Note 4 — Zur Einführung.
Reading edition
Merkwürdig ist die Erscheinung, dass bei den Bulgaren sowohl die epischen Lieder aus der älteren Periode als die Hajduken-Epen vorwiegend auf Anlehnung an serbische Originale oder auf unmittelbare Entlehnung aus dem Serbischen hindeuten. Dafür haben die Bulgaren die Sagen, Märchen und Legenden mehr ausgebildet. Die Stoffe sind vielfach orientalischen Ursprungs. Bulgarien hatte es unter türkischer Herrschaft verhältnismässig weitaus besser als die Bewohner der übrigen Provinzen. Bei den Bulgaren entwickelte sich frühzeitig ein beträchtlicher Gewerbefleiss, dessen Erzeugnissen leicht alle Märkte des Orients zugänglich waren. Der regere Handelverkehr und der aufsteigende Volkwohlstand beanspruchten den Bulgaren derart, dass er den Sinn und das politische Verständnis für seine Volkindividualität verloren zu haben schien und bis zum Anfang dieses Jahrhunderts gar keine grösseren Anstrengungen machte, die Türkenherrschaft abzuschütteln. Fanden sich ja erst vor zweihundert Jahren die Rhodopebulgaren sogar bewogen, samt und sonders den Islam anzunehmen.4