Note 23 — Hexen.
Reading edition
Als Hauptversammlungort der Hexen von Syrmien wird ein alter Nussbaum23 bei dem Dorfe Molovina bezeichnet. Auch in einem sicilianischen Zauberspruch (vrgl. Ausland 1875, St. 3) ist von den Geistern des Nussbaumes die Rede. Sie heissen diavuli di nuci. »Die neapolitanischen streghe versammeln sich unter einem Nussbaum bei Benevent: das Volk nennt es die Beneventsche Hochzeit; gerade an diesem Ort stand ein heiliger Baum der Longobarden.« (Grimm. D. M. S. 1005.) Die älteste Nachricht über diesen Glauben bei den Südslaven findet sich bei dem Ragusäer Dichter I. Gundulić (1588–1638). Im II. Gesange seines Epos »Osman« (zuerst erschienen 1621) sucht der Vezir Dilaver den jungen türkischen Kaiser Osman zu überreden, er soll die Mutter seines vom Throne gestürzten Vorgängers, eine gefährliche alte Hexe, die ihm, Osman, nach dem Leben trachtet, baldigst aus dem Wege räumen. Der Dichter schildert das Treiben der Hexe nicht getreu nach dem südslavischen Volkglauben, denn aus Strophe 36 und 37 geht hervor, dass er mit dem abendländischen, oder genauer italienischen Hexenglauben wohl vertraut ist. In der ersteren Strophe ist der Zug, dass die Hexe nachts auf einem Bock durch die Lüfte reitet, dem südslavischen Volkglauben ganz und gar fremd. Die Stelle lautet (Strophe 38 und 39, »Osman«, II. Aufl. Agr. 1854, S. 20 f.):