Verlangen; Ich ist unstillbares Verlangen; Ich ist nur durch Verlangen. Ich, sich selbst wollend, muß Alles zu sich wollen, so lange Ich—Ich ist. Ich ist worin Ich erwacht. Ich ist was sich im Ich bewußt wird, was Ich sich einbildet, was sich im Ich bildet, was Leben im Ich gewinnt nennt sich Ich. Ich-inhalt erachtet sich für »Ich«. Ich ragt über sich hinaus: Ich ist was Ich wollend umfaßt, was Ich nicht wollend umfaßt, was Ich wollend nicht umfaßt; Ich ist soweit Ich-auffassung reicht. Kein Ich, wenn nichts umfassend; kein Ich, wenn allumfassend. Ich entspringt, Ich endet im Verlangen; Ich wechselt in sich mit seinem Verlangen; Ich wechselt in sich mit wechselndem Gegenstand; mit anderem nicht-Ich ist anderes Ich. Ich besteht ohne eigenen Bestand—ewig neu geborene Gegenwart, ewig erneute, ewig vernichtete Selbstherrlichkeit; das ewig Vergängliche aus dem ewig Unvergänglichen. Der Glaube, als habe das Ich ein Sein in sich, schafft Ich, erhält Ich, endet mit Ich—ein Nichts, das Alles ist. Ich ist Teil, so lange es sich Teil glaubt. Gibt Ich sich auf, so ist Ich alles.
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Ist Einbildung Ich, so ist Vorstellung nicht-Ich. Alles Ich baut sich auf am nicht-Ich; am nicht-Ich-gegen-stand findet Ich seinen Rück-halt; durch Wider-stand gegen alles nicht-Ich ist das Ich. Ich lebt nur durch Gegensatz—durch Gegensatz zu sich: Raum, durch Gegensatz in sich: Zeit. Verlangend einigt Ich allen räumlichen, allen zeitlichen Gegensatz in sich. Ich, alles nicht-Ich zu sich anziehend, stößt alles nicht-Ich von sich ab. Verlangend schwankt Ich von s-Ich zu nicht-Ich, von nicht-Ich zu s-Ich zurück. Ich verlangen spiegelt sich im nicht-Ich; nicht-Ich wirft das Ich verlangen zurück. In dem Maße wie Ich verlangt, widersteht das nicht-Ich dem Verlangen; in dem Maße wie Ich zu sich verlangt, wird Ich vom nicht-Ich verlangt—Ergreifend, ist Ich ergriffen. Also ist zwischen Ich und Ich Anziehung im Verlangen; also ist zwischen Ich und Ich Abstoßung im Verlangen; also ist Verlangen Anziehung und Abstoßung zugleich; also hält Verlangen Ich und Ich auseinander; also ist Verlangen nach Vereinigung zu sich Hindernis der Einigung—das Verbindende ist das Trennende. Ich will das All zu sich, enwill sich zum All— weltschöpferischer Irrtum.
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Ich überträgt sich ins nicht-Ich. Verlangend tritt Ich aus sich hinaus, langt außer sich, ist nicht mehr bei sich, ist außer sich, ist in seinem Gegenstand—Ich im nicht-Ich. Ich weiß nur von sich; Ich empfindet immer nur sich selbst; s-Ich einbildend stellt Ich s-Ich vor; vorstellend faßt Ich sich selbst gegen-ständlich auf. Wie Ich sich im gegen-Stand empfindet, so empfindet Ich den Gegenstand. Gegenstand dem Ich ist Ich im gegen-Stand. Soweit Ich den Gegenstand empfindet, soweit ist Zerklüftung im Ursprung überwunden, soweit ist das Empfindende und das Empfundene Eines. Die Empfindung ist das Empfundene. Ich-zu-stand im Gegen-stand nennt sich selbst mit anderen Namen. Ich verkennt sich im du—wie ein Hund sein eigenes Bild im Spiegel anknurrt. Eines ist Zustand und Gegenstand. Eines ist Ich und du— Einheit in sich, in dir unterscheidende Namen. Im Verlangen liegt Ich und nicht-Ich; im Verlangen fällt Ich und nicht-Ich aus-einander. Was Ich verlangend nicht will, will nicht Ich, will ein nicht-Ich—"ich will nicht" das heißt: "du willst". Ich und Ich—zerfallene Einheit, geschaffen und auseinander gehalten durch blindes Verlangen. Davon ist gesagt: "ich bin du".
