Note 66 — Siebenter Abschnitt. Walthers Kunst und Kunstgenossen. Nithart. Der Meissner. Reinmar. Walthers Standpunkt in der Geschichte der deutschen Dichtkunst.
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Die Worte
Tanhusers
: »Der sein' Treue nie zerbrach &c.« entsprechen augenscheinlich dem Schlusse von Walthers Lied: »Von Gotte würde ein Engel eh' verleitet.« Auch die weitere Zeile von
Tanhuser
: »Er sollte des Reiches Krone tragen &c.« deutet auf die Stelle in einem andern Liede Walthers:
Möcht' ich ihn han gekrönet, Die Krone wäre heute sein. (I 136b)
Die letztern Worte bezeichnen abermals einen
fürstlichen
Freund unsres Dichters. So singt
Tanhuser
von Friedrich von Oesterreich:
In kurzen Zeiten das geschieht, Daß man wohl eine Krone Schöne auf seinem Haupte sieht. (II 59)
Köpke
, a. a. O. S. 13, bezieht die politische Strophe: »Herr Kaiser, ihr seyd willekommen &c.« (I 103b) auf Otto IV. und den Markgrafen
Dietrich
, Heinrichs Vater. Mit der Stelle bei
Tanhuser
(II 64b), soferne man solcher Beweiskraft beilegen will, läßt sich diese Annahme nicht vereinigen. Der Beziehung auf
Friedrich
II. ist es zwar nicht günstig, daß dieser erst vierzehn Jahre, nachdem er zu Rom gekrönt worden, nach Deutschland zurückkam, und so kann auch gegen die Beziehung auf
Heinrich
den
Erlauchten
die bedeutende Altersverschiedenheit angeführt werden, welche nothwendig zwischen ihm und Walthern stattgefunden; Heinrich ist im Jahre 1218 geboren. Allein auch Otto IV. blieb nach seiner Krönung zum römischen Kaiser noch dritthalb Jahre von Deutschland abwesend und die Verschiedenheit des Alters ist kein entscheidendes Hinderniß. Der junge Markgraf (jugendlich ist er auch in der Maness. Handschrift vor seinen Liedern dargestellt), mag von dem alten Meister gelernt haben. Die Strophe: »Mir hat ein Lied von Franken &c.« (I 111a) beweist, daß der Meißner Walthern mit Achtung behandelte, und in den Liedern Heinrichs von Meissen (I 5, 6) könnten einige Spuren von Walthers Einflusse bemerklich gemacht werden. Man sieht, daß hier weitere Untersuchungen nicht überflüssig sind. Ein Aufsatz über Heinrich den Erlauchten als Minnesänger und Förderer deutschen Minnesangs, von K.
Förster
, ist neuerlich in
Kinds Muse
, 1821 II 3 erschienen.