Note 35 — Hexen.
Reading edition
Wenn ein junger Mann eines plötzlichen Todes stirbt, oder ein allgemeines Sterben der kleinen Kinder von 1–6 Jahren eintritt, so macht der Volkglaube die Hexen dafür verantwortlich. Die Montenegrer glauben, dass ein Weib, das zur kinderfressenden Hexe werden will, vor allem ihr eigenes Kind auffressen muss, ehe sie andern Kindern etwas anhaben kann.35 Ferner glaubt man, dass eine Hexe das Kind völlig fremder Leute nicht fressen darf, sondern bloss solche Kinder, die der Sippe, aus der sie selbst ist, abstammen.36 Wenn eine Hexe einen schlafenden Menschen wo überfällt, so versetzt sie ihm mit ihrem Zauberrütlein einen Streich über die linke Brustwarze, worauf sich dessen Brustkorb öffnet. Die Hexe reisst nun sein Herz heraus, frisst es auf und dann wächst die Brustwunde von selbst wieder zu. Manche so ausgeweidete Menschen sterben auf der Stelle, andere wieder schleppen ihr Dasein noch einige Zeit weiter, so viel Lebenfrist ihnen eben die Hexe nach der Tat noch zu bescheiden für gut befunden; ja, sie bestimmt ihnen noch die besondere Todart, wie sie sterben sollen.37