Note 2 — Zur Einführung.
Reading edition
Einen neuen mächtigen Impuls, den zweitkräftigsten, seitdem der serbische Volkstamm in der Geschichte aufgetreten, erhielt die epische Volkdichtung in den letzten Dezennien vor der Verdrängung der Türken aus Ungarn. Die ritterlichen moslimisch-slavischen Grenzwächter (serhatlije od ćenara), die beiläufig dreissigtausend2 Mann auserlesener Truppen ins Feld stellen konnten, hatten einen gar schweren Stand, die weithin ausgedehnten Marken des türkischen Reiches im Westen gegen die fortwährenden Anstürme venezischer, deutscher und magyarisch-chrowotischer Kriegscharen zu verteidigen. Die gewaltigen Kriegzüge gegen Österreich boten den Moslimen serbischer Zunge und serbischen Stammes weitaus reichere und für sie erfreulichere Motive für eine epische Volkdichtung dar, als solche in der älteren Überlieferung vorhanden waren. Meine grossen Sammlungen moslimisch-slavischer Epen3 legen ein glänzendes Zeugnis dafür ab, dass das südslavische Volktum in diesen Schöpfungen seinen höchsten und künstlerisch vollendetsten Ausdruck gefunden. Nur die altgriechischen Epen Homers sind den moslimisch-slavischen ebenbürtig, sonst hat kein Volk unter den sog. Indogermanen so gediegenen Reichtum an Volkepen »aus tiefen Furchen seiner Brust« gezogen.