Note 35 — 23. DIE GESCHICHTE VOM GOLDSCHMIED UND ZIMMERMANN
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Da zerriß der Goldschmied sich seinen Kragen35, ging zum Zimmermann und sagte zu ihm: „Jetzt schaffe mir meine Kinder herbei, denn ich habe sie bei dir gelassen.“ Sie wurden handgemein und die alte Freundschaft verwandelte sich auf einmal in Feindschaft. Schließlich gingen sie beide zum Kadi und erhoben einen Prozeß vor dem Gericht. Der Goldschmied berichtete dem Kadi die ganze Sache. Der Kadi fragte den Zimmermann, was er dagegen zu sagen habe. Dieser antwortete: „Ja, es ist richtig. Er hat die Jungen bei mir gelassen. Aber nachdem er gegangen war, sind sie zu Bären geworden. Ich habe sie in einem unterirdischen Gemache eingeschlossen. Da sind sie noch.“ Der Kadi sagte: „Rede nicht Unsinn. Im Islam gibt es keine Verwandlungen. Unter den früheren Propheten hat es Seelenwanderungen gegeben, aber seit dem Auftreten Mohammeds kommt etwas Derartiges nicht mehr vor. Suche die Knaben.“ Darauf antwortete der Zimmermann: „Ja, in den Büchern steht tatsächlich so, und die Gemeinde Mohammeds ist von solcher Seelenwanderung befreit. Aber Gottes Weisheit hat sich an den Kindern dieses Mannes gezeigt. Gott weiß, wegen welcher Schlechtigkeit dieses Mannes dies den unschuldigen Kindern passieren mußte.“ Der Kadi blickte auf die neben ihm Sitzenden und sagte: „Gläubige Gemeinde, tatsächlich kommt in der Gemeinde Mohammeds keine Seelenwanderung mehr vor, aber dieser Zimmermann redet sehr vernünftig, so müssen wir denn notgedrungen selbst hingehen und sehen.“ Die Zuhörer schlossen sich dem Kadi an und gingen mit dem Goldschmied in das Haus des Zimmermanns. Dieser öffnete das unterirdische Gemach und alle traten ein. Da die jungen Bären an die Gestalt des Goldschmiedes gewöhnt waren, so stürzten sie auf ihn, als sie den Goldschmied an Stelle der Figur sahen, und umschmeichelten ihn mit allerlei Freundlichkeiten und Spielereien. Sie schauten immer auf den Goldschmied, bewegten Ohren und Hals und benahmen sich in der Erwartung auf Fressen höchst sonderbar. Als dann der Zimmermann sie von der Kette befreit hatte, sprangen sie ihm jeder auf eine Schulter und leckten ihm Hals und Ohren.