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Alles was außer Ich ist, ist aus Ich. Alles nicht-Ich beginnt und endet im Herzen des Ich. Wie im Willen Unwillen liegt, so liegt im Ich das nicht-Ich. Ich will durch Willen und Unwillen; Willen wie Unwillen ist Ich-verlangen. Willen wie Unwillen hat dasselbe Ziel. Ich-loser Wille undenkbar; ziel-loser Wille, Wille ohne Gegen-stand des Wollens undenkbar. Ich will durch Bejahung und Verneinung: sogenannte Verneinung des Willens ist Bejahung geänderten Willens—das Eine Verlangen bei gewechseltem Ziel. In sich verneinen heißt außer sich bejahen; in sich vernichten heißt aus sich hinaus schaffen; aus sich hinaus schaffen heißt außer sich schaffen. Unwillig aus dir Entlassenes weicht aus dem Bereich deiner Seele, fällt in den Bannkreis deiner Sinne, tritt, selbständig geworden—ein eigenes Ich—dir sinnlich gegenüber. Abstoßung im Ich ist das Abgestoßene, ist aus eigenem Zustand geschaffener Gegen-stand. Das Angezogene ist im Ich Anziehung; das Angezogene ist Gegenstand im Zustand Ich: —Verlangen im Ich ist das nicht-Ich— Verlangen vom Ich ausgesprochen, vom nicht-Ich, dem Widerschein des Ich, 'wieder' ausgesprochen, das ist 'wider'sprochen, sieht sich selbst gegenüber, tritt sich selbst entgegen, ist sich selbst Gegenstand des Verlangens. Die Welt sich selbst wollend—darum ist Welt.
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Das Außereinander von Ich und Welt ist Erscheinung; das Durchschauen des Scheines ist Erlösung.—Verlangen im Ich ist das nicht-Ich; Verlangen im Ich ist die sich schaffende Welt; alles Geschaffene erkennt sich im erkennenden Ich. Kein Ich ohne Welt; das Verlangen in dir schafft die Welt, darum ist die Welt dein Verlangen; darum verlangt dich nach der Welt. Die Welt wird und wirkt wie du, verlangend, die Welt wirkst. Die Welt ist, so lange du an dich und deine Welt glaubst—mit dir entsteht, mit dir vergeht deine Welt. Keine Welt ohne Ich—: Ich geht in der Welt auf, die Welt geht im Ich auf; darum lösen sich vom Ich aus alle Fragen dieser Welt—: endlos wechselnde Namen endlos wechselnden Verlangens in dir— Widerschein deiner selbst—Und die ganze Welt erlangend, erlangst du dich selbst—nichts mehr. Verlangen ist Gedanke in dir; denken heißt urteilen, urteilen heißt zeugen. Dein Gedanke ist Dasein, dein Glaube ist Schöpfung, deine Überzeugung ist Zeugung. Eines ist der Schaffende mit dem Geschaffenen, Eines ist Ich und Welt. Davon ist gesagt: "der, fürwahr, baut aus sich diese ganze Welt— und ist ihre Vernichtung, der solches weiß." Du schaffst die Welt, die Welt schafft dich—schafft sich in dir. Die Welt sich selbst schaffend, sich selbst schauend, sich selbst verlangend, sich selbst vernichtend.
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Vielfach ist in Suchenden der Gedanke aufgestiegen, in Erkenntnis suchenden Weisen mancher Völker alter und neuer Zeiten; ausgesprochen hat die Lehre von den Gegensätzen Bhagavad-gîta-upanishad mit deutlichen Worten, aber unverstanden von der Menschheit blieb die Erkenntnis, unerkannt in ihren Tiefen: "Alle Geschöpfe dieser Welt lassen sich vom Trugbild der Gegensätze betören, die sie, liebend oder hassend, sich selber schaffen."
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Uraltes Wissen, o Teurer, verkündige ich dir wieder, Lösung nie gelöster Rätsel, Lösung des Weltwiderspruchs; der Erkenntnis Urgrund, die Lehre vom Gegensinn in der Erscheinung—dvamdva-vidya—die Lehre von der sich selbst aufhebenden Welt.
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Also ist die Unterweisung: Weltursprung—durch Ur-sprung: Ent-zweiung in ur-Teil und gegen-Teil, Ich und nicht-Ich. Weil durch Ur-sprung Kluft ist, darum steht alles dieser Welt ein-ander unerkannt gegen-über, darum ist alles dieser Welt durch Gegen-sinn, darum sieht alles dieser Welt einander als Gegen-stand, darum ist Widerspruch in der Erscheinung endlos, darum ist ewiger Kampf Davon ist gesagt: "Zweiheitlich ward All-Einheit, Wahrheit und Täuschung an sich zu erleben." "Ich weiß warum die Welt ist: Gott wollte leiden".
