Note 13 — 6. DIE GESCHICHTE VON DER DILBER, DIE NICHT ERREICHTE, WAS SIE WOLLTE
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Als er vor das Schloß kam, rief er: „Ich verkaufe Rosen außer der Jahreszeit.“ Als das Mädchen aus dem Schlosse das hörte, sagte es zu seiner Mutter: „Ach, Mutter, da werden Rosen außer der Jahreszeit angeboten. Wollen sie kaufen und dem Prinzen zeigen und ihm sagen: „Siehe, heute ist diese Rose auf meiner Wange erblüht.“ Da liefen sie zu der Tür und riefen: „Komm hierher.“ Der Karawanenführer kam sofort an die Tür des Schlosses, nahm den Korb von der Schulter und stellte ihn auf die Erde. Das Mädchen sagte: „Gärtner, um wieviel Piaster gibst du die Rose?“ Da antwortete er: „Mein Mädchen, für Geld nicht, ich gebe sie für ein Auge.“ Da wandte sich das Mädchen um und sagte zur Mutter: „Wollen ihm die Augen des Mädchens, die im Kasten liegen, geben und die Rose nehmen.“ Das Mädchen ging zu dem Kasten, nahm beide Augen, brachte sie und gab sie dem Gärtner. Der nahm die Augen, gab die Rosen und ging ohne Verweilen nach Hause, trat ein, ging zu dem Zimmer, wo sich das Mädchen befand, und sagte: „Meine Tochter, ich habe deine beiden Augen.“ Da stand das Mädchen auf, vollzog eine schnelle Waschung und, um Gottes Wohlgefallen zu erlangen, zwei Gebetsbeugungen, stand auf, erhob die Hände und betete. Ihr Gebet wurde erhört. Als sie ihre Augen wieder an die Stelle setzte, wurden mit Gottes, des Höchsten, Erlaubnis ihre Augen geöffnet, sodaß sie die Welt wieder sah. Sie leuchteten heller wie vorher. Sie dankte Gott und ging in dem Zimmer auf und ab. Wenn das Mädchen lachte, blühten die Rosen, und wenn sie sich wusch, fielen von ihrem Kopfe Goldstücke. Kurz, das Mädchen sah in dem Karawanenführer ihren Vater und umarmte ihn innig. Sie wurden auch durch dieses Mädchen so reich, daß sie sich Häuser bauen und paarweise Sklavinnen und Sklaven hielten. Das Mädchen hatte auch für sich ein außergewöhnliches Zimmer. Jeden Tag setzte sie sich dorthin und vergnügte sich. Eines Tages sagte das Mädchen: „Vater, ich wünsche von dir eine Türbe13 ganz aus Karfunkelstein und im Inneren einen Kasten von Gold. Die Türen der Türbe sollen einmal von selbst in der Stunde schreien: ‚Die Dilber, die nicht ihren Wunsch erlangt hat‘ und sich nach beiden Seiten öffnen. So sollen die Türen rufen.“ Der Karawanenführer sagte: „Meine Tochter, du sollst eine Türbe, wie du sie wünschst, haben. Mit Gottes Hilfe will ich sie dir machen.“ Schließlich erhob er sich, ging auf den Berg, ließ nach der Beschreibung des Mädchens aus Karfunkelstein eine Türbe machen und im Inneren auch einen Kasten. Die Türen öffneten sich von selbst und riefen: „Die Dilber, die ihren Wunsch nicht erreicht hat.“ Als die Türbe fertig war und bereit stand, ging der Karawanenführer nach Hause und sagte: „Da habe ich dir die gewünschte Türbe machen lassen, gräme dich nicht.“