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Versuch einer Ethnographie der Philippinen

Note 4 — II. Malaien.

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In den Zeiten der Unabhängigkeit gab es unter den Tagalen ebensoviele Staaten als Dörfer, eine Ausnahme hiervon machten nur die kleinen Reiche von Manila und Tondo, von denen einige kleine Vasallengebiete abhängig waren, doch machte sich hier der Einfluss von Borneo bemerkbar. Die tagalische Ständegliederung war damals folgende: Fürsten oder Häuptlinge (Manguinoos, Dattos), freie Leute (Mahaldicas), Freigelassene (Timaua), Vasallen der Dattos (Cabalangay), Leibeigene (Aliping namamahay), Halbsclaven, Sclaven (Aliping saguiguilir). Die Spanier hoben bei der Occupation des Landes die Leibeigenschaft und Sclaverei auf und gewannen dadurch die Sympathien dieser Volksclassen. Die entthronten Dattos wurden in kluger Weise fest mit ihren Interessen an die spanische Herrschaft geknüpft, indem ihnen eine Menge Vorrechte gegeben wurden, so z. B. der Titel Don, und indem man sie mit ihren erstgeborenen Söhnen von der Zahlung des Tributes enthob. Ihre sonstige Gewalt wurde dadurch geschwächt, dass in den neuen Pueblos, welche aus verschiedenen Tribus gebildet wurden, jetzt Leute friedlich nebeneinander wohnen mussten, die früher feindlich gegen einander gesinnt waren, und bald durch Wechselheirathen miteinander vollständig verschmolzen, wodurch die einzelnen Dattos gleichsam ihre früheren Unterthanen verloren. Von diesen Dattos stammt zum grössten Theile die heutige Principalia, der Patricierstand oder der Dorfadel der Tagalen ab. Die Bevölkerung der neuen Pueblos wurde in Abtheilungen eingetheilt, welche Barangayes4 genannt wurden. Jedem Barangay wurde ein Chef vorgesetzt, welcher Cabeza de Barangay hiess und der Principalia entnommen wurde. Der Cabeza de Barangay sammelt in seinem Barangay den Tribut (Kopfsteuer) ein, für dessen vollständige Eintreibung er haftet. Aus der Principalia wird der Bürgermeister gewählt, welcher Gobernadorcillo oder (im gewöhnlichen Verkehr) Capitan genannt wird.

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