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Von der Macht des Gemüts, durch den bloßen Vorsatz seiner krankhaften Gefühle Meister zu sein

Note (7) — Von der Hypochondrie.

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Selbst bei wirklichen Krankheiten müssen wir wohl unterscheiden, die Krankheit und das Gefühl der Krankheit. – Das letztere übertrifft mehrenteils die erste bei weitem; ja man kann behaupten, man würde die eigentliche Krankheit, die oft nur in einer örtlich gestörten Verrichtung eines oft unbedeutenden Teiles besteht, gar nicht bemerken, wenn nicht die dadurch erregte allgemeine Unlust und Unbehaglichkeit, oder unangenehmen Gefühle und Schmerzen, unsern Zustand höchst peinlich machten. Die Gefühle aber, diese Einwirkung der Krankheit auf das Ganze, stehen großenteils in unserer Gewalt. Eine schwache, verweichlichte Seele, eine dadurch erhöhte Empfindlichkeit, wird dadurch völlig übermannt, ein starker, abgehärteter Geist weiset sie zurück und unterdrückt sie. – Jedermann gibt zu, daß es möglich ist, durch ein unerwartetes Ereignis, durch eine angenehme Zerstreuung, genug durch etwas, was die Seele stark von sich abzieht, sein körperliches Leiden zu vergessen. – Warum sollte dies nun nicht der eigne feste Wille, die eigne Seelenkraft selbst bewirken können? –

Das größte Mittel gegen Hypochondrie und alle eingebildete Übel, ist in der That das Objektivieren seiner selbst, so wie die Hauptursache der Hypochondrie und ihr eigentliches Wesen nichts anders ist, als das Subjektivieren aller Dinge, das heißt, daß das physische Ich die Herrschaft über alles erhalten hat, der alleinige Gedanke, die fixe Idee wird, und alles andere unter diese Kategorie bringt. – Ich habe daher immer gefunden, daß, je praktisch-thätiger das Leben eines Menschen ist, das heißt, je mehr es ihn immer nach außen zieht, desto sicherer ist er für Hypochondrie. Den besten Beweis geben uns die praktischen Ärzte. Sie sind unaufhörlich mit Krankheiten beschäftigt, und Krankheit, Übelbefinden wird zuletzt der herrschende Gegenstand ihres Denkens. Hier sollte also sehr leicht dasselbe auch der herrschende Gegenstand ihres Ichs werden, und es müßten folglich alle Ärzte endlich hypochondrisch werden. – Und dennoch sehen wir, daß gerade praktische Ärzte fast nie an Hypochondrie leiden. – Warum? Weil sie sich von Anfang an gewöhnen, alle Übel zu objektivieren, wodurch sie am Ende dahin gelangen, sich selbst und ihre eignen Übel zu objektivieren, sie von ihrem wahren Ich zu trennen und zum Gegenstand der Außenwelt und der Kunst zu machen. – Denn das wahre Ich wird nie krank.

H.

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