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Slavische Volkforschungen

Note 20 — Hexen.

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Die Klasse von Geistern, zu der man die Vilen zählen muss, liebt es, wie es die Mythen aller Völker erzählen, mit dem Menschen in die vertrauteste Verbindung zu treten. Wenngleich die Vila ein geisterhaftes Wesen ist, sucht sie doch den Umgang des Menschen. In der Heidenzeit betrachtete man es als eine aussergewöhnliche glückliche Auszeichnung für einen Sterblichen, wenn er von einer Waldfrau geliebt wurde, in christlicher Zeit verschoben sich die Anschauungen. Die Waldfrau erscheint mitunter als ein armes, verlassenes Wesen, das des ewigen Heils unmittelbar nicht teilhaftig werden kann und wenigstens mittelbar durch die Berührung mit Getauften Erleichterung erhofft und findet. Eine Sage (Sdsl. S. u. M. Stück 90, S. 413) erzählt, dass Vilen an einem Jüngling solches Wohlgefallen fanden, »dass sie ihn zu sich in die Baumhöhle mitnahmen und drum waren sie in ihn verliebt, weil sie durch ihn nach der Taufe dufteten« (»da su po krstu dišale«). Vilen entführen auch Kinder, die schon getauft sind und ziehen sie gross.20 Solche Auserwählten darf man im Gegensatze zu den nichtgetauften Vile, als die Getauften, d. h. Krstniki κατ’ ἐξοχήν benennen. Die Günstlinge der Vilen konnten wohl auch als Fürsprecher für ihre Mitmenschen gelten; diese Auffassung wird durch eine ganze Reihe Vilensagen bekräftigt. Die Krstniki erscheinen demnach im Volksglauben als die Beschützer der Menschen. Man war aber gewohnt, die Krstniki immer in einem nahen Verhältnisse zu den Vilen zu denken. Sobald sich nun die Vilen zu coprnice wandelten, musste notwendigerweise das alte freundliche Verhältnis in ein feindliches verändern. Die Krstniki beschützen nicht mehr die Welt durch ihre Fürsprache, sondern durch offenen Kampf, den sie mit den Vilen (= copernice) auszufechten haben. — Nach dieser Deutung ist die erste Sage, sehr jungen Ursprungs, und es fragt sich, ob das Ausreissen der Stoppeln und Stümpfe, die nach der Ernte im Boden zurückgeblieben, in irgend einen Zusammenhang mit den Krstniki überhaupt gebracht werden darf, oder ob wir nicht vielmehr einen traditionellen Zug vor uns haben, der auf einen alten Bodenzauber hinweist. Dies dürfte man aber nur dann annehmen, wenn die Stoppeln verbrannt würden. Es ist sonderbar, dass nur die Slovenen um Görz, nicht aber auch die übrigen Südslaven diesen Brauch üben, auch scheut sich der Südslave zufolge eines allgemeinen Glaubens, selbst eine abgestorbene Pflanze mit der Wurzel auszureissen, denn man reisst dadurch, glaubt man, seiner verstorbenen Mutter oder Grossmutter im Grabe die Haare aus. In Maisfeldern werden z. B. im Savelande nach der Ernte die Stöcke, sobald sie vollständig getrocknet sind, unten an der Wurzel abgeschnitten; (man benützt die trockenen Stangen zur Feuerung.) Wer den Charakter des südslavischen Bauernvolkes kennt, der weiss auch, dass der Bauer nur so viel arbeitet, als er muss, um nicht mit den Seinigen zu verhungern. Zu solchen überflüssigen Arbeiten, wie das Ausziehen der Stoppeln und Stumpfen, kann ihn nicht einmal die Furcht vor Hölle und Teufel bewegen.

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