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Gegenteile schaffen sich aus-ein-ander, Gegenteile heben einander auf; Gegenteile scheinen endlos weit von einander, Gegenteile berühren einander; Gegenteile fallen, auseinander tretend, in einander; wie Ost und West auseinandertretend im Rücken der Erde ineinanderfallen, wie West im Osten, wie Ost im Westen wiederkehrt; wie Ost zu Ende gedacht zu West wird und West zu Ost; wie aller Gedanke zu Ende gedacht, durch seinen Gegensinn hindurch in sich selbst zurückkehrt—der geraden, nach durch messenem All in sich zurückkehrenden Linie vergleichbar. Wie farbloses Licht in Gegenfarben zerfällt, wie Gegenfarben, vereint, einander zu Farblosigkeit ergänzen, so ergänzen aus-ein-ander gefallene Gegenteile, vereint, einander zu nichts. Aller Gegensatz ist den Gegensätzen an einer Kugel vergleichbar; Vergleichbar den Gegensätzen eines im Kreise schwingenden Pendels. Aller Gegensatz dieser Welt erscheint durch wechselndes Urteil sinnlicher Wahrnehmung—bloße Auffassung im Ich. Mächtig bewegte Sterne stehen deinen Sinnen still; still stehende Sterne siehst du mit dem Himmelsgewölbe mächtig über dir bewegt.— Savitar hebt sich aus dem Meere: du schaust Sonnenaufgang; was dir Sonnenaufgang ist, ist Anderen Sonnenuntergang; was dir oder Anderen Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang, ist weder Aufgang noch Untergang —Savitar strahlt ewigen Tag. Indessen du die Sonne steigen siehst, sehen andere dieselbe Sonne fallen; es vermag die Sonne nicht zu steigen ohne zu fallen, vermag nicht zu fallen ohne zu steigen, steigt und fällt zu gleicher Zeit—steigt weder noch fällt.—Innere Erden scheinen im rechten Laufe umzukehren; Wandelsterne und Monde, Sonnen und Erden, nach überstiegenem Höhepunkt, werden rückläufig. Kein Gegensatz im rechten Laufe, keine Umkehr, kein Rücklauf—irriges Urteil vom wechselnden Standort des irrig schauenden Ich. Ich, zeiträumlich atmend, wechselt Standort, Ansicht, Urteil. Durch Ich-urteil-wechsel ist Gegensatz. Ur-teilend schafft Ich in sich zeitlichen Gegensatz—außer sich räumlichen Gegensatz. Wechselndes Urteil im Ich zeugt für Gegensinn im Einheitlichen— zeugt für Einheit im Gegensatz. Aller Gegensatz geht auf—wird und vergeht—im Ich; Ich schafft, Ich vernichtet allen Gegensatz. Nur in einem 'Ich' ist Willenswechsel, nur in einem 'Ich' ist Urteilsgegensatz; mit aufgehobenem 'Ich' ist aller Gegensatz aufgehoben. Scheinen Gegensätze, so ist Einheit. Ist das Eine Gegensatz des Anderen, so ist das Eine gleich dem Anderen—so ist weder das Eine noch das Andere.
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Raum-anstoß ist Zeitfolge: Wechselt Ich aus sich hinaus, so empfindet Ich durch nicht-Ich räumliche Wider-stand-wirkung, das ist—: wirklicher Gegensatz. Durch Widerstand Empfindung wechselt Ich in sich zeitlich eigene Empfindung, das ist—: eigentlicher Gegensatz.—Ur sache aus mir —Wirkung auf mich: Ich-m-Ich; wirklich räumlicher—eigentlich zeitlicher Gegensatz.—: Beid-einheit.—Raumanstoß ist Zeitfolge. Durch Zerfall im Ur-sprung: Urgegensinn; das ist sinnlich- seelische Auffassung in Ich und Ich. Eines ist innen und außen, Eines Ursache und Wirkung, Eines Zeit und Raum, Eines eigentlich und wirklich, Eines Bewegung und Empfindung, Eines Seele und Leib, Eines Ich und nicht-Ich—: durch Ich-ur-Teil, das ist durch Ich-Urteil sinnlich geschaffene Teilungserscheinung—Ur-sprung im Ich. Dvamdva—: aus Einheit Ich gezeugte gegen-Teile, Gegensinn und Gegenstand, Gedanken und Dinge gegenseitig gezeugt, gegenseitig gepaart; Hälften, die getrennt, einander zu nichts aufheben; die vereint, einander zu nichts ergänzen; Eigenschaffungen, die durch Spaltung sind und nicht sind—getrennt und vereint nicht sind. Daraus ist: Gegensinn im einheitlichen Wort, daraus ist: Einheit gegensätzlicher Worte. Nimmerrastender Widerschein des spaltenden Ursprungs, nichtige Schöpfung im Ich—Trugbild des Seins.
