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Anzeiger für Kunde der deutschen Vorzeit (1866)

Note A — ANZEIGER FÜR KUNDE DER DEUTSCHEN VORZEIT.

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Die Bibliothek zu Zweibrücken zeichnet sich eben so sehr durch den Reichthum an seltenen Druckwerken aus, als durch ihre musterhafte Ordnung und die Liberalität ihrer Verwaltung (z. Z. Gymnasial-Professor Fr. Butters), welche es ermöglicht, von ihren Schätzen den ausgedehntesten und dankenswerthesten Gebrauch zu machen. Der Werth und Nutzen dieser von Herzog Johann I. († 1604) gegründeten, von seinen Nachfolgern mit Liebe gepflegten und von Karl I. durch die birkenfeldische (1762) vermehrten Büchersammlung beruht nicht sowohl in einer übergroſsen Bändezahl (c. 8000), als in den zahlreichen und wichtigen Quellenschriften älterer Zeit und ganz besonders in denen aus allen Theilen der Literatur des Reformations-Zeitalters, welche, trotz der vielfachen Verluste in Kriegszeiten, in dieser Anzahl nur in wenigen, gröſseren Bibliotheken sich vereinigt finden möchten. Es finden sich hier Luther’s sämmtliche Werke in drei verschiedenen Ausgaben: Jena, Wittenberg und Altenburg (dabei ein Pracht-Exemplar und wahrscheinlich churfürstlich-sächsisches Geschenk der zweibändigen Bibel von 1543 mit 128 Bildern in Gold und Farben von L. Cranach, aus dem Besitze des „Carolus Comes Pal. Rheni 1584“), die meisten Dichter (H. Sachs), die Satiriker (Fischart) und Pasquillisten (Hutten) des 16. und 17. Jahrh., die Exegesen und Postillen (Mathesius) der damaligen Zeit, ebenso die bedeutendsten Geschichtswerke (Seb. Franck) u. s. w. Ein groſser Theil dieser Werke, in gleichzeitigen, noch jetzt prächtigen Einbänden, war meist Privateigenthum der zweibrückischen Herzoge, gieng allmählich durch Donation an die Gymnasial-Bibliothek über, und in nicht wenigen findet sich deren Namen eigenhändig eingezeichnet. Nach einer gefälligen Mittheilung des dermaligen Bibliothekars wurde der gröſste und werthvollste Theil der Bücherschätze zweimal durch die Nachbarn, welche sich rühmen „de marcher à la tête de la civilisation“ ruiniert oder geraubt: zuerst 1677, wo sie fast die ganze Sammlung nach Rheims schafften (der dortige Erzbischof war Louvois’ Bruder) und zum zweiten Mal in den Revolutionskriegen 1795–96.

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