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Slavische Volkforschungen

Note 59 — Hexen.

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Es waren einmal eine Mutter mit einem kleinen Kinde, das sie vor kurzem zur Welt gebracht. Da sie ein armes Weib war, konnte sie keine Gevatterin finden. Nun begegnete ihr einmal auf dem Wege, als sie auf Arbeit ging, eine Hexe und sie bat sie ihrem Kinde Gevatterin stehen zu wollen. Nach der Taufe sagte die Gevatterin zur Mutter, sie möge sie einmal besuchen, wenn das Kind etwas grösser geworden. Nach geraumer Zeit machte sich die Frau auf den Weg zur Gevatterin in ihr Schloss. Vor dem Schlosstore angelangt, fielen ihr zwei Hähne auf, die als Torwächter auf und abgingen. Sie schritt vorbei, kam in die Küche und erblickte Schürhaken und Schaufel gegeneinander schlagend und herumtanzend. Als sie auf den Söller kam, sah sie in dem ersten Zimmer nur Blutlachen, im zweiten Zimmer nur Fleischstücke, im dritten lauter Hände und Füsse, und als sie durchs Schlüsselloch ins vierte hineinlugte, gewahrte sie die Gevatterin, mit einem Pferdekopfe auf dem Haupte, damit beschäftigt den Pferdekopf zu lausen. Kaum trat sie in die Stube hinein, schleuderte die Gevatterin den Pferdekopf unter den Stuhl, und der Besuch fing ihr zu erzählen an, was für Merkwürdigenkeiten sie im Hinaufgehen gesehen: »Beim Eingang ins Schloss sah ich zwei Hähne als Torwächter.« — »Das sind«, erklärte die Alte, »meine Wächter.« — »Im Hinaufgehen sah ich in der Küche Schürhaken und Schaufel tanzen.« — »Das ist meine Dienerschaft, sie feiert Hochzeit und erfreut sich am Tanz.« — »Als ich schon oben am Söller war, sah ich ein Zimmer voll Blutlachen.« — »Das ist mein Wein.« — »Im zweiten und dritten Zimmer sah ich lauter Fleischstücke.« — »Das ist mein Braten.« — Hierauf ging die Hexe hinaus, brachte Blut und Fleisch und bot es der Frau zu essen und zu trinken an, doch die weigerte sich beharrlich auch nur das Geringste zu sich zu nehmen. Beim Abschiede gab ihr die Hexe das Vortuch voll Kohlen und schärfte ihr ein, sie nicht wegzuwerfen, wofern sie etwas Gutes zu haben wünsche. Auf dem Wege aber fiel der Frau ein Teil davon aus der Schürze und sie fand es nicht der Mühe wert, das zu Boden Gefallene mehr aufzulesen. Wie sie nach Haus kam, warf sie verächtlich die Kohlen auf den Tisch, und siehe da! — es war lauter blankes Gold.59 Jetzt tat es ihr freilich leid um das, was sie weggeworfen, und sie tummelte sich an den Ort zurück, um es aufzulesen, doch es war keine Spur mehr von den Kohlen, ebensowenig auch von einem Schlosse zu entdecken. Da ward es der Frau klar, dass sie es mit einer Hexe zu tun gehabt.

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