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Sinnlich geschaut: Durch Ursprung Raum, durch Raum Zeit; im Ursprung inzwischen entzweiten Teilen die sich schaffende Welt; die Welt in der Kluft inzwischen Ich und nicht Ich. Alle Wirklichkeit dieser Welt rastlos wechselnde Beziehung inzwischen Ich-zustand in sich—Ich-zustand im Gegen-Stand. Endloser Kreislauf der Erscheinung von Gegensinn zu Gegenstand, von Ich zu nicht-Ich, von nicht-Ich zu Ich zurück.— Gegensinn in s-Ich die werdende, Gegenstand zu s-Ich die gewordene Welt. Alles zeiträumliche Außereinander ist im Ich, alle Unterscheidung, aller Gegensatz, alle Worte, alle Vielheit—im Ich ist Ur-sprung und Unendlichkeit dieser Welt. Eines ist was du, durch ur-teilenden Willensgegensatz in dir, zu Gegensätzen außer dir prägst; Eines ist was du, ur-teilend, entzweit schaust—: willkürliche, an sich nichtige Unterscheidung, endlose Gestaltung deines in Einhauch und Aushauch atmenden Verlangens— deine eigene Schöpfung—du selbst. Davon sagt des Heilweges Buch des Lehrers Lao: "Diese Einheit der Gegensätze bezeichne ich als den Urgrund, die große Tiefe und das der Erkenntnis geöffnete Tor."
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Und noch einmal: Durch Ur-sprung-erscheinung scheint Entzweiung. Jedes der beiden Teile lebt das Leben des anderen—gleichwertige Bruchstücke. Durch Kluft geblendet verkennt sich eines im anderen—Sündenfall. Dem also gewordenen Zwiespalt folgt alle Erscheinung: aller Gedanke, alles Urteil, alles Wort—Wille und Tat gegen sich selbst gerichtet. Alles Urteil Widerspruch in sich;—Sinn und Widersinn in-ein-ander. Alle Unterscheidung in Wort und Urteil bedeutungslos— in sich selbst aufgehoben—bloße Lautver-schiedenheit. Nur Eines ist—alles Erscheinende ist irrendes Verlangen im Ich zum Ziel, nichts mehr.
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Wahn-sinn das Wesen der Welt in Worte fassen zu wollen. Seele, Kraft, Geist, Stoff, Gedanke—Gottheit—gleichviel mit welchen Lauten du das benennst, was dich lebt. Erscheinung dieser Welt schafft sich, durchschaut sich, hebt sich auf. Was sich also erscheinend schafft, ist nicht Wahrheit—ist nicht Täuschung—ist ewig vergängliches Sinn-bild des Ewigen.
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So lautet die Lehre von der sich selbst als nichtig aufweisenden Erscheinungswelt—der Erkenntnis Höhe und Tiefe, der Erkenntnis eherner Kern und Anker. Und was du, o Teurer, durch solche Erkenntnis verlierst ist ein Nichts; und was du durch solche Erkenntnis gewinnst ist Alles. So lange dir der tiefen Lehre volles Verständnis nicht aufgegangen ist, o Teurer! so lange wisse dich fern vom Hohenziele der Erkenntnis.
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Die ganze Sinnenwelt wächst, sich verklärend, zu Gottheit. Alles Samsara ist Verlangen nach Nirvana. Je nach dem Ziele deines eigenen Verlangens, nach Samsara oder nach Nirvana erscheint dir das Geschehen dieser Welt Vorgang oder Rückschritt, ziellos oder zielbewußt, blinder Zufall oder unabwendbare Bestimmung. Weder das Eine noch das Andere— in sich freie, durch Gegensinn in der Erscheinung gebrochene Kraft in dir—dein schaffendes Verlangen. Das Ziel der Welt bist du selbst, o Teurer! In dir, mit jedem Atemzug wechselnd, alle Stufen der Weltenschöpfung— Weltenvernichtung; von Samsara zu Nirvana, von Nirvana zu Samsara rastlos gegeneinander schwankend. Samsara heißt sich in irdischer Anschauung verlieren. Nirvana heißt sich wiederfinden. Irdisches Verlangen rückt Nirvana in zeit-räumliche Fernen—Nirvana ist—wenn dich nicht mehr nach Nirvana verlangt. Ewigkeit des Ursprungs im Ich, Ewigkeit der Weltenschöpfung und Weltenvernichtung. Ich, besinnungslos Seeligkeit außer sich suchend, jagt nach selbstgeschaffenen Trugbildern—Sinnenkampf zu Samsara; Ich, sich auf sich selbst besinnend, wendet sich von irdischen Trugbildern ab—Seelenkampf zu Nirvana. Verlangend schafft Ich Samsara, Verlangen verklärend schafft Ich Nirvana; Samsara und Nirvana schafft sich im verlangenden Ich. Blinder Kreislauf des Verlangens, Kreislauf der Wiedergeburt.—Samsara ist Verlangen; mit schweigendem Verlangen ist Nirvana. Wie ein Kind im nichtigen Spiele zum Manne wächst, so wachsen wir Menschen in Samsara zu Nirvana. Samsara hält uns das blendende Schild vor—gläubig hasten wir danach—und erwachen in Nirvana. Die große Täuschung, o Teurer, die ewige Torheit—Samsara—der weite Irrweg zu Nirvana!—Du folgst dem ewigen Kreislauf erkennend oder blind; du nahst dem ewigen Ziele unwillig-willig—aus Gottheit zu Gott und Gottheit—unser aller Ziel. Samsara ein Alles, das nichts ist; Nirvana ein Nichts, das alles ist—unendlich das eine, ewig das Andere—dem Erkennenden Einheit.
