Note 1 — Zur Einführung.
Reading edition
Man soll mich nicht einer übertriebenen Bewertung der Guslarenlieder als eines Borns des ältesten und verbürgtesten slavischen Glaubens und Rechtes zeihen. Ich bin weder der erste noch der einzige, der zur Überzeugung gelangt ist, dass das Slaventum keine ehrwürdigeren, wichtigeren und ergiebigeren Fundstätten für eine Erkenntnis seines Volktums aufzuweisen hat, als es die epischen Überlieferungen, die Guslarenlieder der Serben und Bulgaren sind. Das war auch Maciejowskis Ansicht, eines Mannes, der wie wenige vor ihm, neben ihm und nach ihm in den Geist des Slaventums eingedrungen war. Er kannte freilich nur erst einen geringen Teil dieser Literaturgattung — dies Wort sei mir erlaubt, — und die Bylinen der Russen, wie die Dumen der Kleinrussen berücksichtigt er auch zu wenig, aber zu urteilen war er berechtigt, wenn sonst einer. Er nennt die serbische Guslarenepik eine unvergleichliche Quelle, wie sich einer solchen kein anderes slavisches Volk berühmen könne.1 Dabei lagen ihm erst nur vier Sammlungen vor, von denen er bei der Beschaffenheit seiner Sonderstudien nur einen bescheidenen Gebrauch machen konnte. Nach einer fünfzigjährigen, rastlosen Durchforschung aller erreichbaren altslavischen, geschriebenen Urkunden, gesteht er gepressten Gemütes die Unzulänglichkeit seiner Arbeiten ein und setzt seine Hoffnung für eine gedeihliche Weiterführung und Vertiefung seiner Untersuchungen auf die Tätigkeit seiner Nachfolger, die Sitten und Bräuche der Slaven erforschen werden.2 Meine zwar auch nicht vollständige Handbibliothek gedruckter serbischer und bulgarischer Guslarenliedersammlungen zählt sechzig Bände, und auf jeden kommen durchschnittlich 5400 Verse. In verschiedenen Zeitschriften, Jahrbüchern und Bauernkalendern finden sich auch noch gehäuft 40 000 Verse vor. Ausserdem besitze ich meine eigenen, bis nun ungedruckten Sammlungen (172 000 Zeilen), die ich aus kritischen Erwägungen als belangreicher für die Wissenschaft erachte, denn alles, was anderweitig bis zur Zeit von dieser Art dargeboten worden ist. Es sind mir für meine speziellen Monographien in runder Zahl an Guslarenliedern 500 000 Zeilen zu Handen, so dass ich mir für eine Menge bedeutender und unbedeutender Fragen hinsichtlich des slavischen Volktums zuverlässige Belehrung aus überquellendem Füllhorn holen kann.