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Türkische Märchen

Note 29 — 19. DER GRINDKOPF

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Der grindige Junge bestieg das Pferd des Großvezirs, auf das des Seraskers setzte sich sein Soldat, auf das des Hotelbesitzers der Mohr. Dann ritten sie spazieren. Als sie während des Rittes vor dem Palast des Padischahs vorbeikamen, fiel das Auge der Tochter des Padischahs auf sie. Sie fragte den Posten vor der Tür: „Wer sind die? Frage einmal.“ Der Posten fragte den Diener: „Wer sind die?“ Der antwortete: „Das ist der Sohn des Padischahs von Indien.“ Inzwischen wurde es Abend. Als der Padischah in sein Schloß kam, sagte seine Tochter: „Vater, ist der Sohn des Padischahs von Indien gekommen?“ Der Padischah sagt: „Nein, wenn er gekommen wäre, müßte ich es erfahren haben.“ Sie antwortete: „Als er heute hier vorbeiritt, habe ich ihn gesehen und zum Posten gesagt: ‚Frage, wer das ist!‘ Der Posten fragte und sagte: ‚Das ist der Sohn des Padischahs von Indien‘“. Sie ließen den Posten kommen und sagten: „Du hast gefragt?“ Er antwortete: „Ja, mein Padischah, ich habe gefragt.“ Da sagte er: „Hast du gefragt, wo er wohnt?“ Er antwortete: „Nein, mein Padischah, zum Fragen war keine Zeit, sie gingen weiter.“ Da wurde der Padischah zornig und sagte: „Soviel Patrouillen und Geheimpolizisten haben wir, und die ahnen nichts davon, daß der Sohn des Padischahs von Indien gekommen ist?“ Er ließ schnell einen Menschen kommen und ließ den Sohn des Padischahs von Indien aufsuchen. Sie fanden das Hotel und sagen dem Padischah: „Er wohnt in dem und dem Hotel.“ Da sagte der Padischah zu einem seiner Adjutanten: „Geh, rufe ihn, er soll kommen und unsere Unaufmerksamkeit verzeihen.“ Als der Adjutant kam und nach oben gehen wollte, sagte der Posten: „Es ist verboten.“ Der Mohr kam heraus und fragte: „Wer ist da?“ Der Adjutant sagte: „Wenn es erlaubt ist, möchte ich den Bej29 besuchen.“ Der Mohr ging hinein, der Prinz antwortete: „Nein, er soll nicht kommen.“ Der Adjutant ging wieder zum Padischah und sagte: „Er hat mich nicht hineingelassen.“ Der Padischah dachte: „Er ist zornig, weil wir ihm nicht entgegengegangen sind. Deswegen ist er ärgerlich.“ Er ging zum Großvezir und sagte: „Rufe du ihn, er möge kommen.“ Er ging, wurde aber wie der Adjutant nicht hineingelassen. Da sagte der Padischah zum Scheich ul Islam: „Geh du hin. Wenn er nicht kommt, werde ich hingehen.“ Der Scheich ul Islam ging hin. Wieder sagte der Posten: „Es ist verboten.“ Der Mohr kam und fragte: „Wer ist da?“ Da sagte er: „Ich bin der Scheich ul Islam. Wenn es erlaubt ist, möchte ich eintreten.“ Der ging und sagte dem Grindköpfigen: „Der Scheich ul Islam ist gekommen. Darf er eintreten?“ Der sagte: „Ja, er mag kommen.“ Der Scheich ul Islam trat ein. Der Grindköpfige stand auf. Der Scheich ul Islam ließ ihn sich hinsetzen, begrüßte ihn und fragte ihn nach seinem Befinden und sagte: „Wie geht es deinem Vater, ist er gesund?“ Er sagte: „Es geht ihm gut, er läßt euch grüßen.“ Der Scheich ul Islam sagte: „Dein Vater ist ein sehr guter Mann. Er war mein Schulkamerad.“ Nachdem sie sich gegenseitig nach ihrem Befinden erkundigt hatten, sagte der Scheich ul Islam: „Komm doch, bitte. Unser Padischah wünscht dich zu sehen.“ Da sagte der Grindköpfige: „Ist das bei euch so Sitte?“ Der antwortete: „Was verlangst du?“ Er antwortete: „Ich verlange eine Regimentskapelle und ein Regiment Kavallerie.“ Er ging zum Padischah und sagte es ihm. Der antwortete: „So soll es sein.“ Alle Vezire holten ihn mit Ehrenbezeugungen in den Palast. Sie unterhielten sich im Palast bis zum Abend. Alle Anwesenden entfernten sich. Als sie allein waren und nur der Padischah und der Grindköpfige allein waren, ging die Tochter des Padischahs spazieren. Sie war in den Grindköpfigen verliebt, nimmt ein Tuch und schickt es durch eine Sklavin zu ihrem Vater. Damals herrschte die Gewohnheit, wenn ein Mädchen sich in jemand verliebt hatte, so schickte sie ihm solche Zeichen. Der Padischah verstand, daß seiner Tochter der Grindköpfige gefiel. Der Padischah dachte nach. Da sagte der Grindköpfige: „Mein Padischah, woran denkst du?“ Der erklärte ihm die Sache. Dieser sagte: „Sehr wohl, mein Padischah, aber ohne die Erlaubnis meines Vaters und meiner Mutter geht es nicht.“ Der Padischah sagte: „Ich werde an deinen Vater und Mutter schreiben, um die Erlaubnis zu erlangen. Ich werde einen Brief mit der Post schreiben.“ Der antwortete: „Wenn ich nicht selber hingehe, ist es unmöglich. Nach drei bis fünf Monaten werde ich hingehen und die Erlaubnis holen und wiederkommen. Dann mag es sein, wie du gesagt hast.“ Der Padischah: „Es ist nicht nötig, daß du selber hingehst.“ Er schrieb einen Brief und gab ihn dem Tataren. Der stieg auf den Dampfer und fuhr nach Indien. Eines Tages kam er in Indien an, ging zum Padischah und gab den Brief dem Padischah. Der Padischah saß in der Versammlung, öffnete den Brief, sah ihn an, legte ihn wieder in den Umschlag und steckte ihn in die Tasche. Als er am Abend nach Hause gekommen war, las er ihn und lachte. Seine Frau sagte: „Was lachst du?“ Er sagte: „Irgend ein junger Mann ist zum Padischah gegangen, hat ihn überredet, daß er der Sohn des Padischahs von Indien sei. Der ist bereit, ihm seine Tochter zu geben. Der junge Mann hat uns als seine Eltern angegeben und gesagt, daß es ohne unsere Erlaubnis nicht anginge. Der Padischah hat deswegen an uns geschrieben. Was soll man da tun?“ Seine Frau sagte: „Das ist ja gut. Ohne uns zu sehen, hat er uns als Eltern angenommen. Deswegen wollen wir, indem wir sagen: ‚Sehr gut, wir sind damit einverstanden‘, morgen einen Brief schreiben und von dem, von meinem Vater ererbten Vermögen einen Dampfer ausrüsten und als Geschenk schicken.“ So taten sie. Das Schiff mag nun nach Stambul gehen! Unsere Geschichte kehrt jetzt zu dem Grindköpfigen zurück. Seitdem der Dampfer nach Indien gefahren war, hatte er keinen ruhigen Schlaf gehabt. Was sollte er machen? Er schlief nicht, in dem Gedanken: „Wenn sie sagen, der Sohn des Padischahs von Indien hat keinen Sohn, werden sie mich sofort töten.“

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