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Solches lehren seit Jahrtausenden unsere Brüder, Hohemeister in Tibet, Sser-od in Kâ'gdschur: "Wisse o Sohn der Erhabenen! um dem nach höchstem Ziele strebenden Bôdhisattva alle Schranken und Hindernisse aus dem Wege zu räumen, lehren Wissende die unwandelbare Wahrheit vom ungetrennten Samsara und Nirvana." "Wisse, daß die Buddha Samsara und Nirvana auf das Klarste als unverschieden erkannt haben."
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Keine Wahrheit im vielheitlichen Samsara: Vielheit muß sich selbst widersprechen; zerfallene Einheit hebt sich selbst auf Samsara zeugt blinde Kinder. Erscheinung wie Worte wandeln sinnlos von Sinn zu Gegensinn. Nur dem selbstisch verlangenden, dem einseitig wertenden Ich scheint Sinn in Samsara—wie dem Träumenden Sinn im sinnlosen Traume scheint. Alle Wahrnehmung in Samsara, alle Empfindung, und alle Deutung von Wahrnehmung und Empfindung—bedeutungslos. Lust wie Qual, Bewunderung wie Abscheu und alle Worte aller Welten— bedeutungslos, sinnlos, weil sinnlich.
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Ich, im Gefühl seiner Unzulänglichkeit, verlangt nach Ergänzung außer sich. Zeitlich wechselnde Empfindung im Verlangen, vom Ich ausgelegt, gewinnt sinnliche Gestalt im Raum. Mit Wechsel seelischer Empfindung wird Wechsel sinnlicher Anschauung. Im Ich zeitlich Geschiedenes erscheint, räumlich vorgestellt, als Verschiedenheit— erscheint und ist. Nach ein-ander wird neben-ein-ander; in-ein-ander wird außer-ein-ander. Seelisch empfunden: Gegen-sinn, zeitlich endlos wechselnd; sinnlich angeschaut: Gegen-stand, räumlich endlos vervielfacht. Folge in der Zeit ist Vielheit im Raum. Beid-einheit dem Wissenden. Endloses Verlangen in dir erscheint als endloses Werden— Gedanken zu Worten, Worte zu Dingen verkörpert. Die verlangende Welt denkt durch zahllose Worte Einen Gedanken. Alle Gedanken und alle Worte dieser Welt sagen nur Eines; alle Worte aller Sprachen aller Welten—endlos wechselnder Ausdruck endlosen Verlangens nach Alleinheit. Aus wechselnder Empfindung, wechselndem Urteil, wechselnden Worten schafft sich die Vielheit dieser Welt—die vielheitliche Welt aus dem schaffenden Wort. Davon sagt Tschhandogya-Upanishad: "an Worten haftend ist alle Umwandlung der Erscheinung."
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Aufleuchten möge in dir, o Teurer, voll die Einheitserkenntnis! Der Welten ewiger Ursprung hat nur Ein Ziel; dein rastlos wechselndes Irren nach dem Einen Ziele benennst du mit wechselnden Namen. Dein Wort benennt, dein Wort wertet, dein Wort schafft die Dinge—ein Zweites, glaubst du, sei es, wenn du es anders benennst—Aus Vielheit wertender Worte des wechselnden Urteils in dir schafft sich die Vielheit der Dinge. Endlose Sinnbilder des Einen Gedankens deuten wir sehend Blinden als endlose Vielheit verschiedener Dinge. Erfaß erbarmend wohl die tiefe Blindheit der Menschen!—Blindheit der Führenden und Geführten, Blindheit der Weisesten aller Völker und aller Zeiten—uns Armseligen der Weg zu Erkenntnis—Befangenen unnahbar—Suchenden die offene Schranke—lichte Einsicht dem Erwachenden. Nur Eines ist im Kreislauf der Erscheinung: Ver-langen! schlaftrunken suchendes Verlangen nachdem letzten Ziele.—Erwachen führt aus Verlangen und Tat, aus Gedanken und Worten zu willenloser, zu wortloser Wahrheit. —Wer also sieht, der ist sehend.— Davon sagt Taïttitiya-Upanishad: "Erkenntniswonne wird von keiner Sprache erreicht; vor der Wonne der Erkenntnis kehren alle Worte um, und alle Gedanken."—Ananda.
