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Türkische Märchen

Note 10 — 4. DIE GESCHICHTE VON DER WEINENDEN GRANATE UND DER LACHENDEN QUITTE

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Das Mädchen ging sofort aus dem Zimmer zum Padischah und sagte: „Vater, an dem und dem Orte ist bei den Deven ein Karfunkelstein. Wenn der Jüngling den bringt, werde ich ihn heiraten.“ Er rief den jungen Mann zu sich und sagte: „Mein Sohn, an dem und dem Orte ist bei den Deven ein Karfunkelstein. Das Mädchen wünscht ihn, bringe ihn ihr.“ Der Jüngling sagte: „Mein Herr hat nur zu befehlen!“ ging aus dem Schlosse und rieb die Haare aneinander. Sofort erschien das Pferd und sagte zum Mädchen: „Was willst du, meine Prinzessin?“ Das Mädchen sagte: „An dem und dem Orte ist bei den Deven ein Karfunkelstein. Den verlange ich.“ Das Pferd sagte: „Sehr schön, meine Prinzessin.“ Das Mädchen bestieg das Pferd. Das Pferd wurde ein Feuer und jagte wie ein Drache davon. Nach einiger Zeit kamen sie an einen großen Berg. Dort hielt es an. Nachdem das Mädchen herabgestiegen war, sagte das Pferd: „Meine Prinzessin, gehe auf diesem Wege geradeaus. Vorne ist eine Höhle der Deve. Da tritt ein. In der Höhle ist der Karfunkelstein. Den nimm und komm, ohne dich aufzuhalten, sonst ist es dein Todestag. Jeder Fluch, den sie dir nachrufen, erfüllt sich.“ Das Mädchen ging auf dem vom Pferde beschriebenen Wege, betrat die Höhle, wo die Deve wohnten, trat ein, nahm den in der Höhle befindlichen Karfunkelstein, kehrte um und kam zum Pferde. Währenddessen wachten die Deve auf und verfolgten das Mädchen. Da sie das Mädchen nicht erreichen konnten, fingen sie an zu schreien: „Bei Gott, Jüngling, wenn du ein Mann bist, sollst du ein Mädchen werden, wenn du ein Mädchen bist, sollst du ein Mann werden.“ Das Mädchen kam eiligst zum Pferde und sagte: „Da habe ich ihn.“ Das Pferd antwortete: „Meine Prinzessin, haben sie Verwünschungen hinter dir ausgestoßen? Wenn sie es getan haben, so steht es schlimm. Das läßt sich nicht mehr bessern.“ Das Mädchen sagte: „So haben sie mir nachgerufen: ‚Bei Gott, Jüngling, wenn du ein Mann bist, sollst du ein Mädchen sein, wenn du ein Mädchen bist, sollst du ein Mann sein.‘ “ Dann befühlt sich das Mädchen und sieht, — was siehst du? — regelrecht wie beim Mann hat sie ein Glied. Als das Pferd sieht, daß es dem Mädchen so ergangen ist, wurde es sehr froh. Das Mädchen sagte zu sich: „Das war es ja, was ich mir immer gewünscht hatte. Gott sei Dank, ich habe meinen Wunsch erreicht.“ Das Pferd sagte: „Prinz, was du jetzt noch wünschst, werde ich dir zuliebe tun, denn du bist ein Mann geworden.“ Das Mädchen bestieg das Pferd. Das Pferd machte sich wie ein wehender Wind auf den Weg. Nach einiger Zeit kam es vor das Schloß und hielt an. Der Prinz stieg vom Pferde und das Pferd verschwand spurlos. Der Prinz ging sofort ins Schloß zum Padischah und sagte: „Mein Padischah, ich habe den gewünschten Karfunkelstein gebracht.“ Sofort rief der Padischah das Mädchen und sagte: „Meine Tochter, dieser Jüngling hat den von ihm verlangten Karfunkelstein gebracht. Was wirst du jetzt für eine Finte vorbringen?“ Das Mädchen antwortete: „Vater, gib mir um Gottes willen diese Nacht Erlaubnis. Morgen werde ich endgültig Antwort geben.“ Er sagte: „Sehr schön, meine Tochter, morgen soll es sein.“ Dann ging das Mädchen aus dem Zimmer. Der Prinz ging auch aus dem Zimmer, verbarg sich irgendwo, ging an die Tür des Zimmers, wo das Mädchen war, und spähte wieder wie das erstemal durch das Schlüsselloch. Das Mädchen setzte wieder ein goldenes Becken in die Mitte des Zimmers. Sofort kam die bekannte Taube, flog ins Becken, wusch sich, wurde ein mondgleicher Jüngling und legte sich neben das Mädchen. Nachdem sie sich umarmt hatten, sagte das Mädchen: „Mein Herzblatt, dieser elende Jüngling hat den von dir beschriebenen Karfunkelstein gebracht. Wie wird es uns nun gehen?“ Der Jüngling sagte: „Darüber rege dich nicht auf. Ich sollte der Sohn eines Padischahs der Peris10 sein und nicht einen Ausweg finden? In unserem Hofgarten ist eine weinende Granate und eine lachende Quitte. Wenn jemand an diesen Baum geht und seine Hand danach ausstreckt, fängt die Granate zu weinen und die Quitte, wenn sie sie weinen sieht, zu lachen an. Niemand kann an sie herankommen. Morgen wird mein Vater alle Soldaten, die er hat, bewaffnen und wir werden Tag und Nacht unter dem Baum in Bereitschaft stehen. Wenn der Jüngling dann kommt, werden wir ihn töten. Morgen verlange du von jenem Jüngling diesen Baum. Er wird dann gehen, um diesen Baum zu holen. Wenn wir ihn dort sehen, werden wir ihn mit Gewehren und Kanonen beschießen und töten.“ Als das Mädchen das hörte, wurde es froh. So beschlossen sie es mit dem Baum. Schließlich wurde der Jüngling wie früher wieder eine Taube, flog durch das Fenster und ging in sein Schloß. Dort bewaffnete er die Soldaten und sie stellten sich unter dem Baume auf.

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