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Slavische Volkforschungen

Note 55 — Hexen.

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Man vrgl. den ähnlichen Glauben bei Panzer (in den Beiträgen II. S. 302), wo von einem Sägeschmied in der Oberpfalz erzählt wird, dass er jedesmal, wenn er fieberte, einen Geisterbanner kommen liess, der die Türschwelle aushob, den Geist bannte und ihn in einen Weidenbaum einkeilte. In dem Keile steckt nach dem Volkglauben die Seele des Dämons. Am ersten Maitag, zu Pfingsten oder am Abend des 23. Juni findet in deutschen, westslavischen, französischen und anderen keltischen und romanischen Landschaften folgender Brauch statt: Man zieht in grosser Schar in den Wald, bringt grüne Büsche und junge Bäume, vorzugweise Birken oder Tannen mit heim, welche vor der Tür oder auf dem First des Hauses, auf die Düngerstätte oder vor dem Viehstall aufgepflanzt werden, und zwar hier gerne für jedes Stück Vieh (Pferde und Kühe) ein besonderes Bäumchen. Die Kühe sollen dadurch milchreich, die Hexen vertrieben werden. Vrgl. die reichen Nachweise bei Mannhardt a. a. O. S. 160 ff. Bei den Čechen lässt die Hausfrau am Palmsonntag Birken und Pimpernusszweige weihen, um damit am Kuhfeste die Kühe rückwärts aus dem Stalle zu treiben. (Reinsberg-Düringsfeld, Festkalender aus Böhmen S. 110.) Im Böhmerwalde schlägt man am 1. Mai das Vieh mit Birkengerten. Ein Schlag mit dieser Rute schützt ein Haustier das ganze Jahr vor tötlicher Verwundung. (E. Rank, Aus dem Böhmerwalde S. 127.) Auch bei den Ruthenen findet das Kälberquicken mit Birkenruten und Haferhalmen statt. In der Normandie schlägt man die Kühe, um sie milchreich zu machen, dreimal mit einer Haselrute auf die Seite. (De Nore, Coutumes, mythes et traditions p. 270.) Eine Hexe bekannte in Hessen 1596: »Wenn sie auf Wallburgtag eines Nachbarn Kue mit einem Rüdtlin in Teufels Namen geschlagen habe, sie das ganze Jahr über obige Kue melken könne. Solches Rüdtlin habe sie in ihrem Stalle stehen gehabt.« Weitere Nachweise ähnlicher Bräuche bei Mannhardt a. a. O. S. 272 ff. In der Altmark ziehen am Fastnachtabend die Knechte mit Musik von Hof zu Hof und stäupen mit Birkenreisern, fein nach der Ordnung zuerst die Hausfrau, dann die Töchter, zuletzt die Mägde. (Kuhn, Märkische Sagen, S. 307.) Die Birkenreiser sind die Lebensruten, mit denen man zu verschiedenen Zeiten Leute schlägt, damit es ihnen wohl ergehe. Wenn man die Hexen gleichfalls mit Birkenreisern schlägt, so will man dagegen den bösen Zauber aus ihnen herausschlagen. Vrgl. Mannhardt a. a. O. S. 251 ff. Wir erinnern in Bezug auf den erwähnten Brauch der Lebensrute an die südslavischen »mladijenci« (Verjüngungtag), die auf den 4. Tag nach dem Weihnachtabend fallen. Die Mutter schlägt ihre Kinder mit grünen Reisern und spricht dabei: »Lass das Böse und nimm das Gute! Lass Krankheit und Leid und ergreife die Gesundheit!« Vrgl. die ausführliche Schilderung bei Vrčević in »Tri glavne narodne svečanosti« Pančevo 1883. S. 19. Sehr wertvoll ist Friedrich Kunzes Monographie: Der Birkenbesen. Ein Symbol des Donars. Eine mythologische Untersuchung. Intern. Archiv f. Ethnogr. XIII. Leiden 1900. S. 88–97 u. 125–162.

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