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Unsere Brüder, Hohepriester in Tübet, lehren seit Jahrtausenden: "Es ist, o Rabdschor, alles Erfassen in der Ichheit ein Nichterfassen. Wissende, o Rabdschor, gehen nicht in die Einbildung: 'Ich' ein. "Wenn ein Wissender also denkt: Wesen ist ohne Ich—Ichlos ist Wesen, solchen nennt De-schin-scheg-pa, der Feindbesieger und heilig vollendete Buddha einen erwacht Erkennenden. "O Rabdschor! Wenn du denken solltest, daß die in wahrhafte Reinheit Eingegangenen jegliches Sein völlig zerstört und demselben ein Ende gemacht haben, so gib, o Rabdschor, solcher Meinung nicht Raum… Es sind dies nur Worte—das Wesen selbst ist unausdenkbar und wird von Unmündigen nicht erkannt. "Das Wesen, o Rabdschor, ist in sich—und ist weder Verschiedenheit noch auch Gleichheit in ihm, weder Sein noch Nichtsein, und volle Erkenntnis hievon wird das allerhöchste wahrhaft rein vollendete Erwachen genannt. "Der Name dieses Lehrbegriffs lautet: "der an das jenseitige Ufer der Erkenntnis Gelangte." Dieser Lehrbegriff, o Rabdschor! ist unergründlich und seine voll gereiften Früchte stelle dir als unergründlich vor."
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Aus Nebelgluten sondern sich Schlacken, ballen sich, erkaltend, zu Sonnen und Erden; aus lebender Flut starre Gebilde, aus Gottheit— — Ich — —ur-sprung-er-schein-ung-ur-teil-gegen-teil-ver-langen— ein unabsehbarer Strom, der das All durchmessend, in seiner eigenen Quelle mündet—: Samsara!
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Uns schauend Blinden—Nichts. Da geschieht im All Einen das Unergründbare: Absonderung 'Ich'. Absonderung hält sich zurück—der Strom überflutet; Absonderung drängt vor—der Strom hemmt; Empfindung und Empfundenes—Wirkung aus dir und Wirkung auf dich.— Das Eine, Einheitliche, Ungeteilte, Unteilbare—: als sei zwiefach Sein. Es scheint als seist du—es scheint als sei außer dir, es scheint, erscheint, und ist wirklich: Ich und Sinnenwelt, ja und nein, Lust und Leid, und alle Worte. Aus dem seelisch Einen das sinnlich Zerklüftete: die im Ich-bewußtsein erwachte Welt. Aus dem Ewigen das ewig Vergängliche— Vergängliche Welten zeugen wider sich selbst: Absonderung "Ich" aus Gottheit ist Sündenfall. Ur-sprung—atmende Kluft, die trennend verbindet—Anziehung und Abstoßung, Entzweiug und Zu-eins-paarung, Werden-Verwerden zugleich —Spiel in sich selbst—unsere Welt— —eine Welt durch ewig erneuten Ursprung in sich; eine Welt in ewiger Selbstentzweiung, in ewigem Kampfe gegen sich selbst, in ewiger Blindheit sich selbst gebärend, sich selbst vernichtend—die im Wahn gewordene, im Wahnsinn verharrende Welt. Unabsehbar grauenerfüllte Wahlstatt nie gestillten Verlangens, nimmer endender Tat—Ringen um verlorenes Paradies, Ringen um Erkenntnis, Ringen um Erlösung—Seele wider Sinne, Gedanke wider Tat, Himmel wider Hölle; endloses Ringen von Lust wider Seeligkeit, Samsara wider Nirvana, Abgott 'Ich' wider Gottheit —allüberall blind stürmende Erscheinung, von Sinneswahn zu Widersinn sinnlos wechselnd; hinfällige Gebilde, Scheingestalten, flüchtige Schatten, im Entstehen dem Untergang, in der Geburt dem Tode geweiht—Trugbilder, bloße Namen, bloße Worte im nichtigen Urteil Ich— —endloser Widersinn ewig erneuter Entzweiung, ewig neuer Wiedervereinigung—werdend verwerdende, seiend nicht seiende Welten.
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Durch blindes Vergaffen ist Sinnenwelt. Sinnenwelt schafft sich wie Liebesrausch, wie aus deinem inne-Befinden der Traum sich schafft—sinnvoll—sinnlos. Wie ein Weib, verlangend angeschaut, zu sinnberückendem Reiz wird, so wird Seele, verlangend angeschaut, zu berückender Sinneswelt—: unsere Welt! wirklich zwar, doch nicht wahrhaft. Und wie es aus Traum und Rausch ein Erwachen gibt, so gibt es ein Erwachen aus verlangenden Sinnen. Was du in dir Traum und was du außer dir Wirklichkeit nennst, ist wesenseines—: zu sinnlichen Bildern geworden er Gedanke.
