Note A — Vorrede.
Reading edition
Das Treffendste, was mir bekannt ist, hat über ihn ein Gelehrter gesprochen, dem man sonst die Ueberschätzung der Dichterwerke des Mittelalters nicht vorwirft, Bouterwek, in seiner Gesch. d. Poes. u. Beredsamk., Bd. IX S. 107 ff.: »Einer der vorzüglichsten unter diesen ersten und unter allen deutschen Minnesingern ist Walther von der Vogelweide aus einer adeligen Familie im Thurgau. -- Aus seinen volltönenden, kräftigen und lieblichen Gesängen spricht ein wahrhaft lyrisches Genie. Selbst religiöse Gegenstände behandelt er glücklicher, als die meisten seiner Zeitgenossen. Auch war er reicher an Gedanken, als sie. Ihm schwebte, wie jedem großen Dichter, auch ohne philosophische Meditation, das Ganze des menschlichen Lebens vor. Gewöhnlich haben seine Darstellungen etwas Mahlerisches. Einige seiner Gesänge in langen Zeilen nähern sich dem metrischen Charakter des Sonetts. Einige nehmen einen hohen feierlichen Schwung; andere gehen den leichten, raschen Schritt des muntern Volksliedes; noch andere sind mit einer fast epigrammatischen Feinheit ausgeführt. Weinerliche Klage war nicht dieses Dichters Sache; aber im Preise der Frauen ist er unerschöpflich. Doch das poetische Verdienst des trefflichen Walthers von der Vogelweide ist einer ausführlichen Analyse werth, zu der sich hier kein Raum findet. Noch verdient sein Vaterlandsgefühl bemerkt zu werden. Einige seiner Gedichte haben das öffentliche Wohl Deutschlands zum Gegenstande. Im Volkstone hat er das Lob des deutschen Namens gesungen.«