Note 20 — Fußnoten
Reading edition
Hier wird es am Platze sein, der Studie zu erwähnen, welche der bekannte Psychiater Dr. M. Tschiž im Jahre 1885 unter dem Titel „Dostojewsky als Psychopathologe“ in Moskau publizierte. Es ist für uns sehr wichtig, gerade aus dem Munde eines bedeutenden Fachmannes eine Belehrung darüber zu empfangen, wie sehr Dostojewskys Lucidität in pathologischen Dingen einerseits durch seine eigenen Krankheits-Erscheinungen erhöht wurde, anderseits aber durch die Fülle seiner psychologischen Beobachtungen und Erfahrungen eine Klarheit und Bestimmtheit gewann, welche Krankhaftigkeit geradezu ausschliesst. Nachdem Tschiž den Beweis erbracht hat, dass Dostojewsky in den 25 pathologischen Wesen, welche in seinen Romanen vorkommen, die mannichfaltigsten Nuancen mit der feinsten Beobachtung ausgestattet und nirgends einen Strich verzeichnet hat, wobei die Hallucinierenden und Epileptiker vom Dichter als einem „Kompetenten“ behandelt werden, fügt er folgendes hinzu: „Gewiss hat Dostojewskys eigene Krankheit ihm vieles über die krankhaften Zustände der Seele erklärt, und vieles konnte er aus der Selbstbeobachtung schöpfen, doch ist es heute dem Arzt, schon aus Achtung vor seiner Persönlichkeit und seinen Leiden, nicht gestattet, vieles darüber zu sagen. Hier aber trifft ganz besonders zu, was Dostojewsky selbst sagte: „Nicht auf den Gegenstand kommt es an, sondern auf das Auge: ist das Auge da, so findet sich auch der Gegenstand. Habt Ihr kein Auge, seid Ihr blind, so werdet ihr in keiner Sache irgend etwas herausfinden. O, das Auge ist eine wichtige Sache, was für das eine ein Poëm, das ist fürs andere eine Wolke“.“