Wie die Schlange, die dich im Traume schreckt, nicht wahrhaft lebt; wie das Schwert, das dich im Traume trifft, nicht von Eisen ist; die Geliebte, die dich beglückt, nicht Fleisch und Blut— —wie Lust und Qual, wie Schlange und Weib im Traum— —so alle Dinge dieser Welt—wirken und sind nicht. Und wie unter deiner Schädeldecke Schwert und Weib Raum hat und alle Gebilde dieser Welt, dazu alles Geschehen und Werden— —so ist die ganze Welt in dir und ist nicht; wirklich zwar, doch nicht wahrhaft— und wie die im Traume wahrgenommenen Gesichte alsbald zu nichts verflattern, so schwindet im Leben alles dahin, was du für wahrhaft geworden hieltest; von allen Welten bleibt Erinnerung, und Erinnerung verweht— und wie es im Traume ein leises Besinnen gibt, so dämmert dir wohl in lichten Augenblicken die Erkenntnis: ich träume diese Welt— und wie du, aus dem Traume voll erwachend, Lust und Grauen abgeschüttelt hast, so erwachst du aus den Freudenqualen unseeliger Erscheinung und schaust wahrhaft—überwunden ist alles Verlangen, geschlossen der Ursprung—nicht mehr ist diese Welt.
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Befangen hält uns alle ein tiefer Traum—ein allfesselnder, ein allumstrickender Wahn, ein unermeßliches Blendwerk—Maya—unsere Welt.
Wie, wenn ein Pilgerzug, in wasserloser Strecke vom Wege abgeirrt, dem Tode ins Antlitz schaut und es ersteht den Dürstenden das Wüstentrugbild: Zelte und Paläste unter wehenden Palmen spiegeln sich in weiten Wasserflächen—was verzweifelnd zu Boden lag, rafft sich freudig auf und strebt entschlossen dem verheißenden Ziele zu und lobpreist bewegten Herzens—vergessen ist alle Qual!—die rettenden Götter. Du aber, mit dem Auge des Wissenden schauend, stehst unbewegt— und die an dir vorübereilen, nach vermeintlichem Glücke jagend, weisen höhnend auf dich zurück: da steht er, der uns lehren wollte, wohl in weisen Gedanken versunken! Ihm vor Augen ist Leben und Lust—und der Narr grübelt, statt zuzugreifen. Durchschaut ist die blendende Erscheinung, als Wahn-sinn erkannt —diese wahr-genommene Welt ist vergänglicher Schein.
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Die Welt ist Erscheinung im Ich—Ich ist Erscheinung in der Welt —wesenlose Erscheinung—Erscheinung des Wesens dieser Welt;— Gottheit in der Erscheinung zum Ich gesunken, im Ich zeitlich an Ort gebannt, im Ich leidende Gottheit—unseelig—selbstvergessen.
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Samsara ist durch Widersinn, keine Wahrheit in Samsara. Aus traumlosem Schlafe erwachst du träumend—träumend glaubst du an die erträumte Welt und an dich selbst. Du jagst nach Träumen und was du erreichst, ist Traum. Erfaß es wohl: nichts mehr. Vom Traum zu Traum enttäuscht, schaffst du in dir den rettenden Gedanken: diese Welt ist nicht Wahrheit, diese Welt ist eigengeschaffenes Trugbild. Was du draußen suchst ist in dir selbst: nach außen langend erlangst du räumlich, was du zeitlich aus dir hinausverlegst; die ganze Welt erlangend, erlangst du dich selbst. Im Feuer der Erkenntnis entzündet sich in dir die Kraft von solchem Trug zu lassen. Du gehst in dich, du entsagst dem Schein, du kehrst dich dieser Welt ab, du bekehrst dich zu Gottheit—Gottheit in dir entringt sich der Erscheinung. Und wie du aus ureigener Kraft die vergängliche Welt schufst, so schaffst du in dir ewige Gottheit—aller Gottesverehrung, aller Völker, aller Zeiten, aller Welten ewiges Ziel—der gewaltige Unterstrom, das Ungestillte in höchster Lust, das Tröstende in tiefstem Leid—: Religion.
