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Slavische Volkforschungen

Note 60 — Hexen.

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Es war einmal eine Gräfin, die hatte ein kleines Töchterchen. Die Kleine ging einmal in den Wald und verirrte sich darin. Als sie so hin- und herirrte und weinte, erblickte sie in weiter Ferne ein kleines Häuschen, zu dem lenkte sie ihre Schritte. Als sie dort ankam, pochte sie an der Türe an. Jemand rief von drinnen: »Herein«. — Das Mädchen öffnete die Türe und trat in die Stube ein und erkannte gleich beim ersten Blick, dass sie sich in der Behausung einer Hexe befinde. Die Hexe sprang sogleich auf sie los, stach ihr die Augen aus und jagte sie so lange um den Tisch herum, bis sich die Kleine ganz wund schlug; dann aber trieb sie sie ins Bett. Am nächsten Tage ging die Alte irgend wohin in den Wald und das Mägdlein blieb allein zu Hause. Das arme Kind war vollkommen blind und sass traurig in einem Winkel. Auf einmal hörte sie ein Vöglein singen und vernahm deutlich seine Worte: »Öffne den Kasten, der dort steht, nimm das Fett heraus, das sich darin befindet und bestreich dir damit die Augen.« — Das Mägdlein tappte nach dem Kasten, schloss ihn auf, nahm das Fett heraus, bestrich sich die Augen damit und ward auf der Stelle wieder sehend. Jetzt schaute sie sich nach dem Vöglein um und entdeckte es in einem Käfig. Sie trat zum Vöglein hin und sprach ihm ihren Dank aus, und das Vöglein entgegnete ihr: »Ich habe dir nicht ganz umsonst geraten, ich fordere einen Gegendienst. Du sollst mir den Kopf abschlagen; ich bin nämlich so wie du ein verzaubertes Mägdlein und kann wieder meine ehemalige Menschengestalt erlangen, wenn du mir den Kopf abschlägst. Ich verstehe mich nicht wenig auf Hexenkünste und werde leicht Mittel und Wege finden, um uns Beiden aus der Klemme zu helfen.« — Gut. Das Mägdlein schlug dem Vöglein das Köpfchen ab und das Vöglein verwandelte sich augenblicklich in eine schöne Maid. Ohne auch nur einen Augenblick zu zögern, ergriffen die zwei Mädchen die Flucht durch den Wald. Als inzwischen die Hexe nach Haus kam und die Mädchen nicht mehr vorfand, sattelte sie rasch eine Wildsau und setzte den Fliehenden nach. Wie sie ihnen schon, wie man sagt, auf den Fersen war, merkte das Mädchen, das sich auf Hexenkünste verstand, dass ihnen die Hexe nachsetzte und sagte zu ihrer Fluchtgenossin: »Hörst du, wie sie hinter uns einherjagt? — Doch, ich kann ja hexen: du sollst dich in ein Fischlein verwandeln, ich verwandle mich in eine Lache.« — Sie hatte noch nicht recht diese Worte ausgesprochen, so war die Verwandlung auch schon geschehen. Als die Hexe fort war, verwandelte das kundige Mädchen sich und ihre Genossin wieder in Menschengestalt und sie setzten ihre Flucht fort.60 Auf einmal vernahmen sie hinter sich Pferdegetrappe; das eine Mädchen hörte die Stimme ihres Vaters und sagte zum anderen: »Hier wollen wir warten, man sucht mich.« — Kaum hatte sie dies gesprochen, war ihr Vater auch schon zur Stelle und hob Beide zu sich auf den Wagen, den Soldaten aber, die er mit sich führte, befahl er, der Hexe aufzulauern, sie festzunehmen und ins Schloss zu befördern. Die Hexe wurde wirklich bei ihrer Rückkehr festgenommen, gefesselt und ins Schloss gebracht. Zur Strafe musste sie eine ganze Woche lang auf der Sau herumreiten und wurde schliesslich am achten Tage der Sau zum Frasse vorgeworfen.

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