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Slavische Volkforschungen

Note 38 — Hexen.

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Es war einmal ein Mann und ein Weib. Nach einiger Zeit starb der Mann. Sein Weib blieb nach ihm schwanger. Sie war aber eine Hexe (vešća). Und sie brachte ein allerliebstes Töchterlein zur Welt, doch auch die Tochter war eine Hexe. Als das Mädchen herangewachsen war, kamen aus aller Herren Länder Burschen zu ihr auf die Freite. Doch sie wandte ihre Gunst, oder tat wenigstens so, einem Burschen zu, der aus demselben Orte, wie sie, war. Eines abends kam der Bursche noch mit einem Freunde zu ihr auf Besuch.38 Nachdem sie schon lange Zeit dagesessen, schlief der Freier ein. Sein Freund lehnte sich an die Wand und tat so, als ob auch er schliefe. Da fingen das Mädchen und ihre Mutter, denn diese sass auch da, untereinander zu besprechen an, was sie dem Freier antun sollen. Schliesslich sagte die Tochter: »Wir reissen ihm das Herz heraus, braten es und verspeisen es.« Gesagt, getan. Sie nehmen dem Freier das Herz heraus, schieben es in den Ofen hinein und sagen: »Holen wir uns inzwischen, bis das Herz gebraten wird, Brod und Wein, und dann haben wir ein schönes zweites Nachtmahl.« Bevor sie hinausgingen, sagte noch die Mutter zur Tochter: »Nun, wenn der sein Herz in drei Bissen wieder aufässe, das Herz wüchse ihm wieder nach.« Der Freund, der nur so tat, als schliefe er, hatte die ganze Unterredung mit angehört, und nahm, sobald die zwei Frauen hinausgegangen waren, das Herz aus dem Ofen und steckte es in die Tasche. Dann ging er hinaus, nahm einen — ich bitt um Entschuldigung — Dreck und legte ihn ins Feuer, damit er statt des Herzens brate. Die Zwei kommen zurück, nehmen das Ding vom Feuer und fangen zu essen an. »Mir will es aber stark scheinen«, sagte die Mutter zur Tochter, »als ässen wir Dreck.« »Scheint mir auch so; dieses Herz ist gar nichts nutz.« Jetzt erwachten die zwei Burschen und gingen heim. Als sie sich vor dem Hause befanden, sagte der Freier zu seinem Freunde: »Du hör mal, mir scheint es, als wär ich ohne Herz. Ich hör gar nichts, als ob etwas da drinnen pochen tät. Halt mich, ich fall um.« Da nahm der andere ein Stück vom Herzen des Freiers aus der Tasche, reichte ihm’s und sagte: »Geh, iss davon ein bisschen, vielleicht fühlst dich drauf etwas leichter.« Der nimmt’s, isst’s auf und antwortet: »Na, jetzt wird mir schon etwas leichter; ich hör schon ein wenig mein Herz pumpern.« »Da nimm noch ein Stück, vielleicht fühlst du dich drauf noch etwas leichter.« Der isst auch das zweite Stück hinunter und meint: »Jetzt ist’s mir noch besser.« Der Freund gibt ihm drauf das dritte und letzte Stück. Nachdem er es aufgegessen, sagte er: »Na, jetzt fühl ich, dass ich mein Herz ganz habe und dass es wieder wie früher regelmässig schlägt.« Nun erzählte ihm der Freund haarklein, was er belauscht, wie die zwei Weiber das Herz herausgerissen, in den Ofen gesteckt und darauf gesagt hätten, wenn er das Herz auf dreimal aufässe, es tät ihm wieder nachwachsen und werden, wie es früher gewesen. Am darauffolgenden Tag begaben sie sich zu Gericht und machten davon die Anzeige. Als das Gericht die zwei Weiber vorgeladen und ins Kreuzverhör genommen, da läugneten sie zuerst Stein und Bein alles ab, nachher aber bekannten sie doch ihre Untat. Und das Gericht liess Beide aufknüpfen.

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