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Türkische Märchen

Note 12 — 6. DIE GESCHICHTE VON DER DILBER, DIE NICHT ERREICHTE, WAS SIE WOLLTE

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Die fingen nun mit den Hochzeitsvorbereitungen an, und der Prinz sah sehnsüchtig nach dem Mädchen aus. Die wollen wir nun lassen und uns wieder dem Mädchen zuwenden. Die Mutter machte ihrer Tochter kostbare Kleider und richtete eine kostbar ausgestattete Aussteuer her. Als die Reisevorbereitungen fertig waren, rief sie die Amme des Mädchens und sagte: „Du wirst auf meine Tochter ordentlich acht geben und sie nach Jemen führen. Nach einigen Tagen komme ich auch.“ Dann nahm die Amme die Tochter der Dame und ihre eigene Tochter und etwas Nahrungsmittel mit, bestieg ein Schiff und machte sich mit ihnen auf den Weg. Als es Abend wurde, hungerte die Braut und sagte: „Mutter, gib mir etwas Brot.“ Die Amme schnitt entsprechend der List, die sie sich ausgedacht hatte, ein Stück gesalzenes Pasdyrma12 ab und gab es dem Mädchen. Als das arme Mädchen das Pasdyrma gegessen hatte, bekam es nach einer halben Stunde großen Durst und sagte: „Mutter, gib mir etwas Wasser.“ Die Frau sagte: „Wenn du eins von deinen Augen herausreißt und mir gibst, gebe ich dir Wasser, sonst nicht.“ Das arme Mädchen weinte und nahm ein Auge heraus und gab es ihr. Nach einiger Zeit hatte das Mädchen wieder Durst und sagte zu der Frau: „Mutter, mich dürstet.“ Die Frau antwortete: „Du schweinisches gemeines Mädchen, wenn du das eine Auge herausreißt, werde ich dir Wasser geben.“ Was soll das arme Mädchen tun? Ihr Inneres war ganz von Durst verbrannt, gezwungenerweise riß sie es aus und gab es der Frau. Die Frau gab ihr etwas Wasser, und das Mädchen trank, aber sie war auf beiden Augen blind. Als sich dann das Schiff einem Lande näherte, zog die Frau der Braut die Kleider aus, und führte die Arme auf einen Berg und ließ sie dort. Darauf zog sie ihrer Tochter die Kleider an, schmückte sie, und sie gingen in das Schloß des Königs von Jemen. Aus dem Palast ging man ihnen entgegen und führte sie nach oben. Die Mutter des Prinzen betrachtete das Mädchen genau, wunderte sich und überlegte innerlich: „Das ist nicht das Mädchen, das ich dort gesehen. Dahinter steckt sicherlich etwas. Wollen einmal sehen, worauf das hinauslaufen wird.“ Sie setzten sich und fingen an zu erzählen. Am Abend wurde die Hochzeit mit dem Prinzen gefeiert und Scherbet getrunken. In dieser Nacht führte man den Prinzen in das Brautgemach. Der Prinz sagte zu dem Mädchen: „Lache doch ein wenig!“ Obgleich das Mädchen zu lachen anfing, geschah nichts von dem Wunder. Der Prinz wunderte sich. Wenn dies Mädchen lacht, sollen doch Rosen blühen, wenn sie weint, Perlen fallen, und auf der Stelle, wo sie geht, soll Rasen wachsen. Ist dies das so gepriesene Mädchen? Bei diesem Mädchen geschieht nichts derartiges. Nach solchen langen Überlegungen redete er das Mädchen an: „Meine Prinzessin, wenn du lachst, sollen Rosen auf deinem Gesicht blühen. Aber du hast gelacht und keine ist aufgeblüht. Was heißt das?“ Das Mädchen antwortete: „Mein Herr, sie blühen nur einmal im Jahre.“

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