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Über das Geistige in der Kunst, Insbesondere in der Malerei

Note 9 — INSBESONDERE IN DER MALEREI (continued 2)

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Besonders die Literatur drückte längst dies Prinzip aus. Z. B. sagt Goethe: „Der Künstler steht mit freiem Geiste über der Natur und kann sie seinen höheren Zwecken gemäß traktieren ... er ist ihr Herr und Sklave zugleich. Er ist ihr Sklave, insofern er mit irdischen Mitteln wirken muß, um verstanden zu werden. (NB!) Ihr Herr aber, insofern er diese irdischen Mittel seinen höheren Intentionen unterwirft und ihnen dienstbar macht. Der Künstler will zur Welt durch ein Ganzes sprechen: Dieses Ganze findet er aber nicht in der Natur, sondern es ist die Frucht seines eigenen Geistes oder, wenn man will, des Anwehens eines befruchtenden göttlichen Odems.“ (Karl Heinemann, Goethe, 1899, S. 684.) Zu unserer Zeit O. Wilde: „Kunst fängt an da, wo die Natur aufhört“ (De Profundis). Auch in der Malerei finden wir oft solche Gedanken. Delacroix sagte z. B., die Natur wäre für den Künstler nur ein Wörterbuch. Und: „den Realismus sollte man den Antipoden der Kunst definieren“ („Mein Tagebuch“, S. 246. Bruno Cassirer Verlag. Berlin 1903).

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