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Nur Eines ist: Gottheit—alles Andere ist Lüge. Erwache! Blinder Glaube in dir hält dich in den Fesseln törichter Hoffnung, in ewig erneuter Enttäuschung; deine Sinne halten dich in Leiden und Tod. Erwache aus dem Banne nimmer gestillten Verlangens, erwache aus friedloser Tat, erwache aus Geburt und Tod. Tod ist für Tote. Im Kerker und an den Karren geschmiedet schwinge ich mich aus Ketten und Mauern hinaus—aus Qualen und Herrlichkeiten dieser Welt —in zeitlosem Augenblicke durcheile ich, des Leibes ledig, alle Räume und alle Zeiten, schaue alle Welten und alles Geschen… was von mir, im Kerker oder im Purpur, verachtet oder angebetet, im Reiche des Todes zurückbleibt—bin ich nicht. Davon ist gesagt: "und dieser Leib mag endigen in Asche." Überwunden ist der unseelige Irrtum, gestillt das Verlangen, gefunden der heilige Weg aus Erdenlust und Erdenqual, aus Grauen zu Seeligkeit, aus Tod zu Unsterblichkeit. Nur Eines ist: Gottheit—alles andere ist nichtig. Erkenne dich selbst, besinne dich auf deine Seele. Erfasse das große Wort, das größte, das je eines Menschen Seele erfaßte—erbebe in der Erkenntnis: —ich bin Gottheit— Davon ist gesagt: "brahma bist du und in brahma gehst du auf." Was in dieser Welt zeiträumlich auf einander wirkend, als endloses Werden erscheint, ist deiner träumenden Lust freudiger Widerschein,— von Zeugung zu Überzeugung—deiner Seele blind tastendes Verlangen —und was in dir lebt, lebt in allen Welten. Und wie dein Verlangen ist, solche Welt wird dir, in solcher Welt entstehst du, solche Welt entsteht in dir.
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Welten erglühen—Welten erkalten. Wie Pradschapati von eigener Schöpfung erschöpft ist, so erschöpft sich alle Erscheinung—nicht zu Vernichtung,—zu Erneuung. Alle Welten fallen in sich zusammen, voll-enden in Nichts—ein Nichts, das Alles ist.
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Alle Erscheinung sucht Frieden. Ebbe folgt auf Flut, Flut folgt auf Ebbe; Flut hier ist Ebbe dort, Flut dort ist Ebbe hier; Flut und Ebbe zu gleicher Zeit, Flut und Ebbe am selben Ort. Die Welten atmen von Nirvana zu Samsara—durch unermeßliche Freudenqualen von Samsara zu Nirvana—von Wesen zu Dasein in allen Ewigkeiten und Unendlichkeiten.— Tagen die Sinne, so nachtet die Seele; wacht die Seele, so ruhen die Sinne. An Stätten ohne Zahl—in endlosen Räumen—zahllose Stufen ewiger Entfaltung von Seele zu Sinnen, von Sinnen zu Seele. Hier deiner Gegenwart leuchtender Sinnentag, brennende Mittagsglut —dort, deinen Sinnen entrückt, in dunkel geahnten Gedankenfernen: Frieden, Seelenreich, Gottheit— Einst, in ungezählten Tagen, leises Entschlummern der Erscheinung, Aufdämmern der Seele auch hier; Seeligkeit, Erwachen der Gottheit auch in dir—und in Weltenfernen versunken alle Sinnesherrlichkeit.— Bin ich, so ist Welt; gebe ich die Welt auf, so ist Gottheit; ist Gottheit, so bin ich nicht und keine Welt. Darum keine Gottheit da ich bin, keine Gottheit da Welt ist—und kein Ich, keine Welt in der Gottheit—Gottheit Welt. Weltenzeugung—in sich gebundene Gottheit—Sinnenherrschaft— Samsara—Entsagung—Bekehrung—Überwindung—Erlösung— Verklärung der Welt in Gottheit—der Seele Seeligkeit—Nirvana. Also entstehend vergehend sind diese ringenden Welten—sind nicht—das schweigend sprechende All-Eine: — brahma —
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So, o Teurer, mühen wir uns, wir in der Geburt Erblindeten, vergängliche Erscheinung zu durchschauen und der Welt, der ewigen, zu nahen. Möge uns ein Lehrer beschieden sein, möge uns ein Führer erstehen—ein Seher—ein Gott. Frieden sei mit dir, o Teurer! Ich habe zu dir vom Endziel des Wissens gesprochen—gesagt, so viel zu sagen deinem Verständnis angemessen war—zu irdischem Heil und zu der Welt Erlösung—stammelnde Worte suchender Seele. Die ersten Hügel im Tiefland sind erstiegen, es lichten sich die Nebel—: vor dir in schier unabsehbaren Fernen leuchten die Höhen von Himavat. Öffne dein Auge göttlichem Lichte—du schaust wahrhaft —und zuschanden geworden ist alle irdische Weisheit—zerstoben die allblendende Erscheinung—erloschen der Weltenschein—ein Traum— was in dir erwacht ist, ist größer als alle Welten—erreicht das Hoheziel der Erkenntnis, erreicht Vollendung—Vollendung in Gottheit.
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So lautet in âranâda-upanishad der adhyaya: Erwachen; wortlos das Letzte: Nirvana.
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So lautet die Upanishad vom Erwachen der Menschheit aus der Erscheinung—Hüte das Erbe