Note 44 — Hexen.
Reading edition
»Es war einmal ein Graf, der hatte eine einzige Tochter. Diese Tochter war ein sehr übermütiges und verwöhntes Kind. Als sie herangewachsen, schickte man sie in die Schule. Die Lehrerin, zu der man sie in die Schule schickte, war eine Hexe, von der die Kinder blutwenig lernten. Sie pflegte kaum in die Schulstube zu kommen, um die Kinder zu ermahnen, dann ging sie wieder hinaus und kam erst zurück, wenn es Zeit war, die Kinder zu entlassen. Wenn die Hexe zufällig draussen eines ihrer Schulkinder erblickte, so schlug und prügelte sie es wie ein stummes Tier. Als nun des Grafen Töchterlein zum erstenmale die Schule besuchte, die Lehrerin aber sich gar nicht blicken liess, so ging das Mädchen hinaus, um doch zu sehen, wo die Lehrerin bleibe. Sie kommt hinaus, schaut in die Luft und da gewahrt sie ihre Lehrerin oben, wie sie eben Kinder abwürgt. Wie das Mägdlein aber von der Lehrerin erblickt wurde, so drohte ihr diese von oben herab. Als die Schule aus war, kehrte das Mädchen heim und fand den sämtlichen Viehstand zu Hause verendet. Als sie am nächsten Tage aus der Schule nach Hause kam, da fand sie die Diener und die Dienerinnen tot. Am dritten Tage waren Vater und Mutter tot und das ganze Haus nur mehr ein Trümmerhaufen. Dies alles hatte die Lehrerin-Hexe verbrochen.« — Im weiteren Verlauf des Märchens spielt die Hexe die bekannte Rolle der bösen Schwiegermutter, die die Kinder ihres Sohnes und der ihr missliebigen Schnur immer mit jungen Hunden und Katzen vertauscht und so bewirkt, dass der Sohn seine Frau einmauern lässt. Schliesslich stellt sich aber durch Gottes Wunder der wahre Sachverhalt heraus und die Anstifterin alles Unheils erleidet das Schlimmste. In unserem Märchen wird sie gleichfalls eingemauert.44